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Vorwort

 

Wir schreiben das Jahr 2125.

Die ganze Welt ist von den Briten besetzt ...

So, oder so ähnlich wird man vielleicht in einigen Jahrhunderten, einen Roman beginnen, der in unserer Zeit spielt. Aber natürlich ist das so nicht ganz richtig.

Es stimmt zwar, dass das Emperium Britanium eine, wenn nicht sogar die dominanteste Weltmacht darstellt, aber mit der Wiederentdeckung der Magie werden die Karten ganz neu gemischt. Nicht umsonst kommt das Britische Großreich den Freiheitsbestrebungen besonders thaumaturgisch aktiver Kolonien, wie zum Beispiel Australien oder Neuseeland zuvor und entlässt sie zügig in die Unabhängigkeit, freilich mit weiterhin enger wirtschaftlicher und militärischer Verbundenheit zum Mutterland.

Doch das Aufkommen der Magie ist nicht die einzige Überraschung, die unser Zeitalter bereithält.

Ein Zeitalter, wie geschaffen für zwei unternehmungslustige Personen, die es lieben Rätsel zu lösen und ihre Nase in alle möglichen Dinge zu stecken, ganz besonders in solche, in denen sie nichts zu suchen haben.

Unsere Abenteuer habe ich so getreu wie möglich wiedergegeben, wenngleich ich mitunter Orte, Personen und brisante Fakten verändern musste, um Staatsgeheimnisse nicht zu gefährden, oder um die Privatsphäre Unschuldiger zu wahren.

Dennoch hege ich die Hoffnung, dass unsere Fälle zu Ihrer geneigten Erbauung beitragen.

 

 

In höflicher Zuneigung

Conan Doyle Watson, M.D.

Eine seltsame Kanadierin

 

Ich traf das erste Mal auf Cher bei einer Anatomie-Vorlesung für Examenskandidaten.

Ihr karottenrotes Haar stand borstig und wild in alle Richtungen und man musste keine neun Semester studiert haben um ihren beinahe strahlend blauen Augen anzusehen, dass sie unter Strom stand, Amphetamine vermutete ich damals. Während wir anderen Anzüge oder zumindest feineren Zwirn unter unseren weißen Kitteln trugen, hatte sie ein weiß-blau gestreiftes T-Shirt und eine schwer abgenutzte Blue-Jeans darunter. Sie passte ungefähr so gut in unsren erlauchten Kreis von zukünftigen Medizinern, wie ein Nilpferd in eine Ballettruppe; ich neige sogar zur Behauptung, dass man das Flusspferd mit weniger Skepsis betrachtet hätte.

Sie war mit knapp 1.80 Meter durchaus groß für eine Frau, und, wenn man sich nicht von dem beinahe zu schlanken Wuchs täuschen ließ, voller Spannkraft wie, ein Profi-Athlet.

Die meisten bemerken das aber nicht, wie ich inzwischen weiß, und fallen auf die bewusst angelegte Täuschung herein. Doch ich will nicht vorgreifen.

Sie wurde uns als Cher Loque Homes vorgestellt, ein Gast aus Kanada, was natürlich ihre unangemessene Erscheinung nicht entschuldigte, aber erklärte.

In den 'Kolonien' hatte die hoch gepriesene neue Freizügigkeit schon immer tadelnswerte Auswüchse angenommen.

Unwillkürlich rückte man ab von dem Eindringling in die gute bürgerliche Etikette des Empire Britanium. Was mich geritten hat, kann ich nicht sagen, aber mich machte diese junge Frau neugierig, und was viel wichtiger war, ich glaubte die Geschichte von dem Gast aus Kanada nicht eine Sekunde.

Ich muss unwillkürlich die Augenbrauen hochgezogen haben, ein nerviger Reflex, wenn ich anderer Meinung bin oder der Ansicht, dass man mich belügt. Nicht nur einmal hat man mir bestätigt, dass mein Gesicht ein offenes Buch zu meinen Gefühlen wäre, was einem kultivierten Briten zwar auch nicht gut anstand, aber einem anstehenden Heiler wohl zu vergeben war. Immerhin wird eine gewisse Empathie von einem Arzt vorausgesetzt. Solange ich also nicht in Tränen ausbrach oder bei einer Leichenbeschauung anfing meinen Mageninhalt zu entleeren ...

Mir entging beinahe das interessierte Aufblitzen in Chers Augen, so gut hatte sie ihr Minenspiel im Griff. Wäre nicht Professor Malcolm mit seinem langwierigen, aber leider auch sehr detailreichen Vortrag gewesen, ich hätte mich womöglich gewundert.

 

Ich war Ende 20, nicht gerade besonders attraktiv und einer der Ältesten unter den Examenskandidaten.

Mit Achtzehn, genau zwei Tage nach meinem Geburtstag, kaum noch nüchtern zu nennen von der hochgeistigen bzw. hochprozentigen Party, hatte ich mich zu den 'Empire Forces' gemeldet, dem Fleisch, welches das stählerne Rückgrat des Emperium Britanium ummantelte.

Gut, das ist eine hochtrabende Bezeichnung für die gemeinen Fußtruppen, aber das Ganze wird mit so viel Pathos und Patriotismus gewürzt, dass sich das für einen jungen Mann anhört, als träte er der Paladin-Garde des Imperators persönlich bei.

Das Empire umfasste damals schon große Teile Indochinas, durch Protektorate, Bündnisse und Allianzen de facto Mitteleuropa, ein paar Kolonien in Afrika und den Bereich um Edo, die sogenannte Tokio-Enklave.

Hong-Kong war gerade an das neokommunistische Reich des Drachens zurückgefallen und Kanada sowie Australien mit Neuseeland in die Unabhängigkeit entlassen worden.

Wir lagen nach wie vor im Clinch mit der russischen Zarenrepublik unter Vlad Putin IV. und der Krim-Konflikt, den man nach über 120 Jahren meinetwegen langsam mal als ausgewachsenen Stellungskrieg bezeichnen durfte, ging in eine neue kalte Phase.

Die vereinigten Amero-Indianischen Staaten, kurz UAS hielten sich wie immer aus allem heraus, schwangen große Reden von Freiheit und Demokratie, hatten sich jedoch immer noch nicht vom Würgegriff des Terrors erholt und die Hosen gestrichen voll, sich nochmal mit Ländern anzulegen, die sich nicht scheuten, den Krieg auch mit 'alternativen' Mitteln auszutragen.

Warum das Empire den UAS weiterhin die Stange hielt, verstand ich damals nicht und war, wie die meisten jungen Leute des Empires, voller Verachtung für die einst so stolze Nation, die sich durch ihre unkluge Rüstungs- und Umweltpolitik selbst ruiniert hatte und gerade erst wieder dabei war, wirtschaftlich eine Rolle zu spielen.

Ich war in Japan, Pakistan, Neuseeland und zuletzt an der Krim stationiert und hatte durchaus einige Kampfeinsätze. Zuletzt hatte ich mich als Sanitäter ausgezeichnet und als meine acht Jahre um waren, wurde ich, als eine Art Entschädigung, vom aktiven Leutenant zum Captain der Reserve befördert und ausgemustert.

Meine Einheit war in einem winzigen Ort der ehemaligen Ukraine in den Hinterhalt einer thaumaturgischen Einheit geraten und die meisten hatten es nicht überlebt. Die Wenigen, die davon gekommen waren, wünschten sich manchmal, sie wären es nicht.

Mich hatte man als erkennbaren Sanitäter 'geschont', denn es galt nach wie vor als unzivilisiert auf unbewaffnete Heiler unnötig schwere Angriffe zu verüben. Umso schlimmer war der Vorfall, weil die 'Hexer-Einheit' verbündete deutsche Thaumaturgen waren, die falsche Koordinaten bekommen hatten. Natürlich galt es die ganze Sache höchst diskret zu behandeln, da erstens der Einsatz von Magie gegen Soldaten immer noch als höchst grausam galt und zweitens die Deutschen da ohnehin empfindlich waren und nur durch eine sorgsame Zuckerbrot und Peitschen-Politik des Empires überhaupt dazu zu bewegen waren, ihre hervorragend ausgebildeten Magier-Einheiten zu etwas anderes als Überwachungs- und Rettungs-Operationen zur Verfügung zu stellen.

Ich mache ihnen da keinen Vorwurf. Wenn man mir die Schuld an zwei der vier größten Kriege der Neuzeit geben würde ...

 

Um es kurz zu machen: Nach einem halbjährigen Aufenthalt in einem der besten druidischen Heilungs-Haine, war ich wieder soweit hergestellt um meine 'Kriegsentschädigung', die Ausbildung zum graduierten Mediziner, antreten zu können.

Meine thaumaturgischen Fähigkeiten sind zwar vergleichsweise lächerlich, doch da ich mich eher auf Allgemeinmedizin spezialisierte, also dem Behandeln von Husten, Schnupfen und aufgeschlagenen Knien, ein bisschen Impfen und Erstversorgung im Notfall, brauchte ich auch keinen breiten Kanal zu den magischen Energien, die wissenschaftlich zu nutzen, nach dem dritten Weltkrieg zeitgleich in mehreren Teilen der Welt gelang.

Ich stand also nun kurz vorm Examen. Bestnoten würde

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 03-14-2017
ISBN: 978-3-7438-0233-9

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