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Andy S. Falkner

Risikotechnologie

Science Fiction Monologue

Megalomane und Gigantophobe, Band 10

Text & Bild © Andreas Solymosi

Umschlaggestaltung: Judith Solymosi, nach einem Gemälde-Motiv von Vera Solymosi-Thurzó

Einige Darstellungen stammen aus Wikipedia

Alle Rechte vorbehalten

Klappentext

Physik ist eine schmutzige, Mathematik ist eine reine Wissenschaft: Physik kann die Welt (z.B. mit der Atombombe) ins Verderben stürzen. Und die Mathematik nicht?

Risikotechnologie

Ich bin Mathematiker. Ich wünschte, ich wäre es nie geworden.

Robert Oppenheimer war Physiker; er wünschte auch, es nie geworden zu sein. Er hat die Atombombe gebaut und befürchtet, dass sie eines Tages über seinem Kopf explodieren würde. Er hatte Glück, ich nicht. Er erkannte zu spät, welche Verantwortung er für seine wissenschaftliche Tätigkeit hätte wahrnehmen sollen und dass er eine Risikotechnologie geschaffen hatte. Ich ebenso. Über Physik wissen wir es seitdem; über Mathematik erst seit kurzem.

Als ich mich für mein Fach entschied, tat ich dies aus Liebe zur reinen Erkenntnis. Mathematik ist unpolitisch, ist die Quintessenz der menschlichen Vernunft, die Grundlage für alles Wissenschaftliche. Damals als Student glaubte ich sogar an die Erkennbarkeit der Welt und daran, dass die Mathematik die Basis dafür liefere. Später verstand ich sehr wohl ihre Grenzen, die sie selbst erforscht und definiert. Aber ihre Reinheit und Abstraktheit faszinierte mich immer: Mathematik könne nie und nimmer für irgendjemanden schädlich werden.

Wir vier lernten uns gleich in der ersten Woche unserer Studienzeit kennen und bildeten fünf Jahre lang einen unzertrennlichen Freundeskreis. Wir sahen eine starke Konkurrenz ineinander, aber nicht gegeneinander: Wir lernten zusammen, halfen einander und gleichzeitig wollte jeder der Beste sein. Dass wir Erfolg hatten, später auch im Berufsleben, können wir alle dieser gesunden Atmosphäre des harten Arbeitens und dem hohen Maß an Spaß zusammen verdanken.

Spaß hatten wir in erster Linie beim Bridge. Die Regeln dieses Kartenspiels (besonders geeignet für Mathematiker) lernten wir aus einem Buch; die Technik entwickelten wir selber dazu. Es gab keinen in unserer Umgebung, der sie uns hätte beibringen können; so spielten wir nächtelang zu viert auf unsere Weise, wenn gerade keine Prüfungen anstanden. Wir wendeten dabei die Erkenntnisse aus unserem Studium an, speziell aus der Spieltheorie. Uns gefiel die übliche Art des Bridgespielens mit Konventionen und Vereinbarungen beim Bieten nicht: Wir entwickelten ein signalfreies Bietsystem. Wir spielten ausschließlich mit den offiziellen Regeln und ließen keine weitere Informationsübergabe zu. Ohne diese herauszufinden, welche Karten der Partner in der Hand hält, ist es noch viel schwieriger, als wenn bestimmte Ansagen eine vereinbarte Bedeutung besitzen. Das System funktioniert überhaupt nur dann, wenn auch das gegnerische Paar streng und korrekt nach denselben Prinzipien spielt. Deswegen waren wir dazu verdammt, unter uns zu bleiben: Wir konnten gegen niemanden Anderen spielen, weil alle mit irgendwelchem traditionellen System boten. Aber die immer weitergetriebene Verfeinerung unserer Spieltheorie machte uns als Mathematikern unendlich viel Spaß und vertiefte auch unser Verständnis für unser Fachgebiet. Diese fünf Jahre andauernde regelmäßige Übung spielte eine wichtige Rolle in unserem weiteren Erfolg.

Ich blieb an der Uni, wurde Assistent, später Professor. Meine Forschungen führten zu neuen Gebieten der Mathematik, die oft noch gar keine Namen hatten. Aber das Paradigma der Spieltheorie prägte meine ganze Tätigkeit, und in allen mathematischen Objekten sah ich ihre gegenseitigen Interessen, Strategien, Gewichtungen, Bestrebungen, optimierte Verhaltensweisen. Ich war nicht übermäßig erfolgreich, aber auch nicht schlecht. Ich publizierte regelmäßig, leitete meine Forschungsgruppe und trug auf Konferenzen vor, wenn auch meine Ergebnisse kein großes Aufsehen erregten, nicht einmal in Fachkreisen.

Mit Mathematik kann man aber auch Geld verdienen. Peter wurde gleich von seinem ersten Arbeitgeber ziemlich gut bezahlt, damit er seine stochastischen Prozesse untersuchte und die Wertschöpfung des Betriebs optimierte. Peters Tätigkeit brachte seinem Chef viel

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 12-19-2016
ISBN: 978-3-7396-8939-5

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