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An diesem Abend kamen sie. Männer, die sich zum Töten zusammengerottet hatten. Sie kamen mit geladenen Gewehren, als ob in der kleinen Hütte hundert blutrünstige Indianer lauerten.

Aber da waren nur Dan Oakland, eine junge Santee-Indianerin und ein weißes Baby.

Über der Rosebud-Passage-Station hing der Dunst des kalten Winters. Der Herdrauch verrußte die schneebedeckten Dächer der Hütten. Verschwommen stand der Vollmond über dem Rosebud, und die Hunde heulten wie gequält. Harte Stiefel knirschten im gefrorenen Schnee. Dan richtete sich in der Hütte auf.

Das Geheul der Hunde ließ die Wölfe antworten, die sich seit Tagen nahe der Rosebud-Passage-Station über die Hügel bewegten. Die hungernden Wölfe waren immer näher gekommen. Ernst blickte er auf die Santee-Indianerin, die mit ihm aus der weiten Schneewüste gekommen war. Sie beide hatten das Baby gerettet.

Ein Wagentreck war von Teton-Sioux niedergemacht worden. Nur die kleine Nora hatte überlebt. Wenn die Indianerin nicht gewesen wäre, hätte Dan das Baby niemals zum Rosebud bringen können.

Jetzt kauerte die Santee mit dem verhüllten Baby auf dem einfachen Schlaflager nahe am Herd und sah ihn unruhig an.

»Da kommen weiße Männer«, flüsterte sie.

»Versteck dich mit dem Baby«, raunte er. »Sie sollen dich nicht sehen. Ich werde sie draußen erwarten.«

In den dunklen Augen der jungen Indianerin war ein schwermütiger Ausdruck. Sie erhob sich und kroch mit dem Baby, unter einen Stapel alter Felle, die nichts wert waren und als Heizmaterial dienten.

Dan griff nach der Hawken-Rifle und hängte sich das Pulverhorn um. Noch einmal blickte er auf die Felle, ging zur Tür und öffnete sie. Die eiskalte Luft des Winterabends biss ihm in den Augen. Er trat hinaus und schloss die Tür.

Mehrere Männer, in dicke Pelze gehüllt, stapften den Weg herauf. Matt schimmerten die Läufe der Gewehre im Mondschein. Schwerfällig erstiegen sie die Anhöhe. Hinter ihnen, im Tal, erhoben sich die Hütten. Dort standen halbverschneit mehrere Planwagen. Weit drüben, auf der anderen Seite des Tals, stand ein Rudel Wölfe.

Groß und breit stand Dan Oakland vor der Hütte und überlegte fieberhaft, was die Männer vorhatten. Augenscheinlich nichts Gutes. Mit gesenkter Rifle ging er ihnen entgegen. Notfalls könnten ihm die Schneewehen am Wegrand genug Deckung bieten!

Die Männer blieben stehen und starrten ihn mit verkniffenen Augen an. Die Gesichter waren von der Kälte gerötet. Nur zögernd senkten sie die Waffen. Dan zwang sich zu einem freundlichen Lächeln.

»Wollt ihr mir helfen, Brennholz zu schlagen? Oder wollt ihr Wölfe jagen?«

Niemals würde er die Gesichter vergessen, niemals diesen Abend und die nächtlichen Stunden.

»Nein«, entgegnete einer der Männer krächzend. »Wir haben gehört, dass du mit einer Indianerin hier oben haust. Sie hat ein weißes Kind geraubt.«

»Wenn das so wäre - was habt ihr damit zu tun? Ich bin ein Weißer wie ihr. Ich hätte ihr längst das Baby weggenommen.«

»Wo ist sie? In der Hütte? Ruf sie raus.«

»Warum sollte ich das?«

»Weil wir hier, am Rosebud, keine Indianerin dulden.«

»Wollt ihr sie davonjagen? Die Nacht wird furchtbar kalt.«

»Was aus ihr wird, geht uns nichts an. Wir wollen das Baby retten. Geh zur Seite, oder wir werden uns den Weg zur Hütte freischießen.«

Das war unmissverständlich. Dan nahm es ernst. Dennoch blieb er äußerlich gelassen.

Nur sein Lächeln verlor sich.

»Du bist Dorsey Annakin, nicht wahr? Du und deine Freunde seid nicht verheiratet. Das stimmt doch? Was wollt ihr mit einem Baby? Ihr könnt es doch nicht richtig versorgen!«

»Zur Seite, Oakland.«

Dan überkam eine kalte Wut, die er nur mühsam beherrschen konnte. Dorsey Annakin und die anderen, wollten die junge Indianerin quälen und umbringen. Das las er von ihren Gesichtern ab.

Er hatte sein Pferd unten, im beheizten Stall, hinter dem Saloon der Passage-Station stehen. Dort befanden sich auch die wenigen anderen Pferde. Es musste ihm gelingen, die Männer abzulenken.

»Seht in der Hütte nach«, schlug er ruhig vor. »Ihr werdet nichts finden. Die Indianerin hat das Baby nach unten gebracht. Es ist krank. Eine der Treck-Frauen soll dem Baby helfen. Ich wollte gerade nachsehen, wie es ihm geht.«

Dorsey Annakin und die anderen Pelztierjäger zögerten. Schließlich gab Annakin zwei Männern einen Wink, ihm zu folgen. Sie stapften an Dan vorbei. Die anderen blieben zurück. Dan wich zur Seite aus, um alle Männer beobachten zu können. Sein Lächeln, das nun wieder erschien, war wie eingefroren.

»Ihr werdet nichts finden. Ihr holt euch nur kalte Füße.«

Er hörte hinter sich Husten und schwere Atemzüge. Dann knarrte die Hüttentür. Langsam drehte Dan sich um und blickte zurück. Er hatte zwei Schuss, in jedem Lauf einen. Ein Stück Blei würde Dorsey Annakin von den Beinen reißen, das war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Die Hüttentür stand weit auf. Der flackernde Schein des Talglichtes fiel über die Türschwelle. Dorsey Annakin und seine beiden Begleiter verharrten im Lichtschein. Dan konnte erkennen, wie sie sich in der Hütte umsahen. Wenn jetzt das Baby schrie, wäre die Santee-Indianerin verloren.

Doch es blieb in der Hütte still. Nur das Gemurmel der Männer drang heraus. Schließlich kamen sie aus der Hütte und den Weg herunter. Dan ging weiter und erreichte den Talgrund. Der Herdrauch wehte über die Schneefelder. Verschwunden waren die Wölfe, verhallt war ihr Geheul. Auch die Hunde schwiegen. Es herrschte eine bedrückende Stille am Rosebud. Lichtschein fiel aus dem Saloon, der Herberge, Store und Handelsstation zugleich war.

Hinter einem der verschneiten Wagen verharrte Dan und horchte.

Annakin und die anderen folgten ihm. Sie hatten noch nicht aufgegeben. Aus purer Langeweile hatte bei ihnen alles begonnen. Jetzt trieb sie die Wut zur Passage-Station zurück.

Mit großen Schritten ging Dan um das große Blockhaus und zum Pferdestall. Schnaubend und stampfend standen die Pferde beiderseits des Stallganges. Mitten im Stall glühte der Ofen.

Was auch immer geschehen würde: Dan brauchte sein Pferd. Er sattelte es und hüllte es in wärmende Decken ein. Draußen schritten Annakins Komplizen umher und suchten nach ihm, der Indianerin und dem Baby. Er konnte ihre polternden Schritte hören.

»Oakland!« schrie jemand. »Wo, zum Teufel, steckst du?«

Die Hunde schlugen an und kläfften. Irgendwo knarrte eine Hüttentür. Jemand flüchtete davon.

Dan füllte den Futtersack für sein Pferd und hing ihn ans Sattelhorn.

»Der Hundesohn hat uns belogen«, brüllte Annakin, vor der Saloontür. »Kommt alle her! Wir müssen ihn suchen.«

Männer liefen nach vorn. Dan zögerte nicht länger, zog das Pferd in den Hinterhof, nutzte die Deckung der Hütten und der hohen Schneewehen und entfernte sich.

Während Annakin und die anderen unten im Tal suchten, erreichte er die Hütte. Wolken hatten sich vor den Vollmond geschoben. Er konnte die suchenden Männer im Tal nicht mehr ausmachen.

Schnell betrat er seine Hütte. Er musste mit der Indianerin und dem Baby fliehen. In wenigen Tagen würde der Frühling hereinbrechen. Sie hätten eine gute Chance, durchzukommen.

»Ich bin es«, sagte er mit weicher Stimme. »Komm, hab keine Angst! Wir werden aufbrechen.«

Er bekam keine Antwort. Nichts rührte sich unter den alten Fellen. Hastig riss er sie beiseite. Jäh erstarrte er. Schwer fiel er auf die Knie.

»O Gott!« flüsterte er. Sein Gesicht bekam graue Flecken. Vor ihm lag die kleine Nora. Sie schien zu schlafen.

Das Baby war tot. Die Indianerin hatte in ihrer grenzenlosen Angst zu lange die Hand auf Mund und Nase des Babys gehalten. Die kleine Nora war erstickt. Noch jetzt waren die Tränen der Indianerin auf dem Gesicht des Babys zu sehen. Sie musste völlig verzweifelt geweint haben.

Dan war erschüttert. Er hob das Baby behutsam hoch und legte es auf das Lager. Immer wieder streichelte er mit großer Hand das weiche kleine Gesicht. Er vergaß dabei für einen Moment die Welt um sich.

Nicht die Santee-Indianerin hatte das Baby getötet. Dorsey Annakin und die anderen waren die eigentlichen Mörder. Wie hätte die Indianerin wissen können, dass das Baby niemals soviel Atem haben würde, um zu überleben. Sie war ja nie Mutter gewesen. Jetzt irrte sie durch die Winternacht und floh vor dem eigenen Gewissen. Er durfte sie nicht ihrem Schicksal überlassen. Stimmen rissen ihn aus den schweren Gedanken. Männer kamen näher.

Er zog ein Fell über das Baby und küsste noch einmal die winzig kleine Stirn. Dann richtete er sich auf und griff zur Long Rifle, nahm den Proviantbeutel und ging zur Tür. Zwei von Annakin´s Komplizen waren bedrohlich nahe herangekommen. Sie keuchten und rutschten immer wieder auf dem Weg aus. Noch konnten sie ihn nicht sehen. Doch sie hatten sein Pferd entdeckt und wurden vom Jagdfieber vorangetrieben.

»Ich schieß auf sein Pferd«, hörte Dan einen von ihnen keuchen. »Er soll uns nicht entkommen. Wir werden ihn und die dreckige Squaw fertigmachen.«

»Nein!«

Dan stürzte hinaus. Er dachte an den Tod des Babys und an das Leben. der Indianerin. Niemals würde er sie aufgeben. Die beiden Männer duckten sich und rissen die Waffen hoch. Sie wollten ihn wie einen tollwütigen Hund zusammenschießen. Daniel Oakland jagte das Blei aus der Hawken. Mit dem Aufpeitschen der Schüsse brachen die beiden Männer zusammen, rutschten abwärts und blieben vor einer Schneewehe liegen.

Laut hallte der Knall über das Tal hinweg. Brüllend kam das Echo von den Flanken der Hügel zurück. Wie verrückt bellten die Hunde. Unten schrien Männer.

Dan Oakland schwang sich auf sein Pferd und trieb es um die Hütte. Er sah die Spur im Schnee. Das war der Weg, den die junge Indianerin genommen hatte. Hinter sich hörte er Schüsse und Gebrüll.

Während des Ritts lud er die Rifle nach. Die Schüsse verklangen in der Winternacht. Die brüllenden Stimmen verloren sich im eisigen Wind. Dan war allein.

 

 

*

 

 

Sie war zu Fuß geflüchtet. Sie hatte keine Kraft mehr. Stöhnend brach sie zusammen und rollte über den kahlen Höhenzug, krallte die Hände um einen dünnen und verkrüppelten Baum und zog sich mühsam halbhoch. Sie wußte nicht, wohin sie laufen sollte. Sie schluchzte. Die Tränen wurden zu Eis im Nachtwind. Noch einmal fand sie die Kraft, sich aufzurichten und weiterzutaumeln. Bald verlor sie wieder den Halt und fiel.

Sie wusste nicht, dass Dan ihr folgte und ihr helfen wollte. Vor ihr lagen die verschneiten Wälder. Sie hörte nicht das Heulen des großen Wolfes. Sie sah nicht die grauen Schatten hinter den Bäumen und im Unterholz.

Als sie völlig entkräftet zusammenbrach, kam der Tod von allen Seiten.

Dan erreichte die Mulde zwischen den Bäumen. Sein Pferd scheute und wieherte schrill. Da wusste er, dass er zu spät gekommen war. Er schoss zwei Wölfe ab und vertrieb die anderen. Dann rutschte er vom Pferd, zerrte es am Hügel hinter sich her und stand vor den sterblichen Überresten der Indianerin.

Weit hinter ihm ritten die Verfolger auf seiner Spur.

Er hüllte die junge Squaw in eine Decke ein, legte sie auf das Pferd und ritt weiter. Ein Gefühl der Verlorenheit und der grenzenlosen Einsamkeit überkam ihn. Er hatte das Baby geliebt und die Indianerin geschätzt. Der Tod hatte ihm beide weggerissen.

Dan bedauerte sich nicht selber. Doch alles schien auf einmal so hoffnungslos zu sein, so sinnlos.

Er ritt ohne Rast und suchte nach einem Platz, wo er die Indianerin begraben konnte. Doch der Boden war gefroren. Es sollte wohl nicht sein, dass die junge Santee ihren Frieden fand.

 

*

 

Dorsey Annakin und die vier Männer gaben nicht auf. Sie hatten Dans Spur vor sich und dachten an ihre beiden Komplizen. Sie hörten die Wölfe in der Wildnis heulen und trieben die Pferde erbarmungslos an.

Eine Nacht, einen Tag und wieder eine Nacht waren sie nun schon im Sattel. Am frühen Morgen rasteten sie im Windschatten dichter Fichten und ahnten nicht, wie nahe sie Dan Oakland waren.

Sie hockten am prasselnden Feuer und hielten immer die Gewehre bereit.

»Ich krieg ihn«, ächzte Annakin. »Irgendwann werde ich ihn vor meinem Gewehr haben und in Stücke schießen.«

Der lange dürre Clint Harrish beugte sich vor und rieb sich einen Moment lang die klammen Hände über den Flammen.

»Er hat die Indianerin bei sich, Dorsey. Wir haben Blut im Schnee gesehen. Die Indianerin wird tot sein. Die Wölfe werden sie zerrissen haben. Irgendwo wird er sie begraben. Damit wird er Zeit verlieren. Dann haben wir ihn.«

»Hoffentlich bald«, wünschte der bärtige Mann names Minneapolis. »Die beiden haben das Baby umgebracht, damit sie fliehen können. Das werde ich nie vergessen.«

Der hellblonde Silence schwieg wie der fünfte Mann. Sie alle dachten dasselbe. Sie alle waren Pelztierjäger, die einen Mann jagten. Die große Zeit der Pelztierjagd am Rosebud und am Oberlauf des Missouri war vorbei. Sie mußten sich ein neues Jagdgebiet suchen. Eine andere Zeit hatte begonnen: die unselige Zeit des Büffelabschlachtens.

Düster starrten sie in das Feuer.

Plötzlich bewegte der schmächtig wirkende Rapid die Schultern und stand auf, blickte auf die tiefhängenden Äste der Fichten und sah, wie der Schnee von ihnen abrutschte.

»Merkt ihr nichts?« raunte er mit hohler Stimme. »Der Schnee fällt. Der Wind hat sich gedreht. Es ist wärmer geworden.«

Sie traten vorn Feuer weg und spürten nun auch den warmen Wind. Schlagartig war der Winter vorbei. Überall begann es zu tauen. Der Dunst verdichtete sich. Mit dumpfem Geräusch plumpste der Schnee von den Bäumen. Schon sammelten sich die Schmelzwasser in den Niederungen.

Irgendwo wieherte jäh ein Pferd.

»Das ist er«, fauchte Annakin. »Los, auf die Gäule!«

Sie hasteten zu den Pferden und saßen auf, trieben sie hart an und ritten abwärts. Die Pferde schlitterten über den Hang. Dan Oaklands Spur lag vor den Männern. Sie führte schräg nach unten, dorthin, wo sich die Wasser sammelten. Hier löste sie sich auf.

Dan Oakland ritt im eiskalten Schmelzwasser weiter.

Die Verfolger fluchten, suchten weiter, ritten umher und trafen sich zwischen den Hügeln.

»Der Hund entkommt uns, Dorsey«, befürchtete Minneapolis. »Die ganze Verfolgung war umsonst.«

»Nicht aufgeben! Weitersuchen! Ich will ihn haben, hört ihr? Ich will seine Leiche zum Rosebud zurückbringen.«

Rücksichtslos schlugen sie auf die Pferde ein. Aber sie entdeckten Dan nicht. Dan hatte das Pferd einen steinigen Hang emporgezogen, dem Schmelzwasser entgegen. Jetzt ritt er im Schutz der Hügel und Fichten davon. Er würde nur kämpfen, wenn sie ihm zu nahe kämen.

Die Sonne schien hell und warm. Ganze Schneefelder rutschten von den Hängen. Blumen traten unter dem Schnee hervor. Der Boden wurde weich. Dan blieb auf den Höhen. Hier rastete er im warmen Wind.

Kein Muskel zuckte in seinem Gesicht, als er Stunden später in der dunstigen Ferne die Verfolger davonreiten sah.

Lange lagerte er auf der Anhöhe. Er aß nur wenig. Die warmen Winde des Südwestens schienen ihn zu rufen. Er gab der Indianerin noch kein Grab. Als er aufbrach, war es Nacht. Er verließ die Hügel und ritt nach Westen. Am hellen, warmen Vormittag des nächsten Tages hatte er die endlos weite Ebene vor sich - das Land, das er immer gesucht hatte. Die Prärie. Hier, wo schon das Gras im Wind wogte, begrub er die Indianerin.

Er setzte sich und blickte auf das Grab. Sein Pferd stand mit hängendem Zügel in seiner Nähe und war weithin zu sehen. Noch niemals zuvor hatte Dan die gewaltige Prärie erblickt, ein endlos weites Meer aus Gras.

 

Geschmeidig und schnell glitten Teton-Indianer über die Prärie. Sie hatten ihre Ponys in einer Senke zurückgelassen. Die Sioux-Späher waren ständig unterwegs. Sie blieben wochen-, manchmal sogar monatelang ihrem großen Lager fern und gaben ihre Beobachtungen durch Rauchzeichen durch.

Das einsame Pferd lockte sie an.

Dan ahnte nicht, wie schnell und wie lautlos die Indianer näher kamen. Tetons waren ein besonders kriegerischer Stamm, der neue Jagdgebiete westwärts des Missouri suchte.

Durch nichts wurde Dan gewarnt. Die Indianer kamen gegen den Wind. Sein Pferd schnaubte nicht, rupfte Gras und fraß. Hoch am blauen Himmel entdeckte Dan einen Falken. Immer wieder blickte er auf das Grab. Wo sich ein Indianerlager befand, wußte er nicht. Er war froh, die Prärie erreicht zu haben. Langsam richtete er sich auf.

Sekundenschnell waren die Teton-Sioux im Gras untergetaucht.

Dan ließ den Blick über das weite Land schweifen. In der Ferne ragten die Mountains auf. Er fühlte sich nicht mehr einsam. Der Friede auf der Prärie gab ihm seine Ruhe zurück. Er nahm das Pferd am Zügel und schritt versonnen über die Prärie.

Hinter ihm am Grab ragten einen Herzschlag lang zwei Tetons auf. Die Späher sanken sofort wieder in das Gras zurück und folgten ihm. Er hatte den Wind im Gesicht, das Rascheln ringsum ließ ihn die Indianer nicht hören.

Zwei andere Teton näherten sich auf allen vieren dem Grab und begannen, mit bloßen Händen, zu scharren. Sie wollten wissen, was der weiße Mann begraben hatte. Sie stießen auf die eingehüllte Leiche des Santee-Mädchens und starrten betroffen auf den Körper. Dann schoben sie die Erde wieder zurück und häuften sie an.

Urplötzlich hörte Dan schrille Rufe. Er schnellte geduckt herum und gewahrte sechs Indianer, die mit großen Sprüngen durch das Gras eilten. Sie trugen Lederschurze und Mokassins. Es waren gestählte und sonnengebräunte Körper. Er hatte keine Zeit mehr, zum. Gewehr zu greifen. Auch blieb ihm keine Zeit, in den Sattel zu kommen.

Wie Raubkatzen sprangen sie ihn an. Er wehrte sich mit ganzer Kraft, schlug hart um sich. Doch sie rissen ihn um und warfen sich auf ihn. Plötzlich spürte er ein scharfes Messer an der Kehle. Die dunklen Gesichter waren dicht über ihm. Er sah die funkelnden Augen, roch den Geruch, das Büffelfett auf ihrer Haut, begriff, dass er keine Chance hatte. Sie würden ihn auf der Stelle töten, sollte er sich jetzt noch wehren.

Sie fesselten ihm die Hände und traten zurück. Einer von ihnen schwang sich auf Dans Pferd. Es bockte, doch der Teton zwang dem Pferd seinen Willen auf und ritt davon.

 

Dan war den Tetons auf Gedeih oder Verderben ausgeliefert. Er sah in

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: © Detlef und Frank Wilken, Die U.H. WILKEN-EDITION ist ein Imprint von Detlef Wilken (Hrsg.)
Images: Covergestaltung Detlef Wilken unter Verwendung einer historischen Fotoaufnahme des legendären Mountain Man Jim Baker (1879, unbekannter Fotograf). Die Verwendung des Fotos erfolgt mit freundlicherGenehmigung des American Heritage Center, University of Wyoming, Laramie, U.S.A. bei dem wir uns für die freundliche Zusammenarbeit und Unterstützung bedanken. Detlef & Frank Wilken (The Estate of U.H. Wilken)
Cover: Gestaltung Detlef Wilken
Editing/Proofreading: Detlef Wilken - revidierte und teilweise ergänzte Neuedition unter Verwendung des Originalmanuskriptes des Autors
Publication Date: 12-06-2018
ISBN: 978-3-7438-8849-4

All Rights Reserved

Dedication:
Western×Abenteuer×Frontier×Indianer×Trapper×Scouts×USA×History×Amerikanische Geschichte×Pioniere×Spannung

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