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STAR GATE – das Original - 73

  

Das Heiligtum der Dhuuls

von Wilfried Hary:

Die Dhuuls hinterließen es – ausgerechnet im Großen Krieg!

 

Vor zweitausend Jahren lebte und wirkte der für die Galaxis der Prupper größte Entdecker aller Zeiten. Er hieß Eg-Ul-Eg, ein Name, der nicht nur für Prupper äußerst gewöhnungsbedürftig war. Doch nach hundert Jahren aufsehenerregender Entdeckungen fremder, bewohnbarer Welten kannte jedes Prupperkind diesen Namen. Auf seiner letzten Exkursion geschieht es: Zum ersten Mal findet er auf einem noch jungfräulichen Planeten das Artefakt einer fremdartigen Kultur, verborgen in einem Berg. Alles deutet darauf hin, dass es sich um ein Erbe des Alten Feindes handelt, der dreitausend Jahre zuvor den Großen Krieg in die Prupper-Galaxis brachte und danach spurlos verschwand. Allerdings kann er nicht herausfinden, was genau sich in dem Berg befindet, da dieser undurchdringlich für jedwede Art von Ortung ist.

Nach ihm kommen hochrangige Wissenschaftler auf die nach ihrem Entdecker benannte Welt, und am Ende haben sie nur noch zwei Tage, bis eine planetenweite Naturkatastrophe sie zum Abzug zwingt. Wenn sie bis dahin das Geheimnis des Rätselberges nicht enthüllt haben, wird dieser Planet möglicherweise vernichtet – wegen eines Risikos, das vielleicht gar nicht besteht?

 

DIE HAUPTPERSONEN:

Professor Dr. Flar Nesral – Er ist der wissenschaftliche Leiter der »Wissenschaftsstadt« auf EG-UL-EG und hasst es, so sehr unter Zeitdruck zu stehen.

Vi-eil Sredna – Ein Experte im Auffinden von Unauffindbarem, so möchte man ihn umschreiben, und deshalb hat ihn Flar Nesral zum Leiter eines der Forschungsteams gemacht, dem es gelingen soll, dem »Rätselberg« seine Rätsel zu entreißen. Falls es jemand schafft, dann nur er!

 

Impressum:

Urheberrechte am Grundkonzept zu Beginn der Serie STAR GATE - das Original:

Uwe Anton, Werner K. Giesa, Wilfried A. Hary, Frank Rehfeld

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

Diese Fassung: © 2013 by HARY-PRODUCTION ISSN 1860-1855

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken * Telefon: 06332-481150 * www.HaryPro.de * eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius * Logo: Gerhard Börnsen

Lektorat: Werner Schubert


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Professor Dr. Flar Nesral erreichte die Baustelle am Rätselberg und sah bereits von Weitem, dass in einiger Höhe eine Art Plattform entstanden war. Man hatte alle Verschüttungen darüber entfernt und die vorher schon vorhandene Plattform erheblich vergrößert, indem man sämtliche Verschüttungen unterhalb des Einganges in den Berg belassen hatte. Wie Sredna es schon in Aussicht gestellt hatte.

Aber es sind trotzdem nur noch zwei Tage Zeit, nicht nur endlich den Eingang zum Rätselberg freizuschaufeln, sondern vor allem, ihn zu öffnen, hineinzugelangen und außerdem noch alle Geheimnisse in seinem Innern aufzuklären!, dachte Nesral, beinahe resignierend.

Nein, er konnte sich über den im Grunde genommen immensen Fortschritt doch nicht so recht freuen. Obwohl Sredna wirklich schier Unglaubliches geleistet hatte. Allein schon die Tatsache, dass er gewaltige, im Laufe der Zeit regelrecht festgebackene Gesteinsmassen bewegt hatte, ohne auch nur für einen Augenblick die Technik des freizulegenden Einganges zu gefährden, zeugte von seinem Können.

Nesral würde ihm danken. Und dann würde es darum gehen, diesen Eingang auch zu öffnen. Ob Sredna dafür bereits eine Idee hatte?

Nesral verdrängte seine wieder einmal äußerst quälende Skepsis und gab sich stattdessen lieber der Neugierde hin. Er konnte es kaum noch erwarten, bis sein Fluggleiter gelandet war und er hinausspringen würde.

Die Landung erfolgte in der Nähe des Einganges, den Nesral aus der Luft genauer betrachtete: Es handelte sich um ein großes Tor, das in einer Tiefe von etwa drei Metern errichtet war. Der Felsrand davor war ziemlich schroff. Man konnte ihm nicht ansehen, dass die enormen Gesteinsmassen davor weggeräumt worden waren, denn es gab keinerlei Spuren davon. Ein Kunststück an sich, wie Nesral nicht ohne Anerkennung fand.

Sein Herz pochte viel zu schnell, während er sich weiter orientierte: Das Tor begann oberhalb einer Stufe, mit einem Absatz von schätzungsweise zwanzig Zentimetern. Also eine Stufenhöhe, die recht üblich war. Aber warum hatte man überhaupt eine Stufe angebracht?

Er schaute nach der Plattform vor dem Eingang. Man konnte sie klar erkennen, denn es gab einen deutlichen Übergang von ihr zu dem aufgeschütteten Gestein, das aus einer gigantischen Gerölllawine stammte. Oder waren es im Verlauf der letzten dreitausend Jahre mehr als eine Gerölllawine gewesen? Jedenfalls hatten sich diese Gesteinsmassen mit der Zeit so verfestigt, dass es so ausgesehen hatte, als würden sie zum ursprünglichen Berg gehören. Deshalb war der Eingang vorher nicht entdeckt worden. Erst Sredna war dieses Kunststück gelungen, anhand einer eher unbedeutend erscheinenden Unregelmäßigkeit im Ortungsschutz des Berges.

Nesral sah wieder hinüber zum Tor.

Er hatte keine genauen Vergleichsmöglichkeiten, weil sich niemand nahe genug am Tor aufhielt, sondern alle in Erwartung seiner Landung in einigem Abstand dazu versammelt hatten. Unter ihnen erkannte Nesral Vi-eil Sredna, den Leiter dieser Aktion vor Ort.

Zurück zum Tor wanderte sein Blick: Es war mit allerlei Verzierungen versehen, deren Bedeutung sich ihm zunächst zu hundert Prozent entzog. Nein, das waren keine Zeichen von irgendwelchen Halbwilden, sondern es konnte sich durchaus um eine Art Schriftzeichen handeln von denjenigen, die dieses Tor hier angebracht hatten und die ergo auch für das verantwortlich zeichneten, was sich im Innern des Berges vor ihren Blicken verbarg.

Noch verbirgt!, verbesserte er sich in Gedanken.

Seine Schätzung lautete: Das Tor ist mindestens fünf Meter hoch und vielleicht vier Meter breit. Es zeigt oben einen leicht spitzwinkeligen Bogen und passt sich damit perfekt in die natürlich entstandene Öffnung ein.

Ob diese tatsächlich so natürlich entstanden war, basierte lediglich auf seiner Vermutung. Aber vielleicht wusste Sredna darüber mehr?

Endlich konnte Nesral aus dem Fluggleiter springen. Sredna grinste breit, als er seinen obersten Chef ansah.

»Gratuliere!«, sagte Nesral anstelle einer Begrüßung. »Wie sieht es aus? Können wir das Tor öffnen?«

»Haben Sie die Verzierungen gesehen?«, stellte Sredna ungerührt die Gegenfrage.

»Ja, habe ich. Handelt es sich vielleicht um Schriftzeichen?«

Sredna lachte respektlos. »Nein, keineswegs Dr. Nesral. Diese Verzierungen haben nicht die geringste Bedeutung, wenn Sie mich fragen. Es sind einfach nur Verzierungen, nichts weiter. Damit entsprechen sie den ästhetischen Vorstellungen der Erbauer, also unserer einstigen Todfeinde.«

»Sie sind überzeugt davon, es handelt sich um die Dhuuls?«

»Um wen sonst?«

»Aber eine so blutrünstige Rasse, denen damals ungezählte Prupper zum Opfer fielen, als ganze bewohnte Planeten ausgelöscht wurden von den Angreifern, bei einem Holocaust ohnegleichen...«

»Für die Dhuuls waren wir keine lebenswerten Geschöpfe, aber Sie kennen diese Theorie ja sicherlich selbst. Für die Dhuuls waren wir einfach nur ein Hilfsvolk, das ihren eigentlichen Feinden in die Hände spielte. Es interessierte sie gar nicht, dass es sich dabei um einen fatalen Irrtum handelte, denn wir waren auf keiner Seite der beiden Kriegsparteien. Die Dhuuls hatten eine Art Herrenanspruch. Sie fühlten sich als die Auserwählten des Universums, so jedenfalls die Analyse ihres Vorgehens von damals. Aber warum sollte eine Rasse mit einer solch übersteigerten Selbstsucht keinerlei Auge für Kunst haben? Und dieses Tor ist sogar ein Ausdruck hochentwickelter Kunst. Es wurde nicht etwa von Maschinen so verziert, sondern da haben lebende Wesen mit ihren eigenen Händen daran gearbeitet! Künstler im wahrsten Sinne des Wortes.«

Nesral schaute fassungslos zwischen Sredna und dem Tor hin und her. Wie war es möglich, dass Sredna dermaßen vom Alten Feind redete, anstatt sich darum zu kümmern, endlich dieses vermaledeite Tor aufzumachen? Egal, ob die Verzierungen nun kunstvoll waren oder nicht: Das war ja schließlich ganz und gar nicht ihr Problem, nicht wahr?

Er schüttelte den Kopf. »Moment mal, Sredna: Sie halten mir hier einen Vortag über Kunst bei den Dhuuls – und vergessen darüber anscheinend Ihre eigentliche Arbeit?«

Sredna grinste breit und schüttelte jetzt seinerseits den Kopf: »Ganz und gar nicht, Dr. Nesral: Sie haben dieses Tor deshalb so kunstvoll gestaltet, weil es offensichtlich das einzige ist, das in das Innere führt. Und sie haben es deshalb so meisterhaft verziert, weil es für sie den Eingang zu etwas Besonderem darstellte. Und was halten beispielsweise Prupper für das Besondere, dem eine solche Ehre gebührt? Glauben Sie mir, Dr. Nesral, so verschieden sind Prupper und Dhuuls gar nicht, wie wir es gern hätten! Wir sind zwar insgesamt gesehen nicht so blutrünstig wie die, aber wer weiß: Wenn wir in derselben Lage gewesen wären wie sie, damals...«

»Worauf wollen Sie hinaus, Sredna?«, rief Dr. Nesral genervt. Er hatte ernsthaft Zweifel am gesunden Verstand des Mannes, den er eigentlich als eine Art Genie ansah.

»Ich verstehe nicht, wieso Sie das noch immer nicht durchschauen, Dr. Nesral: Eine solche Verzierung findet man beispielsweise auf Türen, Toren und Pforten, die zu religiösen Einrichtungen führen. Zum Beispiel in ein Gotteshaus von besonderer Bedeutung!«

Unwillkürlich fiel Nesral die Kinnlade herunter. »Sie – Sie wollen mir damit sagen, dass dieser Berg hier eine Art ...« Er suchte nach Worten: »... eine Art Kirche ist?«

»Wohlgemerkt: Kirche im Sinne der Dhuuls, einer Herrenrasse, die sich selbst als gottgleich empfand und nur deshalb gegen die Uralten mit solch blutigem Hass kämpfte, damit diese ihr nicht länger den Rang streitig machen konnten.«

»Ja, ja, ich weiß, aber ...«, fuhr Nesral dazwischen.

Verdammt und zugenäht, die Zeit brennt uns unter den Nägeln, Mann: Wann begreifst du das denn endlich?, schrien indessen seine Gedanken.

Sredna blieb die Ruhe selbst. Gelassen schürzte er die Lippen. »Ja, genau darin liegt der berüchtigte Hund begraben. Wer sich selbst als die wahren Götter dünkt, hat keine Kirchen nötig, um einem noch höheren Wesen zu huldigen. Nein, die Dhuuls haben bekanntlich etwas anderes getan: Sie haben alle höheren Wesen, als die sie eben zum Beispiel die Uralten ansahen, blutig verfolgt, um sie auszurotten.«

Schlagartig begriff Nesral. Er war ja schließlich nicht dumm.

»Nicht wahr!«, ächzte er.

Zufrieden nickte Sredna. »Sie wissen ja, Dr. Nesral, mir ist es immer lieber, man kommt selbst darauf, ehe ich mich bemühe, jemanden vollzulabern mit irgendwelchen Erklärungen.«

Nesral war zwar völlig anderer Meinung und fand, es wäre alles viel rationeller abgelaufen, hätte Sredna nicht so sehr in Rätseln gesprochen, doch er sagte jetzt, halbwegs fassungslos: »Sredna, Sie Genie! Es handelt sich im Innern des Berges um eine sogar für die Begriffe

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 01-05-2015
ISBN: 978-3-7368-6883-0

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