Cover

Leseprobe

Aus Männersicht

Natalie Rabengut

Bonus-Episoden

Copyright: Natalie Rabengut, 2014, Deutschland.

Korrektorat: Claudia Heinen – http://sks-heinen.de

Coverfoto: © Dmitriy - stock.adobe.com

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

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Inhalt

Daniel

Stephan

Kai-Uwe

Frederik

Donald

Boris

Über Natalie Rabengut

Daniel

Höflich lächelnd hielt ich mich an dem Bierglas fest und fragte mich, warum zum Henker ich eigentlich zu nett war, solche Einladungen abzulehnen. Eigentlich war ich müde, weil ich heute den ganzen Tag im Garten verbracht hatte. Schon unter der Dusche hatte ich festgestellt, dass ich mich viel lieber auf die Couch gelegt und ein wenig gelesen hätte, als mich mit einer Horde angetrunkener Männer in einem stickigen Raum einzuschließen.

Wer war überhaupt auf die beknackte Idee gekommen, diesen Junggesellenabschied an einem der heißesten Wochenenden des Jahres drinnen zu veranstalten?

Selbst die Ankündigung, dass gleich noch eine Stripperin kommen würde, konnte meine Laune nicht heben. In spätestens einer halben Stunde würde ich verschwinden.

Das Bier war zwar in Ordnung, aber es war einfach viel heiß und die Musik grauenvoll. Die Witze, die die meisten Männer hier rissen – natürlich fast ausnahmslos verheiratet –, waren einfach nur niveaulos.

Schon vor einer Weile hatte ich mich in eine stille Ecke gesetzt und beobachtete nur noch. Inzwischen war mein Kumpel Jan, seines Zeichens der mehr oder weniger glückliche Bräutigam, von seinen Freunden auf einen Stuhl platziert und mit gelben Absperrband gefesselt worden. Police Line – Do not cross. Wie originell.

Die Anspannung im Raum war inzwischen mit den Händen greifbar. Die Ankunft der sehnsüchtig erwarteten Stripperin schien also näher zu rücken. Man sollte nicht meinen, dass nahezu alle Männer hier eine eigene Frau zu Hause hatten. Anders konnte ich mir nicht erklären, dass eine Frau, die sich zu Musik auszog, sie alle dermaßen in Aufregung versetzte.

Die Tür öffnete sich und eine kleine Brünette betrat den Raum, ein Tablett mit Bierkrügen auf dem Arm. Der Trauzeuge trat ihr sofort in den Weg und als sie daraufhin die Schultern straffte, korrigierte ich meine Einschätzung: Sie war gar nicht so klein.

Irgendetwas an ihrer Erscheinung ließ mich unruhig werden. Sie sah sich forschend im Raum um und leckte sich nervös über die Unterlippe. Ihre grauen Augen weiteten sich kurz, bevor sie sich wieder an den Trauzeugen wandte.

Das konnte unmöglich die Stripperin sein, sie war zwar nicht gerade anständig gekleidet, aber einem Blinden musste klar sein, dass sie unmöglich die angekündigte »Roxeanne« sein konnte.

Obwohl ich mich schäbig dabei fühlte, nahm ich mir die Zeit, sie ausgiebig zu mustern. Doch auf mich achtete ohnehin niemand.

Ihre Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, aus dem sich bereits einige Strähnen gelöst hatten. Die Bluse war zu tief aufgeknöpft, der Rock zu kurz und die Absätze zu hoch – vielleicht doch die Stripperin? Wer ging in so einem Outfit und solchen Schuhen kellnern?

Irgendetwas an ihr machte mich an. Kritisch beäugte ich mein Bier – ich hatte doch erst eins getrunken. Warum also erging ich mich in solchen Gedanken? Sie sprach noch immer mit dem Trauzeugen, schien aber an Selbstbewusstsein gewonnen zu haben, und lächelte einladend.

Die offene Bluse stellte geradezu eine Aufforderung da, die wunderschön geformten Brüste zu bewundern, wobei ihre schmalen Fesseln ebenfalls nicht zu verachten waren. Sicherheitshalber stellte ich das Bier zur Seite.

Sie drehte den Kopf und für einen Moment sah ich das intelligente Blitzen in ihren Augen. Mein Magen zog sich zusammen und ich schluckte schwer. Bei dem Gedanken, dass sie sich hier gleich vor allen Männern ausziehen würde, war mir gar nicht wohl. Das Gefühl erinnerte mich verdächtig an Eifersucht. Absurd – ich kannte sie ja nicht einmal.

Eine merkwürdige Geschäftigkeit erfüllte den Raum und ein Stuhlkreis um den Stuhl des Bräutigams wurde gebildet. Es widerstrebte mir zwar, aber noch weniger wollte ich etwas verpassen. Also setzte ich mich kurzerhand an das freie Ende der Stuhlbahn und versuchte, nicht allzu verkrampft zu wirken.

Die hohen Absätze sorgten dafür, dass ihre Hüften sich beim Laufen verführerisch von einer Seite zu anderen bewegten. Wie aufreizend das gleich beim Tanzen aussehen mochte, wagte ich mir gar nicht auszumalen.

Die ruhigen Klänge von Tito and Tarantula erfüllten den Raum. Ich nahm alles zurück, was ich bisher gedacht hatte. Sie konnte sich bewegen, langsam, sinnlich und fließend – und ich war verdammt eifersüchtig. Sofort missfiel mir das Verhalten der Männer hier noch mehr. Das Gejohle und Grölen waren kaum zu ertragen, die Tänzerin schien das nicht zu stören. Ganz im Gegenteil, mit jeder Bewegung, mit jedem Blick, der ihr zuteilwurde, schien sie an Selbstvertrauen zu gewinnen.

Ihre Lippen waren leicht geöffnet, ihr Pferdeschwanz wippte bei jeder Drehung. Dicht vor dem Bräutigam verbeugte sie sich und öffnete ihre Bluse noch weiter. Ein heißer Stich fuhr durch meinen Unterleib und ich brauchte meine ganze Konzentration, um nicht auf dem Stuhl herumzurutschen.

Ob sie sich auf mich einlassen würde? Normalerweise bevorzugte ich einen sehr speziellen Typ Frauen – einen sehr devoten Typ Frauen. Ihre stolze Körperhaltung, der lange Nacken und die keck gerümpfte Nase zeugten von einem gesunden Selbstbewusstsein und machten mir eine Einschätzung ihrer sexuellen Vorlieben schwer.

Als sie ihren Hintern knapp über den Beinen einer der anwesenden Männer kreisen ließ, kribbelte es bereits in meinen Fingerspitzen, ihre leicht gebräunte Haut zum Erröten zu bringen.

Ich schaffte es einfach nicht, meinen Blick abzuwenden. Verdammt, ich wusste nicht einmal, ob ich in den letzten drei Minuten überhaupt geblinzelt hatte. Sie kam näher auf mich zu und ich bildete mir schon ein, ihren Duft erahnen zu können. Süß und leicht blumig. Doch das war unmöglich! Oder?

Die letzten Klänge von »After Dark« schwebten durch den Raum und ihre Bluse fiel von ihrem Körper. Sie hob die Arme über den Kopf, ging dabei leicht in die Knie und schlängelte sich wieder nach oben. Ihre Hände in der Luft lösten eine wahre Flut an Fantasien in mir aus; viele davon beinhaltete mein Bett und Fesseln um ihre zarten Handgelenke.

Zu sehr wünschte ich mir, zu wissen, wie ihre Stimme wohl klang. Dann wäre es leichter, mir auszumalen, wie sich ihr Stöhnen und Flehen anhören würde. Einen letzten verzweifelten Versuch unternahm ich, meine Gedanken wieder in anständige Bahnen zu lenken, was bei ihrem jetzigen Outfit alles andere als einfach war.

Dann drehte sie sich zu mir um. Ihre Finger zogen das Haargummi von dem Pferdeschwanz und die seidige Masse fiel herunter, umspielte ihr fein geschnittenes Gesicht. Sie war unglaublich attraktiv und ich musste mich beherrschen, sie nicht einfach zu packen, aus dem Raum zu zerren und zu mir zu bringen.

Ich zwang mich dazu, ruhig weiterzuatmen – auch dann, als ich ihre eindeutige Reaktion auf mich bemerkte. Jackpot.

Für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde strauchelte sie. Der Takt kam ihr abhanden und ihre Augen weiteten sich, als sie mich direkt ansah – und sie wusste, dass ich es bemerkt hatte. Ein kleines Lächeln umspielte meine Mundwinkel und ich betrachtete sie prüfend. Oh ja, sie würde sich hervorragend in meinem Bett machen. Und an meiner Seite. Stripperin oder nicht, ich wollte sie kennenlernen.

Ihre Lippen öffneten sich leicht und sie wirkte irgendwie schockiert. Ruckartig drehte sie sich um, die abgehakte Bewegung wollte so gar nicht zum Takt der Musik passen. Sofort triumphierte ich innerlich. Sie reagierte auf mich, das war wunderbar.

Meine Laune verschlechterte sich, als ich ihren nächsten Schachzug durchschaute. Sie widmete sich allen anderen Männern und sorgte dafür, dass ich nichts anderes mehr von ihr zu sehen bekam als den Rücken.

Das störte mich nur mäßig, denn ich ahnte bereits, dass ich noch mehr als genug Zeit haben würde, sie ausgiebig zu betrachteten. Woher ich diese Theorie hatte, wusste ich selbst nicht. Ich war mir nur sicher, dass ich recht hatte.

Der Rock landete neben der Bluse auf dem Boden und Jan, der Bräutigam, hatte einen knallroten Kopf, weil er den Reißverschluss hinuntergezogen hatte. Ganz in Ruhe bewunderte ich ihren wohlgeformten Hintern. Sie ging sicherlich regelmäßig laufen, anders konnte ich mir die Proportionen und die feste Haut nicht erklären.

Die Stimmung im Raum stieg in dem Tempo, in dem ihre Hände sich zum BH bewegten. Noch immer hatte sie sich nicht mehr zu mir gedreht. Ich schwankte zwischen Belustigung und Verärgerung. Sobald diese kleine Vorführung zu Ende war, würde ich sie mir schnappen. Vorfreude pulsierte durch meinen Körper.

Leider genauso heftig, wie das Blut sich seinen Weg durch meinen Schwanz bahnte, der sich schon schmerzhaft unter meiner Jeans bemerkbar machte. Es tröstete mich keineswegs, dass ich vermutlich nicht der einzige Mann im Raum war, dem es so ging.

Jubel brannte auf und brachte mich zurück in den Moment. Der BH war gefallen und sie beugte sich vor, um Jan einen Kuss auf die Wange zu hauchen. Sie richtete sich wieder hoch, das Kinn stolz in die Höhe gereckt. Allerdings war ich mir sicher, dass sie damit darüber hinwegtäuschen wollte, dass ich sie aus dem Konzept gebracht hatte.

Das war gut, denn es bedeutete, dass sie auf mich reagiert hatte. Die Musik verstummte und sofort schoss Adrenalin durch meine Blutbahn.

Der Trauzeuge nahm sie zur Seite und ich nutzte die Gelegenheit, mich von Jan zu verabschieden – ich hatte noch ein Date mit einer Pseudo-Stripperin.

Schnell eilte ich nach unten und wartete im Schatten neben der Tür. Dabei gab ich meinem Puls die Möglichkeit, sich zu beruhigen, denn ich war ziemlich aufgewühlt.

Die Tür schwang auf und sie rauschte hinaus. Ihr Duft schwebte dezent hinter ihr her. War das Mohn?

Mitten auf dem Parkplatz blieb sie stehen, legte den Kopf in den Nacken und holte mit einem breiten Lächeln tief Luft. Spätestens jetzt wäre ich verzaubert gewesen, wenn ich es nicht ohnehin schon gewesen wäre.

Prüfend sah sie auf die silberne Armbanduhr, die sie trug, und biss sich dabei auf die volle Unterlippe. Sie wollte doch nicht noch irgendwohin? Das passte nicht in meinen Plan.

Ich schob die Hände in die Hosentaschen und trat aus dem Schatten. »Ich hoffe, du spielst nicht mit dem Gedanken, in diesem Aufzug noch irgendwo hinzugehen.«

Deutlich hörte ich, wie sie nach Luft schnappte, als sie herumwirbelte. Es war einfach nur unwiderstehlich, wie ihre Augen vor Wut funkelten. »Erstens geht dich das überhaupt nichts an und zweitens war genau das mein Plan.«

Bei dem Klang ihrer Stimme hätte ich um ein Haar zufrieden geseufzt. Besser, als ich sie mir vorgestellt hatte. Tief und kehlig – sofort hörte ich, wie sie heiser und außer Atem darum bettelte, dass ich sie kommen ließ. Mein Penis meldete sich erneut.

Ich gab ein abschätziges Geräusch von mir und begann, sie zu umkreisen. Das machte man mit Beute schließlich so. Sie gab sich die größte Mühe, sich ihre Aufregung nicht anmerken zu lassen, doch sie wich vor mir zurück – allerdings nicht aus Angst, da war ich sicher.

»Ich weiß nicht – die Vorstellung gefällt mir ganz und gar nicht«, sagte ich leise und kam ihr näher.

Ihre Augen wurden für einen kurzen Moment schmal und sie wirkte, als würde ein saftiger Fluch auf ihren Lippen liegen. Auf ihren vollen Lippen, die mich lockten, sie zu küssen. Aber eins nach dem anderen. Direkt über sie herfallen musste ich ja nicht.

»Wie schön, dass das nicht die geringste Rolle spielt.« Sie fauchte den Satz förmlich, drehte sich um und lief so schnell davon, wie ihre hohen Absätze es zuließen.

Für ein paar Sekunden genoss ich die Aussicht auf ihren Po, bevor ich sie einholte und entspannt neben ihr ging. Offenbar störte es sie, denn sie blieb stehen. Also blieb ich ebenfalls stehen. Sie trat einen Schritt nach hinten, ich ging nach vorne.

Die Wut färbte ihre Wangen rot und in ihren Augen konnte ich deutlich lesen, was in ihr vorging. Sie war nicht gut darin, ihre Gefühle zu verschleiern.

»Das reicht. Ich kann mich verteidigen«, stieß sie hervor und ihr Ton ließ die heiße Sommernacht um einige Grad abkühlen. Das beeindruckte mich nicht, denn in ihren Augen las ich eindeutig Neugier.

»Das glaube ich dir gern. Aber ich fürchte, du bist viel zu faszinierend, als dass ich dich einfach gehen lassen kann«, entgegnete ich ruhig.

Kurz verdrehte sie die Augen. »Soll das ein Kompliment sein oder hast du dir das von einem irren Serienmörder abgeguckt?«

»Ein bisschen von beidem«, lautete meine Antwort und sie drehte schnell den Kopf – vermutlich, damit ich nicht sah, dass sie sich bemühte, nicht zu lachen. Um mich abzuschütteln, ging sie weiter nach hinten, allerdings schon merklich langsamer.

Ich gab ihr Zeit, den Baumstamm hinter ihr zu ertasten. Es war herrlich, als die Erkenntnis sich in ihrem Gesicht abzeichnete. Sie schluckte schwer und ich wollte sofort mit der Zunge über die Stelle lecken, an der ich ihren Puls deutlich schlagen sehen konnte. Ob ihr überhaupt bewusst war, wie verführerisch sie war?

Es kostete mich alle Kraft, sie nicht zu berühren. Vor allem weil sie so dicht vor mir stand und ihre Brüste sich unter der weit aufgeknöpften Bluse so schnell hoben und senkten. Ich wollte sie nicht verschrecken.

»Warum hast du das gemacht?«, erkundigte ich mich. Meine Augen bohrten sich in ihre.

Doch sie blieb störrisch. »Ich weiß nicht, was du meinst.«

Leise lachte ich. »Du bist eine miserable Lügnerin!«, stellte ich dann fest und stützte zuerst nur eine Hand neben ihrem Kopf an dem Baum ab. Sie wusste ganz genau, dass ich davon redete, dass sie mich am Ende ihres kleinen Strips ignoriert und sich ganz bewusst nur für mich nicht ausgezogen hatte.

Schockiert sah sie mich an, bevor sie fluchte: »Aufgeblasener Blödmann!«

Grinsend nahm ich den zweiten Arm dazu und stellte befriedigt fest, dass sie zwischen mir und dem Baum gefangen war. Mein!

»Bist du immer so biestig?«, fragte ich und sah dabei auf ihre vollen Lippen, die von Sekunde zu Sekunde immer einladender wurden.

Wie eingefroren lehnte sie an dem Stamm und bewegte sich keinen Millimeter. Das war auch nicht nötig, ihre Erregung war nicht zu übersehen.

»Ich bin zuckersüß, wenn ein Mann das erste Date

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 01-14-2020
ISBN: 978-3-7487-2600-5

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