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Leseprobe

Blazing Love

Eliza Dawson

Inhalt

1. Daryl

2. Jaden

3. Daryl

4. Jaden

5. Daryl

6. Jaden

7. Daryl

8. Jaden

9. Daryl

10. Jaden

11. Daryl

12. Jaden

13. Daryl

14. Jaden

15. Daryl

16. Jaden

17. Daryl

18. Jaden

19. Daryl

20. Jaden

21. Daryl

22. Jaden

23. Daryl

24. Jaden

Anhang

Danksagung

Bücher von Eliza Dawson

Kapitel Eins

Daryl

Wenn ich Jaden in meinen Armen hielt, drohte meine Liebe zu ihm mich zu verzehren nach der Karriere, die hinter mir lag, fühlte es sich seltsam an, so zu denken, aber: Die letzte Woche war die glücklichste meines Lebens. Zum ersten Mal fühlte ich mich vollständig. Zum ersten Mal stand mein Herz lichterloh in Flammen.

Ich betrachtete Jaden im fahlen Morgenlicht, das durch die Vorhangritzen drang, streckte die Hand nach ihm aus und strich ihm sanft über die Wange. »Du musst nicht so tun, als würdest du noch schlafen.«

Er verzog die Lippen zu einem schiefen Lächeln und schlug die Augen auf. Ich versank in dem Ozeanblau. »Ich hatte gehofft, dass ich vielleicht noch etwas einschlafe, wenn ich so tue als ob.« Er gähnte und streckte sich. »Ich glaube, ich habe keine Sekunde geschlafen.«

»Nervös? An deinem großen Tag?«

»Fang du nicht auch noch an.« Jaden schüttelte sich. »Opa hat mich damit schon ganz verrückt gemacht. Nicht, dass das notwendig gewesen wäre.« Er setzte sich auf, das Laken rutschte herab und entblößte seinen nackten Oberkörper.

Gedankenverloren betrachtete ich einen Moment seine zierliche Gestalt, die schmalen Schultern und die Rippenbögen, die sich unter der blassen Haut abzeichneten, wenn er den Rücken so durchdrückte, und die feinen Ansätze von Muskeln. Ich biss mir auf die Unterlippe. Er sah so verdammt verführerisch aus. »Heute ist dein erster Orientierungstag auf der Juilliard«, sagte ich neckend. »Der kommt nie wieder.«

Jetzt verschränkte er die Arme vor der Brust und raubte mir die gute Aussicht. »Hör doch bitte auf damit!« Vorwurfsvoll sah er mich an und seufzte. »Ich habe solche Angst, dass sie mich alle hassen werden«, fügte er kleinlaut hinzu.

Das war es also, was ihn die letzten Tage umgetrieben hatte und immer furchtsam in seinen Augen aufgeflackert war, wenn wir auf die Juilliard zu sprechen kamen. Der Grund, warum er dann immer so schnell das Thema gewechselt hatte. Ich fuhr mit den Fingern durch sein lockiges Haar und legte ihm eine Hand in den Nacken. Ich konnte die Anspannung in seinem Körper spüren. »Niemand wird dich hassen. Warum sollten sie?«, versuchte ich, ihn zu beruhigen, aber er verzog nur den Mund.

»Du weißt ganz genau, dass es genug Gründe dafür gibt.« Er schnaubte, entwand sich mir und kletterte aus dem Bett. Barfuß und nackt tapste er Richtung Bad. »Ich geh duschen.«

Also lenkte er wieder vom Thema ab. Aber ich kannte ihn inzwischen gut genug und wusste, ihn jetzt zu bedrängen, würde nach hinten losgehen. Er würde nur weiter abblocken, im schlimmsten Fall wütend auf mich werden.

An der Badezimmertür hielt er inne, eine Hand auf die Klinke gelegt. Ich betrachtete seinen schmalen Rücken, seinen knackigen Hintern und der Hunger nach ihm regte sich wieder in mir.

Lasziv blickte er über die Schulter zurück, leckte sich über die Lippen. »Kommst du?«

Das musste er mir nicht zweimal sagen.

Eine halbe Stunde später lagen wir wieder im Bett, Haut und Haar noch feucht, und küssten uns. Er lag über mir, hatte seine Arme um meine Schultern geschlungen und seinen nackten Körper eng an mich gepresst. Er war schon wieder hart – die Ausdauer der Jugend. Ich brauchte noch eine kleine Verschnaufpause, knetete mit einer Hand seinen Hintern und streichelte mit der anderen zärtlich über seinen Rücken, während er sich immer fordernder an mich drückte.

Sein Atem wurde schneller und er stieß zwischen den Küssen leise Seufzer aus.

Ich umfasste seine Hüften, hielt ihn still. „Na na na, nicht so schnell.“

Grinsen musterte ich ihn. Er zog eine Schnute und steckte mir die Zunge heraus. „Das ist nur, weil du so langsam bist.“

Seine Hand wanderte in meinen Schritt und er umfasste meinen halbharten Schwanz, begann ihn zu reiben. Mit glühendem Blick sah er mich an. Die letzten Wochen hatte er sich verändert, viel seiner Scheu abgelegt und war selbstbewusster geworden. Zumindest im Bett.

Ich setzte mich auf, umfasste sein Gesicht und küsste ihn. „Tut mir leid, dass ich dich ein bisschen warten gelassen habe.“ Ich rollte mich herum, dass er auf dem Rücken unter mir lag. „Die Schonzeit ist jetzt um.“

Er lachte und ein Vibrieren ging durch seinen Körper. Die Augen geschlossen, den Kopf im Nacken, sah er wunderschön aus. Hastig griff ich auf dem Nachttisch nach einem Kondom. Als die Verpackung beim Aufreißen ratschte, wurde sein Lächeln breiter und er spreizte die Beine ein Stück auseinander. Schnell streifte ich das Kondom über und verteilte etwas Gleitgel auf meinem Ständer. Ich schob eine Hand unter seinen Rücken, hob ihn ein Stück an und drückte meine Spitze gegen seinen Eingang. »Sieh mich an«, flüsterte ich rau.

Jaden öffnete die Augen nur einen Spalt und blickte durch seine dichten Wimpern zu mir auf, nickte leicht.

Ich stieß die Hüften vor, drang durch den Muskelring, der sich mir begierig öffnete.

Jadens Augenlider flatterten, fielen zu, er stieß ein wohliges Stöhnen aus. Ich bewegte mich langsam, achtete auf jede seiner Regungen. Er war vollkommen entspannt, sein Gesichtsausdruck glückselig und die Wangen gerötet. Ich küsste seine geschwungenen Lippen. »Ich liebe dich«, flüsterte ich ihm zu, als unsere Lippen sich wieder trennten.

Seine Antwort war ein strahlendes Lächeln. Seine Beine umschlangen mich und ich begann, mich schneller zu bewegen. Unser Atem verwandelte sich in Keuchen, Jadens Fingernägel gruben sich schmerzhaft in meine Schultern, er stieß einen leisen Schrei aus und es spritzte feucht gegen meinen Bauch. Ich ließ die Lust los, die sich zuckend in meinen Schwanz entlud. Ein paar Mal stieß ich noch zittrig vor und zurück, sackte schließlich über ihm zusammen.

Jaden lachte heiser auf. »Ich glaub, jetzt müssen wir noch einmal duschen.«

Nach dem zweiten Duschen ging es nicht zurück ins Bett. Ich war spät dran für die Bandprobe, die wieder um elf anstand. In zwei Wochen war unser nächstes Konzert. Rafe hatte die Arrangements der Songs so geändert, dass wir kein Keyboard brauchten, war aber nicht wirklich zufrieden. Und wenn er nicht zufrieden war, war er unerträglich.

Freitag hatte Rafe sich schließlich durchgerungen und mich gebeten, Jaden zu fragen, ob er noch einmal mit uns auftreten würde. Nur solange, bis wir einen neuen Keyboarder gefunden hatten. Während des Wochenendes wollte er sich Gedanken über eine Stellenanzeige machen.

Nachdenklich betrachtete ich Jaden, der vorm Spiegel stand und sich nervös von allen Seiten betrachtete. Die letzten beiden Tage hatte ich es nicht über mich gebracht, so nervös, wie er schon war, und jetzt war erst recht nicht der richtige Zeitpunkt, ihn darauf anzusprechen.

Er wippte von einem Fuß auf den anderen, drehte sich zu mir um. »Glaubst du, Jeans und Hemd sind okay? Wäre ein Anzug nicht besser gewesen?«

Ich ging zu ihm, umarmte ihn sachte, um das Hemd nicht zu zerknüddeln. »Jaden, es ist nur die Orientierung. Auf den Fotos im Internet haben die meisten Jeans und T-Shirt an.«

»Dann bin ich overdressed?«

»Nein, du siehst perfekt aus.« Ich zupfte an seinem Kragen. »Alles wird gut.«

Es schimmerte in seinen Augen und er blinzelte heftig, sagte aber nichts. »Und wenn nicht?«, hing die Frage unausgesprochen in der Luft.

»Kommst du heute Abend vorbei?«, fragte ich, um ihn abzulenken.

»Ich würde gerne, aber Opa …« Er hob die Schultern. »Er würde mich gerne mal wieder zum Essen sehen. Die letzte Woche hab ich ja praktisch bei dir gewohnt. Wieder.«

»Aber dann ruf mich an.« Ich lehnte mich vor und küsste ihn. »Ich denke heute an dich.«

Ein Beben ging durch seinen Körper, er lehnte sich vor und schlang die Arme um mich. »Ich liebe dich«, schluchzte er und zog die Nase hoch. »Tut … tut mir leid«, stammelte er. »Ich bin gerade nur so …«

»Aufgekratzt, ich weiß.« Ich lehnte meine Stirn gegen seine. »Sprich mir nach: Alles wird gut.«

Ein Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln. »Alles wird gut.«

Kapitel Zwei

Jaden

Ich war viel zu früh zur Orientierung an der Juilliard, suchte mir im großen Auditorium einen einsamen Platz in der ersten Reihe. Draußen hatte ich gesehen, wie einige ältere Studenten den Neuen, die im Wohnheim leben würden, beim Gepäcktragen halfen. Die Älteren trugen quietschgrüne »Welcome to Juilliard«-T-Shirts, woran man sie gut erkennen konnte.

Ein junger Mann in einem solchen T-Shirt hatte mir breitgrinsend zugewunken. Ich hatte ihm zugenickt und war hastig in Richtung Auditorium verschwunden. Das fing ja schon gut an.

Nervös tippte ich auf meinem Handy herum.

»Mach dir nicht solche Sorgen und hab einen tollen Tag! Bis später!«

Ich las die SMS, die Daryl mir auf meinem Weg geschrieben hatte, ein dutzend Mal durch, versuchte mich zu beruhigen, aber die Anspannung steckte mir in den Knochen. Die letzten Monate war ich fremden Menschen aus dem Weg gegangen. Aus Angst, dass ich erkannt wurde. Aus Angst, dass sie mich verurteilten. Dabei war es lächerlich, so zu denken. Ein paar Tage war mein Name durch die sozialen Medien gegeistert, ich hatte den Hass einiger, gut, vieler Fans auf mich gezogen – aber für die Allgemeinheit war der Skandal schon fast vergessen. Und wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass ich ausgerechnet hier auf Hardcore-Fans treffen würde? Die meisten, die hier studierten, interessierten sich doch ohnehin mehr für klassische Musik.

Trotzdem trommelte ich nervös mit dem Finger auf der Stuhllehne, blickte mich immer wieder ängstlich um, während sich der Saal nach und nach füllte, aber die Plätze neben mir frei blieben.

Vermutlich lag das weniger an mir, als an der Tatsache, dass ich mich erste Reihe Mitte gesetzt hatte. Der Platz, an dem sich nur Streber wohlfühlten. Allerdings hatte ich gehofft, nicht der einzige Streber hier zu sein.

Ich zuckte zusammen, als sich jemand neben mich setzte. Direkt neben mich, statt auf einen der etlichen freien Plätze in meiner Reihe. Schüchtern blickte ich zur Seite und erkannte den Studenten von vorhin. Sein kurzes braunes Haar stand ihm zu allen Seiten ab und der Schalk funkelte in seinen braunen Augen. Er streckte mir die Hand entgegen. »Hi, ich bin Miles Westley. Ich bin hier, um euch Neuen bei der Orientierung zu helfen.«

»Jaden«, stammelte ich und schüttelte seinen Hand.

»Du bist eben ganz schön schnell abgehauen.«

Betreten starrte ich hinab.

»Kein Ding. Viele sind erstmal etwas eingeschüchtert von dem Ganzen hier. Du studierst auch Violine?«

Ich hob meinen Violinenkoffer an. »Nach der Einführung hab ich mein Vorspielen.«

Aufgeregt nickte Miles. »Ich bin schon richtig gespannt auf die Neuen dieses Jahr. Also auf euch.« Er lächelte mich breit an und langsam wich etwas der Anspannung aus mir. »Hast du die Online-Orientierung schon abgeschlossen?«

Das hatte ich gemacht, als es gerade freigeschaltet worden war. Ich nickte. »Vor ein paar Wochen schon.«

»Vorbildlich. Sobald sie mit der Beurteilung fertig sind, helfe ich dir bei deinen Kursen. Naja, dir und den anderen.« Er drückte mir einen Zettel in die Hand. »Ach ja, hier sind auch unsere Veranstaltungen für diese Woche. Das wollte ich dir eben schon geben, als du mit Scheuklappen vorbeigerannt bist.«

Meine Wangen wurden heiß.

»Kein Grund rot zu werden«, plapperte Miles weiter. »Wir sind hier doch alle vom gleichen Schlag. Wir lieben die Musik und leben für sie.«

Ich atmete auf. »Ja. Die Musik ist wirklich mein Leben.« Daryls Gesicht flackerte vor mir auf. Nein, jetzt war es nicht nur die Musik, aber sie war immer noch ein großer Teil meines Lebens. Und Musik war es auch, die Daryl und mich verband.

Miles lehnte sich im Stuhl zurück und blickte hinauf zum Stehpult. »Professor Bellamy wird nachher eine ganz kitschige Rede halten, wie wichtig unsere Rolle im Fortleben der Künste ist. Dass wir die wahren Führer der freien Welt sind.« Er grinste. »Solltest du dir noch nicht genug Druck gemacht haben, läd er dir gleich noch ein paar Zentner auf die Schultern.«

Ich prustete und wir brachen beide in Gelächter aus. Nachdem mich die Anspannung die letzten Tagen in jeder ruhigen Minute fast um den Verstand gebracht hatte, tat das ungemein gut.

Miles setzte an, noch etwas zu sagen, als das Licht gedimmt wurde und ein hagerer Mann mit schlohweißem Haar die Bühne betrat. Cyril Bellamy – ein Virtuose an der Violine und der aktuelle Leiter der Abteilung für Violine. Ich hatte schon viel von ihm gehört und die Ehrfurcht machte mir die Kehle eng.

»Es geht los!«, raunte Miles mir ins Ohr und vor Schreck biss ich mir in die Zunge. Ich hatte die Hände auf meine Knie gelegt und vergrub die Finger im rauen Stoff der Jeans.

Mein Gott, ich war nur ein kleiner Junge aus Brooklyn, was tat ich hier? Ich schluckte und blickte zu Bellamy hoch, der sich jetzt zu allen Seiten verbeugte. Erst jetzt sah ich, dass er seine Violine bei sich trug. Er trat an das Mikrofon und ohne etwas zu sagen, fing er an zu spielen.

Freude, schöner Götterfunken.

Eine Gänsehaut kroch mir über meinen ganzen Körper und gebannt betrachtete ich sein Spiel, das so voller Hingabe war.

Als er die Violine schließlich absetzte, konnte ich nicht anders, als zu applaudieren. Zum Glück war ich nicht allein.

Bellamy hob die Hände, gebot uns, ruhig zu sein.

»Willkommen auf der Juilliard School für Musik, Schauspiel und Tanz. Am 5. September werdet ihr bei der Eröffnungsfeier eine lange, langweilige Rede von unserem Präsidenten hören.« Vereinzelte Studenten lachten. »Deswegen halte ich mich heute kurz. Ich freue mich, euch alle hier zu begrüßen – ihr seid eine Gruppe von Ausnahmetalenten. Die nächste Generation, die den Menschen die Schönheit der Violine näherbringen wird. Deswegen liegt eine große Verantwortung auf euren Schultern.« Er lächelte breit. »Aber erst, nachdem wir euch alles beigebracht haben, was Lehrer zu lehren in der Lage sind. Ich wünsche euch, dass ihr an dieser Schule die beste Zeit eures Lebens erleben werdet. Und jetzt fangt damit an.« Er verneigte sich knapp und verließ wieder die Bühne.

»Du hast gelogen«, flüsterte ich Miles zu. »So schlimm war es gar nicht.«

Miles grinste. »Er hat sich wohl die Beschwerden der letzten Jahre zu Herzen genommen.« Er stand auf, drehte sich um und klatschte in die Hände. »So, und jetzt geht es auf zum Vorspielen. Folgt mir!«, rief er so laut, dass es durch das ganze Auditorium hallte. Ich drehte mich um, sah, wie eine handvoll Studenten aufstanden und zu uns kamen.

»Sind das alle?«, fragte ich nervös. Der Großteil der Zuschauer blieb sitzen und erst jetzt erkannte ich, dass einige von ihnen zu den Professoren zählten oder wie Miles grüne T-Shirts trugen. Andere schienen Familienmitglieder zu sein. Großvater wäre gerne hiergewesen, aber er hatte nicht frei bekommen. Mir wurde schwer ums Herz.

»Es ist zwar die größte Abteilung in der Musik-Fakultät, aber die Juilliard ist nicht riesig«, riss Miles mich aus den Gedanken. »Deswegen ist alles sehr kuschelig bei uns. Man findet sehr schnell Anschluss und Freunde.«

Ich nickte, auch wenn ich es nicht ganz glauben konnte. Bisher war es mir noch nie gelungen, an irgendeiner Schule wirklich Anschluss zu finden. Oder Freunde. Mit einem schmerzhaften Stich dachte ich an Liz und unsere Freundschaft, die jetzt Vergangenheit war.

Das Grüppchen, was sich schließlich bei Miles und mir versammelte, war bunt gemischt. Zwei Jungs, vier Mädchen.

»Als erstes solltet ihr euch alle einmal vorstellen. Ihr werdet schließlich die nächsten vier Jahre zusammen verbringen.«

Die anderen lächelten schüchtern.

Eine breitschultrige Afroamerikanerin ergriff als erstes das Wort. »Ich bin Amber Bentley.«

»Masayori Nakamura. Freut mich.« Der schlacksige Japaner hatte einen schweren Akzent und verneigte sich mehrmals.

»Masayori ist erst letzte Woche aus Japan eingereist«, erklärte Miles. »Er soll bitte einen guten Eindruck von Amerika mit zurücknehmen.« Er zwinkerte dabei und wir alle grinsten.

»Christina Grey«, sagte eine bildschübsche Brünette. »Und bitte keine Witze.«

Ich unterdrückte ein Grinsen, wie die meisten anderen. Nur Masayori hob verwirrt die Augenbrauen – aber es war auch besser, wenn er die Anspielung nicht verstand.

»Reyna Aritza«, fuhr eine kleine, zierliche Latina vor, gefolgt von einer rothaarigen, die sich bei ihr eingehakt hatte. »Moyra Hines.«

Blieb noch ein dunkelhaariger Junge mit engstehenden Augen und einer Nickelbrille, der mir irgendwie bekannt vorkam. »Alden Winfield.«

Richtig. Er war im Junior Programm gewesen und hatte bei einem Konzert gespielt, dass ich mir angesehen hatte.

Schließlich lagen alle Blick auf mir. »Jaden Andrews«, flüsterte ich und rieb mir den Nacken. Aber niemand zuckte bei meinem Namen zusammen oder riss vor Erkennen weit die Augen auf. Keiner von ihnen hatte es gehört. Erleichtert erlaubte ich mir ein Lächeln.

»Gut, meine glorreichen Sieben, auf in die Schlacht«, verkündete Miles und stiefelte davon.

Unsere Mienen wurden wieder ernst. Die erste große Herausforderung lag vor uns.

Kapitel Drei

Daryl

»Was habt ihr das ganze Wochenende getrieben, dass du nicht dazugekommen bist, ihn zu fragen? Ach nein, ich will es gar nicht erst wissen.« Rafe raufte sich die Haare und starrte missmutig auf seine Notenblätter. »Wir haben bestimmt nicht das Glück, gleich jemand passendes zu finden. Dann sind wir nächste Woche aufgeschmissen, wenn Jaden nicht will.«

Ich presste die Lippen aufeinander und atmete tief ein und aus. »Ruhig Blut. Er wird uns sicher den Gefallen tun, wenn ich ihn darum bitte.« Ich nahm einen Schluck Diet Coke. »Kennt Cassie niemanden?«

Rafe schüttelte den Kopf. »Niemand, der bei uns mitmachen würde.« Genervt schnaubte er. »Entweder stehen sie nicht auf unsere Musik oder wollen keine Gefahr laufen, es sich mit Shooting Star Recordings zu verscherzen. Mir war nie bewusst gewesen, wie viel Macht unser altes Label hat«

Dave, der bisher geistesabwesend auf seinem Handy herumgetippt hatte, sah zu uns auf. »Ich könnte in unserer Facebook-Gruppe fragen, ob jemand Lust hat. Irgendeinen Fan, der ausreichend Keyboard spielen kann, haben wir doch sicher.«

Rafe verdrehte die Augen, was Dave aber gar nicht mehr auffiel, da er wieder ganz auf sein Handy fixiert war. »Er soll aber nicht nur ausreichend Keyboard spielen können – er soll wirklich gut sein, wenn möglich Bühnenerfahrung haben und nicht nur mitmachen wollen, um mit irgendeinem von uns im Bett zu landen.«

Dave saugte die Unterlippe ein. »Da hätte ich gar nicht mal was dagegen.«

Ich verschluckte mich an der Coke und hustete. »Was ist mit deiner ominösen Freundin.«

»Mit Deir…« Er unterbrach sich, schluckte und stieß schließlich ein langgezogenes Seufzen aus. »Es kriselt ein bisschen zwischen, na ja, Deirdra und mir.«

Unbewegt starrten wir ihn an.

Rafe fand als erstes die Worte wieder. »Deirdra, wie unsere ehemalige Managerin?«

»Ja, genau die.«

Das erklärte, warum sie ihn nach seinem Ausstieg vor die Tür gesetzt hatte. Erstaunlich, dass sich das wieder eingerenkt hatte.

Dave fuhr sich mit den Händen über das Gesicht und warf sein Handy in seine Tasche. »Vergesst, was ich gerade gesagt habe. Ich hätte wohl was dagegen. Ich hoffe, dass ich es irgendwie noch kitten kann.« Er sah betreten auf seine Schuhe. »Und tut mir leid, dass ich das die ganze Zeit vor euch verheimlicht habe, aber sie wollte nicht, dass es rauskommt. Schlechte Publicity.«

Rafe schob seinen Kiefer vor. »Glaubst du echt, einer von uns hätte das an die Presse verkauft?«

»Du schläfst mit der Presse.«

Rafe schnaubte. »Quincy würde das sicher nicht gegen uns einsetzen.«

»Nicht gegen dich, aber es ist ja auch schlecht für Shooting Star Recordings.« Er leckte sich über die Lippen. »Und ich weiß, was sie von dir verlangt hat. Dass du das Lügenmärchen aufrechterhalten solltest und leugnen, wer du wirklich bist. Wir haben uns damals deswegen auch gestritten, aber sie kann furchtbar stur sein.«

»Sie hat an das Beste für die Band gedacht.« Rafe zuckte mit den Achseln. »Das kann man ihr nicht vorwerfen. So ist einfach das Geschäft.«

Er klang so resigniert, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste irgendetwas sagen, aber mir

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 07-25-2019
ISBN: 978-3-7487-1079-0

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