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4 HUFEISEN ZUM GLÜCK

 

(Fortsetzung von <Der verirrte Schwan>)

 

von Martina Hoblitz

 

 

 

PROLOG




„Der Sieger des diesjährigen Dressur Special ist die 5jährige Stute <Fairytale> mit ihrer Reiterin Gräfin Astrid von Thorgau!“ verkündete über Lautsprecher der Stadionkommentator.

 

Beifall brandete auf, und Astrid umarmte überglücklich ihr Pferd, welches leise zufrieden schnaubte. – Als sie den Pokal überreicht bekam, legte sie kurz ihre Wange an das vergoldete Blech und dachte: ‚Für dich, Andy! Danke für alles!’

 

Mit leiser Wehmut erinnerte sie sich an das Turnier vor genau einem Jahr, und was danach alles geschehen war. ......













Kapitel 1




Schon im letzten Jahr hatte Astrid die Dressur gewonnen und ließ sich feiern. – Gleich nach der Siegerehrung kam Andreas Jüttner, ihr Gutsverwalter, auf sie zu geeilt und gratulierte ihr mit einer kurzen Umarmung und Wangenküsschen rechts und links.

 

Astrid konnte nicht verhindern, dass sie leicht errötete. Sie wusste von seiner Schwärmerei für sie, er betete sie an, seit sein Freund Benedikt sie als Braut auf den Hof gebracht hatte. Doch Andreas’ Aufmerksamkeiten waren nie aufdringlich, obwohl sein Herz bis zum Hals hinauf klopfte, wenn er die junge Gräfin nur von weitem sah. – Selbstverständlich war Astrid für ihn in zweierlei Hinsicht tabu, erstens war Graf Benedikt, ihr Ehemann, sein bester Freund, und zweitens war er selbst als Gestütsverwalter sein und damit auch Astrids Angestellter. –

 

Um seiner gerade wieder aufwallenden Gefühle Herr zu werden, führte Andreas, nachdem das Pferd Fairytale einem Stallknecht anvertraut wurde, Astrid an einen der Getränkepavillons. – Dort gesellte sich Andreas’ Schwester Gabriele zu ihnen, als er für sich und Astrid Sekt zum Anstoßen bestellte. Auch Gabriele hielt ein Glas in der Hand und stieß ungezwungen mit den beiden an, wobei sie sagte: „Ein grandioser Sieg, liebe Astrid!“

 

Die junge Gräfin nickte, lächelte dankbar und bemerkte: „Ein hart erkämpfter. Lord Henderson mit seinem Devil war ein scharfer Konkurrent.“ – Sie wandte sich an Andreas: „Aber zu deinem 3.Platz beim Military kann man dir auch gratulieren! Ein sehr enges Feld.“ – „Danke, Astrid! Roberto hat sich ausgezeichnet geschlagen. – Da hat Benni in seinem Urteil schwer daneben gelegen.“ ---


Vor 5 Jahren, als das Pferd Roberto zur Welt kam, hatte Benedikt behauptet, aus dem Hengst würde einmal ein gutes Dressurpferd. Doch dann entdeckte Andreas sein Springtalent und trainierte ihn in dieser Richtung. –

 

Inzwischen gehörte das Pferd allerdings nicht mehr zum Gestüt Thorgau, denn Benedikt hatte es Gabriele zur Hochzeit geschenkt. Weil sie Diejenige war, die den kleinen Hengst quasi groß gezogen und ihn gepflegt hatte, als er als Fohlen einmal sehr krank gewesen war. ---


Diese intensive Pflege hatte Gabriele auch auf die Idee gebracht, Tiermedizin zu studieren. So hatte sie ihren zukünftigen Mann Ferdinand Sundermann, gleichfalls Student in Tiermedizin, kennen gelernt.

 

Als dieser vor anderthalb Jahren sein Studium mit einem ausgezeichneten Examen beendet hatte, übernahm er die Praxis von seinem Onkel ganz in der Nähe vom Landgut Thorgau. Und als Gabriele ein Jahr später ebenfalls ihren Abschluss schaffte, heirateten die beiden und führten von da an gemeinsam die Tierarztpraxis. ---


Nun entgegnete Gabriele auf die Bemerkung ihres Bruders: „Benni kann ja nicht immer Recht haben. Aber meist stimmt doch sein Urteil.“

 

Plötzlich grinste Andreas. „Was wohl dabei heraus käme, wenn wir Roberto und Fairytale zusammen brächten?“ – „Ein Traber!“ wollte Gabriele lachend behaupten.

 

Astrid dämpfte die Begeisterung, indem sie vernünftig erklärte: „Vorerst sind die Zwei noch nicht für die Zucht bestimmt!“ – „Trotzdem red ich mal mit Benni darüber, wenn wir wieder auf Gut Thorgau sind!“

 

Gabriele sah sich suchend um. „Ach, ist Benni denn nicht hier? Ich hab ihn schon vermisst.“ – „Nein, leider ist ihm ein Termin dazwischen gekommen.“

 

Genaueres sagte Astrid den Geschwistern nicht, aber sie blickte leicht traurig vor sich hin.



Bei dem wichtigen Termin des Grafen Benedikt von Thorgau handelte es sich um ein Vorstellungsgespräch im Jugendamt auf der Fürsorgestelle, denn das Grafenpaar hatte sich entschlossen, ein Kind zu adoptieren. –

 

Astrid und Benedikt waren jetzt 5 Jahre verheiratet und trotz ihres recht lebhaften Liebeslebens hatte sich noch kein Nachwuchs angekündigt.

 

Nach 4 Jahren eifrigen Bemühens kamen Astrid die ersten Bedenken, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung sein könnte. – Sie vertraute sich dem Hausarzt der gräflichen Familie an, doch Dr.Berghof konnte nichts feststellen, was gegen eine Schwangerschaft sprechen würde und meinte nur, sie sollten die Sache nicht so verkrampft angehen. –

 

Astrids schüchterne Bitte an Benedikt, er möge sich doch auch einmal untersuchen lassen, stieß bei dem jungen Mann nicht nur auf taube Ohren, sondern auf große Empörung, denn er fühlte sich in seiner männlichen Eitelkeit gekränkt. (In Wahrheit hatte er jedoch ein schlechtes Gewissen und reagierte deshalb heftiger als beabsichtigt.) –

 

So redete sich Astrid ein, es läge doch an ihr, und sie wurde immer unglücklicher. – Zumal ihre ältere Schwester Hildegard bereits einen 4jährigen Sohn hatte und schon wieder schwanger war.

 

Sie und ihr Mann Rainer waren ja genauso lange verheiratet wie das Grafenpaar, denn damals hatte es eine Doppelhochzeit der beiden Schwestern gegeben. ---


Jedenfalls wurde das Thema Kind bei Astrid immer mehr zur Manie. Sie besorgte sich Fachliteratur, rechnete penibel ihre fruchtbaren Tage aus, und der Sex mit Benedikt wurde nur noch zur Pflichterfüllung, genau nach Kalender. –

 

Das brachte Benedikt schließlich auf die Idee mit der Adoption, und diese versuchte er seiner Frau mit allen Mitteln schmackhaft zu machen.

 

Zunächst sträubte sich Astrid gegen den Gedanken, ein fremdes Kind als ihr eigenes groß zu ziehen. – Doch dann sah sie zufällig im Fernsehen einen Bericht über Waisenhäuser, und das brachte sie ins Grübeln.

 

Um Astrid die Entscheidung noch leichter zu machen, besorgte Benedikt Broschüren und Prospekte über Kinderheime und Waisenhäuser in der Umgebung und regte an, sich doch dort einmal ganz zwanglos umzuschauen. Er setzte sich sogar mit dem Familienanwalt Dr.Russek zusammen, um die juristische Sachlage zu besprechen. ---


Einer der diese ganze Aufregung und Unruhe im Haus mit Unverständnis verfolgte, war der alte Graf Olaf. –

 

Eines Abends, als er es sich zusammen mit seiner Schwester Gräfin Miriam vor dem Kamin in der Bibliothek bei einer Flasche Wein gemütlich gemacht hatte, erkundigte er sich neugierig bei ihr: „Sag mal, weißt du, was unsre jungen Leute in letzter Zeit zu mauscheln haben? Was soll diese Geheimniskrämerei? Und was haben Arzt und Anwalt damit zu tun, die hier ständig ein und aus gehen?“

 

Diese Fragerei war Gräfin Miriam gar nicht recht, und sie druckste unbehaglich herum, denn sie wusste nicht, ob sie dem Vater über die Pläne des Paares Bericht erstatten sollte, zumal der alte Graf sich bestimmt darüber ärgern würde, wenn er erfuhr, dass sie in alles eingeweiht war, er jedoch nicht.

 

Sie wusste schließlich nicht nur von den Adoptionsplänen, sondern kannte auch die ganze Wahrheit, denn ihr Neffe Benedikt hatte sich ihr vollkommen anvertraut.














Kapitel 2




In der Ehe von Astrid und Benedikt kriselte es gewaltig!

 

Dabei ging es nicht nur um den unerfüllten Kinderwunsch. Nein, Benedikt musste betroffen feststellen, dass Astrid klammheimlich wieder angefangen hatte zu trinken, und zwar gleich nach ihrem ergebnislosen Arztbesuch, und nachdem sie ihn gebeten hatte, sich doch auch untersuchen zu lassen, was er vehement verweigerte.

 

Benedikt brauchte keine Untersuchung, weil er schon seit Jahren wusste, dass er zeugungsunfähig war, eine Virusinfektion als Teenager hatte das verursacht. Und er schimpfte sich insgeheim einen erbärmlichen Feigling, dass er Astrid gegenüber mit der Tatsache hinterm Berg hielt und es duldete, dass sie sich selbst die Schuld an ihrer Kinderlosigkeit gab. ---


Als er dann bemerkte, dass Astrid wieder Trost im Alkohol suchte, kam er auf die Idee mit der Adoption. Paare die einen solchen Antrag stellten, mussten in jeder Hinsicht untadelig sein, also sollte sich Astrid mit ihrer Trinkerei am Riemen reißen. –

 

Oh, sie war ganz und gar nicht begeistert von seinem Vorschlag und wollte zunächst nichts davon hören. – In ihrer Verzweiflung fiel ihr nur ein Mensch ein, dem sie sich anvertrauen konnte, und so packte sie kurzerhand ein paar Sachen für einen längeren Besuch bei ihrer Schwester Hildegard, die sie auch mit Freude auf unbegrenzte Zeit bei sich aufnahm.



Familie Humboldt bewohnte ein kleines Reihenhäuschen in der Nähe des großen Tanzstudios, wo sich in der oberen Etage ihre Ballettschule befand. Während sich Rainer um die größeren Eleven kümmerte, unterwies Hildegard die Kinder in ihren ersten Tanzschritten, und sogar ihr 4jähriger Sohn Kilian trainierte schon eifrig mit. –

 

Als Astrid bei der Familie ihrer Schwester eintraf, hatte sie irgendwie das Gefühl, nach Hause zu kommen. Das bestärkte sich noch mehr, als sie später auch die Ballettschule betrat. –

 

Hildegard erschrak jedoch über den Anblick der Schwester, wie sie so vor ihrer Haustür stand. Astrid war blass und hager und wirkte irgendwie verhärmt, sodass Hildegard unverhofft die Frage entschlüpfte: „Ja, Schwesterchen, wie siehst du denn aus?! Bist du etwa krank?“

 

Da glitzerten Tränen in Astrids Augenwinkeln, und sie gab zu: „Ach, Hildchen, mein Herz tut so weh! Lass mich bitte rein, und ich erzähl die alles!“ ---


So setzten sich die beiden Schwestern im Wohnzimmer zu einem ernsten Gespräch zusammen, nachdem Hildegard Mann und Sohn auf den Spielplatz geschickt hatte. Bei einer Tasse Tee – Hildegard vertrug zurzeit keinen Kaffee – und nach einem neidvollen Blick auf Hildegards gewölbten Leib, sprudelte dann Astrids ganzer Kummer aus ihr heraus. „Hildchen, jetzt sind Benni und ich schon so lange verheiratet, und ich werd einfach nicht schwanger! Ich war schon beim Doktor und hab mich gründlich untersuchen lassen. Und der hat nix feststellen können. Da hab ich Benni gebeten, sich auch untersuchen zu lassen. Doch er weigert sich. Stattdessen will er mich überreden, ein Kind zu adoptieren. Was soll ich denn davon halten?“

 

Hildegard starrte sie mit großen Augen an und fragte voller Unverständnis: „Warum will er sich denn nicht untersuchen lassen? Hat er Angst, dass es an ihm liegt?“ – „Ich weiß es nicht! – Überhaupt ist er in letzter Zeit so gleichgültig mir gegenüber. Kein liebes Wort kommt ihm mehr über die Lippen. Und früher war er immer so aufmerksam und liebevoll.“ – und mit hochrotem Kopf fügte sie verlegen hinzu: „Selbst im Bett tut sich nix mehr.“

 

Hildegard runzelte die Stirn. „Das klingt aber ernst. – Verzeih mir die direkte Frage! Aber kann es sein, dass er ´ne Andre hat?“

 

Astrid wollte schon empört protestieren, aber dann überlegte sie und meinte versonnen: „In letzter Zeit konsultiert er Gaby in ihrer Eigenschaft als Tierärztin sehr häufig. – Ich fand es auch ein bisschen übertrieben, dass er ihr zur Hochzeit einen so wertvollen Hengst wie Roberto geschenkt hat.“ – „War da nicht mal was zwischen ihnen? Es hieß doch damals, dass Benedikt ursprünglich Gabriele heiraten sollte, bevor er dich kennen lernte.“ – „Benni behauptet, da war nix. Aber so wie es jetzt aussieht, weiß ich nicht, ob ich ihm das noch glauben kann. – Dann war da auch noch der Theaterbesuch, nur zu zweit, Benni und Gaby. Ferdinand hatte Bereitschaftsdienst wegen einer kalbenden Kuh. Und ich fühlte mich nicht rech wohl.“

 

Selbst ihrer Schwester gegenüber wollte sie nicht zugeben, dass sie an diesem Abend ein bisschen viel Wein getrunken hatte.

 

„Und nun glaubst du, sie waren gar nicht im Theater sondern woanders?“ – „Ehrlich, ich weiß nicht, was ich glauben soll! Denk nur nicht, ich gehöre zu diesen misstrauischen Ehefrauen! Aber ich hab mir eingebildet, er hatte, als er nach Hause kam, einen sonderbar fremden Duft an sich.“



Wie Recht Astrid doch mit ihrem Verdacht hatte!

 

Zunächst waren Benedikt und Gabriele wirklich im Theater und amüsierten sich über die Boulevardkomödie. Doch in der Pause holte Benedikt ohne besondere Absprache ihre Jacken an der Garderobe ab, und sie verließen Arm in Arm das Foyer. –

 

Zuerst gingen sie in eine kleine gemütliche Weinstube, wo sie sich noch ganz harmlos unterhielten, vorwiegend über frühere Zeiten auf Gut Thorgau, als Gabriele noch nicht studierte, sondern ihm überall im Gestüt zur Hand ging.

 

Bis Benedikt schließlich aufseufzte und zugab: „Ach, Gaby! Langsam glaub ich, ich hab doch die falsche Frau geheiratet. Du hast von Anfang an viel besser zu mir gepasst. Warum war ich nur so verblendet?“

 

Gabriele machte große erstaunte Augen. „Ja, Benni, liebst du denn deine Astrid nicht mehr? Ich hab schon bemerkt, dass es zwischen euch nicht mehr so recht stimmt.“

 

Da winkte Benedikt müde ab. „Was mich am meisten nervt, ist ihr permanenter Kinderwunsch. Und das Allerschlimmste ist, dass wir quasi nur noch nach Kalender miteinander schlafen, und dann ist es so verkrampft, dass es keinen rechten Spaß macht.“

 

Gabriele war über sein Geständnis weniger schockiert als erwartet, sondern sie gestand im Gegenzug: „Stell dir vor, das geht mir mit Ferdi nicht anders! Fast aus demselben Grund wie bei dir. Er versucht, mich aus der Praxis zu drängen und mich an Haus und Herd zu zwingen. Aber ich will noch kein Kind und nehm darum heimlich die Pille.“ – „Das ist aber nicht fair gegen deinen Mann!“ bemerkte Benedikt und bekam prompt ein schlechtes Gewissen.

 

War er denn fair gegen Astrid? – Er kämpfte mit sich, ob er seiner Jugendfreundin die Wahrheit sagen sollte, aber das war ihm doch zu unangenehm.

 

Plötzlich meinte Gabriele frei heraus und mit einem seltsamen Augenaufschlag: „Benni, wir scheinen beide nicht das erhoffte Glück in unsrer Ehe gefunden zu haben. Wie wär’s, wenn wir uns gegenseitig trösten?“

 

Benedikt schaltete nicht sofort und fragte betroffen: „Wie meinst du denn das?“

 

Gabriele blickte genervt gen Himmel und seufzte. „Wieso muss man euch Männer immer erst mit der Nase auf etwas stoßen?!“ – Dann sah sie ihn eindringlich an. „Mensch, Benni, muss ich denn erst ganz direkt werden? Du kommst bei Astrid nicht richtig zum Zug, und mir kann Ferdi nix Besonderes bieten. Sollten wir’s da nicht mal miteinander versuchen?“

 

Nun war Benedikt doch schockiert. „Gaby!! Ich kann nicht glauben, was ich da höre. Du willst deinen Mann betrügen? Mit mir? Und ich soll Astrid fremdgehen? Mit dir?“

 

Da zeigte Gabriele einen beleidigten Schmollmund. „Wenn du das so ausdrückst, klingt es gar nicht nett!“ – „Es ist auch nicht nett! Aus der Ehe auszubrechen, nur weil’s mal kriselt, ist doch eher feige.“ behauptete Benedikt.

 

Da wurde Gabriele böse. „Wer hat denn mit dem Gejammer angefangen? Und ich hab gedacht, wir verstehn einander und würden endlich das nachholen, was wir versäumt haben. – Aber du warst schon immer ein Feigling! – Wenn ich damals gekonnt hätte wie ich wollte, hätt ich dir den Heiratsantrag gemacht, und alles wär gut geworden. Ferdinand war für mich von Anfang an nur die 2.Wahl. – so, jetzt weißt du’s!“

 

Benedikt starrte sie nur betroffen an, und Gabriele setzte noch eins obendrauf. „Und deine angebliche große Liebe zu Astrid war reine Verblendung. Sie schien dir anfangs ja unerreichbar. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, sie gab dir die Gelegenheit, dich endlich mal gegen deinen dominanten Vater zu stellen.“

 

Über diese Unterstellung empörte sich Benedikt: „Mensch, Gaby, du redest wie so’n Psychoheini! Lernt man das im Studium?“

 

Gabriele erschrak, denn irgendwie geriet ihr die Situation aus dem Ruder. Eigentlich hatte sie geplant, Benedikt an diesem Abend nach allen Regeln der Kunst zu verführen. Skrupel wegen Astrid oder Ferdinand kannte sie nicht!

 

Und nun schien alles eher in einem Streit mit Benedikt zu enden, statt im Bett. –

 

Doch plötzlich schenkte er ihr ein zärtliches Lächeln, denn ihm war der nüchterne Gedanke durch den Kopf geschossen, dass ja nichts passieren konnte; er war zeugungsunfähig, und Gabriele nahm die Pille! – Also, warum nicht?

 

Ganz spontan und überraschend schlug er vor: „Gaby, du hast Recht1 – Sollen wir uns ein Hotelzimmer nehmen?“

 

Nach der ersten Verblüffung strahlte sie ihn an und nickte.










Kapitel 3




Gräfin Miriam wusste nicht recht, wie sie ihrem Bruder auf seine neugierigen Fragen antworten sollte, vor allem konnte sie nicht voraussehen, wie der alte Graf reagieren würde.

 

Nach einem tiefen Seufzer begann sie: „Olaf, dir ist sicher nicht entgangen, dass unsre jungen Leute nun schon seit 5 Jahren verheiratet sind und sich immer noch kein Nachwuchs eingestellt hat?“

 

Der Graf wollte etwas dazwischen sprechen, doch seine Schwester winkte ab. „Seit kurzem planen sie eine Adoption ins Auge zu fassen.“

 

Nun konnte Graf Olaf nicht mehr an sich halten und schimpfte: „Was für eine absurde Idee! Ein fremdes Kind als zukünftiger Träger des Adelstitels? Unmöglich! – Warum können sie denn keine eignen Kinder kriegen? An wem liegt’s? – Wahrscheinlich an Astrid wegen ihrer Sauferei?!“

 

Gräfin Miriam war schier entsetzt über diese Unterstellung. Allerdings war auch ihr aufgefallen, dass Astrid wieder im Gegensatz zu früher Wein zum Essen trank und sich gelegentlich am Abend einen Cognac gönnte. – Doch sie kannte ja die Wahrheit und sagte sie ihrem Bruder auf den Kopf zu: „Es liegt an Benedikt! – Olaf, erinnre dich an seine Krankheit, als er 14 war! Der Arzt hat es dir damals gesagt, aber du wolltest ihm nicht glauben.“

 

Mit einem verächtlichen Brummen entgegnete Graf Olaf: „Und ich glaub’s auch jetzt noch nicht! Hat sich der Junge denn nicht noch mal untersuchen lassen?“ – „Nein, er weigert sich. Sogar auf ausdrücklichen Wunsch von Astrid. Sie hat sich untersuchen lassen, und bei ihr ist alles in Ordnung. Es kann also nur an Benedikt liegen!“ – „Unsinn! Ich trau keinem Quacksalber, weder positiv noch negativ. Wer weiß, wie oberflächlich er Astrid untersucht hat? – Mein Sohn ist nicht zeugungsunfähig und basta! – Und diese blöde Idee mit der Adoption sollen die beiden mal ganz schnell vergessen. Ich will keinen Kuckucksenkel!“

 

Da runzelte Gräfin Miriam missbilligend die Stirn und äußerte sich: „Verzeih, mein lieber Olaf, wenn ich dir das jetzt sage! Aber das ist eine Angelegenheit, die dich nix angeht, sondern die nur Astrid und Benedikt entscheiden können. – Allerdings hab ich das Gefühl, dass Astrid von der Idee auch nicht sonderlich begeistert ist.“ – „Sehr vernünftig von ihr!“ rief da der Graf erfreut, wenn auch leicht erstaunt. „Übrigens, wohin ist sie eigentlich so überstürzt gereist? Sie hat ja reichlich Gepäck mitgenommen.“ – „Sie ist zu ihrer Schwester und deren Familie gefahren. Etwas Abstand wird ihr gut tun. Sie und Benedikt sind sich im Moment nicht recht grün.“

 

Das war von ihr noch recht vorsichtig ausgedrückt, denn in ihren Augen verbrachte Benedikt viel zu viel Zeit mit Gabriele, und sie fürchtete, dass da mehr hinter stecken könnte.



Astrid blühte bei ihrer Schwester wirklich schon ein wenig auf. Vor allem als Hildegard sie aufforderte, doch mit in die Ballettschule zum Training zu kommen.

 

Kaum sah sie die kleinen Tanzmäuse, da fühlte sie sich unverhofft in ihre eigene Kindheit zurück versetzt. Sie erinnerte sich daran, wie sie in diesem Alter die Mutter zu Hildegards Training begleitet hatte, und begeistert erklärte, sie wollte auch so tanzen lernen.

 

Hildegard bemerkte Astrids verträumten Blick und schlug vor: „Willst du nicht ein wenig mitmachen?“ – „Aber ich hab doch kein Trikot.“ – „Vielleicht passt dir ja eins von meinen? Wir hatten doch eigentlich immer dieselbe Größe.“

 

Astrids Blick fiel unwillkürlich auf Hildegards Babybauch, und Hildegard schmunzelte. „Im Augenblick natürlich nicht. Aber in meinem Spind sind noch alte Trikots von mir. Keine Angst, sie sind gewaschen und sauber! – Und ein Paar Spitzenschuhe sind auch noch da.“ ---


Als sich Astrid umgezogen hatte und im Spiegel betrachtete, erinnerte sie sich prompt an ihren letzten Auftritt im <Schwanensee>, und siedendheiß fiel ihr ein, was den damaligen Sturz auf der Bühne verursacht hatte.

 

Schuldbewusst dachte sie: ‚Bin ich etwa wieder auf dem Weg dahin? Ich darf nicht mehr trinken! Alkohol löst keine Probleme. Das müsste ich doch langsam wissen.’

 

In diesem Augenblick nahm sie sich fest vor, sich zusammen zu reißen und den Alkohol zu meiden. – Das fiel ihr bei Familie Humboldt gar nicht mal so schwer, denn Hildegard und Rainer waren durch die damaligen Ereignisse um Astrid selbst zu erklärten Antialkoholikern geworden. ---


Das gemeinsame Training mit den Küken machte Astrid Riesenspaß, und sie stellte verwundert fest, dass sie immer noch so gelenkig war wie zu ihrer aktiven Zeit als Primaballerina. – Hildegard beobachtete sich verstohlen und erkannte das Leuchten in ihren Augen.

 

„Schwesterchen, hast du nicht Lust, unseren zukünftigen Ballerinchens einmal ein Stück aus einem Ballett, mit dem du aufgetreten bist, vorzutanzen? Vielleicht aus <Copélia>?“

 

Zuerst schaute Astrid sie verblüfft an, dann strahlte sie. „Gern. Aber ohne Musik geht das schlecht.“ – „Ich hab alle Bänder hier. Ich muss es nur eben raussuchen. – Passt du so lang auf unsre Mäuse auf?“

 

Astrid nickte lächelnd und forderte die Kinder auf: „Wir machen noch ein paar kleine Übungen. Wie wär’s mit dem <Tanz der kleinen Schwäne>? Das geht auch ohne Musik. Ich zähle mit.“ –

 

Als Hildegard mit dem Tonband zurückkehrte, zeigte sie sich begeistert über den Eifer der Kleinen, und sie lobte Astrid: „Du kannst wirklich gut mit Kindern umgehen!“


Damit hatte sie allerdings in ein Wespennest gestochen! Sofort glitzerten Tränen in Astrids Augen, und sie rannte ohne ein Wort aus dem Saal. Betroffen bat Hildegard die verschreckten Kinder, artig zu sein und eilte der Schwester hinterher.

 

Sie fand sie in der Toilette, wo sie weinend und zusammen gekauert auf einem Klodeckel saß. Wortlos nahm Hildegard sie in ihre Arme, und erst nach einer Weile meinte sie zerknirscht: „Wie dumm von mir! Aber es ist mir einfach so rausgerutscht.“ – „Schon gut, Hilde! Ich weiß auch nicht, warum ich im Moment so dünnhäutig bin. Jede unbedachte Bemerkung nehm ich mir gleich so zu Herzen.“ – „Kleines, das ist doch verständlich in deiner derzeitigen Situation.“

 

Da lächelte Astrid sie zaghaft unter Tränen an. „Gib mir eine Minute! Geh schon mal zu den Kleinen. Ich komm gleich nach und tanz ihnen wie versprochen was vor.“ – „Ja, dein Paradestück aus <Copélia>! Das lenkt dich bestimmt ab.“ ---


Und Hildegard behielt Recht! – Kaum erklangen die ersten Takte aus der Musikanlage, war Astrid sofort voll konzentriert und tanzte, als würde sie sich vor einem Fachpublikum zur Prüfung stellen. Nicht nur Hildegard und die Kinder waren begeistert. –

 

Als Astrid in der Schlusspose verharrte, gab es plötzlich Beifall von der Eingangstür her. Zunächst dachte sie, es wäre Rainer, der aus seinem Übungssaal nebenan herüber gekommen war, aber als sie den unerwarteten Zuschauer erkannte, rief sie freudestrahlend: „Andy!! Was machst DU denn hier?!“



Leicht verlegen betraten Benedikt und Gabriele das Hotelzimmer, und nachdem er hinter ihnen abgeschlossen hatte, standen sie eine geraume Weile mitten im Raum unschlüssig voreinander.

 

Schließlich ergriff Gabriele die Initiative, warf sich ihm quasi an den Hals und küsste ihn voller Inbrunst. Benedikt fühlte sich zwar zuerst etwas überrumpelt, aber erwiderte dann Umarmung und Kuss mit großer Leidenschaft.

 

Als sie sich fast atemlos voneinander lösten, fragte Gabriele sehr direkt: „Wie willst du mich haben? Wild und hemmungslos? Oder sanft und anschmiegsam?“

 

Benedikt war ein wenig betroffen über ihre sehr frivole, anbiedernde Art. Doch dann schossen ihm die unglaublichsten Fantasien durch den Kopf. – Bei Astrid konnte er nie seine Wünsche äußern, mit ihr gab es immer nur den biederen Blümchensex. - Durfte er es wagen, Gabrieles angebotene Bereitschaft auszunutzen?

 

Sie betrachtete ihn mit leicht schief gelegtem Kopf und sagte ungeduldig und herausfordernd: „Los, Benni, trau dich! Ich bin für alles offen.“ – „Wirklich für alles?“ vergewisserte er sich vorsichtig.

 

Da runzelte sie die Stirn und erklärte ehrlich: „Naja, wir sollten uns allerdings nicht gegenseitig weh tun.“

 

Sofort wehrte Benedikt ab: „Daran hab ich bestimmt nicht gedacht! – Aber ... aber ... ich hätt es gern wenn ... wenn ... du oben wärst?!“

 

Gabriele konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wie er da so bei diesem, in ihren Augen harmlosen, Wunsch ins Stottern geriet. – Gott, was musste Astrid doch prüde sein! Womöglich ließ sie beim Sex auch noch das Nachthemd an?

 

Als hätte Gabriele ihre Gedanken laut ausgesprochen, schob Benedikt noch den Wunsch nach: „Und ... und ... darf ich dich ausziehen?“ –

 

Er dachte an die Hochzeitsnacht, als Astrid ihn in einer Wolke von Nachthemd, welches keinen Zentimeter Haut frei ließ, empfing, und als er sich freudig daran machen wollte, sie wie ein Geschenk auszupacken, wogegen sie sich schamhaft wehrte und verlangte: „Du brauchst es doch nur hoch zu schieben.“ – und dabei das Licht ausschaltete.

 

Auch in der Folgezeit konnte Benedikt an 10 Fingern abzählen, wie oft er seine Frau wirklich nackt gesehen hatte. ---


Nun lächelte Gabriele ihn zärtlich an und erwiderte auf seinen Wunsch: „Tu dir keinen Zwang an, Benni!“

 

Also begann er mit etwas zittrigen Händen, ihre Bluse aufzuknöpfen, während sie ihm die Krawatte abnahm und sich ihrerseits an den Knöpfen seines Hemdes zu schaffen machte. – Ihre Jacken hatten sie bereits beim Eintreten abgelegt – Von Rock und Hose befreite sich jeder selbst.

 

Dann standen sie nur noch in züchtiger weißer Unterwäsche voreinander und betrachteten gegenseitig interessiert ihre deutlich sichtbare Erregung, ohne sich zunächst zu berühren.

 

Wieder ergriff Gabriele entschlossen die Initiative, nahm Benedikt bei den Händen und führte ihn zum Bett, wo sie sich langsam nebeneinander in die Kissen sinken ließen. – Es kam Benedikt fast so vor, als wäre es sein 1.Mal, und Gabriele ging es ähnlich, auch sie kannte bei Ferdinand nur den 08/15 Sex.

 

Nun nahm sich dieses Paar alle Zeit der Welt, ihre Körper gegenseitig mit Händen, Lippen und Zungen zu erkunden, und dabei die letzten Hüllen fallen zu lassen.

 

Endlich schwang sich Gabriele, ganz wie Benedikt es sich wünschte, rittlings über ihn und nahm ihn langsam tief in sich auf. – Ihre rhythmischen Bewegungen harmonierten schnell, und als sie gemeinsam den Höhepunkt erreichten, richtete er sich auf, vergrub sein Gesicht zwischen ihren Brüsten, und als er sich in sie ergoss, stöhnte er laut, während sie kurz aufschrie.

 

Es wirkte, als würden sich bei beiden die lang aufgestauten Gefühle Luft machen. Weder Benedikt noch Gabriele hatten bei ihren Ehepartnern je so aus sich raus gehen können.

 

In diesem Moment der höchsten Ekstase wurde beiden klar, dass dies gewiss nicht ihr einziges Zusammensein bleiben sollte!









Kapitel 4




Hildegard hatte einen leisen Verdacht, als sie sah, mit was für Blicken Andreas ihre Schwester bedachte. Zumal er sich auch noch die launige Bemerkung erlaubte: „Astrid, weißt du auch, dass ich dich gerade zum 1.Mal als Ballerina hab tanzen sehen? – Nun kann ich noch besser verstehn, dass Benni sich auf den 1.Blick in dich verliebt hat. – Du bist ja eine richtige Zauberfee!“

 

Diese Schmeichelei ließ Astrid erröten, aber Hildegard runzelte missbilligend die Stirn. – Dann meinte er auffordernd: „Komm, zieh dich um! Ich möchte mit dir essen gehen, bevor ich zurück fahre.“

 

Astrid nickte nur lächelnd und verschwand in die Umkleidekabinen. Hildegard wandte sich an den jungen Mann, mit dem sie immer noch per <Sie> war: „Nun, Herr Jüttner, darf man fragen, was Sie hergeführt hat? Oder wollen Sie nur mal sehn, was Astrid macht?“ – „Oh nein!“ wehrte Andreas lachend ab. „Ich hatte geschäftlich in der Stadt zu tun. Und da ich von Benni weiß, dass Astrid sich zurzeit bei Ihnen aufhält, wollte ich nur kurz vorbei schauen.“

 

Ehe Hildegard näher darauf eingehen konnte, tauchte Astrid auch schon wieder auf und erklärte an die Schwester gewandt: „Ich hab das Trikot in deine Sporttasche gesteckt. Zuhause werd ich’s dann waschen.“

 

Die Bezeichnung <zuhause> war ihr ganz spontan über die Lippen gekommen, und Hildegard quittierte sie mit einem verhaltenen Lächeln. Auch Andreas bemerkte es und fragte beinah traurig: „Da nehm ich doch mal an, du willst deinen Aufenthalt hier verlängern?“

 

Verdutzt stellte Astrid die Gegenfrage: „Hat Benni dich etwa geschickt, mich zurück zu holen?“ – „Nicht direkt. Aber er lässt schon fragen, wie lange du noch hier bleiben willst.“ – „Eine Weile wird’s schon noch dauern!“ erklärte Astrid mit fester Stimme und einem Hilfe suchenden Blick an Hildegard.

 

Diese stärkte ihr auch sofort den Rücken, indem sie bestätigte: „Ja, Astrid hat mir versprochen zu helfen, da ich grad ein wenig unbeweglich bin.“

 

Und sie strich sich demonstrativ über den ziemlich deutlichen Babybauch. Andreas nickte. „Ich verstehe. Dann werd ich das Benni mal so ausrichten.“

 

Er reichte Astrid seine Armbeuge, in die sie sich ungeniert einhakte und sich verabschiedete: „Bis später, Schwesterherz!“

 

Andreas nickte ihr nur stumm zu.



Ungefähr zur selben Zeit befanden sich Benedikt und Gabriele zusammen in einer Pferdebox und halfen einer Stute beim Fohlen. – Eigentlich handelte es sich um eine normale leichte Geburt, und es hätte die Anwesenheit eines Tierarztes nicht gebraucht, aber Benedikt wollte Gabriele unbedingt wiedersehen, um ihr eine Mitteilung zu machen. –

 

Inzwischen hatten sie sich noch zweimal in dem Hotelzimmer getroffen und ausgiebig verschiedene, ihnen bisher unbekannte, Varianten des Liebesspiels ausprobiert. ---


Nach dem letzten Zusammensein, als sie erschöpft aber vollkommen befriedigt nebeneinander lagen, ergab sich ein höchst interessantes Gespräch zwischen ihnen.

 

Gabriele begann: „Du, Benni, stell dir vor, letztens hab ich das mit der Zunge und dem Lutschen und Saugen mal bei Ferdi ausprobiert, und es hat ihm tatsächlich gefallen.“

 

Worauf Benedikt seufzend erwiderte: „Hast du ein Glück! Ich trau mich einfach nicht bei Astrid.“ – „Warum denn nicht? Frag sie doch einfach mal! Mehr als dich abweisen kann sie doch nicht, oder?“

 

Benedikt grinste sie verschämt an. „Oder sie schimpft mich pervers und läuft schreiend davon?“ – „Glaubst du wirklich, sie ist so prüde? Ich sag nur: Stille Wasser sind tief! – Vielleicht wartet sie nur darauf? – Ich hätt ja auch nicht geglaubt, dass Ferdi das mag. Dabei hat er mir gestanden, dass er nur Rücksicht auf mich genommen hat und dachte, mir wär das unangenehm. – Man muss eben nur darüber reden! – Bestimmt ist es bei dir und Astrid auch so. Ihr seid doch ein Paar!“ – „Leider momentan ein getrenntes!“ erklärte Benedikt, stand auf und zog sich an.

 

Gabriele machte es ebenso, wobei sie erstaunt fragte: „Wie, sie ist immer noch bei ihrer Schwester?“ – „Ja, und Andy hat gesagt, sie will noch so lange bleiben, wie sie dort gebraucht wird. – Hildegard ist im 7.Monat.“

 

Da grinste Gabriele. „Apropos schwanger. Ferdi drängt mich wieder. Und ehrlich? Langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an. – Das heißt für uns aber: entweder Kondom oder Schluss!“

 

Benedikt öffnete schon den Mund, um Gabriele die Wahrheit zu sagen, doch dann überlegte er, dass dies eine gute Gelegenheit war, die Affäre zu beenden. Inzwischen hatte er schon ein richtig schlechtes Gewissen Astrid gegenüber.

 

Also äußerte er sich stattdessen: „Gut, ich werd’s mir überlegen und sag dir dann bescheid.“

 

Schließlich gaben sie sich noch einen liebevollen Abschiedskuss und verließen ganz zwanglos gemeinsam das Zimmer und das Hotel. –

 

Es war purer Zufall, dass Andreas sie sah, als er aus der Bank gegenüber auf der anderen Straßenseite kam!



2 Tage später stellte Andreas seine Schwester zur Rede, er traute sich nicht, seinen Freund Benedikt auf seine Beobachtungen anzusprechen.

 

Er fuhr zur Tierarztpraxis, um ein Vitaminpräparat für ein Fohlen abzuholen. Nachdem Ferdinand ihm die Packung Spritzen ausgehändigt hatte, erkundigte er sich nach Gabriele und erfuhr, dass sie sich in den Stallungen hinter der Praxis um die Patienten in Pflege kümmerte.

 

Er fand sie beim Verbandswechsel am Bein eines Ziegenbocks. Das Tier meckerte böse und stieß seine Hörner in seine Richtung, als Andreas die Stallbox betrat, worüber Gabriele herzlich lachte.

 

„Rudi mag keine Männer!“

 

Andreas schüttelte, ebenfalls lachend, den Kopf. „Wie kann man so ein Vieh nur Rudi nennen?“

 

Gabriele war mit der Versorgung des Tiers fertig und scheuchte Andreas aus der Box, wobei sie fragte: „Willst du was Bestimmtes von mir, Bruderherz?“ – „Ja, mal ernsthaft mit dir reden!“ – „Und worüber?“

 

Andreas ging direkt auf sein Ziel los. „Was hattet ihr, du und Benni, vorgestern im Hotel zu suchen?“ – „In welchem Hotel?“ fragte Gabriele harmlos, um Zeit zu gewinnen.

 

„Tu nicht so dumm!“ wurde Andreas ungehalten. „Ich hab euch rauskommen sehn.“

 

Gabriele errötete leicht, fragte jedoch frech: „Was glaubst du denn, was wir da gemacht haben?“

 

Andreas sah sie eindringlich an und war betroffen. „Ich ahne es und kann’s nicht fassen! –Seid ihr denn verrückt geworden?!“ – „Du hast es grad nötig, den Moralapostel zu spielen! Du schleichst doch um Astrid rum wie’n liebeskranker Kater und wartest nur auf ein Zeichen ihrer Zuneigung. Dabei ist es dir doch auch egal, dass sie mit deinem besten Freund verheiratet ist.“

 

Auf diesen unverhofften Angriff konnte Andreas wahrhaftig nicht kontern, denn seine Schwester hatte ihn ja vollkommen durchschaut. Es fiel Andreas tatsächlich immer schwerer, sich Astrid gegenüber zu beherrschen. –

 

Schon beim gemeinsamen Essen, als er Astrid bei ihrer Schwester besucht hatte, war er beinah zu weit gegangen.



Benedikt hatte sich die Sache mit Gabriele gründlich überlegt und nun, nachdem sie Stute und Fohlen versorgt hatten, teilte er ihr bei einem Kaffee im Wohnzimmer des Gutshauses seinen Entschluss mit.

 

„Gaby, ich weiß, es ist vielleicht ein bisschen viel verlangt. Aber du musst mir helfen, Astrid zu überzeugen, dass sie mir gegenüber im Bett etwas lockerer wird. Vielleicht kannst du mal mit ihr reden, so von Frau zu Frau?“

 

Gabriele starrte ihn verblüfft an. „Wie stellst du dir das vor? Soll ich mich etwa mit ihr zusammen setzen und ihr erklären, auf welche Weise sie dich am besten befriedigen kann? – Tut mir leid, Benni! Aber Astrid und ich sind nicht gerade die besten Freundinnen.“

 

Da grinste Benedikt. „Dann üb du mit mir, wie ich sie überzeugen kann! Wenn wir Zwei uns das nächste Mal treffen, spielen wir ein kleines Rollenspiel. Du bist Astrid, und ich versuch dich zu überreden, doch mehr aus dir heraus zu gehen.“ – „Na, du hast vielleicht Einfälle!“ lachte Gabriele hellauf. „Aber irgendwie klingt es auch reizvoll. – Wann und wo wollen wir das Schauspiel aufführen?“

 

Schon funkelte es begehrlich in ihren Augen, auch Benedikt spürte bereits die Erregung in sich aufsteigen. –

 

Doch sie wurden gerade noch rechtzeitig ausgebremst, als Gräfin Miriam herein kam, die mitbekommen hatte, dass Gabriele da war und sie begrüßen wollte.












Kapitel 5




Andreas führte Astrid in ein recht nobles französisches Restaurant, wogegen sie erst protestieren wollte mit dem Hinweis, dafür wäre sie ja wohl nicht passend gekleidet. Da widersprach er, indem er behauptete, sie könnte anziehen, was sie wollte, sie sähe immer fabelhaft aus, und außerdem handelte es sich um ein Mittagessen und kein abendliches Diner.

 

Mit seinem selbstbewussten Auftreten konnte er tatsächlich den ziemlich arroganten Oberkellner dazu bringen, sie an einen 2er-Tisch in einer Nische zu geleiten, und mit unbewegter Miene nahm er ihre Bestellung entgegen. ---


Nachdem sie zunächst schweigend das ausgezeichnete Menü genossen, meinte Andreas plötzlich: „Deine Schwester kann mich nicht leiden!“

 

Astrid hob verwundert die Augenbrauen. „Wie kommst du darauf?“ – „Nun, es schien ihr gar nicht recht zu sein, dass ich so unverhofft bei dir auftauche und dich zum Essen entführe. – Ich glaub, es wär ihr lieber gewesen, wenn Benni das getan hätte. – Übrigens hab ich das Gefühl, zwischen dir und Benni stimmt es nicht mehr. – Deine überstürzte Abreise. Und dauernd steckt er mit Gaby zusammen.“

 

Betroffen sah sie ihn an. „Das ist dir also auch schon aufgefallen? – Jetzt frag ich dich mal als ihr Bruder: War damals was zwischen den beiden? Es war doch wohl von Hochzeit die Rede, bevor ich in Bennis Leben aufgetaucht bin.“

 

Andreas legte sein Besteck zur Seite, griff über den Tisch hinweg nach Astrids Hand und streichelte sie zärtlich, wobei er besänftigend sagte: „Damals war das nur ´ne kleine Spinnerei von Gaby, auf die sich Benni gar nicht recht einlassen wollte. Da lief nix zwischen ihnen. – Und auch jetzt glaub ich nicht, dass da mehr ist als nur Freundschaft. Vielleicht braucht Benni jemand, mit dem er reden kann, der ihn gut kennt? – Und wenn du so jemand brauchst, liebe Astrid, ich bin immer für dich da!“

 

Darauf warf sie ihm so einen waidwunden Blick zu, dass sein Herz flatterte wie ein gefangener Vogel. – Dann entzog ihm Astrid verlegen ihre Hand und bemerkte sehr beherrscht: „Ich weiß dein Angebot zu schätzen, Andy, und betrachte dich als lieben, verständnisvollen Freund. So einer, wie du für Benni bist.“

 

Nun, das waren zwar nicht gerade die Gefühle, die er in ihr erwecken wollte! So entgegnete er leicht ungehalten: „Wenn ich angeblich für Benni so ein guter Freund bin, warum vertraut er dann seine Probleme nicht mir an, sondern Gaby?“

 

Darauf konnte ihm Astrid auch keine Antwort geben, und sie beendeten die Mahlzeit in ziemlich ungemütlichem Schweigen. –

 

Danach setzte Andreas sie vor dem Haus der Humboldts ab, verabschiedete sich mit einem flüchtigen Kuss auf ihre Wange, ehe Astrid ausstieg, und machte sich sehr nachdenklich auf den Heimweg, nachdem Astrid eilig durch die Tür verschwunden war.



Eine Woche nach Andreas’ Besuch und dem Essen im Restaurant meinte Hildegard beim Frühstück nur zu zweit – Rainer brachte den kleinen Kilian in den Kindergarten und fuhr gleich danach ins Studio – ganz harmlos zu Astrid: „Du kannst übrigens gern wieder heimfahren, wenn du möchtest. Mir geht’s gut, und das mit der Hilfe hab ich nur so zu Herrn Jüttner gesagt. Sonst hätte er dich womöglich sofort mitgenommen.“

 

Astrid blickte sie erschrocken an. „Das klingt aber jetzt so, als ob du mich loswerden willst!“ – „Nein, so ist es doch nicht gemeint! Aber ich finde, du solltest langsam zu deinem Mann zurück kehren, sonst kommt er noch auf dumme Gedanken.“ – „Du meinst wohl seine Jugendfreundin Gaby? Andy hat mir versichert, da läuft nix zwischen den beiden.“ – „Und du glaubst ihm?“ wunderte sich Hildegard. „Schließlich handelt es sich um seine Schwester und seinen besten Freund. Denkst du wirklich, er würde sie dir gegenüber verraten?“

 

Diese Bemerkung brachte Astrid schwer ins Grübeln. Endlich erklärte sie: „Du hast sicher Recht! Ich sollte mich selbst überzeugen, ob man den beiden trauen kann. – Aber kommst du wirklich allein klar? Willst du immer noch das Training der Küken beaufsichtigen? Du bist doch schon im 7.Monat!“ – „Ich weiß, was ich mir zumuten kann, Schwesterherz! Ich hab ja schon eine Schwangerschaft hinter mir.“

 

Wieder war ihr eine unbedachte Bemerkung entschlüpft, und sie schlug sich erschrocken auf den Mund. Doch dieses Mal blieb Astrid gelassen.

 

„Vielleicht sollte ich wirklich mal mit Benni über eine Adoption reden?“ – „Und ich würde dir vorschlagen, ihr solltet erstmal richtig klären, an wem eure Kinderlosigkeit liegt. Wenn der Doktor sagt, bei dir ist alles in Ordnung, kann es ja eigentlich nur an Benedikt liegen. Warum lässt er sich nicht untersuchen?“ – „Ich glaub, für einen Mann ist das immer etwas peinlicher als für eine Frau.“ – „Ach Unsinn! Was sind denn das für verstaubte Ansichten?“

 

Sie blickte ihre Schwester etwas lauernd unterm Berg her an. „Oder würdest du ihn verlassen, wenn er keine Kinder zeugen kann? Du wünscht dir doch so sehr ein Kind.“

 

Astrid starrte sie betroffen an und rief empört: „Niemals werd ich Benni verlassen! Ich lieb ihn doch! Und wenn es wirklich mit eignen Kindern nicht klappt, ist eine Adoption doch eine gute Lösung. - Allerdings ist mein Schwiegerpapa sehr schockiert über diesen Plan. Er hat wortwörtlich zu Tante Miriam gesagt, er will keinen <Kuckucksenkel>. Nette Bezeichnung, nicht wahr?“

 

Hildegard schmunzelte. „Verständlich für den alten Grafen. Dann ist es ja keine reine Adelslinie mehr.“

 

Auch Astrid lächelte. „Er kann aber nix dagegen tun. Den Antrag hat Benni schon mal vorsorglich gestellt. Da kommt noch ein gewaltiger Behördenkrieg auf uns zu.“ – „Also ist es mit der Adoption doch schon beschlossene Sache?“ staunte Hildegard.

 

„Tja, so halb und halb hat Benni mich quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Deswegen bin ich ja auch erstmal weg. Hauptsächlich um mir klar zu werden, ob ich das so einfach mit mir machen lasse.“

 

Hildegard war schockiert. „Ganz ehrlich, dein Mann ist ja wohl ein richtiger Macho! Erst lässt er sich nicht untersuchen. Dann stellt er über deinen Kopf hinweg einen Adoptionsantrag. – Ja, geht das denn überhaupt ohne dein Einverständnis?“ – „Scheinbar ja. – Oder er hat der Tante vom Amt schöne Augen gemacht?“ erwiderte Astrid achselzuckend.

 

„Also, du musst unbedingt nach Hause und das alles klären!“ behauptete Hildegard voller Ernst.

 

„Gut, Hildchen! Ich fahr gleich morgen zurück.“ –

 

Wenn Astrid nur geahnt hätte, was für eine böse Überraschung ihr bevorstand!



Welcher Teufel hatte Benedikt nur geritten, die Generalprobe für seine große Verführung von Astrid ausgerechnet im ehelichen Schlafzimmer stattfinden zu lassen?

 

Gabriele zeigte sich leicht irritiert, als er sie am Telefon aufforderte: „Komm heute Abend zu mir! Ich hab sturmfreie Bude.“

 

Etwas verdattert fragte sie nach: „Warum bei euch? Warum nicht im Hotel?“ – „Hier kann ich mich besser in die Situation rein denken.“ behauptete er. „Ich will Astrid ja schließlich nicht im Hotel verführen.“

 

Gabriele seufzte ergeben. „Da hast du auch wieder Recht. – Also wann genau?“ – „Komm um halb 9! Dann sind Vater und Tante weg. Zu ´nem Geburtstag. Ich brauch nicht mit.“ – „Geht klar! Ferdi ist auch unterwegs.“ stimmte sie zu, und sie legten gleichzeitig die Hörer auf. ---


Durch Gabrieles Überpünktlichkeit kam es fast noch zur Begegnung zwischen ihr und dem Grafen mit seiner Schwester, das Taxi fuhr auf der Zufahrtstraße an Gabrieles kleinem Auto vorbei, bevor sie in die Hofeinfahrt einbog. Sie dachte vor Schreck: ‚Oh Gott! Hoffentlich haben sie mich nicht erkannt!’ –

 

Als sie dann auf dem Hof den Wagen vorsichtshalber hinter einem der Pferdeställe parkte, kam ihr kurz der Gedanke: ‚Wo steckt eigentlich Andy?’

 

Doch dann sah sie Benedikt erwartungsvoll in der Eingangstür stehen, und ihr unvernünftiges Herz schlug ein paar Takte schneller. – Ja, dieser Mann reizte sie immer wieder, aber das würde sie ihm nie eingestehen. Für ihn wollte sie einfach nur die pflegeleichte Geliebte sein, die Probenfrau für das große Happy-End mit seiner Astrid.

 

Es war ihr in diesem Augenblick vollkommen klar, dass der heutige Abend das Ende ihrer Affäre bedeutete. Trotzdem wollte sie das Zusammensein mit ihm noch einmal richtig auskosten, möglichst in allen Facetten. ---


Benedikt führte sie ohne viel Federlesen direkt ins Schlafzimmer, wo er schon einiges vorbereitet hatte. In einem Eiskübel stand eine Flasche Champagner, daneben zwei Kristallkelche, und überall hatte er bunte Teelichter verteilt, die ein gedämpftes Licht verbreiteten, als er die helle Deckenlampe ausschaltete.

 

Die Flasche hatte er bereits geöffnet und goss Gabriele und sich ein. – Während sie an ihrem Sekt nippte, sah sie sich interessiert um. Der Raum war für ihren Geschmack etwas bieder eingerichtet, mit rustikalen, teilweise kostbaren Möbeln aus dunklem Holz. Das Doppelbett war breit und wuchtig.

 

Benedikt zeigte sich furchtbar nervös, er kam sich vor wie in seiner Hochzeitsnacht, aber trotzdem sah er Gabriele vor sich und nicht Astrid. - Gabriele bemerkte seine Unruhe und grinste verhalten, sie selbst musste sich schon sehr zusammen reißen, nicht einfach über ihn herzufallen. Doch um die ihr zugedachte Rolle zu spielen, musste sie passiv bleiben.

 

Gleichzeitig stellten sie die Gläser beiseite, und schließlich begann Benedikt, sie langsam auszuziehen, und es juckte ihr in den Fingern, ihn auch zu entkleiden, aber sie konnte sich denken, dass Astrid das nicht tun würde, und sie war ja jetzt sie.

 

Also wartete sie ab, bis er sie von sämtlichen Kleidungsstücken befreit hatte und sich dann rasch selbst auszog. – Als er sie darauf nur wortlos von Kopf bis Fuß musterte, meinte sie ungeduldig: „Mach weiter!“

 

Sie war bereits total erregt, genau wie er. – Und dann wusste sie kaum wie ihr geschah, als Benedikt ihren ganzen Körper von oben herab mit kleinen Küssen bedeckte und dabei vor ihr in die Knie ging.

 

Als sein Mund ihre Scham erreichte, seufzte sie auf und schloss die Augen. Gierig erforschte seine Zunge ihr Lustzentrum, und sie gab sich ganz diesem unglaublichen Gefühl hin.

 

Kurz bevor sie den Höhepunkt erreichte --- ertönte von der Tür her ein spitzer Schrei: „Oh, nein!!!“ – und es krachte, als Astrid ihre beiden Koffer fallen ließ.















Kapitel 6





Astrid schluchzte laut auf, schlug die Hände vors Gesicht, drehte sich auf dem Absatz um und lief davon, wobei sie fast über einen Koffer am Boden stolperte, und das aufgeschreckte Paar starrte ihr nur entsetzt hinterher.

 

Sie rannte die Treppe runter, durch die Diele, durch die Haustür, die sie sperrangelweit offen ließ, und quer über den Hof, weinend und blind vor Tränen. – Der Zufall wollte es, dass Andreas sie so auf das Eingangstor zustürmen sah. Er wollte ihr schon folgen, doch da tauchte Benedikt im Türrahmen auf, sich hastig das Hemd in die Hose stopfend, und er rief verzweifelt: „Astrid!!! So warte doch!“

 

Hinter ihm erschien Gabriele mit nur halb zugeknöpfter Bluse und wirrem Haar. – Andreas schrie Benedikt mit Zorn bebender Stimme an: „Was geht hier vor? Was hast du Astrid angetan?“

 

Mit einem zweiten genaueren Blick erfasste er den desolaten Zustand von Benedikt und Gabriele, und mit drohend ausgestreckter Faust wütete er: „Du verdammtes Dreckschwein! Wie kannst du nur?!“

 

Und ehe es sich Benedikt versah, schlug sein Freund ihn mit einem rechten Haken nieder. Benedikt starrte ihn verwundert an und rieb sich sein geschundenes Kinn, während Gabriele schrie: „Andy, hör auf!“ – weil ihr Bruder erneut auf ihn losgehen wollte.

 

Sie ließ sich neben den am Boden Liegenden auf die Knie fallen und bettete seinen Kopf liebevoll in ihren Schoß. Andreas starrte sie an, drehte dieser für ihn peinlichen Szene den Rücken zu und lief hinter Astrid her. – Doch als er das Hoftor erreichte, war von der jungen Frau weit und breit nichts mehr zu sehen. ---


Gabriele half Benedikt wieder auf die Füße zu kommen und führte ihn zurück ins Haus und ins Wohnzimmer, wo sie sich mit ihm zusammen auf das Sofa setzte und vorsichtig sein Kinn untersuchte, welches sich bereits blau-rot färbte. Dabei schimpfte sie: „Wie ein Neandertaler! Gleich die Fäuste schwingen!“

 

Benedikte versuchte ein schmerzverzerrtes Lächeln. „Die Situation war leider ziemlich eindeutig. – Oh Gott, Astrid! Wie kann ich sie nur je wieder beruhigen? Unsren Anblick wird sie nie vergessen.“ – „Warum musste es auch in eurem Schlafzimmer sein? Und warum, zum Teufel, hast du die Tür nicht abgeschlossen?“ – „Ich konnte doch nicht ahnen, dass jemand reinkommt!“ – „Es hätte ja auch Andy sein können? Mit seiner Anwesenheit musstest du schon rechnen.“

 

Plötzlich wurde Benedikt wütend. „Wieso schlägt dieser Bursche mich eigentlich? Wegen dir oder wegen Astrid?“

 

Gabriele blickte ihn betroffen an und konnte nicht antworten.



Inzwischen hatte Andreas sein Auto geholt und fuhr im Schritttempo, aufmerksam nach rechts und links Ausschau haltend, die Landstraße entlang Richtung Dorf.

 

Als er das Ortsschild passierte, dachte er sich: ‚Nein, so weit kann sie in der kurzen Zeit nicht gelaufen sein!’ – und kehrte um.

 

Er fuhr am Hoftor vorbei und wandte sich in die andere Richtung. – Nach einigen 100 Metern zweigte ein Waldweg von der Landstraße ab. In diesen bog Andreas ein, denn er wusste, der führte zur gräflichen Jagdhütte.

 

Im Näherkommen sah er Licht aus den Fenstern schimmern. Er parkte davor, stieg aus, aber auf sein Klopfen erlosch sofort das Licht. – Dadurch ließ sich Andreas nicht entmutigen, sondern er rief: „Astrid, bist du da drin? Ich bin’s, Andy! Lass mich bitte rein!“

 

Keine Antwort! Er drückte beherzt die Klinke herunter, und siehe da, die Tür war nicht verschlossen. Andreas rief noch einmal verhalten: „Astrid?!“ – und trat einfach ein.

 

Er tastete nach dem Lichtschalter und knipste die Lampen wieder an. – Da sah er Astrid an dem einfachen Holztisch auf der Bank sitzen wie ein Häuflein Elend, vor sich ein Schnapsglas und eine Flasche Kräuterlikör, nur noch halb voll.

 

Mit völlig verheultem Gesicht blickte sie ihm entgegen. Rasch setzte er sich zu ihr auf die Bank, nahm sie kurzerhand in seine Arme und strich ihr tröstend übers Haar. Sie schmiegte sich an ihn, barg ihr Gesicht an seiner Brust und schluchzte herzzerreißend. Er hielt sie ganz fest und redete besänftigend auf sie ein: „Oh, Astrid, Liebes, so beruhig dich doch! Willst du mir nicht erzählen, was passiert ist?“

 

Plötzlich stieß sie ihn von sich und fauchte ihn mit Zorn blitzenden Augen an: „Du hast es gewusst und mir dreist ins Gesicht gelogen! Von wegen nur Freundschaft zwischen Benni und Gaby! – Ich musste grad mit eignen Augen sehn, wie tief diese „Freundschaft“ geht!“

 

Andreas war ganz erschüttert. Dann gestand er zerknirscht: „Zugegeben ich wusste es. Aber das konnte ich dir doch nicht sagen! Außerdem hab ich gedacht, die Sache ist vorbei, nachdem ich Gaby zur Rede gestellt hab.“

 

Astrid zog die Nase hoch und seufzte abgrundtief. „Wie lange geht das denn schon zwischen den beiden?“ – „Ich weiß es nicht. Ehrlich, das ist die Wahrheit!“ – „Naja, egal. Jedenfalls ist das ein Scheidungsgrund. Zu allem Anderen.“

 

Entschlossen stand sie auf, aber sie schwankte und ließ sich wieder auf die Bank plumpsen. Andreas schmunzelte. „Wohl ein bisschen viel Seelentröster?“

 

Er warf einen Blick auf die halb leere Flasche. Dann stand er auf. „Am besten ruhst du dich erstmal aus!“

 

Er zog Astrid zu sich hoch, und sie ließ sich widerstandslos von ihm auf seine Arme heben. Er trug sie nach nebenan in die primitive Schlafkammer. Diese war am Boden mit Strohsäcken ausstaffiert, über die zahlreiche Decken ausgebreitet lagen. – Vorsichtig ließ Andreas sie darauf nieder sinken und legte sich neben sie. Behutsam zog er sie an sich, und als sie ihn mit großen erstaunten Augen anblickte, küsste er sie sanft.

 

Sie ließ es mit sich geschehen, aber erwiderte nicht. Der Kuss schmeckte nach Kräuterschnaps, und das brachte Andreas zur Vernunft. Nein, er durfte ihren hilflosen Zustand nicht ausnutzen! So ein Kerl war er nicht!

 

Er löste seine Lippen von ihren, bettete liebevoll ihren Kopf an seine Brust und forderte sie mit zärtlicher Vibration in der Stimme auf: „So, nun schlaf ein, mein Herz! Ich bleib bei dir und pass auf dich auf!“

 

Tatsächlich hörte er nach kurzer Zeit ihre tiefen Atemzüge und schloss ebenfalls die Augen.



Nachdem Gabriele den geschlagenen Benedikt ins Bett verfrachtet und ihm einen Eisbeutel für sein Kinn besorgt hatte, fuhr sie nach Hause, wo Ferdinand bereits auf sie wartete. Mit leicht vorwurfsvollem Ton fragte er sie: „Wo bist DU denn noch gewesen?“

 

Geistesgegenwärtig schwindelte sie: „Benni hat angerufen wegen einer Stute. – Gott sei Dank nix Schlimmes! Ich hab ihr ´ne Spritze gegeben und schau morgen noch mal nach ihr.“

 

Da erzählte er ihr freudestrahlend: „Beim Huberbauern hat’s doppelten Nachwuchs gegeben. Zwillingskälbchen! – Alle drei Viecher sind wohlauf.“

 

Gabriele lächelte. „Na, dann können wir Zwei ja beruhigt schlafen gehen.“

 

Da funkelte er sie plötzlich begehrlich an. „Bist du denn tatsächlich schon müde?“

 

Gabriele grinste. „Wenn du mich so fragst. Schaun wir mal.“

 

Sie warf ihm neckisch eine Kusshand zu und verschwand im Bad. –

 

Als sie unter der Dusche stand, dachte sie nur einen kurzen Augenblick etwas wehmütig an Benedikt. – Schade, dass es so böse enden musste!



Als Astrid in Andreas’ Armen erwachte, erschrak sie zunächst, aber dann stellte sie erleichtert fest, dass sie beide komplett angezogen waren. So richtig konnte sie sich nicht besinnen, was zwischen ihnen vorgefallen war, doch eine andere Erinnerung traf sie wie ein Keulenschlag: Benedikt und Gabriele!

 

Vor Entsetzen fuhr sie hoch und weckte dadurch auch Andreas. Er schlug langsam die Augen auf, sah Astrid und strahlte übers ganze Gesicht. Etwas heiser sagte er leise: „Ich glaub, ich träume.“

 

Beinah ungewollt musste Astrid lächeln. Da zog er sie in seine Arme und murmelte an ihrem Ohr: „Guten Morgen, mein Engel!“

 

Hastig befreite sie sich aus seiner Umarmung, schaute ihn verschreckt an und stand auf. „Bitte, Andy, so darfst du nicht mit mir reden! – Bring mich nach Hause, ich muss unbedingt mit Benni sprechen!“

 

Schnell war Andreas auf den Beinen, packte sie bei den Schultern und zwang sie ihn anzusehen. „Astrid, mein Herz! Jetzt wo wir hier allein sind, will ich dir endlich gestehen: Ich liebe dich! Vom ersten Moment als ich dich gesehn hab. – Ich hab versucht, dagegen anzukämpfen. Weil du doch die Frau von meinem besten Freund bist. – Aber jetzt, nachdem ich sehe, wie Benni dich behandelt und hintergeht, will ich die Gelegenheit nutzen und dir endlich meine tiefen Gefühle gestehen. Und glaub mir, ich würde dir so was niemals antun! Für mich bist und bleibst du die einzige Frau!“

 

Er wollte sie küssen, doch Astrid stieß ihn empört von sich. „Andy, wie kannst du nur?! Du bringst mich ganz durcheinander! – Ich hab doch gespürt, wie du für mich empfindest. Aber ich liebe Benni! Egal was passiert ist! – Vielleicht hat Gaby ihn auch nur verwirrt? Vielleicht hat er bei ihr etwas gefunden, was ich ihm nicht gegeben hab?“

 

Unwillkürlich entstand in ihrem Geist das Bild der Situation, in der sie das Paar überrascht hatte, und sie errötete ungewollt. – War es das, was Benedikt sich von ihr wünschte? Mehr Offenheit beim Sex? Schon der Gedanke daran ließ in Astrid eine ungewohnte Hitze aufwallen.

 

Fast vergaß sie die Anwesenheit von Andreas, und sie schrak regelrecht zusammen, als er sagte: „Ich mach dir einen Vorschlag. Du bleibst hier und wartest! – Nicht weglaufen! – Ich fahr schnell ins Dorf und hol alles fürs Frühstück. Und danach fahren wir zusammen zurück auf den Hof. – Einverstanden?“

 

Astrid nickte nur verblüfft. Andreas gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und verschwand.








Kapitel 7




Benedikt traute sich nicht zu Vater und Tante an den Frühstückstisch mit seinem lädierten Kinn und rief nur, dass er sich nicht wohl fühlte, als Gräfin Miriam besorgt an seine Schlafzimmertür klopfte.

 

Außerdem hatte er genug Dinge im Kopf, über die er unbedingt in Ruhe nachdenken musste. – Vor allem die heftige Reaktion von Andreas machte ihn stutzig. Warum hatte er ihn geschlagen? Weil er mit seiner verheirateten Schwester schlief? Oder weil er Astrid betrog?

 

Letzteres schien ihm logischer, wenn er sich überlegte, wie Andreas sich immer Astrid gegenüber verhalten hatte. Seine Schwärmerei für sie war ihm natürlich aufgefallen, obwohl Andreas immer bemüht war, sich nichts anmerken zu lassen. Doch gestern Abend schienen seine aufgestauten Gefühle in ihm hoch gekocht zu sein. –

 

Dann fiel sein Blick auf die beiden Koffer neben dem Schrank, die er einfach da abgestellt hatte. Wieso war Astrid eigentlich so plötzlich nach Hause gekommen? Hatte sie etwa einen Verdacht? Oder hatte Andy irgendwas gesagt, als er bei ihr in der Stadt gewesen war? Und wo steckten die beiden jetzt überhaupt? –

 

Benedikt seufzte abgrundtief und dann fiel ihm Gabriele ein. Tja, die Sache war endgültig vorbei, und er bedauerte, dass es so enden musste. Ihre Affäre an sich bereute er nicht, hatte er doch dadurch so viel über sich und seine geheimen Wünsche erfahren! Doch er bezweifelte stark, dass er je eine solche Erfüllung mit Astrid finden könnte wie mit Gabriele. –


Noch einmal seufzte er, stand endlich auf und stellte sich unter die absichtlich ziemlich kalte Dusche, um einen klaren Kopf zu kriegen.



An diesem Morgen war für Gabriele die Welt in Ordnung, trotz der Ereignisse des vorangegangenen Abends. Denn im Gegensatz zu dem Desaster zwischen Benedikt und Astrid hatte Gabriele eine nahezu himmlische Liebesnacht mit Ferdinand verbracht. ---


Als er beim Frühstück wieder mal vorsichtig das Thema <Nachwuchs> zur Sprache brachte, nickte Gabriele zustimmend und strahlte ihn an. Da grinste er und überraschte sie mit der Äußerung: „Dann wirst du also jetzt die Pille absetzen?“

 

Sie starrte ihn betroffen an, und Ferdinand lachte sie tatsächlich aus, wobei er meinte: „Liebling, glaubst du denn, du kannst mir, einem Mediziner, was vormachen? – Aber ich bin dir nicht böse deswegen. Allerdings wundert es mich etwas, wie locker du dich in letzter Zeit im Bett zeigst. – Was hat dich so verändert? – Oder soll ich besser fragen, wer?“

 

Er blickte sie über den Rand seiner Brille hinweg eindringlich an, und Gabriele konnte nicht verhindern, dass sie tief errötete. – Sollte sie ihm jetzt die Affäre beichten? –

 

Geduldig wartete Ferdinand auf ihre Antwort. Doch als Gabriele weiter schwieg, lächelte er zaghaft und nickte. „Ich verstehe. – Aber sag mir jetzt ehrlich, ist es vorbei?“

 

Da seufzte sie und erwiderte aus tiefstem Herzen: „Ja, das ist es!“

 

Ferdinand griff über den Tisch hinweg nach ihrer Hand und küsste zärtlich deren Innenfläche. Vor Rührung bekam Gabriele feuchte Augen und flüsterte: „Oh, Ferdi! Womit hab ich einen so verständnisvollen Mann verdient? – Ich liebe dich!“ – „Ich weiß, mein Herz! Und ich liebe dich auch!“ – Mit einem warmen Lächeln fragte er: „Musst du denn wirklich heute noch mal nach Gut Thorgau?“

 

Worauf sie, ebenfalls lächelnd, erwiderte: „Nein, Liebling! Da ist alles geklärt!“



Nachdem sich Benedikt geduscht und angezogen hatte, ging er hinunter in die Küche, um schnell allein zu frühstücken, doch da saß Graf Olaf am Küchentisch, mit einer Tasse Kaffee vor sich und in die Zeitung vertieft. Er blickte kurz von seiner Lektüre auf und sah sofort den Bluterguss an Benedikts Kinn. Mit einem missbilligenden Stirnrunzeln fragte er unverblümt ohne Guten-Morgen-Gruß: „Was ist hier gestern Abend vorgefallen, als wir weg waren? Ich hab extra auf dich gewartet, damit du es mir unter 4 Augen erklären kannst.“

 

Um Zeit zu gewinnen, bediente sich Benedikt an der Kaffeemaschine und setzte sich seinem Vater gegenüber an den Tisch. Dann meinte er ganz unschuldsvoll: „Wie kommst du darauf, dass hier was vorgefallen ist?“ – „Nun, Gaby kam uns mit ihrem Auto entgegen. – Und du hast ein blaues Kinn. – Also, was ist passiert?“

 

Fieberhaft überlegte Benedikt, wie er seinem Vater möglichst harmlos Bericht erstatten konnte. Da hatte er einen Geistesblitz. „Der neue Hengst ist durchgedreht und hat in seiner Box randaliert. Da hab ich Ferdi angerufen, doch der war nicht da. Aber Gaby hat versprochen zu kommen. Ich wollte aber nicht warten und hab allein versucht, das Tier zu beruhigen. Da hat das Viech ausgetreten und mich quasi halb k.o. geschlagen. Zum Glück kam Gaby dann mit einer Beruhigungsspritze.“ – „Mein Sohn, du bist ein fabelhafter Märchenerzähler! Aber ich glaub dir kein Wort!“ entgegnete Graf Olaf ironisch. „Jetzt sag ich dir mal, wie es sich abgespielt hat. Du wolltest dir einen vergnüglichen Abend mit Gaby machen. Und Ferdinand ist dazwischen gekommen und hat dir verdientermaßen Eine reingehauen.“

 

Benedikt wollte ihn unterbrechen, aber sein Vater wehrte ab: „Lass mich ausreden! – Junge, ich weiß nicht, was in letzter Zeit mit dir los ist. Du vernachlässigst deine Frau, gibst ihr womöglich die Schuld an eurer Kinderlosigkeit – zu Unrecht, wie ich jetzt weiß – und kommst mit dieser absurden Idee von Adoption. Damit hast du sie ja regelrecht aus dem Haus getrieben, sodass sie bei ihrer Schwester Zuflucht sucht. – Und weil du deshalb keine weibliche Aufmerksamkeit mehr hast, suchst du die bei deiner Jugendfreundin. – Treue ist wohl ein Fremdwort für dich? Wie schändlich!“

 

Der alte Mann hatte sich so in Rage geredet, dass er einen hochroten Kopf bekam und sich kurz in der Herzgegend an die Brust fasste, worüber Benedikt zutiefst erschrak. „Vater, so beruhig dich doch! Es ist nicht so wie du denkst!“

 

Doch das machte den Vater noch zorniger. „Wag es nicht, deine Affäre mit Gaby abzustreiten! Ich hab dich schon richtig durchschaut. – Sag mir nur, was du dir dabei gedacht hast!“

 

Benedikt starrte seinen Vater bestürzt an. – Was sollte er darauf erwidern? Konnte er seinem Vater als Mann vielleicht seine Beweggründe verständlich machen? –

 

Benedikt beschloss es zu wagen. „Vater, ich sag dir jetzt was von Mann zu Mann. Astrid ist schrecklich prüde! Sie hat sich in den ganzen Jahren mir gegenüber nie richtig geöffnet. Wenn du verstehst, was ich meine.“

 

Bei dieser Aussage seines Sohnes wurde der alte Graf richtig verlegen. Er räusperte sich unbehaglich, bestätigte jedoch: „Ja, ich versteh dich, mein Sohn! Aber als Paar kann man doch miteinander reden, oder?“ – „Ach, Vater, ich trau mich nicht. Aus Angst, sie völlig zu verschrecken.“

 

Graf Olaf schmunzelte unverhofft. „Und bei Gaby traust du dich?“

 

Da grinste Benedikt. „Sie hat mich verführt!“

 

Der Vater nickte versonnen. „Ja, die kleine Gaby war schon immer ziemlich keck.“

 

Nun entschied sich Benedikt für die volle Wahrheit. Er holte tief Luft und gestand: „Es war so: Astrid ist zurück gekehrt und hat Gaby und mich erwischt. Aber es war nicht Ferdi, der mich geschlagen hat, sondern Andy.“ – „Ach, du meine Güte!“ zeigte sich Graf Olaf tief erschüttert. „Jetzt hast du aber die Sache vollkommen vergeigt!“

 

Benedikt seufzte abgrundtief. „Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus!“



Als Andreas mit einer prall gefüllten Einkaufstüte in die Jagdhütte zurück kehrte, fand er Astrid wie am Abend zuvor am Tisch sitzend, dieses Mal jedoch ohne Schnapsflasche. Sie blickte ihm irgendwie herausfordernd entgegen und sagte: „Andy, ich hab gründlich nachgedacht!“

 

Andreas stellte die Tüte ab und fragte mit hoch gezogenen Augenbrauen: „So? Worüber denn?“

 

Sie antwortete mit fester Stimme: „Über alles! Über Benni und Gaby. Und über uns beide. Und weißt du auch, was für ein Gefühl mich grad bewegt? Der Wunsch nach Rache!“

 

Andreas war bestürzt. „Aber Astrid, was redest du denn da?“

 

Sie stand auf und trat ganz dicht vor ihn hin. Ihre Stimme war rau, als sie ihm gestand: „Andy, ich hab dich doch auch sehr, sehr lieb!“

 

Sie wollte ihre Arme um seinen Nacken legen, aber er schob sie betroffen von sich und schimpfte: „Nee, meine Liebe! So nicht!“

 

Energisch packte er sie an den Schultern und schüttelte sie leicht. „Astrid, komm zu dir! Du bist ja nicht du selbst! Was hast du nur für dumme Gedanken?“

 

Sie schaute ihn an, als würde sie aus einer Art Trance erwachen, befreite sich aus seinem Griff und rannte aufschluchzend aus der Hütte.


 










Kapitel 8




Benedikt suchte verzweifelt in sämtlichen Ecken und Winkeln des Gestüts nach Astrid oder Andreas, konnte jedoch keinen der beiden finden, und das machte ihn ziemlich misstrauisch.

 

Er überlegte gerade, wo er noch suchen könnte, da fuhr der weiße Van des Tierarztes auf den Hof, parkte vor den Stallungen, und Ferdinand stieg aus. Er steuerte quer über den Vorplatz auf Benedikt zu und grüßte schon von weitem: „Guten Morgen, Benedikt!“

 

Dieser wunderte sich über seine recht förmliche Anrede, reichte ihm jedoch freundlich lächelnd die Hand und erwiderte ungezwungen: „Morgen, Ferdi! Was führt dich so früh hierher?“

 

Der junge Tierarzt musterte ihn eindringlich und erklärte: „Gaby sagt mir, du hast Probleme mit einem Pferd gehabt?“

 

Eifrig nickte Benedikt. „Ja, der neue Hengst war ein bisschen unruhig im Stall.“

 

Ferdinand zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Ach so, der Hengst? Gaby sprach von einer Stute.“

 

Benedikt starrte ihn an und sofort war ihm klar, dass Ferdinand bescheid wusste. Er grinste, legte ihm kumpelhaft den Arm um die Schulter und forderte ihn auf: „Lassen wir das Theater! Komm rein, und wir reden bei einem Drink darüber!“

 

Da lächelte Ferdinand verhalten und meinte scherzend: „Ist es nicht noch ein bisschen früh für Alkohol?“

 

Benedikt lachte und führte ihn ins Herrenhaus und in den Salon, wo er sich am Barschrank zu schaffen machte und behauptete: „Für einen guten Cognac ist es doch nie zu früh.“

 

Er goss Ferdinand und sich zwei Fingerbreit in zwei Cognacschwenker, reichte ihm einen davon und stieß mit ihm an. Beide ließen die Flüssigkeit kurz in den Gläsern kreisen und leerten sie in einem Zug. - Dann bat Benedikt Ferdinand in einem der Cocktailsessel Platz zu nehmen und setzte sich ihm gegenüber auf das kleine Sofa.

 

Nach einem verlegenen Räuspern begann Ferdinand zögernd: „Benni, ich weiß ja, du warst vor mir da. Als ich Gaby kennen lernte, lebte sie in dem Glauben, du würdest sie heiraten. Ich war richtig erleichtert, als du dich für Astrid entschieden hast. Da hab ich meine Chance genutzt und war glücklich, als Gaby meinen Antrag angenommen hat. – Die erste Zeit lief es ja auch gut zwischen uns. Aber dann zeigte sie sich plötzlich so abweisend, als ich von Familienplanung sprach. Sie wurde immer distanzierter. – Doch in letzter Zeit haben wir uns wieder angenährt. Und nicht nur das. Gaby ist plötzlich so temperamentvoll und leidenschaftlich. – Du weißt, was ich meine? – Und da kam mir der Verdacht, dass da ein andrer Mann hinter steckt. – Und gestern Abend war sie so aufgewühlt und erzählte aufgeregt, sie wär bei dir gewesen wegen einer kranken Stute. - Heut Morgen hab ich dann versucht, sie zur Rede zu stellen. Sie hat es nicht direkt zugegeben, aber versichert, dass es vorbei ist. – Nun bin ich hier, um deine Meinung zu hören.“

 

Benedikt war schon sehr erstaunt, wie locker Ferdinand mit der ganzen Angelegenheit umging und wollte nun auch ehrlich gegen ihn sein. Nach einem tiefen Atemzug gestand er ihm also: „Du hast vollkommen Recht mit deinem Verdacht! Aber die Sache ist seit gestern Abend beendet. Wir hatten sowieso vor, Schluss zu machen, aber dann hat uns fatalerweise Astrid überrascht. – Und ... und jetzt bin ich völlig verzweifelt, denn eigentlich hab ich das alles nur für sie getan.“

 

Ferdinand zeigte sich schockiert. „Was soll das denn heißen?“

 

Benedikt druckste herum. „Ich weiß nicht, wie ich dir das erklären soll. – Fakt ist: Zwischen Astrid und mir läuft es überhaupt nicht gut! Vor allem wegen ihrem beinah besessenen Kinderwunsch.“

 

Ferdinand starrte ihn ungläubig an und erkundigte sich: „Und warum willst du kein Kind?“

 

Da wurde Benedikt wahrhaftig rot und gab zu: „Es liegt nicht am Wollen, sondern am Können!“ – „Oh, ich verstehe! – Aber Gaby hat mir erzählt, ihr plant eine Adoption. Dann weiß Astrid also, dass es an dir liegt?“ – „Eben nicht. Sie redet sich ein, sie ist schuld.“ – „Und du lässt sie in dem Glauben? Wie gemein von dir!“

 

Benedikt winkte müde ab. „Ich sag mir ja auch, dass ich ein erbärmlicher Feigling bin. – Aber das Schlimmste ist, Astrid sieht Sex nur zum Zweck der Fortpflanzung, richtig nach Kalender. Und das kühlt mich so dermaßen ab. Gelinde gesagt.“ – „Und was hat das nun mit Gaby zu tun?“ erkundigte sich Ferdinand sachlich.

 

Benedikt grinste verschämt. „Sagen wir mal so, wir haben uns gegenseitig angestachelt. – Verstehst du, wie ich das meine?“

 

Tatsächlich lachte Ferdinand hellauf, was Benedikt ziemlich irritierte. Noch dazu, als Ferdinand die launige Bemerkung machte: „Jetzt weiß ich auch, was sie so verändert hat. – Da muss ich mich ja fast bei dir bedanken.“

 

Benedikt schaute recht betrübt drein. „Na, wenigstens hat es euch geholfen. – Gaby hat mir gesagt, ihr plant jetzt doch Nachwuchs?“

 

Ferdinand nickte nur. Dann meinte er ernst: „Was dich und Astrid betrifft, da hilft nur Reden. Ich glaub nicht, dass sie dich gleich verteufelt, nur weil du mit ihr ein bisschen mehr Spaß im Bett haben willst. Vielleicht hat sie ja auch geheime Wünsche und traut sich einfach nicht, sie dir mitzuteilen?“



Oh ja, und was für Wünsche Astrid hatte! – Im Augenblick war sie allerdings nur verzweifelt.

 

Sie lief ein Stück weit in den Wald hinter der Hütte, lehnte sich an einen dicken Baum und nur ein unsinniger Gedanke kreiste durch ihren Kopf: Benni will mich nicht! Und Andy auch nicht! Was mach ich denn bloß falsch?

 

Da tauchte Andreas auf, der ihr besorgt gefolgt war. Rasch wollte Astrid die Flucht ergreifen, doch er hatte sie schnell eingeholt und umarmte sie so fest, dass sich Astrid kaum bewegen konnte. Sie versuchte, sich ihm zu entwinden, wobei sie schimpfte: „ Lass mich los! Du tust mir weh!“

 

Andreas lockerte seinen Griff etwas, erklärte jedoch: „Ich lass dich erst los, wenn du versprichst, nicht wegzulaufen! – Komm mit zurück in die Hütte und wir reden darüber!“

 

Als Astrid nichts erwiderte, ließ er sie probehalber los. Sie blieb stehen und schaute ihn mit einem so waidwunden Blick an, dass es ihm einen Stich ins Herz gab. Entschlossen nahm er sie bei der Hand und führte sie, die ihm willig folgte, zurück in die Hütte.

 

Dort bugsierte er sie sanft aber mit Nachdruck auf die Bank am Tisch und begann, die Einkaufstüte auszupacken. Dabei redete er beschwichtigend auf sie ein: „Was du jetzt brauchst, ist ein gutes Frühstück! Und dann unterhalten wir uns mal ausgiebig. Du sagst mir, was dir durch den Kopf geht. Und ich versuch, dich zu verstehn.“

 

Schließlich lächelte Astrid zaghaft und behauptete: „Keiner versteht mich! Auch du nicht. Ich versteh mich ja selber nicht!“

 

Andreas grinste. „Das werden wir gleich klären!“

 

Er drückte ihr die Dose mit dem Kaffeepulver in die Hand und befahl: „Du machst den Kaffee, und ich schmier die Brötchen!“

 

Gehorsam setzte Astrid Wasser zum Kochen auf und füllte Pulver in zwei große Keramikbecher, während Andreas Brötchenhälften mit Wurst und Käse belegte oder mit Marmelade bestrich. ---


Erst als sie gemeinsam am Tisch saßen, aßen und tranken, merkte Astrid, wie hungrig sie wirklich war, und sie langte tüchtig zu, was Andreas sehr freute. – Nachdem sie sich reichlich gestärkt hatten, forderte Andreas sie heiter auf: „So, meine Liebe! Nun sprich dich mal aus! Was spukt dir so durch dein hübsches Köpfchen?“

 

Astrid lächelte verschämt und erklärte schüchtern: „Ich weiß nicht genau, wie ich einen Mann so richtig glücklich machen kann.“

 

Andreas versuchte zu scherzen: „Also, mich machst du glücklich nur durch deine bloße Anwesenheit.“

 

Astrid war bestürzt. „Oh, Andy, jetzt mach dich bitte nicht lustig über mich! Du hast genau verstanden, wie ich das meine.“

 

Sofort setzte er sich neben sie, legte seinen Arm um ihre Schulter und sagte: „Ich versteh dich schon. – Aber wie kommst du darauf, dass du Benni nicht glücklich machst?“

 

Sie blickte ihm tief in die Augen und stellte die Gegenfrage: „Warum lässt er sich dann mit Gaby ein? Scheinbar fehlt ihm doch was bei mir.“

 

Andreas lächelte sie zärtlich an. „Kann ich mir nicht vorstellen. Du hast doch alles, wovon ein Mann nur träumen kann.“ – „Ach ja? Und warum willst du mich dann nicht?“

 

Diese Frage war ihr ganz ungewollt entschlüpft, und sie errötete. Da küsste er sie ganz zart und flüchtig auf die Lippen und meinte vorsichtig: „Du Dummerchen! Natürlich will ich dich! Aber nicht als Rache für Benni!“

 

Da rief sie betroffen: „Oh, Andy! So war das doch nicht gemeint! Das mit der Rache war nur so’n blöder Gedanke. – Aber ... aber dass ich dich lieb hab, stimmt wirklich. – Grad jetzt fühl ich mich so wohl in deiner Nähe. Und ... und ich möchte dir gern noch näher sein.“

 

Bei diesem Geständnis vertiefte sich die Röte auf ihren Wangen, und Andreas fand sie einfach nur hinreißend. Doch er vergewisserte sich noch einmal: „Du meinst es wirklich ernst?“

 

Astrid nickte nur, aber ihre Augen funkelten. Da konnte Andreas nicht mehr an sich halten, er nahm sie in seine Arme, presste sie regelrecht an sich und küsste sie voller Inbrunst. Seine Zunge forderte Einlass, und sie öffnete sich ihm bereitwillig. Und während ihre Zungen sich umkreisten und streichelten, legte sie beinah automatisch ihre Arme um seinen Nacken und drückte sich an ihn. Und er umfasste sie in der Taille und zog sie auf seinen Schoß, sodass sie rittlings auf ihm saß.

 

Astrid erstarrte vor Schreck und löste sich von ihm. Ihr ängstlicher Blick verunsicherte Andreas, und er fragte heiser: „Soll ich aufhören?“

 

Astrid nickte nur, kletterte von seinem Schoß und stellte sich etwas atemlos neben die Bank. Dabei fiel ihr Blick unwillkürlich auf seine deutlich sichtbare Erregung.

 

Dann sahen sie sich tief in die Augen und Andreas erhob sich langsam. Er streckte ihr seine Hände entgegen und bat beinah flehend: „Bitte, komm mit nach nebenan! Ich will dir so gern zeigen, wie sehr ich dich liebe.“

 

Und Astrid reichte ihm ihre Hände und folgte ihm willig in die Schlafkammer. – Dort ließ sie sich von ihm mit vielen kleinen Küssen liebevoll entkleiden, und sie genoss seine zarten Berührungen mit geschlossenen Augen.

 

Sie spürte eine nie gekannte Glut in sich aufsteigen, ihr ganzer Körper schien in Flammen zu stehen. – Als sie vollkommen nackt vor ihm stand, hielt er inne und wartete auf eine Reaktion von ihr.

 

Sie öffnete die Augen, und während er ihren Blick festhielt, begann sie zaghaft, auch ihn zu entkleiden, zumindest den Oberkörper, bei Hose und Unterhose half er ihr, weil sie kurz zögerte.

 

Als er schließlich so entblößt vor ihr stand, schaute sie verlegen zu Boden. – Seine Erregung stieg ins Unermessliche und er konnte sich nicht länger zurück halten. Er fasste sie um die Hüfte und zog sie mit sich auf die ausgebreiteten Decken. Dann drehte er sie liebevoll aber energisch auf den Rücken, spreizte ihre Beine und indem er sie leidenschaftlich küsste, drang er behutsam aber tief in sie ein.

 

Sie erwiderte seine Küsse mit einer ungewohnten Wildheit, presste sich ihm entgegen und passte sich seinem zunächst sanften dann immer schneller werdenden Rhythmus an.

 

Gleichzeitig erreichten sie den Höhepunkt und explodierten in einem nahezu unglaublichen Orgasmus. –

 

Dies war Astrid noch nie zuvor passiert, und Andreas war glücklich, aber auch ein wenig stolz, dass er sie so weit hatte bringen können, sich voll und ganz fallen zu lassen.













Kapitel 9




Erst kurz vor Mittag kehrten Astrid und Andreas auf den Hof zurück, wo Benedikt auf der Bank vor dem Gutshaus saß und sie scheinbar erwartete. ---


Die beiden hatten sich nach dem Liebesakt nicht gleich voneinander getrennt, sondern sich noch jede Menge Streicheleinheiten und Zärtlichkeiten geschenkt. Es fielen kaum Worte zwischen ihnen, aber als sie ins Auto stiegen, um zurück zu fahren, versprach Astrid: „Ich werde Benni um die Scheidung bitten!“

 

Worauf Andreas nur fragte: „Bist du dir auch ganz sicher?“

 

Und sie nickte mit einem strahlenden Lächeln. ---


Doch als sie auf dem Hof anlangten, und Astrid Benedikt so verloren auf der Bank hocken sah, krampfte sich ihr Herz zusammen, und sie wurde wieder ganz verzagt.

 

Andreas parkte vor dem Verwalterhäuschen, und nachdem Astrid ausgestiegen war, gab er ihr einen liebevollen Kuss auf die Wange und nickte ihr aufmunternd zu. – Mit zögerlichen Schritten näherte sie sich Benedikt, der von der Bank aufsprang und bittend seine Arme ausbreitete.

 

Da warf sie den Kopf in den Nacken und ging hocherhobenen Hauptes an ihm vorbei auf die Haustür zu, wobei sie sagte: „Ich muss mit dir reden!“

 

Prompt trat er an ihre Seite und stimmte zu: „Ich auch mit dir!“ ---


Im Salon setzte sich Benedikt auf das kleine Sofa und klopfte einladend auf den Platz neben sich, doch Astrid ließ sich im Sessel ihm gegenüber nieder und schaute ihn erwartungsvoll an, so als wollte sie ihn auffordern, zuerst zu sprechen. – Also holte er tief Luft und begann: „Bevor ich hier eine Generalbeichte ablege, muss ich dir ein längst fälliges Geständnis machen. Dass wir keine Kinder kriegen, liegt an mir!“

 

Wie ein Blitz schoss Astrid der Gedanke durch den Kopf: ‚Jetzt kann ich ihn doch nicht verlassen!’ – und sie sah ihn bestürzt an.

 

„Kannst du mir verzeihen, dass ich es dir nicht sofort gesagt hab?“

 

Astrid schnaubte böse. „Wieso sollte ich? Du hast mich die ganze Zeit in dem Glauben gelassen, es liegt an mir. Hast mir regelrecht ein schlechtes Gewissen eingeredet.“ – „Bitte, Astrid, es tut mir ja so leid!“

 

Sie winkte müde ab. „Vergiss es! Ist jetzt auch egal. – Was ist mit dir und Gaby?“ – „Nur ein Ausrutscher!“ wollte Benedikt behaupten. „Es ist einfach so über uns gekommen. In Wahrheit lieb ich nur dich! Und Gaby ihren Ferdi. – Er hat ihr übrigens verziehen.“ – „Wie schön für sie!“ erwiderte Astrid mit Sarkasmus in der Stimme.

 

Dann blickte sie ihn eindringlich an und sagte sehr ernst: „Euer Anblick hat mir das Herz gebrochen! Und dies Bild krieg ich einfach nicht mehr aus meinem Kopf!“

 

Da fragte er sie glatt voller Dreistigkeit: „Ach ja? Und du würdest wohl nicht wollen, dass ich das auch mal bei dir mache?“ – „Benni!!!“ schrie sie entsetzt auf und schnappte nach Luft. „Ja, spinnst du denn jetzt total?!“

 

Er blieb ganz gelassen. „Wieso? Warum sollte sich ein Mann nicht wünschen, seine Frau, die er liebt, so zu verwöhnen und zu beglücken?“

 

Astrid war einfach sprachlos und starrte ihn nur mit großen Augen an. Nun kam Benedikt richtig in Fahrt. „Ja, und das mag jetzt blöd klingen, aber das mit Gaby war eigentlich nur so ´ne Art Generalprobe. Ich hatte mir fest vorgenommen, dich bei deiner Heimkehr nach allen Regeln der Kunst zu verführen. Ich bin’s so satt, wie wir das zelebrieren! Im Dunklen! Unter der Bettdecke! Rein, raus, Pflicht erfüllt! – Astrid, ich will dich dabei anschauen, in deiner ganzen Schönheit! Will dich überall berühren, überall küssen. Und das Höchste wäre es, wenn du das bei mir auch machen würdest. – Glaub mir, Liebling, Sex kann so schön sein!“

 

Astrid stockte bei dieser flammenden Rede schier der Atem. – Doch noch etwas Seltsames geschah mit ihr!

 

Während sie ihm zuhörte, stieg wieder diese Glut in ihr hoch, es flatterte wie von 100 Schmetterlingen in ihrem Bauch, ihre Brüste spannten sich, und es pochte in ihrem Schoß. Tatsächlich brachten allein seine Worte, seine Schilderungen ihren Körper in Wallung. – Und Benedikt schien etwas zu spüren, denn er musterte sie aufmerksam und plötzlich breitete sich ein strahlendes Lächeln über sein Gesicht. Er flüsterte: „Astrid, Liebste! Verstehst du jetzt, was ich meine?“

 

Sie konnte nur verwundert nicken. Da stand Benedikt entschlossen auf, streckte ihr seine Hand entgegen und bat: „Komm, Liebling! Lass mich dir zeigen, wie sehr ich dich wirklich liebe!“

 

- Für einen kurzen Moment stutzte sie. Hatte sie diese Worte heute nicht schon einmal gehört? –

 

Doch Benedikts treuherziger Dackelblick wirkte auf sie wie hypnotisierend, und sie folgte ihm die Treppe hinauf in ihr Schlafzimmer. ---


Dieses Mal schloss Benedikt die Tür hinter ihnen ab. Und tatsächlich erfüllte Astrid ihm all seine Wünsche, und Benedikt genauso ihre, von denen sie teilweise nicht einmal selbst wusste, dass sie diese überhaupt hatte.



Nach diesem gemeinsamen Erlebnis höchsten Glücksgefühls war von Trennung natürlich keine Rede mehr!

 

Das mit Andreas blieb für Astrid eine Episode, die sie zwar genossen hatte und auch nicht bereute, aber Benedikt gab ihr die weitaus größere Erfüllung. ---


Als das Paar nach dem Abendessen Arm in Arm über den Hof schlenderte, um noch einmal nach den Pferden zu sehen, stand Andreas zufällig in seiner Haustür und wollte etwas frische Luft schnappen.

 

Dieser Anblick trauter Zweisamkeit traf ihn wie ein Dolchstoß ins Herz. Die beiden sahen wahrhaftig nicht aus, als hätten sie über die Scheidung gesprochen.

 

Wütend dachte Andreas: ‚Hat dieser Schuft sie tatsächlich wieder eingewickelt? Oh, Astrid, arme Astrid! Wie kannst du nur so blauäugig sein? Bei nächster passender Gelegenheit wird er dich wieder betrügen. Er hat einmal Blut geleckt und wird es wieder tun!’

 

Ja, das war seine feste Überzeugung! – Schnell zog er sich ins Haus zurück, denn er wollte nicht, dass die beiden ihn sahen. – Später als er zu Bett ging, nahm er sich fest vor, Astrid anderntags ins Gewissen zu reden, damit sie, nach seiner Meinung, nicht wieder mit offenen Augen in ihr Unglück rannte. ---


Doch es kam zu keinem Gespräch zwischen ihnen, denn als Andreas am anderen Morgen erwachte, saß Astrid bereits im Zug auf dem Weg zu ihrer Schwester.



Noch in der Nacht erreichte das Ehepaar ein verzweifelter Anruf von Rainer. Hildegard lag mit vorzeitigen Wehen im Krankenhaus und brauchte absolute Bettruhe, wenn das Kind nicht zu früh kommen sollte.

 

Nun stand Rainer da mit seinem 4jährigen Sohn und der Ballettschule, und in seiner Not bat er Astrid um Hilfe. Natürlich sagte diese sofort zu, und Benedikt unterstützte sie darin, indem er sich nach der frühsten Zugverbindung erkundigte und sie zum Bahnhof brachte. ---


Astrids erster Weg führte sie selbstverständlich ins Krankenhaus, nachdem Rainer sie abgeholt und sie nur kurz ihren Koffer zuhause abgestellt hatte. – Hildegard war untröstlich und ihrem Mann ein wenig böse, dass er ohne ihr Einverständnis einfach so bei Astrid um Hilfe bettelte. Doch ihre Schwester beruhigte sie schnell, indem sie sagte, das wäre ja wohl selbstverständlich.

 

„Wenn ich das geahnt hätte, wäre ich gar nicht erst zurück gefahren.“ behauptete Astrid.

 

Doch dann breitete sich ein verträumtes Lächeln über ihr Gesicht und sie erklärte: „Allerdings wär es dann nicht zu einer Aussprache mit Benni gekommen. – Und zu einer Versöhnung!“

 

Und sie berichtete der verblüfften Schwester, wie sie ihren Mann mit seiner Jugendfreundin inflagranti ertappt hatte und sich zuerst empört scheiden lassen wollte.

 

„Aber dann hat Benni mir erklärt, was er in unsrer Beziehung vermisst, und ich hab eingesehen, dass wir viel offener miteinander umgehen müssen. – Übrigens, du hast Recht mit deiner Annahme! Benni hat mir gestanden, dass er keine Kinder zeugen kann.“

 

Die Episode mit Andreas erwähnte Astrid jedoch mit keinem Wort Hildegard gegenüber. Das sollte für immer ihr Geheimnis bleiben. ---


Hildegard ging es so weit ganz gut, sie bekam Infusionen mit Wehen hemmenden Mitteln und musste strikt liegen, nicht einmal zur Toilette durfte sie, eine richtige Strafe für so eine agile Frau.

 

Astrid gegenüber behauptete sie: „Das ist noch schlimmer als damals meine Zeit im Rollstuhl. Mit dem Ding war ich beweglicher als jetzt.“ – „Sei doch nicht immer so ungeduldig, Hildchen!“ lachte Astrid. „Wenn du dich brav an die Anweisungen des Doktors hältst, hast du’s ja bald überstanden. – Und ich kümmre mich so lange um Kilian und Rainer.“ – „Auch um meine Ballettküken?“ verlangte Hildegard.

 

Astrid nickte lächelnd. „Auch um die!“ ---


Die kleinen Tanzmäuse freuten sich sehr, dass die Schwester von Frau Humboldt wieder da war und sie eine Weile vertreten wollte. Astrid plante mit ihnen, einen kleinen Tanz einzustudieren, den sie Hildegard bei ihrer Rückkehr vortanzen sollten, und die kleinen Mädchen waren mit Feuereifer bei der Sache. –

 

Auch den Haushalt hatte sie schnell im Griff, und bald fühlte sie sich so, als wäre sie nie weg gewesen, sondern fast wie zuhause.

 

Allerdings vermisste sie Benedikt und ihr Training mit den Pferden sehr. Doch sie telefonierte jeden Abend lange mit ihrem Mann und gestand ihm, wie sehr sie sich nach ihm sehnte, und Benedikt bestätigte, dass es ihm genauso ging. –

 

Er erzählte ihr jedoch nicht, dass er eine böse Auseinandersetzung mit Andreas hatte!








Kapitel 10




Es war fast wie in alten Zeiten, als der junge Graf mit seinem Verwalter auf dem Traktor zum Feld hinaus fuhr, um das Heu zu ernten. Und doch brodelte es unterschwellig und eine knisternde Spannung baute sich zwischen Benedikt und Andreas auf.

 

Früher hatten sie fröhlich miteinander geplaudert, aber jetzt waren die einzigen Worte, die sie wechselten, nur knappe Anweisungen, die sich auf die Arbeit bezogen. – Schließlich durchbrach Benedikt die Mauer des Fast-Schweigens, indem er sich harmlos erkundigte: „Übrigens, wo wart ihr Zwei eigentlich gestern gewesen?“

 

Das war für Andreas die völlig falsche Frage, denn sofort kochte Wut in ihm hoch. Doch er versuchte noch ruhig zu bleiben und antwortete kurz und bündig: „In der Jagdhütte. Dort fand ich Astrid völlig aufgelöst und hab sie getröstet.“

 

Benedikt runzelte die Stirn und fragte lauernd nach: „So, so, getröstet. – Die ganze Nacht?“

 

Nun explodierte Andreas. „Was willst du hören? Dass ich mit Astrid geschlafen hab? Ja, das hab ich! Und sie hat gesagt, dass sie mich liebt und dich verlassen will. – Aber du hast es ja wieder mal geschafft, sie zu umgarnen. – Und ich glaub nicht, dass sie mit dir über Scheidung gesprochen hat.“

 

Da grinste Benedikt hämisch. „Ganz im Gegenteil, mein Lieber! Sie hat mir alles verziehn. – Und unsre Versöhnung war einfach gigantisch!“

 

Bei der letzten Aussage zuckte Andreas betroffen zusammen, was Benedikt bemerkte und triumphierte: „Du hast endgültig verloren! Astrid wird mich nie verlassen! – Und was ihren Ausrutscher mit dir betrifft. Da war sie nur verwirrt und sah sich von mir betrogen. Sie wusste nicht, wohin mit ihren Gefühlen, und du warst eben grad da. – glaub mir, Andy, sie liebt nur mich!“

 

„Und du?“ fuhr Andreas ihn unverhofft an. „Was ist mit dir? Ist Astrid wirklich die Einzige? Was war dann das mit Gaby? Und wer wird die Nächste sein, wenn Astrid dir plötzlich wieder nicht mehr genügt? – Mir kannst du doch nix vormachen!“

 

Nun wurde Benedikt auch zornig. „Wer macht denn hier wem was vor? – Du behauptest, mein Freund zu sein und nutzt die erstbeste Gelegenheit, mir die Frau weg zu nehmen!“ – „Ich hab dir nix weg genommen! Du wolltest Astrid ja nicht mehr!“ – „Schwachsinn! Astrid ist und bleibt die einzige Frau, die ich liebe! – Das zwischen Gaby und mir kannst du nicht verstehn, und ich kann’s dir auch nicht erklären. Aber es ist so oder so vorbei! – Und die beiden, die es wirklich betrifft, nämlich Astrid und Ferdi, haben uns verziehen. – Und dich geht das Ganze überhaupt nix an!“

 

Plötzlich wurde Andreas ganz wehmütig. „Gut, Benni! – Wenn sich Astrid endgültig für dich entschieden hat und mich wirklich nicht so liebt, wie ich sie, dann kann ich aber nicht in ihrer Nähe bleiben. – Bitte, such dir einen neuen Verwalter! Ich schau mich nach ´ner andern Stellung um!“

 

Benedikt erschrak. „Mensch, Andy, das ist doch wohl nicht dein Ernst?! – Du kannst mich doch nicht so einfach im Stich lassen!“ – „Benni, versteh mich doch! Du weißt, dass ich Astrid liebe. Und als wir miteinander geschlafen haben, glaubte ich mich am Ziel meiner Wünsche. Aber es war nur eine Illusion! – Ich seh ja ein, sie gehört zu dir! Aber ich kann nicht hier bleiben! Sie jeden Tag zu sehen, glücklich an deiner Seite. Das hab ich lange genug ertragen, aber jetzt kann ich nicht mehr!“

 

Benedikt sah seinen Freund regelrecht erschüttert an und erkannte, dass er ihn wohl nicht mehr zum Bleiben überreden konnte. Also sagte er seufzend: „Ist gut, Andy, wie du willst! – Ich werd mich nach einem neuen Verwalter umsehn.“



Astrid machte es sich zur Gewohnheit Hildegard jeden Morgen im Krankenhaus zu besuchen und ihr Bericht zu erstatten über die Ereignisse vom Vortag. Sie heiterte sie richtig auf, indem sie kleine Anekdoten von den Ballettmäusen oder ihrem Sohn erzählte. Kilian nahm ja auch regelmäßig am Tanztraining teil und Astrid erzählte: „Dein Sohn ist ja Hahn im Korb und schon ein richtiger kleiner Charmeur. Er weiß genau, wie er die kleinen Mädchen um den Finger wickeln kann, damit sie alles für ihn tun.“

 

Hildegard lachte herzlich. „Wem erzählst du das? Ich kenn doch meinen Sohn! Da ist er ganz der Vater. Rainer wusste auch stets seine Beliebtheit bei den Damen auszunutzen.“

 

Für einen Augenblick flog ein Schatten über Astrids Gesicht und sie wollte wissen: „Aber er war dir doch immer treu, oder?“ – „Das will ich doch stark hoffen!“ grinste Hildegard. „Jedenfalls ist mir nix aufgefallen, und ich vertrau ihm.“ – „So richtig hab ich Bennis Affäre mit Gaby immer noch nicht verdaut.“ gab Astrid seufzend zu. „Und ein leichtes Misstrauen bleibt, dass sich so was wiederholen könnte.“ – „Oh, Schwesterherz! Mit solchen Gedanken darfst du dich nicht belasten! Denk dir einfach: einmal ist keinmal! – Ist zwar ein blöder Spruch, aber vielleicht hilft’s?“

 

Unwillkürlich dachte Astrid an Andreas, und schnell stimmte sie zu: „Doch, das hilft schon. – Nur momentan vermisse ich Benni sehr!“ – „Kann ich verstehn. Und es tut mir leid, dass du meinetwegen nicht bei ihm bist!“ – „Unsinn! Jetzt mach dir nur keinen Kopf deswegen! Ich bin doch gern hier bei euch. Und so lange dauert es ja nicht mehr.“ – „Immerhin noch 7 Wochen!“ gab Hildegard zu bedenken. „Dabei ist der oder die da drin so putzmunter, als ob es jeden Moment losgehen sollte.“ – „Bloß nicht!“ erschrak Astrid, und Hildegard lachte sie aus. „War nur’n Scherz! – Jetzt solltest du aber gehen und für meine beiden hungrigen Männer Mittagessen kochen!“ – „Zu Befehl, Frau Oberst!“ lachte Astrid und verabschiedete sich mit einem schwesterlichen Kuss auf die Wange.



In seiner Verzweiflung wegen Andreas’ Entschluss zu gehen fiel Benedikt nur ein Mensch ein, den er um Rat fragen konnte. – so fuhr er zur Tierarztpraxis, um mit Gabriele zu sprechen.


Er fand sie wieder im Stall, wo sie dieses Mal einem Rehkitz die Flasche gab. Scherzend meinte Benedikt: „Na, übst du schon für den zukünftigen Nachwuchs?“

 

Gabriele blickte auf und erwiderte freimütig: „Das hat noch Zeit. Noch ist nix im Busche.“ – Dann grinste sie keck. – „Was führt dich her? Hast du Sehnsucht nach mir?“

 

Erschrocken wehrte er ab: „Lass die dummen Witze! – Ich komm wegen Andy.“ – „Hat er was angestellt?“ – „Wie man’s nimmt. – Hast du Zeit? Können wir in Ruhe reden?“ – „Wenn ich hier fertig bin, koch ich uns Kaffee, und wir setzen uns ins Wohnzimmer. Dauert nicht mehr lange. Geh schon mal zu Ferdi und sag ihm, wir haben ein Date!“ – „Hör doch endlich auf, du Scherzkeks!“ grinste Benedikt. „Aber ich geh mal zu ihm und guck, was er macht.“ –

 

Doch der junge Tierarzt war mit einem Patienten beschäftigt, sodass er ihm nur kurz mitteilte, er hätte was mit Gabriele zu besprechen.

 

Da er sich bei den Sundermanns auskannte, ging er kurzerhand direkt ins Wohnzimmer und wartete dort auf sie. ---


Es dauerte auch nicht lange, bis Gabriele erschien, ein voll beladenes Tablett balancierend. Auf den kleinen Couchtisch stellte sie dann Kaffeekanne, zwei Tassen mit Untertellern, Milch und Zucker und eine Schale mit Schokoladenkeksen.

 

„Selbst gebacken!“ betonte sie. „Ferdi ist ein richtiger Naschkater! Dauernd braucht er was Süßes. Und dabei nimmt er kein Gramm zu. Einfach beneidenswert!“

 

Nachdem sie Kaffee eingeschenkt hatte, setzte sie sich zwanglos neben ihn auf das wuchtige Sofa, wo er bereits Platz genommen hatte, und forderte ihn sogleich auf: „Dann erzähl mal, was du für Kummer mit meinem Bruder hast!“ – „Kummer – du sagst es! Stell dir vor, er will bei uns kündigen und sich woanders einen Job suchen!“ – „Wieso das denn?“ rief Gabriele erstaunt.

 

„Wegen Astrid!“ antwortete er knapp.

 

„Nun lass dir doch nicht jedes Wort wie Würmer aus der Nase ziehn!“ rief sie ungeduldig. „Erzähl einfach, was passiert ist!“

 

Also holte Benedikt tief Luft und berichtete ihr alles, von dem Moment, als er morgens nach dem verhängnisvollen Abend aufgestanden war, beginnend mit dem Gespräch mit seinem Vater in der Küche, bis hin zu Andreas’ Kündigung auf dem Feld.

 

Gabrieles Augen wurden immer größer, und als Benedikt seinen Bericht beendet hatte, meinte sie nur trocken: „Ich kann Andy voll und ganz verstehn!“ – „Ach ja? – Ich nicht!“ – „Mensch, Benni, versetz dich doch mal in seine Lage! – Du liebst die Frau deines besten Freundes. Läufst ihr jeden Tag übern Weg. Plötzlich merkst du, wie mies er sie behandelt, sie sogar betrügt. Du gehst hin und tröstest sie. Und sie sinkt willig in deine Arme. Du glaubst, du hast endlich dein Ziel erreicht. Da geht sie mit wehenden Fahnen zu ihrem Mann zurück, und du hast das Nachsehen. Jetzt reicht es dir, und du willst nur noch weg von der Frau, die dir das Herz gebrochen hat. – Was ist jetzt bitte daran nicht zu verstehen? – Übrigens wundre ich mich schon lange, dass Andy das all die Jahre klaglos ertragen hat.“ – „Was heißt denn all die Jahre? Etwa schon so lange wie Astrid und ich verheiratet sind?“

 

Gabriele nickte bedächtig. „Vom ersten Moment, als du die beiden einander vorgestellt hast.“ – „Das kann nicht stimmen!“ widersprach Benedikt. „Da war doch was mit dieser kleinen Pflegerin aus dem Sanatorium. Er hat sie auf der Hochzeit kennen gelernt, so weit ich mich erinnre.“ – „Ach das!“ winkte Gabriele ab. „Das war doch nur ´ne kleine Affäre. Nix Ernstes.“ – „Ja, stimmt. Hat nicht lange gedauert.“ musste Benedikt zugeben.

 

Dann meinte er versonnen: „Also war’s immer nur Astrid? Armer Andy! Aber ´ne treue Seele ist er schon.“

 

Gabriele lachte. „Das nützt ihm aber nix. Du hast das Rennen gewonnen, wie man so schön im Reitsport sagt!“ – „Du glaubst also auch nicht, dass ich ihn doch noch einmal überreden könnte zu bleiben?“ – „Auf keinen Fall! Andy steht zu seiner einmal gefassten Entscheidung.“ – „Vielleicht kann ja Astrid ihn überreden?“ – „Die am allerwenigsten! Wegen ihr haut er doch ab.“ – „Da hast du auch wieder Recht. – Dann werd ich mich also doch nach ´nem neuen Verwalter umschauen.“ – „Nimm ´nen älteren, vielleicht sogar verheiratet, damit der sich nicht auch in Astrid vergafft!“ schlug Gabriele heiter vor und hob ihre Kaffeetasse, als wollte sie mit ihm anstoßen.









Kapitel 11




Hildegard brachte eine Tochter zur Welt, zwar 3 Wochen zu früh, aber die Kleine war voll entwickelt und kerngesund.

 

Zu der Freude über die glückliche Geburt kam bei Astrid auch die Erleichterung, dass sie endlich nach Hause zurück kehren konnte. – Während der letzten abendlichen Telefonate mit Benedikt, schien dieser ihr so seltsam bedrückt, und sie sorgte sich, das irgend etwas passiert war, worüber er nicht so recht sprechen wollte.

 

Allerdings dachte Astrid mehr an die beiden alten Leutchen im Haus, den Schwiegervater oder die Tante. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, dass es sich um Andreas handeln könnte. ---


Benedikt hatte noch keinen neuen Verwalter gefunden, aber Andreas bereits eine neue Stellung. – Als Astrid ihrem Mann die Geburt mitteilte und dass sie nun bald nach Hause kommen würde, hatte Andreas bereits begonnen, seinen kleinen Hausstand auf Gut Thorgau aufzulösen.

 

Die Verwalterwohnung auf dem 300 km weit entfernten Reiterhof, wo er in Zukunft arbeiten würde, war unmöbliert, sodass er einige nötige Möbel mitnehmen musste. – Also bestellte er einen kleinen Transporter für den Umzug.

 

Dieser war bereits beladen und wurde losgeschickt, als Astrid am Bahnhof ankam und ein Taxi bestieg. – Die beiden Fahrzeuge begegneten sich auf der Landstraße.



Es dauerte noch eine Woche, bis Hildegard und ihr Baby aus dem Krankenhaus entlassen wurden, und Astrid blieb noch weitere 3 Tage, um zu sehen, ob die Schwester wieder allein klar kam oder noch ihre Hilfe brauchte.

 

Doch Hildegard war in ihrem Bewegungsdrang nicht zu bremsen, allzu lange hatte sie flach liegen müssen. Schnell hatte sie Familie und Haushalt wieder im Griff, und sie schickte Astrid energisch nach Hause.

 

Vorher jedoch nahm Astrid sie mit in die Ballettschule, damit die Tanzmäuse ihr vorführen konnten, wie fleißig sie mit ihrer Vertreterin trainiert hatten. – Hildegard war begeistert und bekam vor Rührung feuchte Augen. Wehmütig meinte sie zu Astrid: „Ach, wenn du doch hier bleiben könntest! Du bist eine fabelhafte Ballettlehrerin und kannst so gut mit den Kindern umgehen. Das wär eigentlich die richtige Aufgabe für dich!“

 

Auch Astrid wurde ein wenig traurig, und der Abschied von den Küken fiel ihr besonders schwer.

 

„Schade dass ich nicht beides gleichzeitig machen kann, Tanzen und Reiten! – Aber neben meinem Benni vermiss ich auch mein Pferd <Fairytale>. Hoffentlich erkennt es mich nach der langen Zeit noch wieder?“

 

Da hatte Hildegard plötzlich einen Einfall! „Warum gibst du nicht bei euch auf dem Gutshof Kindern Reitunterricht?“

 

Zunächst schaute Astrid ihre Schwester verblüfft an. Dann strahlte sie. „Das ist eine wunderbare Idee! Ich werd gleich nach meiner Heimkehr mit Benni darüber sprechen.“ –

 

Dieser Gedanke tröstete Astrid wahrhaftig ein wenig über den Abschied hinweg, und während der Bahnfahrt machte sie bereits eifrig Pläne, wie sie so eine Reitschule aufziehen konnte. – Sie war sich sicher, dass Benedikt damit einverstanden sein und sie darin unterstützen würde. Und mit Andreas wollte sie über die Anschaffung von Ponys sprechen, für die ganz kleinen Kinder.



Natürlich fiel auch Graf Olaf auf, dass es plötzlich Unstimmigkeiten zwischen den ehemals besten Freunden Benedikt und Andreas gab. – Er zeigte sich regelrecht entsetzt, als er erfuhr, dass der junge Verwalter gekündigt hatte und stellte seinen Sohn zur Rede.

 

Benedikt wollte trotz aller Querelen zwischen ihnen, seinen Freund Andreas nicht bloß stellen, und erwähnte dessen Gefühle für Astrid nicht. Er erklärte seinem Vater lediglich, Andreas hätte schon lange geplant, sich mal zu verändern, und das Angebot vom Reiterhof käme ihm gerade recht. Kein Wort davon, dass Andreas erst gekündigt und sich dann danach einen Job gesucht hatte.

 

Benedikt verteidigte ihn sogar. „Sieh mal, Vater! Andy ist hier auf Gut Thorgau groß geworden und quasi in seine Aufgabe hinein gewachsen. Warum soll er sich nicht mal woanders beweisen? Es tut mir ja auch leid, dass er geht. Aber wer bin ich, ihm diese Chance zu verbauen?“

 

Graf Olaf jedoch durchschaute seinen Sohn wieder einmal total und glaubte ihm kein Wort. Im Stillen dachte er sich: ‚Da ist ganz bestimmt was vorgefallen, und das hat mit den Frauen zu tun. – Diese Weiber stiften doch immer nur Unfrieden!’

 

Oh, der alte Herr war nicht auf den Kopf gefallen, und ihm entging so schnell nichts! – Ihm fiel wieder der verhängnisvolle Abend ein. Benedikt und Gabriele – Astrid dazu – und Andreas rastete aus.

 

Auch er fragte sich nun, weswegen Andreas seinen Sohn geschlagen hatte. Um die Ehre seiner Schwester oder für Astrid? – Konnte oder durfte er da eingreifen? –

 

Er beschloss, seine Schwester zu Rate zu ziehen, und nach kurzem Suchen fand er sie lesend im Wohnzimmer. ---


Als er eintrat, blickte Gräfin Miriam von ihrer Lektüre auf und bemerkte sogleich: „Olaf, du siehst so bedrückt aus. Hast du Probleme?“ – „Ach, Miriam, die jungen Leute machen mir Sorgen. Hast du auch schon gehört, dass Andy uns verlässt?“

 

Die Gräfin nickte, klappte ihr Buch zu und legte es zur Seite. „Ja, und ich kann mir auch denken, warum.“ – „Wie? Weißt du schon wieder mehr als ich?“

 

Sie lächelte. „Vielleicht liegt es auch an meinem weiblichen Instinkt? – Komm, setz dich zu mir, und ich erklär’s dir mal!“

 

Also nahm er im Sessel ihr gegenüber Platz und sah sie erwartungsvoll an.

 

„Tja, mein Lieber, wo soll ich anfangen? – Als Benni seine Astrid hierher brachte, hat sich Andy wohl gleich in sie verguckt. Mir ist sein aufmerksames Verhalten ihr gegenüber sofort aufgefallen. Aber Andy schien sich ganz gut im Griff zu haben. Bis es zwischen Benni und Astrid zu kriseln begann. Und dann diese dumme Affäre mit Gaby! Das machte Andy wohl richtig wütend. Er sah, wie unglücklich Astrid war und wollte sie wohl ursprünglich nur trösten. Ob es nur dabei geblieben ist oder doch noch weiter ging, kann ich dir allerdings nicht sagen. – Jedenfalls scheint plötzlich zwischen Benni und Astrid wieder alles in Ordnung zu sein. Und dieses neue Glück kann Andy nicht mehr ertragen, und deshalb will er fort.“

 

Graf Olaf hatte seiner Schwester aufmerksam gelauscht und wurde immer betroffener. Dann seufzte er abgrundtief, und Gräfin Miriam nickte wissend. „Ja, Olaf, das erinnert dich wohl sehr an dich selbst, nicht wahr? – Du, dein bester Freund und seine Frau. – Aber dann hast du ja Sophia kennen und lieben gelernt.“ – „Ja, ich hab Sophie wirklich geliebt. Das Andre war nur eine dumme Jugendschwärmerei. – Allerdings war ich sehr froh, dass Sophie nix dagegen hatte, die Kinder nach dem Unglück bei uns aufzunehmen. – Und irgendwie sind die beiden mir fast so sehr ans Herz gewachsen wie mein leiblicher Sohn.“ – „Ich kann dich gut verstehn, glaub mir! – Ich hab meinen verstorbenen Mann auch nie spüren lassen, dass er eigentlich nur 2.Wahl war. Ich weiß nicht, ob ich ihn geheiratet hätte, wenn sein Bruder nicht tödlich verunglückt wäre.“ – „Aber Miriam! Das wusste ich ja noch gar nicht!“ rief Graf Olaf ganz erschüttert.

 

„Ich hab’s ja auch niemandem erzählt, bis jetzt dir.“

 

Die beiden alten Herrschaften blickten sich an und seufzten einvernehmlich. – Schließlich meinte der Graf: „Unter diesen Umständen ist es wohl wirklich am besten, wenn Andy uns verlässt. Wenn er erst Abstand von Astrid gewinnt, wird er vielleicht auch die richtige Frau für sich finden.“ – „Das können wir nur für ihn hoffen, mein lieber Olaf!“



Als das Taxi vor dem Gutshaus hielt, und Astrid ausstieg, packte Andreas gerade die letzten Sachen in seinen Wagen. – Während er eine prall gefüllte Reisetasche und einen Koffer im Kofferraum verstaute, blickte sie zufällig in seine Richtung und rief verwundert: „Ja, Andy! Willst du verreisen?“

 

Andreas erstarrte vor Schreck. Er wollte doch unbedingt eine Begegnung mit ihr vermeiden und längst weg sein, bevor Astrid heimkehrte. Nun kam es also doch noch zu einer Konfrontation!

 

Schon eilte Astrid auf ihn zu und fragte harmlos, richtig heiter: „Wohin soll denn die Reise gehen?“

 

Dann erblickte sie die Tüten und Kartons auf dem Rücksitz und rief betroffen: „Andy, was hat das zu bedeuten?“

 

Leise und traurig entgegnete er: „Astrid, ich geh weg von hier! – Ich hab einen neuen Job auf einem Reiterhof.“

 

Astrid war fassungslos. „Du verlässt uns? – Ja ... aber ... warum denn?“

 

Er schaute sie mit einem so waidwunden Blick an, der sie mitten ins Herz traf, und sie erkannte die Wahrheit.

 

„Etwa meinetwegen?“

 

Er konnte nur nicken. – Bestürzt wich sie seinem Blick aus und schaute zur Seite. Da sah sie Benedikt aus der Haustür kommen und lief auf ihn zu. Schon von weitem schrie sie ihn an: „Benni! Wie kannst du nur Andy rausschmeißen?!“

 

Benedikt wehrte empört ab: „Ich hab niemanden raus geschmissen! Er hat freiwillig gekündigt.“ – „Red keinen Unsinn! Wieso sollte er?“

 

Da wurde Benedikt richtig böse. „Vielleicht will er sich nicht länger von dir verarschen lassen? – Erst flüchtest du vor mir in seine Arme und behauptest, dass du mich verlassen willst. Dann kehrst du zu mir zurück und würdigst ihn keines Blickes mehr. – Du bist ein ganz schönes Luder! Nimmst dir die Männer wie’s dir grad passt.“ – „Benni!! Wie redest du denn mit mir?“ zeigte sich Astrid schockiert.

 

„So wie du’s verdient hast!“ schnaubte Benedikt wütend. „Wirfst mir meinen Seitensprung vor und lässt mich zu Kreuze kriechen, ehe du mir verzeihst. Dabei bist du selbst nicht besser!“

 

Nun stieg in Astrid ein unbändiger Zorn hoch, auch begründet durch ein schlechtes Gewissen.

 

„Dann sind wir ja quitt! – Aber eins ist mir bei meiner Schwester klar geworden. Dir trau ich nicht mehr! Deine Liebesschwüre an mich kamen nur über die Lippen nicht von Herzen. Du wirst doch wieder die erstbeste Gelegenheit nutzen, wenn dich eine Frau reizt. Wenn sie dir deine Wünsche erfüllt. Dein Verlangen ist ja nur schwanzgesteuert!“

 

Sie war über sich selbst erschrocken, dass sie ihm diese krassen Vorwürfe machte, und Benedikt starrte sie nur total erschüttert an, solche Ausdrücke hatte er ja noch nie von ihr gehört.

 

Abrupt wandte sie sich zu Andreas um und rief: „Warte, Andy! Ich komm mit dir!“

 

Sie schnappte sich ihren Koffer, der noch vor der Tür stand und eilte zum Auto. Der Kofferraum stand noch offen, und sie warf ihn mit Schwung hinein und schlug die Klappe zu. Dann meinte sie auffordernd: „Los, Andy, lass uns fahren!“ – und sie stieg ungeniert an der Beifahrerseite ein.

 

Die beiden Männer wechselten über die Entfernung hinweg einen entgeisterten Blick. Dann drehte sich Benedikt achselzuckend um, ging zurück ins Haus und warf die Tür krachend ins Schloss. Währenddessen setzte sich Andreas fast wie in Trance hinters Steuer, startete den Wagen und fuhr in einem großen Bogen vom Hof.















Kapitel 12




Erst nach mehreren 100 Metern verwirrten Schweigens meinte Andreas mit leicht bebender Stimme vorsichtig: „Astrid, ich glaub nicht, dass du grad weißt, was du tust!“

 

Sie warf ihm einen verdutzten Seitenblick zu und behauptete: „Ich weiß genau, was ich tu! Ich halte endlich mein Versprechen an dich. Ich verlasse Benni, um mit dir zu gehen.“

 

Da seufzte er. „Ach, Astrid, dies Versprechen war doch nur aus einer Stimmung, aus einer Laune heraus. Es war sehr schön mit uns! Aber du gehörst zu Benni.“ – „Was redest du denn da? – Zunächst mal gehör ich niemandem, weder Benni noch dir. Ich bin doch kein Besitztum! – Und was heißt es WAR schön mit uns? Liebst du mich denn nicht?“

 

Da kam Andreas ein spontaner Geistesblitz! – Er lachte hämisch auf. „Mensch, Süße! Hast du etwa meine Schwüre geglaubt? Das hab ich doch alles nur gesagt, um dich ins Bett zu kriegen!“

 

Astrid zuckte zusammen wie unter einem Schlag und starrte betroffen stur geradeaus. Mühsam stieß sie hervor: „Das ist nicht wahr! – Andy, sag, dass das nicht wahr ist! – So kannst du mich nicht getäuscht haben!“

 

Obwohl sein Herz bis zum Hals hinauf schlug, bestätigte er: „Schätzchen, kapier’s doch! Ich wollt dich nur einmal haben. Von Liebe ist bei mir keine Rede!“

 

Nun blickte sie zur Seite und erschrak über das süffisante Grinsen auf seinem Mund. (In Wahrheit war es schmerzverzerrt, weil ihm das Herz weh tat.)

 

Mit Inbrunst schleuderte sie ihm ins Gesicht: „Du hundsgemeiner Schuft! Das hätt ich nie von dir gedacht. – Halt sofort an!“

 

Ausgerechnet jetzt fuhren sie über eine Brücke, und er sagte ironisch: „Kann ich nicht. Oder willst du in den Bach springen?“

 

Astrid schwieg bestürzt. – War das derselbe Mann, der sie voller Zärtlichkeit dazu gebracht hatte, sich ihm hinzugeben? – Sie schämte sich in Grund und Boden für ihre Schwäche! –

 

Endlich hatten sie die Brücke hinter sich, und sie forderte noch einmal, jedoch mit zitternder Stimme: „Lass mich jetzt bitte aussteigen!“

 

Er nickte: „Wie du willst!“ – und fuhr rechts ran, wo er hielt, aber er ließ den Motor laufen.

 

„Mein Koffer!“ verlangte sie noch beim Aussteigen.

 

Er drückte auf einen Knopf und der Kofferraumdeckel sprang auf. Er dachte gar nicht daran, auszusteigen und ihn für Astrid heraus zu holen. – Nachdem sie ihn also selbst heraus gehoben und die Klappe wieder zugedrückt hatte, ließ Andreas den Motor aufheulen und brauste mit quietschenden Reifen davon.

 

Astrid stand da und starrte ihm mit tränenblinden Augen nach, sie hatte das Gefühl, als würde ihr Herz in 1000 Scherben zerspringen! ---


--- Auch in Andreas’ Augen bildeten sich Tränen, sodass er kaum die Straße wahrnahm, aber er drosselte das Tempo nicht.

 

So geschah es, dass er in einer scharfen Rechtskurve in den Gegenverkehr geriet, wo ihm ein Traktor entgegen kam. Instinktiv versuchte Andreas auszuweichen, verriss das Lenkrad und schoss über die Böschung hinweg direkt auf einen Baum zu, an den er frontal krachte.



Astrid schlurfte mit hängenden Schultern und fließenden Tränen, den Koffer fest in der Hand wie ein geprügelter Hund den Weg zurück nach Gut Thorgau.

 

Sie befand sich schon hinter der Brücke, als ihr ein wohlbekanntes Auto entgegen kam, am Steuer saß Benedikt. Er bremste scharf auf Höhe von ihr und sprang heraus, kaum dass der Wagen stand. Astrid stellte seelenruhig den Koffer ab und blickte ihn wie geistesabwesend an, als er mit ausgebreiteten Armen auf sie zukam. Er hatte sie gerade erreicht, da sank sie ohnmächtig in sich zusammen, und er konnte sie noch rechtzeitig auffangen, ehe sie auf den Boden fiel. Schnell hob er sie auf seine Arme, trug sie zum Auto und ließ sie, nachdem er mühevoll die Tür geöffnet hatte, auf den Beifahrersitz sinken. Er setzte sich hinters Steuer, startete den Wagen und fuhr über die Brücke Richtung Stadt, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Vor Aufregung vergaß er den Koffer am Straßenrand. ---


Sie kamen an die Unfallstelle, wo schon Polizei und Krankenwagen standen, und ein Polizist leitete sie an der Absperrzone vorbei. Man konnte das verunglückte Auto von der Straße aus nicht sehen. –

 

Als Benedikt den Ortsrand erreichte, sauste der Krankenwagen mit Sirene und Blaulicht heran. Benedikt hielt am Seitenstreifen und ließ ihn vorbei fahren. –

 

Da kam Astrid wieder zu sich und schaute sich verwirrt um. Besänftigend sprach Benedikt zu ihr: „Liebes, bleib ganz ruhig sitzen! Ich bring dich ins Krankenhaus.“

 

Da raffte sich Astrid auf. „Nein, nein, ich brauch nicht ins Krankenhaus! Mir geht’s wieder gut!“ – „Unsinn! Du bist ohnmächtig geworden, und das hat doch einen Grund. – Was ist passiert?“

 

Sofort flossen wieder die Tränen und Astrid schluchzte: „Oh, Benni! Andy liebt mich gar nicht! Er wollte mich nur rumkriegen. Und jetzt wo er hat was er wollte, lässt er mich fallen wie’ne heiße Kartoffel! Wie konnte ich mich nur so blenden lassen?!“

 

Benedikt runzelte die Stirn und schimpfte: „Da hat er mich ja auch getäuscht! Ich hab auch geglaubt, er liebt dich wirklich. Hatte fast schon Mitleid mit ihm. Dieser Dreckskerl!“

 

Benedikt legte den Arm um Astrids Schulter und zog sie an sich, dazu sagte er leise: „Aber ich liebe dich, mein Herz! Und ich schwöre dir, so was wie mit Gaby wird nie wieder passieren! – Lass uns noch mal ganz von vorne beginnen! Denk nicht mehr an Andy! – Gut, dass er weg ist! Jetzt hätt ich ihn ganz gewiss rausgeschmissen! Der Teufel soll ihn holen!“

 

Bei dieser Schimpftirade musste Astrid wahrhaftig unter Tränen lächeln. Benedikt sah es und küsste sie ganz zart auf ihre Lippen. Dann schob er sie zurück in den Sitz und erklärte: „Ich bring dich zu Dr.Berghof! Der soll dich mal gründlich untersuchen! Du bist immer noch kreidebleich. Hoffentlich hat dir die ganze Aufregung der letzten Zeit nicht irgendwie geschadet?“ – „Lieb, wie besorgt du um mich bist!“

 

Wehmütig blickte er sie an. „Ach, Astrid, du glaubst ja nicht, wie tief es mich getroffen hat, als du mit Andy fort wolltest! – Ich musste mich erst besinnen, aber dann hab ich beschlossen, dich mit allen Mitteln zurück zu gewinnen. Ich hätt mich auch mit Andy duelliert, wenn nötig.“

 

Da lachte Astrid hellauf. „Ja, du bist mir schon ein Held! – Dann bring mich mal zu Dr.Berghof!“ ---


Andreas hatte nicht nur jede Menge äußere Verletzungen, sondern auch innere, und die waren weitaus schlimmer.

 

Der zuständige Notarzt sah kaum noch eine Chance für den jungen Mann und erkundigte sich beim Pflegepersonal, ob seine Papiere Auskunft gaben, wen man im Notfall verständigen musste.

 

Zufällig kannte eine der Krankenschwestern den Verunfallten und wusste, dass er auf Gut Thorgau arbeitete.

 

So erhielt Graf Olaf den verhängnisvollen Anruf.



Zum Glück war das Wartezimmer von Dr.Berghof leer, und Astrid kam sofort dran.

 

Da sich die Untersuchung eine ganze Weile hinzog, wartete Benedikt lieber draußen an der frischen Luft vor der Praxis neben seinem Auto. –

 

Plötzlich fuhr ein Abschleppwagen die Hauptstraße entlang, mit einem Autowrack am Haken. Für einen kurzen Moment dachte Benedikt verblüfft: ‚Sieht beinah aus wie Andys Kiste.’

 

Doch dann schüttelte er den Kopf. Andreas’ Auto war ein gängiges Modell und auch die Farbe nicht selten. – Wie kam er nur darauf, dass es sein Wagen sein könnte? –

 

Da trat auch schon Astrid heraus, mit einem ziemlich verschreckten Gesichtsausdruck. ---


Die Diagnose von Dr.Berghof nach seiner recht gründlichen Untersuchung verursachte bei Astrid eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Denn der Arzt sagte heiter: „Ich gratuliere Ihnen, Frau von Thorgau! Sie sind schwanger!“

 

Im ersten Impuls wollte Astrid sich freuen, aber dann fiel ihr siedendheiß ein, dass Benedikt ja nicht der Vater sein konnte. Während ihr dieser Gedanke durch den Kopf schoss, hörte sie nur mit halbem Ohr, wie der Doktor auf sie einredete: „Ich hab Ihnen ja gleich gesagt, es ist alles in Ordnung. Hab ich also Recht behalten. Nun hat es ja doch noch geklappt. Da wird sich der Herr Graf aber freuen.“

 

Nun, das mit der Freude wagte Astrid zu bezweifeln. Oh Gott! Wie würde Benedikt auf diese Nachricht reagieren?

 

Ganz automatisch nickte sie zu den Worten des Doktors und ließ sich von der Sprechstundenhilfe den nächsten Vorsorgetermin geben. ---


Nun stand sie also vor ihrem Mann und wusste nicht, wie sie ihm diese Hiobsbotschaft beibringen sollte!
















Kapitel 13




„Miriam! – MI-RI-AM!!!“

 

Laut schallte der entsetzte Ruf von Graf Olaf durch sämtliche Räume des Gutshauses. – Endlich fand er seine Schwester in der Küche, wo sie sich gerade einen Tee kochte und ihm erstaunt entgegen blickte. „Olaf, was bist du denn so aufgeregt? – Wer war denn da grad am Telefon?“ – „Das Krankenhaus!“ erwiderte der Graf atemlos. „Stell dir vor, Andy ist mit dem Auto verunglückt! Der Arzt meint, es sieht nicht gut für ihn aus. – Er verlangt nach Benni. – Wo steckt denn der Bengel überhaupt?“

 

Besorgt bugsierte Gräfin Miriam ihren Bruder auf einen Küchenstuhl. „Nun beruhig dich doch! Es nützt keinem was, wenn du hier zusammen klappst.“

 

Sie schob ihm die Tasse Tee hin, die sie grad für sich zubereitet hatte. „Trink erstmal und komm zu dir! Und dann erzähl mir, was genau der Arzt gesagt hat.“

 

Gehorsam nahm der Graf einen Schluck Tee und holte tief Luft. „Also, dieser Dr.Schwarz von der Notaufnahme hat von der Polizei erfahren, dass Andy, der dumme Junge, ungebremst gegen einen Baum gerast ist. Jetzt steht die Frage im Raum, ob mit Absicht.“ – „War er denn allein im Auto?“ wollte Gräfin Miriam nun auch ganz aufgeregt wissen.

 

„Wieso fragst du? – Aber ja, er war wohl allein.“

 

Seine Schwester starrte versonnen vor sich hin und dachte an die Szene, bei der sie zufällig durch das Wohnzimmerfenster Zeugin geworden war. Es handelte sich um den Streit der Eheleute vor der Haustür, als Astrid daraufhin zu Andreas ins Auto gestiegen war. –

 

Zögernd berichtete sie ihrem Bruder davon. Sofort brauste er auf: „Ja, sind denn alle plötzlich verrückt geworden?! Ich denk, zwischen Benni und Astrid ist wieder alles in Ordnung?“ – „Ach, Olaf, das ist doch jetzt nicht wichtig! Was ist mit Andy?“ – „Er ist sehr schwer verletzt, und der Doktor befürchtet das Schlimmste. – Außerdem verlangt er dauernd nach Benni. – Du weißt wohl nicht zufällig, wo der jetzt steckt?“ – „Doch. Er ist mit seinem Auto hinter den beiden her.“

 

Graf Olaf seufzte. „Dann bleibt uns wohl nix Andres übrig, als zu warten, bis er wieder auftaucht. – Hoffentlich ist es dann nicht schon zu spät?!“



„Astrid, Liebling, was machst du denn für ein Gesicht? Hat der Doktor was Schlimmes gefunden?“

 

Bei dieser Frage musste Astrid unwillkürlich schmunzeln, und sie entschied sich mutig für die Wahrheit. So antwortete sie betont heiter: „Tja, mein Schatz! Er hat was gefunden. Aber ob es schlimm ist, musst du entscheiden!“

 

Mit einem tiefen Blick in seine Augen sagte sie langsam: „Ich bekomme ein Kind!“

 

Benedikts Mienenspiel war erstaunlich, zuerst strahlte er, dann stutzte er, und schließlich bemerkte er ein wenig traurig: „Aber leider nicht von mir!“ – „Oh, Benni! Ich wünschte so sehr, es wär deins!“ gestand sie mit nahezu flehendem Blick.

 

Als Benedikt schwieg und sie nur mit großen Augen ansah, erklärte sie eifrig: „Er braucht es ja nicht zu erfahren. Tun wir doch einfach so, als wär’s deins!“

 

Plötzlich grinste Benedikt. „Theoretisch könnte es ja auch meins sein, oder?“

 

Astrid nickte errötend und mit einem verschämten Lächeln, weil sie daran dachte, dass es mit beiden Männern am selben Tag passiert war.

 

Da breitete Benedikt lachend seine Arme aus, in die sich Astrid erleichtert fallen ließ, und sie küssten sich sehr innig. ---


Später im Auto auf dem Weg nach Hause gab Astrid jedoch zu bedenken: „Was werden der Vater und die Tante dazu sagen? Sie wissen doch sicher von deinem Handikap?“

 

Da lachte Benedikt fröhlich. „Vater hat nie an die damalige Diagnose des Doktors geglaubt. Wir können ja einfach behaupten, er hat sich geirrt.“

 

Darauf konnte sich Astrid nicht verkneifen zu sagen: „Dann kriegt Schwiegerpapa doch unbewusst einen <Kuckucksenkel>!“ – „Was soll das denn heißen?“ wunderte sich Benedikt.

 

„Nun, als du die Adoption geplant hast, hat er wortwörtlich zu Tante Miriam gesagt, er will <keinen Kuckucksenkel>! Wegen der gräflichen Adelslinie.“ – „Du meine Güte! An den blöden Titel hab ich überhaupt nicht gedacht!“ lachte Benedikt und fügte hinzu: „Apropos Adoption. Dann kann ich ja den Antrag zurück ziehen. – Die olle Zicke auf dem Jugendamt hat sich sowieso so angestellt, als ob ich von ihr etwas ganz Ungeheuerliches verlangen würde. – Zum Glück hat sie bis jetzt die Mühe gescheut, uns irgendwelche Kinder zum Aussuchen zu präsentieren!“ – „He, red nicht so abfällig über eine so ernste Angelegenheit!“ empörte sich Astrid.

 

Plötzlich fiel ihr etwas ein. „Du, wenn wir zuhause sind, am besten heut Abend, muss ich mal in Ruhe mit dir sprechen. Hildchen hat da einen interessanten Vorschlag gemacht.“

 

Benedikt schaute sie verblüfft von der Seite an. „Jetzt bin ich aber neugierig!“ – „Gedulde dich, mein Schatz! Heut Abend, nach dem Abendessen. – Erst teilen wir gleich mal unsre Neuigkeit Vater und Tante mit. Bin wirklich gespannt, was sie dazu sagen.“ ---


Doch zu dieser Mitteilung kam es vorerst nicht, denn Graf Olaf hatte ganz andere Nachrichten für sie.



Beim Anblick seines besten Freundes, wie er so da lag, fast schon der Welt entrückt, blieben Benedikt sämtliche Vorwürfe und Beschimpfungen im Hals stecken. – Andreas hatte die Augen geschlossen und schien zu schlafen, aber er atmete sehr flach und stoßweise.

 

Vorsichtig näherte sich Benedikt dem Bett, zog leise einen Stuhl heran und setzte sich möglichst dicht an seine Seite. ---


Fast hätte man Benedikt gar nicht zu Andreas gelassen, obwohl er ausdrücklich nach ihm verlangt hatte. Erst der hinzu gerufene Dr.Schwarz konnte die Oberschwester der Intensivstation überzeugen, dass sie ihm den Zutritt gewährte, auch wenn er kein Verwandter war. ---


Behutsam griff Benedikt nach Andreas’ Hand auf der Bettdecke und drückte sie sacht, wobei er leise sagte: „Andy, ich bin’s, Benni. Du willst mit mir sprechen?“

 

Andreas klappte so rasch die Augen auf, als hätte er sich erschreckt. Stockend und mit vielen Pausen, in denen er um Atem rang, sagte er: „Benni? ... Verzeih mir! ... Ich ... ich wollte nicht. ... Astrid ... Hab sie ... immer geliebt! ... Aber du?“

 

Er starrte Benedikt mit glasigen, fast schon beseelten Augen an. Dieser sprach hastig: „Schon gut, Andy! Ich versteh dich! Wir lieben sie beide. Sie hat sich entschieden. Du hast es ihr ja leicht gemacht. Hast ihr ganz schön was vorgespielt, nicht wahr? Oh ja, ich hab dich durchschaut. – Ich versprech dir hoch und heilig, ich werd sie nie wieder so mies behandeln!“

 

Da erwiderte Andreas seinen Händedruck und murmelte so leise, dass Benedikt ihn kaum verstand und sich deshalb näher zu ihm beugte: „Ja, sonst komm ich als böser Geist über dich.“

 

Dann zeichnete sich ein schmerzliches Lächeln auf seinen Lippen ab. –

 

Benedikt focht einen schweren inneren Kampf mit sich aus. – Sollte er dem Freund noch sagen, dass Astrid ein Kind von ihm erwartete? –

 

Die Entscheidung wurde ihm abgenommen, als plötzlich die Oberschwester erschien wie ein Racheengel und verhalten schimpfte: „Das ist jetzt genug, Graf Thorgau! – Draußen wartet Herrn Jüttners Schwester.“

 

Benedikt drückte noch einmal Andreas’ Hand, bevor er sie los ließ, und erhob sich langsam. Im Hinausgehen murmelte er betrübt: „Wir sehen uns wieder, mein Freund!“ –

 

Im Vorraum traf er auf Gabriele, die bereits die Schutzkleidung angezogen hatte. Er nahm sie kurz in den Arm und gab ihr einen Kuss auf die tränenfeuchte Wange. Dann ging sie hinein, während er sich von der sterilen Kleidung befreite. ---


Im Beisein seiner Schwester Gabriele starb Andreas dann, indem er ganz ruhig einschlief. ---


Aufgrund der Zeugenaussage des am Unfall beteiligten Traktorfahrers, konnte die Polizei dann doch einen Selbstmord ausschließen, Andreas war einfach zu schnell gefahren. So bedurfte es auch keiner Obduktion, und 4 Tage später wurde Andreas Jüttner in der Familiengruft derer von Thorgau beigesetzt. .....









EPILOG




... Der erste Gratulant zum furiosen Sieg im Dressur Special war natürlich Benedikt, der seine Frau Astrid vor all den surrenden und blitzenden Kameras liebevoll in seine Arme nahm und ganz ungeniert küsste. –

 

Dann wurden Astrid unzählige Mikrofone vors Gesicht gehalten, und ein Reporter fragte: „Stimmt es, Frau Gräfin, dass dies Ihr letztes Turnier ist?“

 

Astrid und Benedikt strahlten sich an, und sie antwortete freimütig: „Sagen wir mal so: Ich werde eine längere Zeit pausieren!“

 

Dabei strich sie sich versonnen über ihren kleinen Babybauch, der sich deutlich im recht engen Reitdress abzeichnete. – Da wurde Benedikt gefragt: „Und Sie, Herr Graf, haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Reitnachwuchs zu fördern?“

 

Benedikt nickte lachend. „Ja, das war ein wirklich guter Einfall meiner Frau!“ – „Ursprünglich stammt die Idee aber von meiner Schwester Hildegard!“ warf Astrid ein.

 

Da rief eine ältere Dame aus den hinteren Reihen: „Handelt es sich bei Ihrer Schwester nicht um die ehemalige Primaballerina Jeversund?“

 

Astrid schmunzelte. „Ich weiß nicht, ob Sie die richtige Ballerina meinen? Hildegard war auch einmal Primaballerina. Aber später war sie meine Trainerin.“

 

Ein eifriger junger Journalist drängte sich nach vorne und rief: „Dann sind Sie also Astrid Jeversund, der aufgehende Stern am Balletthimmel? – Bis zu Ihrem Unfall auf der Bühne, nicht wahr? Danach haben Sie sich vom Ballett verabschiedet und den Grafen Thorgau geheiratet.“

 

Mit einem Stirnrunzeln bremste Benedikt diese vorlaute Berichterstattung, indem er ernst sagte: „Lassen Sie doch die Vergangenheit ruhen! –Als Dressurreiterin ist meine Frau ebenso erfolgreich wie seinerzeit als Tänzerin!“

 

Erneut zog er Astrid in seine Arme, blickte sie ganz verliebt an und gestand laut vernehmlich: „Außerdem ist sie eine wunderbare Ehefrau und wird bald eine genauso wundervolle Mutter sein!“

 

Und in einem wahren Blitzlichtgewitter küssten sie sich innig.










ENDE









Die Charaktere:



Gräfin Astrid von Thorgau = ehenalige Primaballerina, jetzt Dressurreiterin

 

Graf Benedikt von Thorgau = ihr Mann; Gestütsinhaber

 

Andreas Jüttner = Gutsverwalter

 

Gabriele Sundermann = Schwester von Andreas; Tierärztin

 

Dr.Ferdinand Sundermann = Gabrieles Mann; Tierarzt

 

Graf Olaf und Gräfin Miriam = Vater und Tante von Benedikt

 

Hildegard und Rainer Humboldt (mit Sohn Kilian) = Schwester von Astrid und Familie, Inhaber einer Ballettschule

 

(Dr.Berghof = Hausarzt der gräflichen Familie)


Nur mit Namen erwähnt: Lord Henderson (Dressurreiter); Dr.Russek (Anwalt); Sophia (Benedikts Mutter); Dr.Schwarz (Notarzt)



















59

 

Imprint

Text: eigene Texte verfasst 2017
Images: selbst gezeichnete Bilder (2017)
Publication Date: 05-15-2017

All Rights Reserved

Dedication:
Meiner Freundin, die mich aus einer Laune heraus zu einer Pferdeauktion eingeladen hat, wo mir dann ganz spontan die Idee zu diesem Roman kam.

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