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UND WENN SIE NICHT GESTORBEN SIND …

 

 

von Martina Hoblitz

 

 

Cinderella, Dornröschen und Schneewittchen waren beste Freundinnen seit Kindertagen und wuchsen miteinander auf in einem kleinen beschaulichen Dorf im Bayerischen Wald. –

 

Natürlich hießen sie nicht wirklich so, sondern diese Namen gaben sie sich untereinander, weil sie alle ein Faible für die Märchen der Gebrüder Grimm hatten. Außerdem teilten die Drei noch eine Leidenschaft – die Liebe zur Musik.

 

 

***

 

 

Cinderella – mit wahrem Namen Christa, war eine zierliche, blonde, blauäugige Barbie-Puppe, der niemand zutraute, dass sie virtuos und mit Hingabe – Schlagzeug spielte. Außerdem verfasste sie noch so nebenbei gefühlvolle, romantische Gedichte. Ihr Vater betätigte sich als Schuster und besaß einen kleinen Schuhladen am Ort. Und für Christa gab es keinen Zweifel, dass sie später – als einzige Tochter – in seine Fußstapfen treten würde. ---

 

--- Dornröschen – mit bürgerlichem Namen Doris, war ebenfalls die einzige Tochter eines Gärtners mit eigenem kleinen Blumenladen, der als Hobby eine kleine, sehr angesehene Rosenzucht betrieb. Und Doris' Berufswunsch ergab sich daraus, sie wollte Floristin werden. Doch sie liebte auch die Musik, spielte Gitarre und hatte eine ungewöhnliche Singstimme, tief und rauchig, passend zu ihrem Aussehen mit kastanienbraunen Locken und smaragdgrünen Augen. ---

 

--- Schneewittchen – die Dritte im Bunde, die richtig Sabine hieß, war die Tochter des Revierförsters und in der Schule Klassenbeste. So stand ihrem Berufswunsch – Tierärztin – eigentlich nichts im Weg, außer der Aussicht, dass sie für ein Studium das Dorf verlassen und weiter weg ziehen musste. Sie spielte fabelhaft Klavier und komponierte süße, kleine Melodien. Ihren Spitznamen verdankte sie ihrem Aussehen, sie hatte eine sehr blasse Haut – eine leichte Pigmentstörung - , trug ihr pechschwarzes Haar als Bubikopf und benutzte mit Vorliebe knallroten Lippenstift.

 

***

 

Nachdem die Drei als Teenager die Phase des ''Märchen lesen“ hinter sich gebracht hatten, taten sie sich musikalisch zusammen und gründeten eine Band, jedoch immer noch getreu ihrem Motto nannten sie sich die ''Märchenfeen“.

Sie präsentierten eigene Songs, die Sabine komponierte, und zu denen Christa die Texte schrieb – oder umgekehrt – jedenfalls passend zugeschnitten auf die ungewöhnliche Stimme von Doris.

Gitarre und Schlagzeug harmonierten gut, nur das Klavier konnte wohl schlecht hin und her transportiert werden, und so stieg Sabine um auf Keyboard. ---

 

--- Schon bald wurden die Mädels zu einer kleinen Sensation auf Volksfesten und Jubiläumsfeiern im Dorf und in der näheren Umgebung. Denn sie entwickelten ihren ureigenen Musikstil, der sich in keine der üblichen Schubladen stecken ließ. –

Und es dauerte auch gar nicht lange, bis ihr Talent entdeckt wurde.

 

***

 

Eines Tages tauchte ein Musikproduzent in dem Dorf auf!

Er machte dort Urlaub, gerade zur Zeit der Herbst-Kirchweih und wurde zufällig Zeuge einer Darbietung der ''Märchenfeen“ im Festzelt -- und er zeigte sich ganz begeistert.

 

Sein Name war Robert Prinz, und die Mädchen lachten herzlich, als er sich ihnen vorstellte und behauptete, er wollte sie mit in die Stadt in sein Tonstudio nehmen, um mit ihnen Plattenaufnahmen zu machen. Sie hielten das Ganze für einen Scherz und gingen gleich auf Abwehr.

Tatsächlich konnte er ihr Misstrauen verstehen, er bedrängte sie nicht weiter, sondern hinterließ ihnen lediglich seine Visitenkarte, als er wieder abreiste. ---

 

--- Die drei Mädchen hielten Kriegsrat.

Sabine meinte: „Eigentlich macht dieser Mann doch einen ganz seriösen Eindruck.“ – „Das find ich auch.“ stimmte Christa ihr zu, wobei sie die etwas verschnörkelte Visitenkarte irgendwie ratlos in den Händen drehte.

Vielleicht sollten wir zunächst mal da anrufen? Nur um zu hören, wer sich da in welcher Weise meldet.“

Doris schwieg, denn ihr spukten ganz andere Gedanken durch den Kopf. Sie war schon sehr beeindruckt von diesem Robert Prinz, aber als Mann sozusagen. In ihren Augen war er so stattlich und attraktiv und irgendwie vornehm, kein Vergleich mit den derben Bauernburschen aus dem Dorf. – Und sie glaubte, auch er hätte sie so besonders angesehen, obwohl er vorgeblich mit allen Dreien gesprochen hatte.

Aber vielleicht bildete sie sich das alles auch nur ein? –

 

Sie seufzte abgrundtief und erntete dafür verblüffte Blicke von ihren zwei Freundinnen, worauf sie leicht errötete.

Die beiden grinsten sich wissend an, und Christa bemerkte, indem sie Sabine zuzwinkerte: „Ich glaub, unser Dornröschen wurde wach geküsst!“

Was Doris' Gesichtsröte noch vertiefte und sie zu dem empörten Ausruf veranlasste: „Aber wir haben uns doch noch gar nicht geküsst!“

Da gestand Christa plötzlich: „Also dieser Robert mag ja vielleicht ganz gut aussehen, aber ist kein Vergleich zu meinem Wastl!“ – „Du meinst doch wohl nicht euren Gesellen, diesen Rothaarigen mit Brille?“ staunte Sabine und lachte.

Das Aussehen ist doch nicht wichtig!“ versicherte Christa schnell. „Ich zeig euch mal was!“

Sie stand auf und ging an ihren Kleiderschrank. -Das Treffen fand bei ihr im Zimmer statt. –

Sie holte eine große Schachtel heraus und zeigte den beiden Freundinnen, was sich darin befand.

Es handelte sich um ein Paar silberne Stoff-Pumps mit Pailletten und Perlen bestickt, zu dem Christa erklärte: „Die hat er extra für mich angefertigt. Sind die nicht einfach wunderschön?“

Doris und Sabine wechselten einen Blick und grinsten, und Sabine sagte: „Ja, Cinderella! Aber wo willst du die denn anziehen? Etwa auf eurer Hochzeit?“

Dieses Mal errötete Christa.

Da holte Sabine tief Luft und äußerte sich etwas verlegen: „Na, ihr habt vielleicht einen Männergeschmack! Die Eine verguckt sich in den Märchenprinzen – groß, blond, blauäugig. Und die Andre schwärmt für einen etwas groß geratenen Pumuckl. - Nun, dann will ich euch hier im trauten Kreis mal gestehen, dass ich auch einen Mann ins Auge gefasst habe. Einen feschen Dunkelhaarigen mit 3-Tage-Bart. Er heißt Sepp und ist Waldarbeiter. Und ich hab ihn kennen gelernt, als er vor ein paar Tagen im Forsthaus einen Wurf ausgesetzte Hundewelpen bei meinem Vater abgegeben hat, damit er sich darum kümmert. Er hat sie in einem Sack im Wald gefunden, als sie dort Bäume fällen wollten. - Und stellt euch vor, es sind wahrhaftig genau 7 Stück!“

Christa und Doris prusteten los. Und Sabine fiel in ihren Heiterkeitsausbruch mit ein, als Christa, atemlos vor Lachen, bemerkte: „Na, da hat unser Schneewittchen ja schon die 7 Zwerge!“

 

 

ENDE(?)

Imprint

Text: eigener Text verfasst April 2018
Cover: by pixabay
Publication Date: 04-09-2018

All Rights Reserved

Dedication:
Für meine treuen Lesefreunde. Kann auf Wunsch fortgesetzt werden!

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