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DIE KILLER-MAUS

 

 

von Martina Hoblitz

 

 

In unserem Haus gab es immer Katzen, seit ich denken konnte, und alle zeigten sich stets als große Mäusejäger. – Trotzdem muss ich da an eine ganz besondere Geschichte denken, die ereignete sich, als ich ein Teenager war.

Unser damaliger Kater … so alt wie ich … 14 Jahre … somit schon ein älterer Katzenherr … hatte natürlich auch den Jagdinstinkt, welcher jedoch mit den Jahren langsam nachließ. Er wurde schlichtweg zu faul, um die kleinen Nager zu scheuchen, und irgendwann hatten wir tatsächlich sogar Mäuse im Haus.

So lange sie sich in Keller tummelten, störten sie uns nicht weiter, denn da konnten sie nicht viel Schaden anrichten. Nicht einmal im Vorratskeller, denn die dort gelagerten Lebensmittel befanden sich in Dosen, Gläsern oder im Gefrierschrank.

 

Doch eines Tages schaffte es einer dieser pfiffigen Nager wahrhaftig die steile Kellertreppe hinauf und verirrte sich in die Küche.

Zunächst fiel die Anwesenheit der noch ziemlich kleinen Maus nicht auf. Erst als plötzlich ein Kuchen, der zum Auskühlen auf dem Schrank stand, von einer Seite angeknabbert war, kam mir das verdächtig vor.

 

Und dann sah ich selber das Tierchen quer durch die Küche flitzen und hinter der alten Holztruhe in der Ecke beim Ofen verschwinden. Mit vereinten Kräften rückten mein Großvater und ich die Truhe von der Wand, interessiert beobachtet von unserem Kater. Ich blickte nun dahinter und sah das Mäuschen verschreckt in der Ecke kauern. Auch unser Kater schaute kurz um die Truhe herum. Die Maus quiekte laut, der Kater reckte seinen Schwanz in die Höhe wie eine Flaschenbürste und verließ eilig die Küche, dieser olle Feigling!

Ich hingegen kniete mich auf die Truhe, beugte mich hinunter und griff blitzschnell und beherzt nach der Maus.

Meine Hände umfassten sie vorsichtig, denn ich wollte sie ja nur fangen und nicht zerquetschen. Sie fühlte sich warm und weich an, und ich spürte ihr kleines Herz rasen. Für den Bruchteil einer Sekunde starrten wir uns an. Dann glaubte ich, es kurz in den schwarzen Knopfaugen aufblitzen zu sehen. Wahrscheinlich dachte das Tierchen, wenn schon sein letztes Stündlein geschlagen hatte, wollte es diesem Menschen noch einmal richtig weh tun.

So versenkte das Mäuschen seine kleinen spitzen Zähne unverhofft in das Stück Haut zwischen meinem Daumen und Zeigefinger und biss sich regelrecht darin fest.

Ich verkniff mir einen Schmerzensschrei, aber Tränen stiegen in meine Augenwinkel. Doch ich hielt die Maus unerschütterlich fest, rutschte von der Truhe, rannte aus der Küche, in den Garten, bis zum Zaun zum Nachbarn und löste meinen Griff, um sie frei zu lassen. Aber ich musste meine Hand noch ein paar mal schütteln, bis das Tierchen kapierte, dass es loslassen und davon flitzen konnte.

 

Die eigentlich nicht sehr große Wunde blutete sehr stark. Ich wickelte ein Taschentuch darum, ging zurück ins Haus und zeigte meiner Mutter die Verletzung. Diese rief sofort besorgt ihre Hausärztin an, die sowieso an diesem Tag kommen wollte, um nach ihr zu sehen.

Nun kam sie eben etwas eher, desinfizierte und verband meine Wunde, wobei sie lachend erklärte, einen Mäusebiss hätte sie in all den Jahren ihrer Praxis noch nicht behandelt.

Schließlich rammte sie mir noch grinsend eine Tetanus-Spritze in den Hintern. Und ehrlich – die tat mir mehr weh als der Biss.

 

 

ENDE

Imprint

Text: eigener Text verfasst Oktober 2018
Cover: by pixabay
Publication Date: 10-06-2018

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