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ICH KANN NICHT KLAGEN

( … denn wer im Glashaus sitzt …)

 

 

von Martina Hoblitz

 

 

 

Vorab ein Witz:

Treffen sich zwei Anwälte. Fragt der Eine: „Na, wie geht’s?“ – Darauf der Andere: „Schlecht … Ich kann nicht klagen.“ –

 

Gut, vielleicht hat der schon 'nen Bart? Aber genauso wie in der Pointe fühle ich mich zurzeit.

Gestatten, Dr. jur. Gesine Brettschleifer – Anwältin!

Nicht für Strafrecht, dazu fehlen mir die nötigen Nerven, von wegen Mord und Totschlag. Nein, mein Metier ist das Zivilrecht, momentan vorwiegend Nachbarschaftsstreitigkeiten, die reinsten Bagatellen.

 

§§§

 

Neulich zum Beispiel der Fall mit dem KIND, das bei schlechtem WETTER beschloss, im Gewächshaus des Nachbarn mit einer kleinen streunenden KATZE herum zu tollen. Das TIER lebte wohl schon länger auf der STRASSE, denn es war ziemlich wild. Kein WUNDER also, dass beim Toben einige Töpfe mit Pflanzen zu Bruch gingen.

Da ich mit beiden Parteien – der Familie mit dem Kind und dem Besitzer des Gewächshauses – gut bekannt bin, wurde ich um Rat gefragt, wer denn für den Schaden aufkommen sollte. Der eigentliche Übeltäter war ja die Katze, und die hatte keinen Besitzer.

Ich versuchte in der juristischen LITERATUR nach zu lesen, um einen Präzedenzfall zu finden. Doch inzwischen einigten sich die Parteien gütlich. Das heißt für mich, wieder ein Rat umsonst, sprich ohne Honorar.

 

§§§

 

Ein weiterer Fall wurde genauso wenig lukrativ für mich, obwohl mich sogar der Bürgermeister höchstpersönlich mit der Klage beauftragte. Es handelte sich um die Schließung eines Bordells mit dem schönen Namen >LUSTSCHLOSS<, welches sich mitten in einem Wohngebiet befand, in dem vorwiegend junge Familien mit Kindern lebten.

Ich gab mir alle Mühe, doch dann stellte sich heraus, dass ausgerechnet der Sohn des Bürgermeisters eifriger Besucher dieses Etablissements war.

Wie geht noch der Spruch mit dem Glashaus und mit dem Steine werfen??

Doch ich wollte partout nicht kneifen, sondern überlegte mir fieberhaft eine Strategie. Der Fall lag mir so schwer im MAGEN, dass ich mich nächtelang schlaflos in den KISSEN meines BETTES wälzte.

Doch letztendlich löste sich die Angelegenheit zu aller Zufriedenheit in Wohlgefallen auf, allerdings wiedermal zu meinem Nachteil, denn die beteiligten Parteien einigten sich ohne mein Zutun. Der Bordellbesitzer verkaufte das Haus an die Stadt und erwarb eine andere Immobilie etwas außerhalb. Und der Bürgermeister beschloss zusammen mit dem Stadtrat, aus dem Gebäude ein Jugendzentrum zu machen.

 

Tja, und ich denke langsam darüber nach, mich bei Gericht als Pflichtverteidigerin zu bewerben, so hätte ich doch wenigstens regelmäßige Einkünfte …..

 

 

ENDE

Imprint

Text: eigener Text verfasst Oktober 2018
Cover: by pixabay
Publication Date: 10-31-2018

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