Cover

VORWORT

Hallo ihr lieben und süßen *__*

Jups, ihr seht richtig. Habe schon mal den text hier erstellt, auch wenn das erste Kap vermutlich erst Morgen kommt ^^ Nichts desto trotz freue ich mich sehr, euch hier wieder zu sehen! Wie ich ja schon erwähnt hatte, habe ich lange hin und her überlegt und all eure wunderbaren Kommentaren beim ersten Teil zusammen gefügt! Naja, zum Schluss kam ich auf den Gedanken, den auch jemand geschrieben hatte (weißt schon selbst wer gemeint ist hihi) "Ein, zwei Kaps oder ne Reihe"

Nun zum zweiten Band!

Ein paar Personen aus dem ersten Band sind natürlich auch hier vertreten. Ganz vorne weg natürlich Samantha, um die es ja immer noch geht. Doch auch Dale und Kyle haben ihre Auftritte. Ob wir auch Raph wieder sehen, verrate ich selbstredend noch nicht! Auch Susan, Sams Mutter, ist dabei. Sowie ihr Vater Frank und dessen Freundin Pamela. Dazu kommen aber auch noch viele neue Gesichter. Ein Paar sind vielleicht auch weniger sympathisch, gehören aber dennoch dazu.

Zum einen gäbe es da mal Kevin, Zoey und Miguel, Sams Mitbewohner! Dann noch Rick aus dem Coffyshop schräg gegenüber, der eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen wird. Zu guter letzt eine besondere Person die das Ziel von Sams Hass sein wird!!! Warum? Tja, das müsst ihr dann wohl lesen! Aber so wie ich euch kenne, macht ihr das sicher sehr gerne hehe

Der letzte Punkt: Es sind seit Raph weg ist knappe zwei Jahre vergangen!!! Sam ist jetzt also schon 20, kurz vor der Volljährigkeit in den USA!

Puuhhhh, ist doch länger geworden als ich gedacht hatte XD Und wie gesagt, das erste Kapitel wird dann heute oder morgen kommen im Laufe des Nachmittags schätz ich mal. Kann auch erst Abends werden!

Und nun wirklich genug von mir! Wenn ihr gerne möchtet, könnt ihr den Buch ja schon mal herzen und euch dann freuen das es weiter geht hehe

Ich wünsche euch schon jetzt viel Spaß dann beim lesen!!

Eure Missy

Chapter 1

Mein Wecker klingelte so zeitig, das es draußen noch total dunkel war. Und das obwohl wir Sommer hatten. Zwar noch früher Sommer im Juni, aber eben doch diese Jahreszeit. Die, von der man ja behauptete, die längsten Tage zu haben.
Im Moment bemerkte ich davon rein gar nichts! Naja, wenn man mal ganz davon absah, wie warm es selbst mit offenen Fenster war. Langsam stand ich auf, lief ins Bad und erschrak beim morgendlichen Blick in den Spiegel. Ich sah wirklich scheußlich aus!!!! Und das sage ich nicht einfach so. Nein, ich meinte es auch Wort für Wort.
Meine Haare standen total ab, dunkle Augenringe zierten mein Gesicht und meine Lippen waren ungelogen mega trocken.
Das hatte man davon, wenn man die letzte Nacht bevor man umzog, noch feiern ging. Seufzend drehte ich den Wasserhahn auf und spritzte mir Wasser ins Gesicht. Maaan, das tat echt verdammt gut kann ich euch sagen. Nachdem ich etwas erfrischter war, zog ich mich auch noch aus und ging duschen. Was sein musste, musste eben sein! Auch wenn ich noch viel zu müde für irgendwas war. Naja, drei Stunden Schlaf waren vermutlich auch noch dazu reichlich ungesund…
Fast zwanzig Minuten stand ich unter den schönen Strahl, als es auf einmal sehr kalt wurde…
Pam musste wohl schon wach sein und hatte den Wasserhahn in der Küche betätigt.
Jups, das war eine sehr gemeine Leitung hier. Drehte man unten warm auf, kam hier nur noch kaltes raus. Im Winter sogar dann eiskalt. Jetzt tat es schon irgendwie gut. Kalt war mir dennoch.
Schnell wickelte ich mich in ein Handtuch und lief in mein Zimmer zurück, wo ich sofort unter die warme Decke kroch.
Am ganzen Körper zitternd hörte ich wie Pam die Treppe hoch kam. Auch an ihren Hausschuhen waren kleine Absätze und die klackten bei jedem Schritt. Also Leute, ich kam immer noch nicht mit ihr zurecht. Egal was ich versuchte und auch egal was von ihr kam…
Wir konnten ganz einfach nicht wirklich miteinander umgehen. Allerdings hatte ich nun ihren Bruder kennen gelernt und der war schon ein Schnuckelchen! Grade mal 6 Jahre älter als ich, schwarze Haare, grüne Augen und ein Oberkörper zum Anbeißen.

Ihr denkt jetzt sicher, was ich für eine Klatsche habe… Erst rumheulen wegen Raph und sagen, das ich mich auf so einen Kerl nicht mehr einlassen werde und dann schwärme ich so von dem Bruder von Daddys neuer Tusse.
Ach ja, sein Name war Miguel! Schon das alleine klang wirklich toll wie ich fand. So richtig heiß irgendwie. Aber der ganze Kerl war auch wirklich heiß. Naja, wie auch immer.

Plötzlich klopfte es bei mir und ich seufzte nur schwer. „Ja?“, fragte ich laut und die Tür wurde geöffnet. Die zierliche Blondine steckte ihren Kopf zum Zimmer rein, sah mich lächelnd an und schüttelte dann den Kopf.
„Du solltest wirklich nicht so trödeln, Samantha. Miguel wird bald hier sein und du willst ihn ja wohl hoffentlich nicht im Handtuch und mit nassen Haaren begrüßen“, neckte sie mich. Das taten wir ab und zu und es entspannte die meisten Streitgespräche mit ihr. Nur so konnten wir wenigsten miteinander reden.
„Warum denn nicht? Wäre doch keine schlechte Idee“, widersprach ich grinsend und stand auf.
„Kommt gar nicht in Frage, Fräulein! Miguel ist eh schon verdammt nett, dass er dich bei sich wohnen lässt. Da solltest du nicht mal im Traum daran denken, dich an ihn ran zu machen. Ich warne dich!“
Blablabla…Mehr kam bei mir eigentlich nicht an. Ein wenig flirten würde doch wohl erlaubt sein…
Als hätte sie meine Gedanken gelesen, schnalzte sie mit der Zunge und sah mich warnend an. Ich hob abwehrend die Hände.
„Schon gut, habs ja verstanden. Ich zieh mich rasch an und föhne mir die Haare, Sir!“ Nun traf mich ein beleidigter Blick ihrerseits. Na und? Mir war es so oder so echt egal was sie über mich dachte.
„Ich hoffe es für dich! Denk daran dass du noch nicht volljährig bist. Heißt also, du musst tun was dein Vater will!“ Richtig mein Vater, dachte ich nur ironisch und musterte sie kalt. Also als mein Dad konnte sie nun wirklich nicht durch gehen.
Dafür waren ihre Titten viel zu sehr mit Silikon gefüllt. Und die Lippen zu sehr aufgespritzt. Ich hatte echt keinen blassen Schimmer, was Dad an ihr mochte.
Außer dass sie wesentlich jünger war als er und er sich dadurch vermutlich auch jünger fühlte. Aber es war immer noch seine Sache, was er sich ins Bett holte. Jedenfalls solange sie mich in Ruhe ließ, was sie ja meistens tat. Die Tür fiel wieder ins Schloss und ich war alleine. Schnell zog ich mir einen Minirock und ein hellblaues Top an, föhnte die Haare halbwegs trocken und besah dann noch einmal mein Gepäck.

Bis ich volljährig wurde, sollte oder er durfte ich bei Pams Bruder Miguel wohnen. Er hatte im Moment noch ein Zimmer frei und so war es perfekt. Ich war auch total gespannt auf die anderen aus der WG: Kevin und Zoey. Wenigstens war ich also nicht das einzige Mädchen! Das war wirklich ziemlich beruhigend…Mehr oder weniger zumindest…
Was mir eher Sorgen bereitete: Miguel hatte mir gestern verrate am Telefon, das es noch einen Mitbewohner gab, der aber kaum dort war. Auf den war ich ja auch mal sehr gespannt. Nun musste ich mich aber erst einmal ein wenig beeilen.

Schnell hatte ich gecheckt ob auch wirklich alles dabei war und ging dann mit den beiden Koffern runter. Aus der Küche hörte ich schon die Stimmen von Miguel und Pam. Ich stellte die Koffer bei der Haustür ab du schlenderte hinein.
„Ah, Ciao Bella!“, begrüßte er mich grinsend und gab mir wie üblich einen Kuss auf die Wange. Dass ich dabei verlegen errötete, konnte ich natürlich nicht verhindern. So war es einfach jedes Mal.
„Hallo, Miguel“ erwiderte ich lächelnd und setzte mich mit an den Tisch. Ohne, dass ich ein Wort sagte, stellte Pam mir eine Tasse Kaffee hin. War nicht überraschend für mich…
„So, also wenn du alles gepackt hast und mit dem Kaffee fertig bist, könnten wir auch schon los.“ Ich sah den
jungen Mann neben mir grinsend an.
„Ich kann es kaum noch erwarten endlich in New York zu sein!“, meinte ich sofort und strahlte übers ganze Gesicht. Tatsächlich freute ich mich darauf seid die Idee von ihm kam.

Er hatte gehört, wie ich mit Dad darüber gesprochen hatte, mal langsam aus zu ziehen. Klar war Dad nicht sofort davon begeistert, doch er gab schnell nach. Und als dann auch noch Miguel angeboten hatte bei ihm zu wohnen, war es ganz leicht Dad zu überzeugen.
Immerhin war das Pams Bruder und er würde schon gut auf mich aufpassen! Allerdings hatte es mich dann doch schon sehr überrascht, wie schnell alles gegangen war. Immerhin musste auch einiges an Papierkram gemacht werden, was auch Dad übernommen hatte.
Und nun war es tatsächlich schon so weit.
Ich würde mein neues Leben beginnen. Es war noch immer leicht von der Vergangenheit überschattet, aber das würde sich hoffentlich bald ändern.
Ich hatte mir nämlich auch fest vorgenommen, mir einen Freund an zu legen. Naja, das klang jetzt so, als wäre es wie mit einen Hund, aber verlieben wollte ich mich nun mal nicht mehr. Nur ein wenig Spaß haben… Und das würde ich mir von niemand nehmen lassen.
Egal wer es versuchen würde!

Eine knappe halbe Stunde später lud ich meine Koffer in den Wagen von Miguel ein und sah wehmütig zum Haus. Es war schon ziemlich komisch von hier weg zu gehen. Dieses Mal sollte es ja endgültig sein und ich würde nur noch zu Besuch hierher kommen…
Gott, was für ein Gefühl. Ich wäre dann nur noch Besuch hier! Besuch!!! Dabei wurde ich sogar in diesem Haus geboren! Und Gab starb hier… Seufzend schüttelte ich den Kopf und verdrängte alle Gedanken an die Vergangenheit. D
ad war nun auch endlich von seiner Nachtschicht wieder da und nahm mich fest in den Arm.
„Ich werde dich so krass vermissen, mein kleiner Liebling“, hauchte er den Tränen nahe. Ich fand es wirklich total niedlich. Und mir selbst kamen ebenfalls die Tränen.
„Hey Dad! Zu den Feiertagen bin ich doch wieder hier. Mach also nicht so ein Gesicht. Oder soll Pam dich für ein Weichei halten“, neckte ich traurig lächelnd. Er schüttelte nur den Kopf und wischte sich leicht über die Augen. Lächelnd schüttelte ich den Kopf und drückte ihn noch einmal an mich.
„Pass gut auf dich auf, Sam. Und wenn irgendwas ist, egal was, dann rufe sofort an. Ich komme dich so schnell ich kann abholen und…“
„Dad! Ich bin nicht mehr 17“, unterbrach ich ihn und lachte leise. „Ich kann durchaus auf mich selbst aufpassen.“ Er nickte bestätigend und räusperte sich. Dann drehte er sich zu Miguel.
„Und du, junger Mann, wirst gut auf meine Kleine aufpassen. Verstanden?“
Miguel musste wie ich breit grinsen und nickte.
„Natürlich, Sir!“, erwiderte er und stellte sich wie bei der Army hin. Ein Kichern konnte ich mir echt nicht verkneifen. Das war zu komisch. Und auch Pam musste nun lachen.
So konnte man den Abschiedsschmerz auch überdecken, dachte ich nur und verabschiedete mich auch von Pam. Dann stieg ich schnell ein, schnallte mich an und sah zum Fenster raus zu Dad.
„Bis daaaann. Ich rufe an, wenn wir da sind!“ Die beiden nickten und im nächsten Moment fuhr Miguel auch schon los.

Ich sah aus dem Fenster und versuchte nicht zu weinen.
„Du schaffst das schon, Samantha“, versuchte er mich zu trösten. Dankbar lächelte ich ihn an.
„Ja, du hast Recht. Hab schon viel Schlimmeres geschafft.“
„Genau!“ Auch er wusste mittlerweile Bescheid wegen Raph. Eine Weile hatte er mir sogar bei der Suche geholfen…ohne Erfolg!
„Dann trockne deine feuchten Augen, lächle und lass uns ein wenig Spaß haben“, grinste er frech.
Sofort wurde ich rot, obwohl ich genau wusste, dass er nicht diese Art von Spaß gemeint hatte.
Ein helles Lachen von ihm erklang. Er neckte mich noch eine ganze Weile, doch dann schlief ich ein. Die letzte Nacht forderte eben doch ihren Tribut…

Als ich die Augen wieder öffnete, verschlug es mir glatt die Sprache. Die vielen bunten Lichter blendeten ziemlich heftig und leise war es auch nicht besonders.

New York!

Ich liebte es auf Anhieb.
„Morgen, Dornrösschen“, grinste mich Miguel kurz an.
Ich rieb mir verschlafen die Augen und hatte eigentlich nur zwei Gedanken im Kopf: hatte ich geschnarcht? Und wie lange hatte ich geschlafen?
„Wie spät ist es denn?“, fragte ich neugierig und sah das bunte treiben draußen an.
„Schon der nächste Tag. Nach New York ist nun mal nen Stück. Aber du hast anscheinend gut geschlafen.“ Ich nickte leicht und ignorierte das amüsierte Funkeln in seinen Augen. Kurz darauf hielt er an und stellte den Motor ab.

Das Haus war nicht übermäßig groß,  aber hübsch an zu sehen. Und es war in einer mittleren Gegend. Hieß, hier gab es nicht nur Arme oder Reiche.
Es war ein bunter Mischmasch, was mir total zusagte. Wir stiegen aus, holten die Koffer und trugen alles in den zweiten Stock.
Mein Zimmer war am Ende des Flurs und war mit weißen Möbeln eingerichtet, ähnlich wie bei Mom damals, nur wesentlich Jugendlicher.
„Wow, nicht schlecht“, verkündetet ich kurz darauf nachdem ich mir alles angesehen hatte. Die anderen drei Mitbewohner waren im Moment noch nicht da, was mir ganz Recht so war. Irgendwie hatte mich nun doch die Aufregung und Nervosität erwischt.
„Ich dachte mir, dass es dir gefallen könnte. Mädchen mögen ja oft weiße Möbel“, erklärte Miguel und setzte sich aufs Bett.
„Da hast du absolut Recht. Und es gefällt mir echt sehr. Aber sag mal. Wann kommen denn die anderen?“
Er überlegte kurz und grinste als man den Schlüssel hörte.
„Mindestens einer kommt jetzt!“, grinste er. Ich seufzte nur. Irgendwie ja total typisch Mann!
„Wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen“, erwiderte ich daher nur und folgte ihm aus dem Zimmer.

Es waren sogar alle drei. Das Mädchen hatte lange rote Haare, mit schwarzen Spitzen und wirkte ziemlich heiter. Ihre braunen Augen strahlten als sie mich erblickte.
„Hallooo Samantha!“, begrüßte sie mich überschwänglich und zog mich in eine Umarmung. Okay, dieses Mädchen mochte ich sofort!
„Hallo auch“, grinste ich nur und wandte mich an den einen Kerl.
„Hi, ich bin Kevin“, meinte er und streckte mir lächelnd eine Hand entgegen, die ich sofort ergriff.
Er hatte schwarze Haare und blaue Augen, wirkte allerdings etwas zurück haltend.
„Sam, freut mich sehr.“ Dann wollte ich den letzten begrüße, doch der hatte sich schon in eines der Zimmer verzogen. Man, was für ein Verhalten. Ich schüttelte darüber den Kopf.
„Mach dir nichts draus. Raphael ist immer so.“

Raphael?

Meine Gedanken überschlugen sich und ich sah Miguel an. Dieser sah unbehaglich nach unten.
„Das ist doch wohl nicht dein Ernst!“, meinte ich zu ihm gewandt und meine Augen weiteten sich.
„Doch, er wohnt seit fast einen Jahr hier…“
Bitte was? O mein Gott, das konnte nicht wahr sein.
„Wieso hast du mir nichts gesagt?“ Meine Stimme zitterte leicht und die anderen beiden sahen mich neugierig an. Doch ich hatte keine Lust nun irgendwas zu erklären.
Viel eher wollte ich im Moment zwei Personen an die Gurgel gehen!!!

Chapter 2

Meine Wut steigerte sich mit jeder Sekunde und wurde allmählich zu einem echten Sturm. Das Blut pulsierte heiß in meinen Adern und mein Gehirn hatte sich regelrecht verabschiedet.
Oh ja, zum ersten Mal hatte ich echte Mordgedanken!!! Aber seien wir doch mal ehrlich. Es war nun wirklich auch kein Wunder, oder? Bisher hatte Miguel mir geholfen bei der Suche.
Und nun erfuhr ich, dass er mich schon über einem Jahr anlog.
Wie konnte er mir so etwas nur antun?
Wie konnte RAPH mir so etwas nur antun?
War das letztendlich doch nur ein mieses Spiel von ihm gewesen?
Gooootttt, so wütend war ich noch nie in meinem Leben! Nicht mal als Mom uns verlassen hatte und ich nur das schlimmste von ihr dachte.
„Sam…“, begann Miguel zum Sprechen an zu setzen, doch ich funkelte ihn nur zornig an und sein Mund schloss sich wieder.
„Wenn du jetzt keine gute Ausrede hast- und ich meine eine wirklich richtig gute- dann sag jetzt lieber nichts. Andernfalls könnte es hier eine Schweinerei geben!“, warnte ich ihn.
Zoey sah mich noch neugieriger an und ich schüttelte nur den Kopf. Vielleicht würde ich es ihr erzählen, sollten wir uns anfreunden.
„Sorry ihr beiden, aber ich muss erst mal kurz alleine sein“, meinte ich dann zu ihr und Kevin. Beide nickten, wenn sie auch nicht alles wussten. Es reichte ja schon, dass sie nun Gewissheit hatten, dass ich Raphael ebenfalls kannte.

Schnurstracks ging ich in mein Zimmer zurück und ließ mich aufs Bett fallen. Schlimmer konnte es kaum anfangen.
Mein neues Leben!
Von wegen ey!!!
Nichts schien neu zu sein. Nichts schien sich verändert zu haben. Und nichts konnte meine Tränen nun zurück halten. Sie flossen unaufhörlich an meinen Wangen herab.

Dieser Arsch! Wichser! Penner! Idiot!

Mir fielen noch hunderte von anderen Beleidigungen für Raph ein, doch das wäre reine Zeitverschwendung meinerseits. Dieses Arschloch verdiente es nun endgültig nicht mehr, das ich mir überhaupt Gedanken um ihn machte.
Allerdings würde ich Adam anrufen und Bescheid sagen wo sein Sohn war. Ich hatte es versprochen gehabt. Also stand ich auf, kramte mein Handy aus der Tasche und rief bei meiner Mom zu Hause an. Obwohl… Es war grade mal um kurz nach zwei in der Nacht…
Seufzend legte ich wieder auf und das Handy landete erneut in meiner Handtasche. Und nun? Ich könnte vielleicht noch etwas schlafen. Oder wirklich schon auspacken.
Oder aber…
Ja, ich könnte zu diesen Mistkerl gehen und ihn zur Rede stellen! Oder einfach Antworten aus ihm raus prügeln! Das wäre das einfachste und schnellste würde ich behaupten. Leider fehlten mir im Moment die Nerven dafür.
Also entschied ich mich für Schlafen. Reden konnte ich auch noch, wenn ich richtig ausgeruht war. Dann würde es eh noch sehr viel lustiger werden. Aber auch nur für mich! Raph hatte so oder so nichts zu lachen wenn ich erst einmal auf ihn los ging…
Schlussendlich legte ich mich hin, schlief einige Stunden und wachte um kurz nach acht wieder auf. Ja, jetzt fühlte ich mich vollständig erholt.
Auch das von dem feiern gehen war nun nicht mehr zu bemerken und so ging ich in die Küche um mir einen Kaffee zu machen. Auf dem Küchentisch fand ich einen Zettel mit meinem Namen.

„Wir haben zu reden, Raph“

Unwillkürlich musste ich einfach lachen. Das war echt zu schräg. Aber jetzt wo er reden wollte, würde ich mich sofort stur stellen.
Ohhh Jaaa, ich würde ihm direkt sagen, dass ich ihm nichts zu sagen hätte. Man, was für eine Logik, dachte ich ironisch, seufzte schwer und machte dann endlich das Getränk zum wach werden. Nachdem ich mich hingesetzt und eine Weile aus dem Fenster gestarrt hatte, bemerke ich, dass ich nicht mehr allein war.
Mir nichts dir nichts war die Zeit rasend schnell vergangen und mein Kaffee schon kalt, doch es war mir egal. Dieser jemand, der meine Ruhe störte, war kein geringerer als Raphael. Er lehnte lässig im Türrahmen und beobachtete mich. Und das sah ich auch nur in der Fensterscheibe.

„Du siehst anders aus“, bemerkte er ohne jeglichen Spott in der Stimme.
Ich drehte ihm nun doch mein Gesicht zu und zog eine Augenbraue hoch. Mal sehen ob ich wirklich so hart bleiben konnte, denn mein Herz schlug schon jetzt wieder wie wild.
„Kennen wir uns?“, fragte ich total ruhig und stand auf um meine Tasse in die Spüle zu stellen.
Leider stellte Raph sich mir in den Weg und so war gezwungen ziemlich dicht vor ihm stehen zu bleiben und den Kopf etwas zu heben. Wenn dann wollte ich ihm direkt in die Augen sehen.
Es verschlug mir fast die Sprache, als ich den Schmerz in seinen erkannte. Ich war echt geneigt, ihn in den Arm zu nehmen.
„Sam…“
„Oh, du kennst meinen Namen also. Wie schön!“, flötete ich honigsüß und legte den Kopf etwas schief. Mein Lächeln war nicht mal aufgesetzt.
Ganz im Gegenteil, es wirkte ziemlich echt. Naja, ich hatte auch reichlich Zeit gehabt es in den letzten zwei Jahren zu perfektionieren…
„Und wer bist?“, wollte ich dann unschuldig wissen.
Boaaaahhh, jetzt kam mir eine richtig gute Idee!!!! Nur musste ich auch Miguel einweihen! Aber der musste einfach mitmachen. Immerhin war er es mir schuldig nach dem was er getan hatte. Und wehe wenn nicht! Dann Gnade ihm Gott persönlich!!!
„Ähm, Sam…Bitte lass das. Es bringt doch nichts.“ Sein Blick wurde leicht flehend.
„Was soll ich lassen? Ich versteh nicht ganz, was du meinst. Und ich finde es ziemlich unhöflich, mir nicht mal zu sagen wer du bist. Immerhin hast du mich in der Nacht schon nicht begrüßt, wofür ich allerdings vollstes Verständnis habe bei der Uhrzeit“, entrüstete ich mich und stemmte meine Hände in die Seiten.
„Und nun hätte ich gerne eine Antwort. Wer bist du und was meinst du?“

Raphael sah mich sichtlich verwirrt und gleichermaßen erschrocken an. Er glaubte wohl so langsam wirklich, dass ich ihn nicht erkannte. Wunderbar!
„Aber wir…wir kennen uns doch…“, murmelte er anscheinend mehr zu sich selbst.
„Ach? Woher denn? Ich weiß, dass ich dich noch nie gesehen habe!“, sagte ich sofort, langte um ihn rum und stellte die Tasse nun endlich ab. Natürlich berühre ich ihn dabei und bemerkte wie er zusammen zuckte. Geschah ihm ganz Recht.
Ganz kalt ließ ich ihn also nicht. Gut zu wissen. Allerdings musste ich ihn nun weiß machen, dass er mir vollkommen egal war. Ja, das ich mich sogar nicht mehr an ihn erinnerte. Das würde ein riesen Spaß werden. Wirklich.
„Von deiner Mom?“, meinte er mehr als Frage, anstatt einer Aussage. Meine Augen wurden größer.
Okayyyy, schauspielern konnte ich anscheinend auch noch. Super!
„Du kennst auch meine Mom?“ Er nickte leicht und sackte ein paar Zentimeter in sich zusammen.
„Und woher?“, hackte ich nach und lächelte nun freundlich.
„Ich habe sie seit sooo vielen Jahren nicht mehr gesehen. Ich glaube das letzte Mal an meinen 14. Geburtstag als sie kurz vorbei kam“, sinnierte ich fast schon träumerisch, was ja eigentlich dann total unangebracht war. „Du kannst dich nicht mehr erinnern?“, fragte er nun mit ernsten Schock in der sonst so klaren Stimme. „
Woran erinnern?“
„An mich! An uns!“
„Uns? Wovon zum Teufel redest du? Ich habe dich noch nie gesehen, Arsch!“ Damit drehte ich mich um und verschwand aus der Küche.
Natürlich grinste ich nun ganzfrech und gratulierte mir selbst. Das war ohne Scheiß sehr gut gelungen! Jedes einzelne Wort schien er mir abgekauft zu haben. Einfach perfekt! Und es geschah ihm ganz recht…

„Sam, warte mal“, hörte ich ihn dann jedoch hinter mir. Ich drehte mich zu ihm rum und wurde auch schon an den Schultern von ihm gepackt.
Im nächsten Moment sagen seine Lippen auf meinen. Geschockt- und zwar wirklich geschockt- riss ich die Augen auf. Dann versuchte ich ihn weg zu schieben, mit Erfolg. Meine Hand landete klatschend an seiner Wange.
„Was erlaubst du dir, Arschloch? Du kannst mich doch nicht einfach küssen!!“ Meine Stimme zitterte vor Wut und nur mit Mühe knallte ich ihm nicht noch eine. So eine bodenlose Unverschämtheit! Was dachte er eigentlich, wer er war?
„Daran musst du dich erinnern!“, meinte er nur als Antwort und hielt sich die schmerzende Wange.
„Ich erinnre mich an gar nichts, Idiot! Ich kenne dich nicht und du hast nicht das recht mich einfach zu küssen! Scher dich zum Teufel, Bastard!“
Meine Zähne knirschten aufeinander und ich ballte die Hände zu Fäusten um die Kontrolle zu behalten.
„Aber, ich war mir so sicher…Was ist passiert, dass du nicht mehr weißt wer ich bin?“
Gott, dieser Kerl war wirklich dämlich. Als ob ich das wissen würde, hätte ich mein Gedächtnis wirklich verloren. Innerlich verdrehte ich die Augen.
„Keine Ahnung! Und nun lass mich in Ruhe. Ich will jetzt in Ruhe auspacken.“
Damit verschwand ich in mein Zimmer. Mir platzte fast die Hutschnur wie man so schön sagte. Aber ich würde es Raphael noch ordentlich zeigen. Mich zur Feindin zu haben, würde er sehr bedauern.
Jedoch…
Die erste Runde wäre wohl geschafft!

Ungefähr zwei Stunden später in denen ich so gut wie alles erledigt hatte, kam Miguel plötzlich rein.
„ich habe gehört, du kannst dich an nichts erinnern?“, fragte er grinsend und ich nickte.
„Was Besseres ist mir nicht eingefallen, Herr Schlaumeier! Aber nun kommen wir doch mal zu dir! Was sollte die Scheiße?“
„Ich wollte es dir ja sagen, nur dann habe ich etwas entdeckt, was dich sehr verletzt hätte…Und ich habe gehofft, wenn du hier einziehst, bist du längst über ihn hinweg.“
Tolle Erklärung, dachte ich nur ironisch.
Allerdings war meine Neugier auch sehr geweckt. Etwas, was ich sehr verletzt hätte? Da gab es nicht wirklich viel. Außer natürlich Raph nie wieder zu sehen!
Was könnte also noch schlimmer sein?
Naja, vielleicht hatte Raph eine neue Freundin?
Aber das war mir schon irgendwie klar gewesen. Und es war auch nicht so, dass ich ihm immer noch nach trauerte. Nicht wirklich jedenfalls.

Chapter 3

Ich sah Miguel ganz genau an, das er mir nicht verraten würde um was es sich handelte. Noch nicht jedenfalls.Und vielleicht war das sogar ganz gut so. Wer weiß schon, was ich sonst getan hätte?

Dennoch konnte ich es auch nicht einfach ignorieren.
"Und du glaubst, nun sei ich über ihn hinweg? Würde nicht mehr daran denken, wie er einfach vom Erdboden verschluckt war? Oder wie er seinen Vater im Stich gelassen hat?
Herr Gott noch mal!! Miguel, ich hatte dir eigentlich mehr Gehirn zugetraut!“, keifte ich aufgebracht. Er zuckte sichtlich zusammen und ballte seine Hände zu Fäusten.
„Gewöhn dir einen anderen Ton an, Fräulein. Ich bin nicht deine Mutter oder dein Vater mit denen du reden kannst, wie es dir gefällt!“
Tzzz, er war also doch auch ein Arsch!
„Na und? Du hast mich belogen. Ein ganzes Jahr lang!!!“, wurde ich etwas lauter. Wobei ich natürlich sehr darauf achten musste, nicht zu laut zu sein. Das war echt gar nicht so einfach, da ich mehr als nur viel zu sauer war.
„Und ich habe dir gerade erklärt wieso!“, beharrte er. Anscheinend hatte ich mich wirklich nicht deutlich genug ausgedrückt.
„Das war doch keine Erklärung von dir! Es war der ziemlich laienhafte Versuch, mich milde zu stimmen.“
Miguel zuckte mit den Schultern und zog eine Augenbraue hoch.
„Kann sein. Dennoch verstehe ich nicht, warum du Raph sone Geschichte auftischst. Was soll das bringen?“
Nun war ich es, die laut seufzte.
Ich ließ mich aufs Bett fallen, starrte einen Moment an die Decke und sah dann wieder Miguel an.
„Ich will einfach, dass er mich in Ruhe lässt. Ja, ich bin über ihn hinweg, auch wenn meine Eltern es anders sehen. Hier wollte ich ein ganz neues Leben beginnen, was auch heißt, das ich mit der Vergangenheit abschließen muss dafür.
Und wenn er denkt, dass ich mich nicht erinnern kann, wird er sicherlich ganz normal mit mir umgehen. Und ich kann es dann auch besser.“
Nun setzte ich mich wieder hin.
„Aber anscheinend will er unbedingt dass ich weiß wer er ist. Er hat mich nämlich geküsst damit ich alles wieder weiß…“
„Er hat WAS?!?“
„Ja, ich schwöre es dir! Und ich habe genauso reagiert. Einfach unfassbar der Kerl!“Ich warf die Arme kurz in die Luft und ließ mich dann wieder nach hinten fallen, den Blick starr an die Decke geheftet.
„Ich weiß einfach nicht, was er noch will. Und nach dem was du grade so schön angedeutet hast, versteh ich es erst recht nicht. Dieser Kerl machte mich total fertig.“
Ich nahm ein Kissen in die Hand und knautschte es richtig fest.
„Versuche einfach ruhig zu bleiben, Samantha. Und ich werde Raph auch kein Wort sagen, wenn du es nicht willst. Keine Sorge.“Sein Lächeln war wirklich aufmunternd.
„Danke“, erwiderte ich jedoch eher tonlos und schloss die Augen.
„Lass mich bitte alleine.“
„Okay…“ Im nächsten Moment höre ich schon die Tür.

Erleichtert atmete ich ganz tief durch und versuchte mich zu beruhigen. Nun hatte ich einmal mit diesem Spiel angefangen und ich musste es auch durch ziehen. Miguel würde sicherlich keinen Strich durch die Rechnung machen, was natürlich wunderbar war.
Und ich würde mich dafür auch erkenntlich zeigen.
Irgendwie jedenfalls…
Einige Zeit später kam ich wieder aus meinem Zimmer raus und setzte mich zu Zoey ins Wohnzimmer.
„Hey Sam!“, grinste sie nur.
„Hey du“, erwiderte ich wenig geistreich, grinste jedoch zurück. Irgendwie schien sie ja wirklich eine ganz liebe zu sein.
„Hast du Lust, nachher mit mir is Kino zu gehen? Oder musst du dein Zimmer noch machen?“, fragte sie nach ein paar Minuten und ich überlegte. Eigentlich ja gar keine schlechte Idee.
So wüsste ich schon mal, wo das nächste Kino war.
Und ich sah nen Bissel von der Umgebung!
„Einverstanden“, antwortete ich daher grinsend und wir überlegten uns, welchen Film wir sehen wollten.
Merkwürdigerweise wurden wir uns verdammt schnell einig.
Wir erkannten, dass wir einiges gemeinsam hatten. Wirklich eine Menge sogar.
Das fand ich toll. Zumal ich nur wenige kannte, die die gleichen Interessen hatten wie meine Wenigkeit.
Zoey und ich sahen uns noch eine Sendung im Fernseher an, da sie diese meistens sah wie sie mir verriet und dann machten wir uns auf den Weg.
Ich brauchte mich ja nicht dafür umziehen und so standen wir schon bald in der Warteschlange vor dem Kino
.„Das wird sicherlich lustig werden. Was meinst du, Sam?“ Ich nicke ihr lächelnd zu und wir waren an der Reihe. Schnell hatten wir bezahlt und die Karten.
Wir holten uns noch Popcorn und jeder eine Cola, dann begaben wir uns zu den Plätzen.

Doch es musste ja so kommen, wie es nicht sollte!Ich hatte mich grade hingesetzt und es mir gemütlich gemacht, als ich direkt neben mir eine Stimme bemerkte, die mich erstarren ließ.
Raph saß selbstredend direkt neben mir, schien mich aber noch nicht bemerkt zu haben.
Leider sorgte Zoey dann dafür.„Ohhh, Raph, was für ein Zufall!“, sagte sie hoch erfreut und beugte sich zum Teil über meine Beine.Er sah erst sie an, dann weiter zu mir. Ich konnte deutlich spüren, wie alle Farbe aus seinem Gesicht wich.
Vermutlich wegen seiner Begleiterin, die neugierig zu uns spähte.
„Ja, was für ein…Zufall“, murmelte er und ich drehte nun den Kopf herum. Von dem ersten Schreck hatte ich mich nun erholt und konnte ihm gegenüber treten. Das hoffte ich jedenfalls. Aber die Theorie war ja bekanntlich immer anders als die Praxis.
Zoey bekam sich schon gar nicht mehr ein vor Freude und versuchte auch mit der anderen Tusse zu schmatzen die sofort drauf einging.
Sie stellte sich als Marlene vor, Raphaels Freundin!

Ich glaube man hatte mein Herz endgültig brechen hören.Ja, ich war über ihn hinweg, aber es tat merkwürdigerweise dennoch total weh. Ich wusste nicht einmal warum dem so war.Aber ich durfte mir nichts anmerken lassen.
„Freut mich dich kennen zu lernen“, meinte ich freundlich zu ihr und wir schüttelten uns die Hände. Raph schien das gar nicht zu gefallen denn er sah uns böse an.
Sollte mir doch egal sein. War es aber nicht…
„Seid ruhig, der Film beginnt“, zischte er und hatte recht. Das Licht ging aus und die Werbung begann wie man es ja kante.Ich versuchte mich immer nur auf den Film zu konzentrieren, der mich wirklich interessierte, doch es gelang mir nur zum Teil.
Die beiden neben mir bedurften schon meiner ganzen Aufmerksamkeit. Selbst sie zu ignorieren…Als die beiden auch noch anfingen rum zu machen, also küssen und ihre Hand bei seinem Schritt, wurde mir speiübel.
Dieser miese kleine Wichser! Nur mit großer Mühe konnte ich die Tränen zurück halten.

Ein paar Minuten später stand sie auf und ging vermutlich zur Toilette. Da war es dann auch mit meiner augenscheinlichen Ruhe vorbei. Raph beugte sich zu mir.
„Kannst du dich immer noch nicht erinnern?“Ich drehte den Kopf wieder zu ihm und begegnete seinem forschenden Blick.
„Nein, kann ich nicht. Und ich glaube auch nicht, das es da was zu erinnern gibt…“
„Ach nein? Und das hier?“Als seine Hand auf meinem Bein lag und immer höher strich, entflammte mein Körper sofort. Wieder musste ich meinen Willen anstrengen. Doch jetzt nicht wegen tränen zurück halten, sondern nicht leise zu stöhnen.
Aber es machte mich auch furchtbar wütend was er tat.
Seine Freundin war nur kurz weg und er fasste mich so an!So ein Schwein! Er wurde wirklich immer krasser!
Wie hatte ich mich damals nur in so einen verlieben können?
Gott sei Dank war es mit uns ja nicht so ernst gewesen, da ich nun merkte, dass er wohl nicht treu sein konnte.
Ich drückte seine Hand weg und scheuerte ihm eine. Da es grade ziemlich ruhig war, hörte man das sogar im Saal und unzählige Augenpaare waren auf uns gerichtet.
„Fass mich nie wieder an, Wichser. Ich schwöre dir, das du es nicht überleben wirst“, zischte ich ohne jemanden zu beachten.Er hielt sich die Wange und sein blick war wirklich unergründlich.
„Ich hasse dich!“, spie ich dann noch dazu, stand auf und ging raus.
Hier konnte ich einfach nicht bleiben.Gott sei Dank folgte Zoey mir nicht und so konnte ich vor dem Kino meinen Tränen freien Lauf lassen.

Irgendwie konnte ich wirklich weiter laufen, immer einen Fuß vor den anderen setzen…
„Sam, warte mal!“, hörte ich dann jedoch den Ursprung allen Übels hinter mir. Schnell wischte ich die Tränen weg und drehte mich wütend schauend zu ihm.
„Was willst du Penner denn noch? Reichte das grad nicht?“, fuhr ich ihn an.
Er sah mich geknickt an.
„Ich wollte mich entschuldigen. Anscheinend hatte ich dich die ganze Zeit mit jemanden verwechselt, der mir wirklich sehr viel bedeutet hat“
Wenn ich nicht so wütend gewesen wäre, hätte ich nun stark und laut gelacht.
Der ihm sehr viel bedeutet hat?
Was für ein elender Lügner…
Man sah doch genau, dass ich ihn rein gar nichts bedeutet hatte!Und obwohl ich es wusste, konnte ich einfach nichts gegen diese Übelkeit tun, die mich bei dem Gedanken an ihn und eine andere, überkam.
„Wie viel denn?“, hakte ich nach.Entweder hatte ich mich jetzt damit verraten oder er war vielleicht doch zu dumm um es zu raffen.
„Ich glaube, sie war meine große Liebe“, flüsterte er und mir stockte einen Moment das Herz.
„Du glaubst?“
"Naja, eigentlich bin ich mir sicher…“ Sein Lächeln wirke aufgesetzt. Ich seufzte nun nur noch und schüttelte den Kopf. Zu gern hätte ich ihm jetzt doch die Wahrheit gesagt, ging ja aber leider nicht.
„Tja, es wird wohl seine Gründe gehabt haben, dass sie nicht mehr bei dir ist! Und wenn du bei ihr das Gleiche getan hast, wie eben im Kino, wundert es mich kein Stück! Vielleicht solltest du deine Moral mal überprüfen. Die scheint nämlich ziemlich weit unten zu liegen!“, setzte ich immer mehr einen drauf.
„Sam…“, begann er, sprach jedoch nicht weiter.
Diese Marlene kam heraus und ging zielstrebig auf uns zu.
„Wir sehen uns“, presste ich weder hervor, drehte mich um und ging weiter. Dieses Mal folgte mir keiner.Noch ein Gespräch hätte ich bei Gott nicht überstanden.

Irgendwie schaffte ich es sogar den Weg zurück zu finden. Und dort angekommen, machte ich mir einen starken Kaffee und setzte mich auf den Balkon.
Ich wollte unbedingt noch ein wenig die Sonne genießen. Es war eben schön warm…Eigentlich spiegelte das Wetter nur das gegenteilige Gefühl von mir wieder. Das war so ungerecht!
`Meine große Liebe…´
Verdammt! Mir gingen diese Worte einfach nicht aus dem Kopf… Aber wie könnten sie auch?
Es war doch alles zum kotzen.
Und doch war es nun wirklich richtig gewesen, ihn dieses vergessen vor zu spielen. Vielleicht könnten wir sogar versuchen, eine Freundschaft auf zu bauen.
Es würde nicht leicht sein, aber ich wünschte es mir.

Von ganzem Herzen!

Chapter 4

Anscheinend war ich dann auf dem Balkon eingeschlafen. Nur so halbwegs bekam ich mit, wie mich jemand trug und automatisch kuschelte ich mich an dessen Körper. Ich atmete den Duft ganz tief ein und lächelte leicht. Es kam mir so bekannt vor, doch ich wollte nicht wahrhaben, wer es war.
Dann wurde ich in einem Bett abgesetzt und ordentlich zugedeckt, während ich mich schon auf die Seite drehte und zusammen rollte wie eine Katze.
Dieser jemand strich mir noch eine Strähne aus dem Gesicht und dann war ich wohl alleine.

Am nächsten Morgen, es war Montag, wachte ich recht früh auf und streckte mich erst einmal ausgiebig. Da ich allerdings in meinen Sachen geschlafen hatte…die ich jetzt nicht mehr trug??!?!?!?
Moment mal!
Ich hatte doch gar nichts getrunken, das ich mich nicht mehr erinnern konnte, wie ich mich ausgezogen hatte!So schwach konnte ich mich dann daran erinnern, wie jemand mich im Arm hatte…hatte derjenige mich auch ausgezogen? Wenn ja…Wer war es?Verdammter Mist! An so etwas musste ich mich doch erinnern!
Seufzend stand ich auf und atmete erleichtert aus, da ich meine Unterwäsche noch trug und sogar meine schwarze Leggings. Merkwürdig war es dennoch. Und ich wollte unbedingt wissen, wer es gewagt hatte mich so an zu fassen.
Im schlimmsten Fall war es nämlich Raphael!
Gott, wenn ich nur daran dachte, dass er mich wieder so halb nackt gesehen hatte oder mich sogar berührt…Eine Gänsehaut überkam mich sofort und ich fröstelte stark.
Das durfte auf keinen Fall er gewesen sein. Niemals!

Ich beruhigte mich nur ganz langsam und zog mir dann einen kurzen Rock und nen knappes Top an. Es war nämlich tierisch warm hier. Selbst bei offenem Fenster kam kaum etwas kühle Luft hinein und man hatte das Gefühl, die Hitze brannte sich regelrecht in die Haut ein.Langsam ging ich in die Küche um mir einen Kaffee zu machen. Selbstredend betete ich dass ein gewisser Jemand nicht da sein würde und hatte dieses Mal wirklich Glück.Allerdings saß Zoey da und begrüßte mich freundlich.
„Morgen, Süße! Hoffe hast gut geschlafen“, meinte sie und stellte mir eine Tasse hin.
„Danke und ja, eigentlich schon“, erwiderte genauso freundlich und setzte mich nun zu ihr. Der Tisch war schon schön gedeckt und so konnte ich auch sogleich frühstücken.Kevin und Miguel kamen dann auch an und setzten sich zu uns. Angeregt plauderten wir über alles Mögliche, als dann der letzte in der Runde erschien. Ohne ein Wort zu sagen, auch nicht zu den anderen, schnappte er sich eine Tasse, fühlte sie und setzte sich ebenfalls an den schönen, großen Tisch.
Boaaah, hatte der denn gar keine Manieren??? Was für ein Flegel. Wieso war mir das damals nur nie aufgefallen?Seufzend aß ich einfach weiter und beachtete ihn nicht mehr.
„Morgen, Raph“, meinte Kevin dann und grinste den angesprochenen an.
„Morgen“, kam es sogar zurück. Echt eine Überraschung! Mein Blick glitt kurz zu ihm und begegnete seinem. Es war wieder wie damals. Ich hatte das Gefühl das er bis tief in meine Seele sehen und ich nichts dagegen tun könnte.Schnell sah ich wieder weg und auf meinen Teller. Das konnte wirklich nicht sehr lange gut gehen…

Zoey und Kevin unterhielten sich darüber, dass sie am nächsten Wochenende an den Strand wollten und wir sollten alle mitkommen. Eigentlich hätte ich ja eher mit Morgen gerechnet, doch da hatten beide und auch Miguel keine Zeit dafür. Und in der Woche mussten sie ja arbeiten und ich würde mega Langeweile haben.Mir fehlte noch ein Job und Uni…Naja, ich wusste noch nicht so recht…
„Hört sich doch super an. Also fahren wir alle dann am nächsten Samstag zum Strand.“ Kevin jubelte bei seiner Bemerkung.
Was meinte er mit alle??? Etwa auch dieser Kotzbrocken dort?Ich sah wieder zu diesen Kotzbrocken und musste irgendwie grinsen bei dem Namen. Eigentlich passte es ja gar nicht zu ihm, doch auf einer anderen kleinen Seite schon.
Aber kam er nun mit?
Ich sah zu Zoey, die daraufhin nickte als habe sie meine stumme frage verstanden und wusste worüber ich gedacht hatte.
„Marlene kann ja auch kommen“, meinte Kevin zu Raph. Gespannt sah ich ihn an.
„Geht nicht. Sie muss doch auf Isabelle aufpassen.“
Isabelle? Wer war denn das schon wieder? Ihre Schwester? Freundin?
Gott, warum mussten Kerle immer so viele Weiber haben?
„Ach die kleine Maus kann doch mitkommen. Sie freut sich sicherlich sehr darüber.“
Die kleine Maus?
Okay, nun konnte ich mich in der Klapse anmelden, da ich weniger als ein Wort verstand.
„Ich frag Marlene, denke aber eher nicht“, stimmte er wenig begeistert zu und saß weiter.Mir schwirrte total der Kopf. Das war jetzt eine ziemlich verwirrende Information.
Wer war Isabelle? Und was hatte sie mit Raph zu tun?
Ich würde auf jeden Fall Miguel nachher fragen. Bestimmt wusste er mehr darüber…
Da viel mir dann auch noch etwas ein…
Miguel hatte doch gesagt, Raph wäre nur selten hier?
Aber seitdem ich hier angekommen war, war er ebenfalls anwesend!So ein Scheiß aber auch! Er sollte verschwinden, sich in irgendeinen loch verkriechen und nie wieder hervor kommen.
Damit würde er echt vielen Leuten helfen! Vor allem seinem Vater…
Oh Fuck!
Das hatte ich total vergessen!
Ich musste doch noch Mom und Adam anrufen!
„Sorry Leute, muss noch was machen!“

Ich stand auf und räumte mein Teller und Messer weg. Dann war ich auch schon in meinem Zimmer verschwunden und kramte mein Handy raus.
Schnell wählte ich Moms Nummer und sie ging sogar nach dem zweiten Ton ran.
„Was gibt es mein Schatz?“, fragte sie sogleich und an ihrer Stimme konnte ich ziemlich gut erkenne, das sie lächelte.
„Hallo, Mom! Ich rufe wegen zwei Dingen an. Also erst mal, ich bin gut angekommen und es gefällt mir hier wirklich ganz toll. Auch wenn ich mich noch etwas an den Lärm gewöhnen muss“, begann ich aufgeregt zu erzählen. Mom lachte leise, was auch mir ein Schmunzeln entlockte.
„Es freut mich, dass es dir gefällt. Und es ist ganz natürlich, das du dich erst daran gewöhnen musst. Eine Großstadt wie New York ist nun mal etwas ganz anderes wie bei mir oder deinem Dad.“
„Ja, da hast du wohl recht.“ Wie immer wusste sie gleich besten wie es in mir aussah und auch das ich Heimweh hatte. Es war mir grade erst bewusst geworden.In den letzten zwei Jahren war ich regelmäßig bei Mom und Adam gewesen. Es war jedes Mal wundervoll und nur deswegen war Mom nun so etwas wie eine beste Freundin für mich.
Das hätte ich mir niemals zu träumen gewagt. Und darüber nachgedacht hatte ich eh nie, da meine Meinung von ihr ja niemals gut war. Nun war es anders und das stimmte mich glücklich.
„Und was wäre dein zweites Anliegen, Liebling?“, fragte sie mich dann zärtlich und holte mich aus meinen Gedanken.
„Nun ja…ähm…“ ich druckste herum, da ich keine Ahnung hatte, wie ich die richtigen Worte finden sollte. Das war echt kompliziert.
„Ich habe Raphael gefunden“, sagte ich dann gradeheraus und hörte wie meine Mutter nach Luft schnappte.
„Was…?“, fragte sie leise. Ja, genau so hatte ich auch in etwa reagiert. Ich hatte es ebenso wenig glauben können wie sie.
Nach einer so langen Suche, war es schon echt krass.
„Wie?“Ich lächelte leicht. War eigentlich klar gewesen, das sie nicht zuerst nach dem wo fragte.
„Hier in New York…“, erwiderte ich leise und seufzte.
„Sag jetzt aber nicht…“
„Doch! Du denkst ganz richtig. Er wohnt hier mit in der WG!“, meinte ich schnaubend und schmiss mich aufs Bett
.„Das kann doch wirklich nicht wahr sein! Wieso hat Miguel denn nichts gesagt?“
Ich erzählte ihr seine Worte und sie seufzte.
„Männer kann man manchmal wirklich nicht verstehen“, seufzte sie schwer. Ich stimmte ihr sofort zu und erzählte ihr dann auch noch, was ich im Moment tat.Natürlich war sie ebenso wenig begeistert wie Miguel.
Wieso fanden eigentlich alle, dass es eine dumme Idee war? Das verstand ich nun wirklich nicht!Ich selbst fand es einfach klasse.
Naja, bis auf das er alles versuchte, damit ich mich wieder erinnerte. Das war schon etwas zu viel des guten…

„Okay, du musst selbst wissen, was du machst, aber sei vorsichtig, Schatz.“
„Natürlich Mom. Ich bin doch nicht mehr das kleine Mädchen. Ich bin nun erwachsen und kann ganz gut auf mich aufpassen“, grinste ich ins Handy. Wieder lachte sie.
„Ja, das weiß ich doch. Nur als Mutter macht man sich nun mal immer Sorgen um unsere kleinen Mäuse.“
Kleine Mäuse?
Sofort kam mir das Gespräch in der Küche wieder hoch.
Diese Isabelle wurde auch als kleine Maus bezeichnet. Hieß das, sie war ein Kind? Und wenn ja, was hatte sie mit Raph zu tun?Mir wurde richtig eiskalt bei einem ganz merkwürdigen Gedanken, den ich sofort verscheuchte.Das konnte ja wohl kaum sein.
So mies wäre nicht mal er…
„Okay…Mom…Ähm ich muss noch was machen, wir hören uns.“
„Ist gut, Schatz. Melde dich aber bitte wieder schnell.“
„Natürlich“, versprach ich lächelnd und legte auf.

Ich hatte etwas raus zu finden und musste daher mit Miguel reden. So schnell es ging!

Chapter 5

Leider kam ich nicht dazu Miguel zu fragen, jedenfalls heute nicht mehr. Irgendwie schien er mir sogar aus dem Weg zu gehen, was mich echt frustrierte. Ich mochte ihn, vielleicht sogar ein wenig mehr als nur mögen.
In den letzten knappen zwei Jahren hatten wir uns so unglaublich gut angefreundet und ja, es paar Küsse hatte es auch gegeben, aber nie mehr.
Dabei hätte ich nicht wirklich was dagegen gehabt. Er war Single, ich war Single. Es sprach also nichts dagegen ein wenig Spaß zu haben und doch…Es war nie passiert. Vielleicht sollte man es ändern.
Nicht nur das ich ihn echt doll mochte, ich fand ihn ja auch sehr anziehend. Und alt genug war ich außerdem noch.Vielleicht sollte ich es einfach mal versuchen, da ich genau wusste, dass er mir gegenüber auch nicht abgeneigt war…
Grinsend setzte ich mich aufs Bett und klappte meinen Lappi auf. Ich schrieb meinem Vater nur schnell eine Mail und überlegte genau.
Vor allem musste ich jetzt auch mal überlegen, was ich sagen sollte, wenn Raphael die Wahrheit raus finden sollte. Obwohl ich mir da nicht wirklich Sorgen machte.
Selbst wenn ich auffliegen sollte, würde ich einfach sagen, dass ich einen neuen Anfang hier machen wollte und daher so getan habe, als würde ich ihn nicht kennen…
Jetzt wo ich so darüber nachdachte, würde es mich an seiner Stelle allerdings auch ziemlich verletzten. Auch dann, wenn e damals keine Gefühle für mich hatte.
Musste immerhin ganz schön an seinem Ego kratzen das eine Frau ihn einfach vergessen wollte unter allen Umständen...
Wie dem auch sei. Ich starrte einen Moment an die Decke und schloss dann die Augen.
In der nächsten Zeit würde noch sehr viel auf mich zukommen.
Vor allem wollte ich wissen, was es mit der kleinen Maus auf sich hatte. Natürlich ließ es mir keine Ruhe!

Raphael:

Das Sam hier aufgetaucht war, war wie ein Schlag in den Magen. Genau so hatte es sich auch angefühlt als ich sie da im Flur gesehen hatte.Auch wenn ich sie nicht begrüßt hatte, wollte ich es klären. Zumindest schon mal ein wenig davon. Auch was Sam anbelangte…Sie hatte doch keine Ahnung wie es in mir aussah, die ganze Zeit über…Aber das sie sich nicht mehr an mich erinnerte, an unsere Küsse, unsere Leidenschaft, unsere Liebe…Das war noch weitaus schlimmer als ich je gedacht hatte.
Natürlich hatte ich irgendwann zu ihr fahren wollen um mich zu entschuldigen und was noch sonst so angebracht war, mir fehlte nur immer wieder, jeden Tag aufs Neue, der Mut dazu meiner großen Liebe zu erklären, warum ich sie letztendlich doch verlassen hatte, warum ich nicht gewartete hatte.
Und auch, warum ich nicht einfach so stur war, ihr in der Zeit wo sie das alles verkraften musste, bei ihr zu sein.Wenn es um Sam ging, war ich schon immer ein wenig feige gewesen. Das wusste sie jedoch nicht und so sollte es auch bleiben. Von mir aus konnte sie auch weiterhin schlecht von mir denken, was ja im Moment nicht möglich schien.
Wie immer wenn ich an Sam dachte, spürte ich diesen Schmerz tief in mir. Sie auch noch zu sehen und zu wissen dass sie nur wenige Meter von mir entfernt und doch so weit weg war, tat höllisch weh.
Verdammt! Ich liebte dieses gedankenlose Mädchen nach wie vor. Nur konnte ich es ihr selbstredend nicht sagen.Würde vermutlich ziemlich merkwürdig aussehen, wenn ich jetzt zu ihr gehe und ihr sage, wie sehr ich sie noch liebte…Ich hatte auch kein Recht mehr dazu. Sie war frei und konnte machen was immer sie wollte. Nur ich kam mir dabei ziemlich erbärmlich vor musste ich wohl oder übel gestehen.

Den ganzen Sonntag, abgesehen vom Frühstück, bekam ich sie auch nicht mehr zu Gesicht, da sie sich im Zimmer eingeschlossen hatte. Sam ging mir ganz eindeutig aus dem Weg und ich konnte mir nicht vorstellen warum dem so war.
Naja, ich hatte mich schon recht seltsam benommen. Die Küsse zum Beispiel, aber ich hatte nicht wiederstehen können. Es ging einfach nicht.Meine Gefühle spielten total Achterbahn und das gefiel mir gar nicht.
Mit Miguel musste ich auch noch unbedingt reden. Ganz sicher hatte er schon eine Weile gewusst, dass sie hier auftauchen würde. Und auch ganz sicher, war es seine Idee gewesen, sie hier wohnen zu lassen!Dieser verdammte Kerl!
Dem würde ich gehörig die Meinung gegen, allerdings konnte ich das wohl erst Morgen Abend machen, wenn er denn da war, was ich nun bezweifelte.
Der ganze Tag verflog wie Sturm und ich vermisste Sam, obwohl sie so nah bei mir war.
Abends saßen wir uns sogar alle einen Film an, was mir doch sehr zu schaffen machte.

Sam saß genau neben mir und ihr Parfüm stieg mir in die Nase. Kaum zum Aushalten, doch ich wollte mir jetzt keine Blöße geben.Und dann dachte ich auch noch daran wie es aussehen musste wenn ich nun Hals über Kopf aufstehen und verschwinden würde.
Sam würde ganz sicher denken, dass ich was gegen sie hätte und das wollte ich nun wirklich nicht. Ganz egal was ich dachte oder dabei fühlte.
„Ahhh“, kreischten die Mädels plötzlich und Sam klammerte sich an meinen Arm. Ich zog scharf die Luft ein, ließ sie jedoch machen.
Unsere Blicke trafen sich und irgendwie hatte ich das Gefühl, das sie etwas vor mir verbarg. Ihre Unterlippe zitterte ganz leicht und ihre Finger verkrampften sich etwas.
„Alles okay?“, hörte ich mich selbst fragen und legte meine Hand auf ihre. Sie nickte nur leicht, ließ mich jedoch nicht los und löste auch nicht ihren Blick von meinem.
„Sicher?“, fragte ich weiter und bekam abermals ein nicken von ihr.
Was zu viel war, war wirklich zu viel!Sie wusste nicht mehr er ich war und dennoch hatte ich ständig den Gedanken im Kopf, das sie genau wusste wer ich war. Doch wenn dem so war, warum tat sie so als wäre es nicht der Fall? Wollte sie sich vielleicht auch selbst schützen?
Als ich an diese Möglichkeit dachte, kam sofort auch wieder der Gedanke, warum ich sie gänzlich verlassen hatte!Ich durfte nicht so tun, als wäre es nun nicht mehr wichtig. Gerade jetzt schien es noch viel dringender zu sein als damals und es hatte sich nichts an meiner Entscheidung geändert.
Dabei hätte ich die Zeit mit ihr so gern genossen und sie nun so heftig geküsst, dass sie leise meinen Namen schrie…wie damals…Es war schon so lange her und doch wusste ich noch alles. jede Geste, jedes Wort. Als hätte die Zeit einfach nur still gestanden und würde sich erst jetzt, wo Sam wieder bei mir war, weiter drehen.
Das war einfach unglaublich. Unglaublich schmerzhaft. Unglaublich schön. Unglaublich verführerisch…Und immer wieder dachte ich an Isabelle und meine Verantwortung ihr gegenüber. Selbst wenn ich mi Sam wieder was anfangen würde, wo ich ganz sicher nie nein sagen würde, könnte ich es gar nicht.
Wenn Marlene auch nur die winzige Andeutung mitbekommen würde, dass ich eine andere hatte, würde sie sofort ausrasten und das durfte nicht passieren.
Das hieß für mich dann also, ich musste Sam immer noch aufgeben und durfte mir nicht mal eine kleine Hoffnung machen…

„Kannst du dann bitte meinen Arm los lassen? Ich steh überhaupt nicht auf kuscheln und son Weiberkram“, sagte ich dann heftiger als ich eigentlich gewollt hatte, doch so war es am besten.
Einfach Sam wie eine Fremde behandeln. Autsch!

Samantha:

Als hätte ich mich verbrannt ließ ich ihn los und setzte mich wieder ordentlich hin. Verdammt, was hatte ich mir dabei nur gedacht? Ich hatte einfach nicht anders gekonnt.
Ihn so nah neben mir zu haben war mehr als ich eigentlich ertragen konnte, dabei hatte ich doch keine Gefühle mehr für diesen Mistkerl! Scheiße!
Er war einfach nur ein riesen Arsch! Das durfte ich niemals vergessen oder außer Acht lassen.
Würde ich mich wieder in ihn verlieben, könnte man mich auch gleich lebendig begraben. Es würde auf das Gleiche herauskommen. Sollte ich diese Schmerzen noch einmal fühlen müssen, würde ich gar keine Gefühle mehr zulassen. Einfach abstellen täte ich sie dann und wäre ein gefühlloses Etwas.
Ein Etwas, was es nicht verdient hätte zu leben…Aber soweit würde ich es nie wieder kommen lassen. Nicht bei Raph. Eigentlich bei niemanden.
Von nun an würde ich immer sehr vorsichtig sein und genau darauf achten wie sich jemand mir gegenüber benahm. Auch würde ich selbst nie mehr von Gefühlen jeglicher Art zu leichtsinnig sprechen. Da musste es wirklich schon was sehr tiefes sein.
„Sorry“, nuschelte ich und tat als sei ich verlegen, was natürlich nicht der Fall war. Gott, wir hatten miteinander geschlafen und es wäre mich ganz sicher nicht peinlich ihn zu berühren. Irgendwie war ich schon ein wenig abgestumpft in der letzten Zeit.
Das sollte ich unbedingt beibehalten. Es war recht hilfreich…

Wir sahen den Film noch zu Ende, wobei ich genauestens darauf achtete Raphael nicht mehr zu nahe zu kommen und mich stattdessen bei Miguel anlehnte.
Er legte sogar seinen Arm um meine Schulter und drückte mich an sich. Als ob er mich beschützen wollen würde. Echt süß muss ich sagen und es gefiel mir sehr gut.
Ich fühlte mich von Miguel gemocht und sogar ein wenig verstanden. Dennoch würde ich ihn immer noch zur Rede stellen.
Es gab so viele Geheimnisse um Raph, das es mich ganz krank machte.
Und noch mehr nervte es mich, dass dieser Bastard noch immer meine Gedanken beherrschte, obwohl ich gedacht hatte, das diese Zeit endlich hinter mir lag…

Chapter 6

Für mich ging die Woche nur schleppend langsam vorüber. Am Tage war ich meistens draußen und sah mir die Stadt an. Oder ich saß einfach nur im Park und versuchte nicht vor Langeweile zu sterben.
Ihr könnt euch ja nicht vorstellen, wie öde es sein kann in so einer tollen Stadt wie New York zu sein, mit nur wenig Geld und dadurch nichts machen zu können.Ja, Geld regiert eben die Welt, das wusste ich ja schon immer. Und doch fand ich es mehr als ungerecht.
Naja, da konnte ich eh nichts machen außer mich mit dem zufrieden zu geben, was ich hatte. So war es wohl auch wenig verwunderlich das ich meistens nur mit meinem Handy im Park saß und mich langweilte, dafür aber schön braun wurde.
Am Abend war ich bei den anderen und wir sahen uns meisten was im TV an. Auch nicht wirklich spannend, aber besser als nichts zu tun.
So lernte ich auch Kevin und Zoey viel besser kennen. Und Zoey war mir immer sympathischer!
Ihre ganze Art war wirklich toll, da sie mir sehr ähnlich war.Genau wie ich nahm sie auch kein Blatt vor den Mund und sagte gradeheraus was sie dachte. Dabei interessierte es sie ebenfalls nicht, was die anderen dabei von ihr dachten.Wie ich eben!
Das wir sonst auch noch sehr viel gemeinsam hatten, überraschte uns die ersten paar Tage ungemein. Auch das wir anscheinend stets die gleichen Gedanken hatten, aber es war auch urkomisch.
Meist war es so, dass einer von uns den Satz anfing und der andere ihn automatisch beantwortete!Einfach zum Schreien komisch.Und gestern hatte ich dann auch mal mit Dale telefoniert. In kurzen Sätzen hatte ich ihm alles erzählt. Sprich: wie ich hier angekommen war, wie es mir hier ging, das ich Raph gefunden hatte…Gott, da war dann was los gewesen.

>>>Gestern<<<

„Wie, du hast ihn gefunden? Einfach so?“, fragte Dale mich fassungslos und ich hörte, wie er sich aufs Bett fallen ließ.
„Naja, gefunden in dem Sinne nicht wirklich. Du weißt doch dass Miguel noch ein paar Mitbewohner hat. Und einer davon ist wirklich Raphael!
“Nun war ich es, die wieder mal fassungslos war. Obwohl es ja nun nicht mehr neu für mich war.
„Und wieso hat Mig dir nichts davon gesagt?“
„Weil er etwas entdeck hat, was mich sehr verletzt hätte hat er erklärt. Aber ich bin schon über diese Arschloch hinweg“Ja, das war ich wirklich! Oder …? Ja, natürlich! Da war ich mir sicher…
„Hm, dann versteh ich echt nicht, warum er nichts gesagt hat. Er wusste doch genau, dass du ihn suchst. Und auch das Susan und Adam sich Sorgen machen. Verdammt!“
Dale fluchte wirklich nicht oft. Und noch weniger in meiner Gegenwart. Nun tat er es jedoch ziemlich heftig und lange. Auch belegte er Raphael, der ja eigentlich sein bester Freund war, mit sehr derben Schimpfwörtern, die nicht einmal mir eingefallen wären! Und das hatte ja nun wirklich schon was zu heißen.
„Ich habe schon mit Mom gesprochen. Sie wissen also jetzt bescheid…“, meinte ich sofort und bemerkte erst dann, das ich Raph damit ja schon irgendwie geholfen hatte.
Ich seufzte schwer und fing dann auch noch an zu erzählen, was ich mir hatte einfallen lassen.
Und wie sollte es anders sein? Er war noch weniger wie Mig und Mom davon begeistert!Hatte die sich alle gegen mich verschworen? Vermutlich.
„Mir ist wirklich nichts besseres eingefallen“, verteidigte ich mich erneut und hörte ihn seufzen.
Auch er meinte ich solle vorsichtig sein und überlegen ob es wirklich so ratsam war…Nachdem ich aufgelegt hatte, überlegte ich auch wirklich noch einmal.
Dale hatte meistens Recht und ich richtete mich nach ihm. Sollte er auch jetzt Recht behalten? Natürlich hoffte ich das nicht, da es ja für mich dann nicht besonders gut aussehen würde.
Aber was sollte ich denn jetzt noch dagegen tun? Ich h mich ja schon viel zu weit hinein verstrickt und kam nicht mehr so einfach aus der Sache raus…Verdammte Scheiße!
Kurz darauf schlief ich einfach ein.


>>>Heute<<<

Heute war dann endlich schon Samstag und morgen würden wir alle an den Strand fahren. Hatte ich überhaupt Badesachen bei? Würde ich überhaupt rein gehen ins Wasser?
Diese und noch sehr viel mehr Fragen gingen mir ziemlich lange durch den Kopf, ehe ich mich dann Bettfertig machte.Da es heute wieder so entsetzlich warm war, entschied ich mich nur für ein bauchfreies Top, mit ziemlich gewagten Ausschnitt, und eine kurze Pants.
In diesem Outfit sah ich fast schon wie ein billiges Flittchen aus. Fehlten eigentlich nur noch Fick-mich-Schuhe, Highheels, und ein passendes Make-Up.
Selbstredend würde ich mich niemals soweit hinunter begeben. Obwohl der Gedanke, Raphael so gegenüber zu treten, wirklich was Reizvolles an sich hatte.
Ganz sicher würde er den blick nicht abwenden können!
Ja okay, das klang jetzt wirklich ziemlich eingebildet, aber er hatte mich ja wieder geküsst und wollte dass ich mich an ihn erinnerte, was für mich im Umkehrschluss hieß, dass er noch auf mich stand. Raphael küsste wohl niemanden, den er nicht wenigstens ein wenig mochte!
Und plötzlich kam mir noch eine wundervolle Idee!!!!!
Jaja, alle würden sagen sie wäre bescheuert, aber hey, meine letzte war es auch und bisher hatte ich es noch nicht bereut. Vielleicht hätte ich bei der neuen genauso viel Glück!

Was ich mir überlegt hatte?Ach, eigentlich ganz einfach.Gaaanz einfach! Ich würde Raphael zeigen, was er nicht mehr haben konnte! Was er aufgegeben hatte.
Der würde sich schon umgucken.Ich würde ihm zeigen, zu was einer sexy frau ich heran gewachsen war. Und natürlich würde ich ihm auch weiß machen, dass ich nun um einiges erfahrener ich Sachen Sex war.
In den letzten zwei Jahren war zwar einiges vorgefallen, wildes Rummachen und viele Küsse, aber mehr auch nicht.Ja, im gewissen Sinne hatte ich mich immer gefühlt, als würde ich in betrügen.Tatsächlich war dies sogar noch heute der Fall. So dumm bin ich in dieser Hinsicht wirklich gewesen.
Aber von nun an würde es sich ändern!
Jetzt wusste ich ja, dass Raphael mir keine Träne nach geweint hatte und auch wieder in einer Beziehung war!Warum also sollte ich mir nicht auch einen neuen Freund zulegen und meine Erfahrungen erweitern?
Es sprach doch nun wirklich nichts dagegen.
Allerdings war der Einzige, der mich außer Raph jemals interessiert hatte, Miguel!
Der Bruder meiner verhassten Stiefmutter!
Wenn das nicht mal Schicksal war, wusste ich auch nicht.
Erst mein Steifbruder wenn man so will, und dann auch noch so was wie mein Stiefonkel…
Anscheinend hatte ich da sonen Komplex und wollte immer das haben, was ich eigentlich nicht haben konnte.
Da konnte ich nur von Glück reden, das weder Mom noch Dad ihre Partner geheiratet hatten!

Ehe ich es mir anders überlegen konnte, schlüpfte ich schon aus meinem Zimmer und hörte alle, auch Raph, in der Küche reden.
Schnurrtracks ging ich dorthin und zum Schrank um mir eine Tasse für den Kaffee zu holen, der leider alle war. So musste ich also neuen machen.
„Guten Morgen“, meinte ich noch fröhlich. Dummerweise, vielleicht auch jetzt nach meiner Idee super, stand die Kaffeedose oben auf dem Schrank.
„Morgen, Angel“, meinte Mig wie schon so oft. Mittlerweile war es von seiner Seite irgendwie zu einem Spitznamen für mich geworden. Wie es dazu kam?
Oh, das musste schon ein Jahr zurück liegen.An einen schönen Sommertag letztes Jahr, waren wir alle auf sonen Jahrmarkt, mit Mig halt, und ich hatte ein langes, weißes Kleid an. Mit meinen blonden Haaren, eine süße Schleife darin befestigt, hatte Miguel mir gesagt, ich sehe für ihn wie ein unschuldiger Engel aus.
Tja, und seitdem war ich eben Angel für ihn. Mir gefiel es merkwürdigerweise ziemlich gut und so beließ ich es einfach dabei.
War ja nun wirklich auch nichts Schlimmes.
„Du sollst mich doch nicht so nennen“, zog ich auf während ich mi einen Stuhl an den Schrank stellte und hinauf kletterte. Dabei spürte ich die Blicke der anderen. Besonders den von Raph auf meinen Hintern.
„Ich will aber“, murte Mig und ich lachte leise.
„Dann mach ruhig. Ich hatte eh noch nie etwas dagegen“, grinste ich über die Schulter, langte nach der Dose und verlor dabei den Halt.
Ich sah mich schon mit dem harten Marmorboden konfrontiert, als starke Arme, die mir sehr bekannt waren, sich um meinen Körper schlossen und mich somit vor den schmerzenden Sturz bewahrten.
Halbwegs ängstlich sah ich Raphael in die Augen und schluckte.
Ich spürte seinen Atem auf meiner Haut, vor allem an meinen Lippen. Seine eine Hand lag gefährlich nah an meine Brust und ich spürte selbst wieder dieses Kribbeln im Bauch.
So ein verdammter Mist!
Er stellte mich ordentlich hin und zog eine Augenbraue hoch als er mich genau musterte.
„Meinst du nicht auch, dass dein Outfit ziemlich billig ist?“, stellte er nur fest und schon klatschte meine Hand an seine Wange.
„Wie kannst du es wagen so mit mir zu reden?“, schrie ich ihn an. Ich war vollkommen außer mir vor Wut und zitterte sogar.
„Vor allem, weil du ja so ein Moralapostel bist!“
Er lachte leise und setzte sich wieder nachdem er die Dose runter geholt hatte.
Mein Handabdruck war ziemlich deutlich auf seiner Wange zu sehen, doch es schien ihn nicht zu interessieren.
Mir war die Lust nach Kaffee nun vergangen.
„Lach mich nicht aus, perverso Alien!“, sagte ich noch immer aufgebracht und folgte ihm die zwei Schritte zu seinem Platz.
„Also, was bildest du dir ein? Hast du sonst nichts zu tun. Geh lieber zu deiner komischen Marlene und bau deinen offensichtlichen Druck ab!“
Gott, wie sauer er mich machte. Und den hatte ich mal geliebt? Igitt!

Unvermittelt stand er wieder auf und sah mich herablassend an.
„Was kann ich denn dafür, wenn du dich hier wie ein billiges Flittchen präsentierst? Hast du mal überlegt wie du rüber kommst? Du bettelst doch regelrecht darum, das man dir die winzigen Stofffetzen vom Leib reißt und dich hart durch nimmt!“, spie er mir angewidert entgegen.
„Und? Ich bin jung und darf ja wohl so viel Sex haben wie ich will. Und auch mit wem ich will. Das hat dich nicht zu interessieren!“, hielt ich dagegen und lächelte nun.
Oh Jaaa, ich würde mir wirklich nen freund zulegen und dann konnte er mal sehen wie so etwas war!
„Und nun entschuldigt mich bitte. Ich kann eine solche widerliche Person nicht länger ertragen!“
Mit hoch erhobenem Kopf stolzierte ich aus der Küche und ehe ich in meinem Zimmer verschwand hörte ich noch, wie Mig auf Raphael einredete.
Die beiden waren nicht besonders leise…

 

Chapter 7

Gott, was hatte ich mir eigentlich dabei gedacht? Ja, schon klar, ich hatte selbst gesagt das es eine schlechte Idee war...Verdammt!
Nun ja, ändern konnte ich es jetzt nicht mehr, also musste ich mit leben. Und ich würde auf jeden Fall noch damit weiter machen.
Oh Man, er hatte nicht mal bemerkt, das ich den früheren Namen zu ihm gesagt hatte. Eigentlich war dies doch nun wirklich deutlich genug.
Und wie er mich angesehen hatte. Ich erschauderte noch immer alleine bei dem Gedanken.
Als würde er mich wirklich für billig halten. Als würde er wirklich glauben, ich würde scharenweise mit den Männern ins Bett steigen, aber das tat ich ja nicht einmal. Wenn es wenigstens so wäre, würde mich der Blick auch nicht stören, aber so?
Nein, ich konnte es kaum ertragen diese Verachtung zu sehen, wo einst Liebe war.
Das war wirklich ziemlich schlimm für mich. Tja, nun musst eich aber erst einmal damit leben! Und das würde ich ganz sicher schaffen!
Immerhin war ich schon immer ein starkes Mädchen gewesen...
Nun fühlte ich mich aber eigentlich nur ziemlich schwach und konnte glauben was in so kurzer Zeit hier passiert war. Hoffentlich würde es dann morgen am See besser werden, aber mit Sicherheit konnte ich das natürlich nicht wissen. Nur beten und auf das beste hoffen!

Ich ging zur Tür, lehnte mich dagegen und versuchte noch ein wenig von dem zu verstehen, was die beiden miteinander redeten.
„...selbst Schuld!“, sagte Raph aufgebracht und ich erkannte an seiner Stimme, wie wütend er war. Himmel!
„Das hat doch damit nichts zu tun, Idiot! Sie war deine Freundin, verdammt Raphael! Findest du nicht, das du dich ihr gegenüber etwas besser benehmen könntest? Das hier ist eine WG. Eine WohnGEMEINSCHAFT! Und nicht irgendein Kindergarten.“
Oh, Miguel schien richtig sauer zu sein. Und es war verdammt süß, wie er mich nun verteidigte. Ich kicherte leise, wurde aber sofort wieder leise. Ich wollte ja kein Wort verpassen!
„Richtig! Die Betonung liegt auf WAR! Jetzt ist sie nur irgendein Mädchen die mich nicht mehr interessiert. Sie kann sich ja eh nicht an mich erinnern, das ist vermutlich auch das Beste so. Und immerhin habe ich jetzt Madlene und Isabella!“
Wieder dieser Stich in meinem Herzen! Verdammt, würde das denn niemals aufhören?
Miguel blieb einen Moment stumm und sicherlich hatte er nach Luft geschnappt. Von Zoey hatte man das jedenfalls genau hören können.Und dann mischte sie sich auch tatsächlich ein. Ich hörte irgendein Geräusch und dann wie Raph noch saurer war.
„Verdammte Scheiße, Zoey! Was sollte das denn?“, fragte Raph. Seine Stimme klang nun ungläubig, aber auch ausgesprochen zornig.
Was hatte sie getan? Man, da sich aber auch immer so neugierig war. Ich öffnete die Tür leicht und konnte genau in die Küche schauen. Raph hielt sich die rechte Wange und funkelte das Mädchen sauer an.
Sie hatte die Hände in die Hüfte gestemmt und zog eine Augenbraue hoch.
Hatte sie ihm wirklich eine geklemmt?
„Anders scheinst du ja nicht zu Verstand zu kommen. Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte, du liebst Madlene nicht! Aber Sam schon! Man sieht es dir an. Warum versuchst du sie nicht einfach wieder für dich zu gewinnen?“
Raph schnaubte verächtlich und drehte den Kopf leicht, wobei er mich erblickte. Erschrocken zuckte ich zusammen und schloss die Tür wieder.
„Ich liebe sie nicht! Wenn ich genau darüber nachdenke habe ich das nie getan. Sie war nur ein netter Zeitvertreib bei meinem Dad um meine Langeweile auf dem Land zu vertreiben. Und außerdem ziemlich einfach zu haben. Wenn ihr wüsstet, wie einfach sie sich hat von mir ficken lassen! Gott, wie gierig sie im Bett war. Oder in der Schule in der Umkleide! Ja, schaut nicht so! Sie hats mit mir auch einfach so in der Umkleide getrieben!“ Er lachte kalt und mir blieb die Luft zum atmen weg.

Schnell legte ich die Hände auf meine Ohren, kniff die Augen fest zusammen und bis mir auf die Unterlippe.
Nein, ich wollte das nicht hören! Scheiße!
Wie konnte er nur so etwas sagen? Wie konnte er das was wir hatten so einfach abtun?
Ich nahm die Hände von den Ohren, legte sie mir vors Gesicht und begann bitterlich zu weinen.
Es schmerzte so unglaublich was er gesagt hatte. Und selbst wenn ich mich wirklich nicht erinnern könnte, würden solche Worte wehtun.
Ich war also nichts als ein kleiner Zeitvertreib für ihn? Nichts weiter als ein Abenteuer? Leicht zu haben?
Verdammt, ich liebte ihn doch gar nicht mehr!
Aber warum stachen sich seine Worte wie kleine Dolche in mein Herz, ließen meinen Körper zu erbeben unter der Tränenflut?
Ich verstand es einfach nicht, nur das ich mich schrecklich fühlte. Der Druck in meiner Brust wurde immer schlimmer und das atmen viel mir immer schwerer.
Bilder liefen unter meinen geschlossenen Lidern vorbei. Bilder von Raph, von mir und von uns. Wie wir damals in der Hütte eingeschneit waren. Wie wir uns geliebt hatten. Wie er mir seine Liebe im Krankenhaus gestanden hatte...
Und dann sein Blick eben vor den grausamen Worten. Er hatte mich genau gesehen und es dennoch gesagt.
Ja, er empfand wirklich nichts mehr für mich, hatte es anscheinend niemals getan.
Ich wollte aufstehen, doch meine Beine gaben sofort nach und ich sackte wieder in die Knie. Noch mehr Tränen kamen.
Was war ich doch nur für eine Närrin gewesen! Ich hatte ihn geliebt, aufrichtig geliebt...
Er war es nie wert gewesen. Ich hatte mich an ihn verschwendet. Einfach weggeworfen.
Der Schmerz wurde noch schlimmer, je länger ich darüber nachdachte, was ich verloren hatte, was ich verschwendet hatte.Von nun an, schwor ich mir, würde ich niemals wieder einen Typen in mein Herz lassen! Nicht mal in die Nähe davon!
Niemand würde mich jemals wieder verletzen können.
Doch jetzt wollte ich dem Schmerz, dem Druck einfach nur nachgeben und weinte immer verzweifelter. Stark konnte ich auch morgen noch sein. Nun wollte ich schwach sein, ängstlich, klein.

Raphael:

Nachdem ich diese Worte ausgesprochen hatte, war meine Brust wie zugeschnürt. Ich hatte die Worte mit Absicht laut genug gesagt, das Sam sie verstehen musste. Selbst wenn sie nicht direkt an der Tür gewesen wäre.
Es hatte mir selbst ungeheuer wehgetan so etwas grausames zu sagen, sie so zu verletzen, aber ich sah keinen anderen Ausweg.
Sie konnte nicht mit mir glücklich werden. WIR konnten nicht zusammen glücklich werden! Es ging ganz einfach nicht!Zoey, vor mir, schüttelte den Kopf und seufzte schwer.
„Raphael, ich habe dich niemals für einen Feigling oder Mistkerl gehalten, aber das ist nun anders. Das, was du eben gesagt hast, solltest du nicht sagen. Du solltest in Bezug auf Sam niemals auch nur ein Wort verlieren. Du wirst es niemals wieder gut machen können. Nicht in Hundert Jahren. Und du wirst es bereuen, sie nun endgültig von dir gestoßen zu haben. Wir alle wissen was Sam dir wirklich bedeutet, was du ihr Gegenüber empfindest. Aber du läufst ja lieber weg als zu ihr zu stehen. Und vor allem schiebst du immer wieder Madlene und dieses Balg vor. Du weißt nicht mal, ob es wirklich deine Tochter ist!
Sie behauptet es zwar, aber sicher kannst du dir nicht sein, da sie dem Test ja nicht zustimmt. Wenn du also auch nur ein wenig Ehre in deinem Leib hättest, würdest du zu Sam gehen und dich entschuldigen. Und sei es nur dafür, das sie es hören musste!“
Hatte Zoey recht? War es wirklich zu viel gewesen?
Ich zuckte nur gleichgültig Zoey gegenüber die Schultern und ging aus der Küche. Ganz sicher sahen sie mir nicht nach und so fand ich plötzlich vor Sams Tür wieder.
Ich wollte grade anklopfen, als ich ihr Schluchzen hörte. Sie klang so verzweifelt und verletzt.
Mein Magen krampfte sich zusammen und ich schluckte hart.
Ja, es war zu viel gewesen und es tat mir aufrichtig leid, aber wenn Isa meine Tochter war, wollte ich nur für sie da sein. Das schuldete ich ihr. Immerhin konnte sie ja nichts für meinen Fehler nachdem Sam weg war!
Doch Sams Laute jetzt zu hören, verkraftete ich einfach nicht.
Es war auch schon so schlimm genug. Auch ohne das es mir das Herz erneut zerriss.

Schnell wandte ich mich ab und ging aus der Wohnung. Ich musste einen freien Kopf bekommen und über einiges nachdenken.So setzte ich mich in mein Auto, ein schöner, kleiner Sportwagen, und fuhr auf den Highway. Ich musste einfach mal wieder richtig Gas geben, voll durchtreten.
Das Leben war wirklich viel zu kurz um nicht mal etwas zu riskieren, dachte ich als ich die Straße entlang brauste und mir der Wind durch das offene Fenster um die Ohren schlug.
Etwas riskieren?
Ja, das musste man, aber bezog ich das selbst jetzt nur wegen der Geschwindigkeit oder...
Konnte es zwischen Sam und mir doch noch mehr geben? Konnten wir doch eine gemeinsame Zukunft haben? Und wenn ja, wie sollte die aussehen?
Solange die Vaterschaft von Isa nicht ganz geklärt war, brauchte ich mir wirklich keine Gedanken darüber machen.
Ich wollte nicht das Sam sich gezwungen sah das Kind einer anderen Frau zu ertragen, oder sich sogar mit darum zu kümmern wenn wir ein Paar wären. Vermutlich würde ihr das immer und immer wieder wehtun!Nein, das war also erst mal keine Option.
Aber vielleicht konnte man mit einer Freundschaft beginnen? Ein zartes Band wieder knüpfen?Naja, nach der Aktion vorhin konnte ich mir das wohl kneifen.
Zoey hatte vollkommen recht damit das Sam mir das ganz sicher niemals verzeihen würde. Erst recht nicht wenn sie sich an damals erinnern würde.
Ich war mir ziemlich sicher, das ich ihre Liebe für immer verloren hatte...
War das schlecht?
Ja, es war schlecht! Verdammte Scheiße!
Was tat ich eigentlich hier?
Ich dachte über mein Leben nach ohne daran zu denken wie es für Sam war, was sie fühlte, dachte.
Egoistisch von mir, ja. Aber ich konnte sie nicht noch einmal aus meinem Leben verschwinden lassen. Niemals wieder. Auch wenn es nur als Bekannte waren.Wieder in der WG angekommen, erfuhr ich das Sam weg war. Sie wollte spazieren hatte sie behauptet.
Logisch, sie ging mir aus den Weg. Ich konnte nur hoffen, das es ihr gut ging.

Samantha:

ich lag noch eine ganze Weile auf dem Boden und heulte mich aus. Doch irgendwann reichte es mir. Ich musste nach vorne blicken und die Vergangenheit hinter mir lassen. Außerdem nahm ich mir fest vor, das ich ihm morgen am Strand sagen würde, das ich noch alles wusste. Nun war mir seine Reaktion so herzlich egal, wie als würde ein Vogel am Himmel fliegen. Er ging mir am Arsch vorbei!
Oh ja, ob man es glaubt oder nicht, aber auch ich konnte eine gute Maske aufsetzen. Und vor allen konnte ich wahnsinnig gut spielen! Besser als er e vermutlich jemals könnte!
Ich war einfach zum spielen geboren. Dabei bezog ich auch mit ein, das man anscheinend gerne mit mir spielte.
Dagegen musste ich unbedingt etwas tun. Ich konnte nicht einfach herum sitzen und Däumchen drehen. Es musste etwas geschehen. Und zwar schnell!
Sobald ich mich einigermaßen wieder in Ordnung gebracht hatte, zog ich mich um.
Eine kurze Jeans die bis zur Hälfte der Oberschenkel ging und ein stinknormales T-Shirt mit riesigen Katzenaugen in Höhe der Brüste, war perfekt. Dazu einfach Sneakers und auf ging es!
Nun würde ich mich neu entdecken. Wieder ein mal, dachte ich zynisch und musste lächeln als ich meine Handtasche nahm. Naja eher meine Umhängetasche. Sonne Handtaschen wie diese Püppchen sie immer nahmen war nicht so mein Ding, aber vielleicht sollte ich damit beginnen.

Nur brauchte ich zuerst einen starken Kaffee. Wie gut das wir einen Coffeeshop schräg gegenüber hatten.
Dort führt mich mein Weg als erstes hin.
Als ich endlich an der Reihe war, lächelte ich den Verkäufer, der echt verdammt heiß war, freundlich an und bestellte einen Latte.
Er grinste mich an.
„Mit viel Sahne?“, fragte er in Flirtmanier. Ich erwiderte sein grinsen sofort und nickte.
„Mit viel Sahne, die ich schön schlucken kann“, ging ich ganz auf den Flirt ein. Auch wenn ich seit Raph keinen anderen Kerl im Bett gehabt hatte, so hatte ich doch gelernt zu flirten. So richtig zu flirten.
„Schluckst du denn immer?“, fragte er nun etwas heiser. Hatte ich diese Wirkung auf ihn? Nicht schlecht!
„Natürlich. Man soll doch nichts von der Sahne am Latte verschwenden“, lächelte ich verführerisch. Ich sah ihn schlucken und musste mir das Lachen verkneifen. Vielleicht war ich ja doch gar nicht mal so hässlich.
Grinsend bezahlte ich und setzte mich an einen Tisch beim Fenster. Immer wieder bemerkte ich seinen Blick und erwiderte diesen genüsslich.
Ja, es tat echt gut mal solche Aufmerksamkeit zu bekommen.

Chapter 8

Ich hatte meinen Latte fast schon fertig, als der Typ sich zu mir setzte.
„Hi, ich bin übrigens Rick“, stellte er sich vor und hielt mir seine Hand hin, die ich lächelnd ergriff.
„Samantha, aber alle nennen mich nur Sam“, erwiderte ich und trank noch einen Schluck.
„Du bist neu hier, oder? An so ein süßes Gesicht und so ein freches Mundwerk würde ich mich immer erinnern.“
Ich nickte bestätigend.
„Oh ja, bin ich. Grade mal eine knappe Woche hier in New York.“
„Dann hast du bestimmt noch nicht so viel gesehen.“
„Stimmt leider. Dabei hatte ich mich so gefreut“, seufzte ich und stellte die Tasse ruhig ab. Er war echt heiß man!
Blonde Haare, grüne Augen und ein verführerisches Lächeln. Ich spürte ein kribbeln in meinen Bauch, was sich immer weiter ausbreitete. Was passierte da grade?
„Wie wäre es, wenn ich dir die Stadt ein wenig zeige? Ich wohne schon immer in New York und kenne mich bestens aus!“, bot er grinsend an und sah mir unverwandt in die Augen.
„Ja, gerne! Darüber würde ich mich sehr freuen. Wie wäre es, wenn du mir deine Nummer gibst? Dann rufe ich dich morgen an und wir können was ausmachen“, meinte ich und freute mich schon jetzt riesig darauf.
Ich nahm mein Handy heraus und reichte es ihm damit er die Nummer einspeichern konnte.
Als ich rauf sah als was er sich eingespeichert hatte, musste ich leise lachen.
„Dein Ernst?“, fragte ich neckisch.
„Etwa nicht richtig?“, fragte er keck zurück und lehnte sich entspannt zurück.
„Doch, doch. Stimmt schon so.“ Ich trank meinen Latte aus und stand auf.
„Ich hoffe wir sehen uns ganz schnell wieder“, meinte er zum Abschied nachdem er sich ebenfalls erhoben hatte. Ganz galant nahm er meine Hand und hauchte einen Kuss auf den Handrücken. Ich kicherte.
„Ja, das hoffe ich auch. Aber eigentlich weiß ich es schon. Immerhin habt ihr auch Sonntags auf und ich brauche meinen Latte“, grinste ich nur, doch er seufzte.
„Ja, aber Sonntags arbeite ich nicht.“
„Oh, ach so. Naja dann hast du doch morgen nichts vor, stimmts?“, fragte ich süß und legte den Kopf schief.
Seine Augen begannen übermütig zu funkeln.
„Was genau schwebt dir vor?“
„Meine Mitbewohner und ich fahren morgen an einen Strand und vielleicht hast du ja auch Lust auf eine Abkühlung?“ Ein kurzer Blick nach unten von mir, ließ ihn noch mehr grinsen.
„Oh ja, eine Abkühlung in deiner Nähe muss wohl sein. Gut, sag mir heute Abend Bescheid welches Gewässer und ich werde da sein! Versprochen, Querida.“
„Super, bis später dann, Haselatte“, grinste ich. Ja, mit diesen Namen hatte er sich ins Handy eingespeichert. Unglaublich, aber auch total süß.

Mein Weg führte mich nun weiter durch die Stadt, wobei ich natürlich ganz penibel darauf achtete, mich nicht zu verlaufen. Wäre ja auch noch schöner, dachte ich seufzend und betrat ein Einkaufscenter. Da wir es jetzt kurz nach ein Uhr am Nachmittag hatten, tummelten sich die Leute bei den ganze Essstationen. Ihr kennt das ja sicherlich.
Mein Magen knurrte allerdings noch nicht und so konnte ich die Geschäfte unsicher machen.
Nachdem ich dann in fünf Läden war und schon genauso viele Tüten in meinen Händen hielt, bekam ich allerdings dann auch Hunger.
Bei einen kleinen Bistro mit Salaten und leichter Kost war nicht so viel los. Naja, die Leute ernährten sich eben lieber von Fastfood und schadeten so nicht nur ihrem Aussehen, sondern auch ihre Gesundheit ganz allgemein.
Für mich gab es einen Salat mit Hähnchenstreifen.
Ein super leckeres Essen, was nicht sofort auf die Hüfte ging, gesund war und auch reichlich satt machte.
Mein Blick schweifte durch die Menge und blieb an einer bestimmten Olle hängen.
Es war keine geringere als Madlene, in Begleitet eines ziemlich gutaussehenden Kerls. Die Kleine sah ich allerdings nirgends.
Ich beobachtete die beiden eine ganze Weile und mir vielen fast die Augen aus dem Kopf als ich sah, wie die beiden sich küssten. Es war nur ein kleiner Kuss aber auch noch danach hielten sie sich an den Händen und wirkten schon sehr verliebt.
Ob Raph davon wusste?
Naja, eigentlich ging es mich ja nichts an, aber neugierig war ich nun mal.Rasch bezahlte ich mein Essen und lief den beiden unauffällig hinterher. Ja, ich weiß, ich und unauffällig? Das passte nicht!
Und jeder der jetzt so dachte, hatte vollkommen recht!

Mit den fünf Tüten in den Händen kämpfe ich mir meinen Weg durch die Menschenmassen regelrecht frei und musste dabei auch noch die beiden im Auge behalten. Immer wieder blieben sie stehen und küssten sich.Gott, wie sauer sie mich machte!
Ganz sicher war nun, das sie nur mit Raph spielte!Und ganz egal was er vorhin gesagt hatte und was er noch sagen oder tun würde, DAS hatte selbst er nicht verdient.
Himmel, jetzt dachte ich auch noch so etwas! Aber es war doch wirklich so!
Als das Pärchen dann in einen Unterwäscheladen verschwand, ging ich ganz normal hinein. Tja, ich brauchte auch was neues also nutzte ich die günstige Gelegenheit.
Ich sah mir grade sündhaft scharfe Teile an, die mehr zeigten als sie verbargen, und sah aus dem Augenwinkel wie Madlene in die Umkleide ging und nur eine winzige Minute später der Kerl hinterher!
Die würden doch wohl nicht...?
Ich wurde leicht rot bei dem Gedanken und sah dann auch schon wie der Vorhang sich verdächtig bewegte.Okay, das war echt zu viel für mich. Schnell nahm ich die drei Teile in meiner Hand, ging damit zur Kasse und bezahlte schnell.
Um nichts in der Welt würde ich sie jetzt noch weiter verfolgen!
Nein, niemals! Das war doch einfach mal abartig. Jedenfalls für meinen noch eher sensiblen Geschmack in diesen Bereich.
Ich suchte mir draußen einen Platz auf einer schönen alten Holzbank und atmete tief durch. Sollte ich Raph davon erzählen? Oder lieber schweigen und es als meine kleine Rache für seine Worte sehen?
Man, warum musste nur alles so kompliziert sein?
Mein Blick fiel nun auf die neue Tüte in meiner Sammlung und ich hielt den Atem an.Verdammt, was hatte ich denn da gekauft?
Ob ich es umtauschen sollte...nein, entschied ich schnell. Warum sollte ich mich nicht auch mal an so etwas trauen? Und vielleicht würde Raph es ja durch „Zufall“ sehen und ich glaubte, das es ihm gefallen könnte.
Oh ja, das war doch super. Und ich sollte mir auch endlich mal ein wenig was gönnen. Verdient hatte ich es mir.
Und ob ich es Raph sagen würde, was seine ach so tolle Freundin trieb, im wahrsten Sinne des Wortes, blieb noch ab zu warten.

Erst als es so langsam dämmerte ging ich zurück. Oder versuchte es jedenfalls. Natürlich wusste ich den Weg nach meiner pikanten Entdeckung nicht mehr!
Seufzend holte ich mein Handy raus. Wen sollte ich am besten anrufen? Miguel? Zoey?
Nein, ich entschied mich für Rick!
„Joh, was geht?“, fragte er schon nach dem zweiten Klingeln.
„Hey, Sam hier! Die mit dem frechen Mundwerk“, grinste ich und hörte ihn lachen.
„Was gibt es, mein Kätzchen?“
„Naja, wie soll ich es sagen....“, begann ich verlegen und seufzte.
Toll, er musste ja sonst was von mir denken!
„Du hast dich verlaufen und brauchst Hilfe“, erriet er sofort und ich könnte wetten, das er in diesem Moment lachte.
„Du hast er erfasst“, stimmte ich zu und fühlte mich echt unwohl. Nicht wegen ihn, nein, um Himmels Willen!
Nein, es lag daran da sich mich hilflos fühlte. Wie damals als ich Gab verlor und dann noch mal als ich die ganze Wahrheit erfuhr.
„Kein Problem. Was ist denn bei dir so in der Nähe. Irgendwas auffälliges.“
Gut, das war leicht! Es gab bestimmt nicht tausend Center mit dem gleichen Namen. Also nannte ich ihm diesen.
„Okay, gib mir 15 Minuten und ich bin bei dir. Warte einfach am Haupteingang!“ Und schon hatte er aufgelegt. Lächelnd steckte ich das Handy weg und sah mich um. Ja, das war der Haupteingang, also konnte ich hier bleiben.
Und 15 Minuten konnten wirklich schnell vergehen.

Ich wollte grade wieder auf die Uhr schauen, als ein weißer Porsche vor mir hielt und hupte. Erst beim zweiten Blick erkannte ich Rick am Steuer und ging zu ihm.
„Heißes Auto“, begrüßte ich ihn. Wieder lachte er und sofort spürte ich wieder dieses Kribbeln.
„Danke! Ist auch nur für dich reserviert ab sofort.“ ich wurde knallrot und sah ihn etwa unsicher an.
„Ähm, danke“, murmelte ich nur.
„Hey, denk jetzt bloß nichts falsches, mein Kätzchen“, grinste er und fuhr los. Ich nannte ihm die Adresse, die ich mir Gott sei Dank schon eingeprägt hatte, und in Null Komma nichts waren wir dort.
„Willst du auf nen Kaffee mit hoch kommen?“, fragte ich der Höflichkeit halber, aber auch weil ich ihn noch nicht gehen lassen wollte.Ich fühlte mich in seiner Nähe ganz einfach sehr wohl.
„Gern, aber eigentlich mag ich lieber nen Latte!“ Gott, er ließ wirklich keine Chance ungenutzt. Das fand ich sehr amüsant.Wir gingen nach oben und schon gleich als ich die Tür aufschloss, überfiel Zoey mich.
„Gott, Sam, wir haben uns Sorgen gemacht“, plapperte sie drauf los und musterte dann erst Rick. In der nächsten Sekunde grinste sie frech.
„So so, wir machen uns Sorgen und du reißt dir einen solchen Adonis auf.“
Erschrocken schnappte ich nach Luft.
„Aber, das...ich...“, stammelte ich und spürte das Rick mir einen Arm um die Schultern legte.
„Problem damit?“, fragte er wie immer keck und Zoey schüttelte den Kopf. Ich zog ihn einfach energisch am Arm zu meinem Zimmer, verschwendete auch keinen Blick mehr woanders hin. Mir doch egal was die nun alle dachten. Zoey würde ganz sicher nicht den Mund halten, was ich auch stückweise als Kompliment empfand.
„So, hier wohnst du also. Recht gemütlich. Aber man sieht, das du noch nicht lange hier bist“, stellte er fest und setzte sich aufs Bett.
„Mh, stimmt schon. Einiges muss ich noch tun, aber alle meine Sachen sind auch noch nicht hier“, murmelte ich nur und setzte mich zu ihm.
„Danke das du mir geholfen hast. Ich wusste einfach nicht, an wen ich mich sonst wenden sollte.“
„Nicht mal die Kleine von eben?“
„Naja, solange kennen wir uns auch noch nicht.“
„Das heißt aber auch, das du mir vertraust“, lächelte er und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Meine Haut fühlte sich plötzlich so erhitzt an und ich musste weg sehen. Gott, wie peinlich!
„Hey, ich tue dir schon nichts, Kätzchen. Und ich versuche jetzt auch nicht dich zu vernaschen. Naja, also es ist nicht so, als ob ich es nicht wollte. Jeder Kerl der Augen im Kopf hat würde das wollen...ähm was ich sagen wollte...Shit, ich hör mich wie ein Idiot an, oder?“, grinste er schief und kratzte sich am Kopf.
Ich hob den Kopf wieder, schüttelte ihn und gab ihn einen Kuss auf die Wange.
„Ich finde es echt süß von dir, Rick.“
„Und ich finde dich süß, mein Kätzchen“, hauchte er und gab mir ebenfalls ein Kuss auf die Wange. Naja, eher war es fast mein Hals und genau in dem Moment kam Raph rein.
Er blieb wie erstarrt stehen und seine Augen wurden immer größer.

Kapitel 9

Sofort löste ich mich von Rick und starrte Raph ebenso überrascht an wie er mich.
„Was soll das denn?“, fragte er mit scharfer Stimme und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Was soll was? Ist doch mein Zimmer, oder irre ich mich da?“ fragte ich spitz zurück. Neben mir spürte ich wie Rick sich anspannte.„Und wer ist das?“, fragte er mich und ich sah kurz zu ihm.
„Nur mein bescheuerter Ex“, rutschte es mir raus und sofort knallte ich die Hand auf den Mund.
FUCK!
Jetzt hatte ich mich verraten!Ich habe ja echt mit vielen gerechnet. Das er mein Tagebuch finden und lesen würde, das er ein Telefonat mit anhören würde...Aber doch niemals das ich es so lapidar selbst sagen würde! Ich hatte es mir so schön überlegt. In einen heftigen Streit, der bei uns ja nie ausblieb, wollte ich es ihm an den Kopf knallen!Und nun?
Jetzt war es mir einfach mal so raus gerutscht...
„Du wohnst mit deinem Ex in einer WG? Respekt, mein Kätzchen. Dann muss er dich ja echt sehr kalt lassen.“Ich sah zu Raph und wie er mich nun gleichermaßen verblüfft und zornig ansah. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und stürmte hinaus. Die Tür fiel krachend ins Schloss.
„Mh, er scheint nicht so gut wie du damit umgehen zu gehen“, überlegte Rick laut und ich konnte ihm ja nur zustimmen.Irgendwie vertraute ich Rick schon jetzt und erzählte ihn mit kleinen Sätzen, was ich mir hier überlegt hatte.
„Oh, na das ging dann jetzt den Bach runter, Kätzchen. Er ist sicherlich ziemlich sauer.“
„Mir egal! Du hättest nur mal hören müssen was er heute Vormittag von sich gegeben hat! Das war einfach nur widerlich und ordinär gewesen!“, brauste ich auf und schritt im Zimmer auf und ab. Ich konnte einfach nicht mehr ruhig bleiben.
Raph sein Blick...
Er war so eiskalt gewesen. Und so voller Hass.
Aber warum? Er war doch derjenige gewesen, der vor zwei Jahren einfach verschwand. Der sich bei niemanden gemeldet hatte!
So ein aaagggrrrrr!!!
Da fehlten mir echt die Worte! Machte er jetzt einen auf Moralapostel? Das konnte er getrost vergessen. Niemand würde es ihm abnehmen. Und ich am wenigsten!
Wozu auch? Er war ein Idiot aller erster Güte!Und ich war noch immer in ihn verliebt!

Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag in den Magen und ließ mich nicht nur innerlich erstarren.Sämtliche Farbe wich aus meinem Gesicht und ich ballte die Hände zu fäusten.Ich war noch immer in ihn verliebt?Warum?Warum musste das ausgerechnet mir passieren?
Warum nicht einer anderen Tussi. Eine die es auch verdient hatte!Natürlich musste mir das passieren. Wie hätte es auch anders sein sollen? Ich liebte diesen Idioten, diesen Neandertaler noch immer. Ja, ich hatte nie damit aufgehört und tief in meinem Inneren immer noch gehofft, ihn zu finden.Und darum hatte ich mich auch auf keinen Einlassen können! Weil dieser Spast in meinem herzen war!So eine verdammte Scheiße!Daran musste ich sofort etwas ändern.
Irgendwie musste es doch möglich sein, sich auch wieder zu entlieben. Oder? Ja, eigentlich sah man das ja ständig. Und nach allem was Raph getan hatte, müsste es mir auch nicht sonderlich schwer fallen dies zu tun. Nur müsste ich dazu wissen, wie es funktionierte. War ja nicht alltäglich das man so etwas wollte. Oder eben durch führte. Aber ich wusste einfach, es ging! Es musste gehen.
Nachdem ich mir das in meinem wirren Kopf zurecht gelegt hatte, fühlte ich mich gleich viel entspannter und gelöster. Mein herz beruhigte sich allmählich wieder und ich lächelte.
„Und was hast du nun vor?“, fragte Rick mich. Ich blieb stehen, sah ihn an und seufzte schwer.
„Keine Ahnung um ehrlich zu sein. Bis eben dachte ich noch, es würde sich gut anfühlen, wenn er raus finden würde, was ich getan habe. Nun weiß ich, das es sich kein Stück gut anfühlt. Eher so, als habe ich eien Sünde begangen. Und dabei ist er doch ganz alleine Schuld!“
Ich ließ mich neben Rick aufs Bett fallen und starrte an die Decke. Plötzlich tauchte Rick über mir auf.
„Und wenn wir ihn eifersüchtig machen?“
Ich starrte ihn eine ganze Weile an, ehe ich noch schwerer seufzte.
„Sowas habe ich damals mit seinem besten Freund auch getan. Am Ende war es ganz gut, da er endlich ehrlich zu mir und mir seine Liebe gestanden hatte. Jetzt hätte es vermutlich keinen Effekt mehr.“
Er runzelte die Stirn und strich mir über die Wange.
„Und wenn wir nicht nur so tun als ob?“, flüsterte er und ein Schauer lief über meinen Rücken.
„Wie meinst du das?“, wisperte ich nur leise und hielt fast die Luft an.
„Nun, ich find dich echt hübsch. Du bist lieb, lustig und scheinst auch sehr sinnlich zu sein. Ich mag dich jedenfalls schon jetzt.“

Meine Wangen färbten sich in einen sanften Rot und ich musste ihm einfach weiter in die Augen sehen.Ich war wirklich wie gebannt von ihnen, schluckte leicht und biss mir auf die Lippe. Sofort strich er mit seinen Daumen darüber und ich ließ ab davon mir auf die Lippe zu beißen.„Das solltest du nur tun, wenn du unbedingt willst, das ich dich küsse.“ Seine Stimme klang rau und fesselte mich.„Dann tu es doch einfach“, hauchte ich, legte eine Hand in seinen Nacken und zog ihn noch weiter zu mir runter, doch er legte seine Lippen nicht auf meine.
„Ich weiß das klingt jetzt etwas komisch, aber so will ich das nicht. Der erste Kuss zwischen zwei Leuten sollte imemr was besonderes sein. Und im Moment bist du noch von deinem Ex so aufgewühlt“, sagte er lächelnd und gab mir nur einen Kuss auf die Stirn.
Gott, dieser Kerl war wirklich Zucker! In so einen musste man sich doch unweigerlich verlieben, oder?
Ich konnte es mir jedenfalls für michs elbst mehr als nur gut vorstellen!
„Weißt du eigentlich, wie toll du bist?“, grinste ich und wir setzten uns wieder auf. Er lachte vergnügt.
„Ich habe es schon das ein oder andere mal gehört, ja!“, gab er zur Antwort und stupste mich an der Nase. Ich krauste diese kurz und kicherte.
„Und eingebildet bist du wohl auch nicht?“„Niemals!“, erwiderte er feierlich und zeigte zwei Finger hoch.
„Dann ist ja gut! Aber ich muss dich leider bitten jetzt zu gehen. Ich muss noch alles für morgen packen!“Theatralisch fasste er sich an die Brust über seinem herzen.„Autsch! Das tut echt weh. Nur weil du keinen Kuss bekommst, muss ich jetzt wohl gehen“, scherzte er und ich bekam mich vor lachen kaum noch ein.
„Da hast du leider recht. Die Bedingung um hier bleiben zu dürfen, wäre ein Kuss“, versuchte ich ernst zu sagen, wischte mir dabei aber die Lachtränen weg.
„Okay...“, sagte er daraufhin lächelnd, beugte sich vor und gab mir wieder einen Kuss auf die Stirn. Ich sah ihn überrascht und fragend an.
„Du hast nicht gesagt, wo und wie du den Kuss willst“, zwinkerte er und stand auf. Oh man, ja er hatte recht damit! Wie dumm von mir.

Ich grinste, stand auch auf und schlang meine Arme um seinen Hals. Meine Brüste wurden fest an ihn gepresst und ich spürte wie sein Herzschlag sich beschleunigte.
„Zweite Bedingung!“„Hey, davon war keine Rede!“, grinste er ebenso und legte seine Hände an meinen Po, nur um mich weiter an sich zu drücken.
„Ich weiß. Aber da es mein Zimmer ist, darf ich auch immer wieder neue regeln aufstellen.“
„Okay, eins zu null für dich“, zwinkerte er.
„Und was ist deine Bedingung?“
„Mich lieb haben...“
„Nun, das ist nicht schwer. Du bist wirklich süß und man muss dich einfach sofort lieb haben...“„Gute Antwort. Du darfst bleiben. Sofern es dich nicht stört, das ich jetzt duschen gehe.“Er schüttelte den Kopf und ließ mich wieder los. Dann setzte er sich wieder aufs Bett.
„Dann mal los, Kätzchen.“Lachend nahm ich mein Handtuch, zwinkerte ihm noch einmal zu und verließ mein Zimmer um ganz in Ruhe duschen zu gehen.
Hätte ich gewusst, das Raphael nur auf eine solche Gelegenheit gewartet hatte, wäre ich im Zimmer geblieben. Aber so war das Leben nun mal. Man konnte nie wissen was vorher passierte, bis es dann endlich geschah.
Ich zog mich rasch aus, stellte mich unter die Dusche, drehte das Wasser auf und entspannte mich sofort.
Müde schloss ich die Augen und genoss einfach nur, das heiße Wasser auf meinen ohnehin schon erhitzen Körper zu spüren.
Es war wundervoll entspannend und belebend. Ich spürte gleich, wie sich meine Lebensgeister zur neuer Kraft erhoben.

Mit geschlossenen Augen griff ich nach dem Duschbad und spürte plötzlich eine nackte, männliche Brust unter meinen Fingern.
Entsetzt riss ich die Augen auf und starrte Raphael in die Augen.
„Raus hier, perverso Alien!“, sagte ich angefressen, doch er schüttelte nur den Kopf.
„Wir haben zu reden, Fräulein!“, sagte er eiskalt und ich kam mir nicht nur äußerlich ziemlich nackt vor.
„Falls es dir entfallen sein sollte, und das ist es anscheinend, bin ich unter der Dusche. Nackt. Ich bitte dich also, nach draußen zu gehen!“, erwiderte ich nur gereizt und sah ihn bitterböse an.
„Und? Ich hab dich doch schon nackt gesehen.“
„Da war ich noch ein halbes Kind. Man kann es also nicht vergleichen!“„Also wie ein Kind hast du nicht reagiert, Sam“, schmunzelte er ohne jegliche Emotonen in den Augen. Genauso gut hätte ich vermutlich mit einer Wand reden können.
Obwohl...
Das wäre der Wand gegenüber unfair. Die konnte ja wenigstens einen gewissen nutzen vorweisen.
„Aber du hast mich davor und danach so ziemlich wie ein Kind behandelt“, hielt ich ihn vor Augen und zog eine Augenbraue hoch.Plötzlich musterte er mich ganz genau und ich hielt den Atem an. Gott, was fiel dem bloß ein? Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn wütend an.
„Bist du bald fertig? Geh bitte!“, versuchte ich es ganz ruhig, aber nur äußerlich.
„Noch nicht ganz, aber gleich“, raunte er, zog mich plötzlich an sich und seine Lippen fanden sich auf meinen wieder.

Raphael:

Ich konnte ganz einfach nicht mehr widerstehen. Früher war sie schon wirklich heiß gewesen, aber jetzt...
Jetzt war sie reinster Sex!Ein Blick in ihre wunderschönen Augen genügte und es war wieder um mich geschehen. Doch im Hinterkopf hatte ich auch den Gedanken, das sie mich, seit sie hier war, nur verarscht hatte.
Da verwunderte es mich auch nicht, das mein Kuss nun nicht sanft, sondern hart ausfiel. Ich hielt nichts von meiner verzehrenden Leidenschaft für sie zurück und presste ihren nassen, heißen Körper an mich.
Sie wollte es nicht, das wusste ich genau, doch sofort stöhnte sie auf und schmiegte sich leicht an mich.
Eine gewisse Genugtuung überkam mich und ich grinste in den Kuss hinein.
Meine Hände lagen auf ihrem Po und ich spürte, wie sehr es mich selbst erregte.
Zweifelsohne hatte sie in den letzten zwei Jahren reichlich Erfahrung gesammelt. Und wenn ich daran dachte, wurde er sofort steif. Also versuchte ich an etwas anderes zu denken und vertiefte den Kuss noch.
Leider hatte ich nicht mehr ihren Willen bedacht.
Ganz plötzlich stieß sie mich weg, schnappte sich ein Handtuch und ging zur Tür. Ganz als wäre nichts geschehen!
„Sam!“ Sie blieb stehen, drehte sich allerdings nicht rum.
„Warum hast du das gemacht?“
„Was?“, fragte sie und ich starrte ihren Rücken an.
„Warum du so getan hast, als würdest du dich nicht mehr an mich erinnern“, wollte ich wissen und spürte, wie mein Herz noch schneller schlug.
„Weil mein Herz sich nicht an dich erinnern will. Und mein Kopf auch nicht! Für mich bist du keine Erinnerung mehr wert, nachdem du einfach verschwunden bist“, erklärte sie mit zitternder Stimme und ich spürte, wie sich mein Herz verkrampfte.
„Was willst du damit sagen?“
Sie sah über die Schulter zu mir.
„Das du für mich nicht mehr existierst. Du bist nichts weiter als jemand, den ich früher einmal geliebt habe. Jemand, der eine Weile in meinem Herzen war und den ich vor zwei Jahren wieder daraus verbannt habe!“
Dann war sie schon aus dem Bad verschwunden und ließ mich verzweifelt zurück!

 

Kapitel 10

Nach diesem denkwürdigen Auftritt glaubte ich jetzt auch, dass ich Schauspielerin werden könnte. Was nur dagegen sprach, war mein wild klopfendes Herz und die schweißnassen Hände. Auch nicht zu verachten war der brennende Schmerz in meiner Brust, der mir das Atmen deutlich schwerer machte.
Ja, es war für mich nicht leicht gewesen Raphael diese, gelogenen, Worte zu sagen. Und noch weniger, ihn dabei anzusehen. Es war einfach nur die reinste Hölle. Und es würde sich auch so schnell nichts ändern.
So war es jedoch am besten für alle Beteiligten. Wenn er mich nun hassen würde, würde es ihm leichter fallen, mich zu vergessen.
Und das sollte er doch. Ich hatte mir nämlich überlegt, dass es für uns eh keine Zukunft geben konnte. Es sollte einfach nicht sein.
Inzwischen war mir vollkommen klar, warum er gegangen war.
Er hatte mich nie geliebt, auch wenn er behauptete, ich sei seine große Liebe gewesen. Er hatte gleich nach mir eine andere gehabt und die hatte nun mit ihm ein Kind.
Einen anderen Schluss konnte man doch gar nicht aus allen Informationen ziehen. Und das tat immer mehr weh. Es brannte in meinen Herzen und auf meiner Seele.
Vermutlich hätte ich das an sich auch wirklich noch verkraften können, gebe es da nicht etwas von vor zwei Jahren, das alles geändert hatte.
Etwas, das Raphael- sollte es nur nach mir gehen- niemals erfahren würde.
Dazu wäre er auch gar nicht bereit. Oder es würde ihn vollkommen kaputt machen. Er war jetzt Vater und hatte eine große Verantwortung für sein Kind, was meinen Schmerz nur noch vergrößerte.
Ein Kind mit Raphael...

Nachdem ich etliche Male sehr tief ein und aus geatmet hatte, ging ich wieder in mein Zimmer zu Rick. Das Handtuch hatte ich nun richtig fest um mich geschlungen und sah ihn krampfhaft lächelnd an.
„Alles okay?“, fragte er sofort und ich musste innerlich wirklich lächeln. Er schien ein feines Gespür zu haben. Ein tröstlicher Gedanke...Ich nickte und setzte mich zu ihm.
„Ja, alles klar soweit“, bestätigte ich dann noch mit Worten, fuhr mir durch das nasse Haar und seufzte leicht.
„Okay, wenn du das sagst, wird es wohl stimmen.“ Wieder nickte ich und sah ihn an.
„Genau. Hast du Lust, heute noch etwas zu machen? Oder wollen wir es bei dem Badeausflug morgen belassen?“, fragte ich dann leise. Er strich mir sanft über die Wange und schüttelte den Kopf.
„Nein, ich kann leider nicht mehr sehr lange heute. Hab noch was zu tun. Aber ich freue mich schon sehr auf morgen. Den ganzen Tag mit einer so süßen Traumfrau zu verbringen, wird ganz sicher das Highlight des ganzen Sommers werden.“
Ich wurde ein wenig rot und senkte den Blick.
„Schade, aber okay. Dann sehen wir uns ja morgen, du Traummann“, grinste ich dann wirklich amüsiert und stand auf.
„Komm, ich bring dich noch zur Tür. Nicht das du dich verläufst.“
„Als ob das möglich wäre. Ich habe einen wunderbaren Orientierungssinn“, neckte er mich, stand auf und reichte mir die Hand damit ich ebenfalls hoch kam. Fast wäre das Handtuch dabei verrutscht, doch er selbst hielt es an Ort und Stelle.
„Danke“, nuschelte ich und er winkte ab.
„Kein Problem. Und nun bring mich zu der so sehr zu verfehlenden Tür.“
Ich lachte leise und wir gingen genau dorthin, ohne uns zu verlaufen. Grinsend gab ich ihm einen Kuss auf die Wange und dann war er verschwunden.
Ganz schnell verkroch ich mich wieder ins Zimmer und legte mich in voller Länge aufs Bett.
Heute war ja auch schon wieder eine ganze Menge geschehen. Eine Menge, mit der ich noch nicht so ganz umgehen konnte.
Raphael kannte die Wahrheit jetzt leider schon nach einer knappen Woche, was für mich nun nicht wirklich gut war. Eigentlich hatte ich ihn ja noch schmoren lassen wollen.
Aber im Leben ging es ja eh niemals so, wie man es sich wünschte.

Die restliche Zeit des Tages verbrachte ich damit, über mein Leben nach zu denken. Zumindest ab den Zeitpunkt, wo ich Raph begegnet war. Und das war schon eine ganze Menge, obwohl wir ja gar nicht so viel Zeit zusammen hatten. In dieser Zeit war jedoch genug für ein ganzes Leben gepackt worden.
Und es gab einige Punkte, die keiner weiter wusste. Meine Familie wusste es natürlich, aber sonst niemand.
Sogar Miguel, er gehörte ja irgendwie dazu, kannte das Geheimnis.Und ganz unvermittelt wurde ich aus meinen Gedanken gerissen als es an der Tür klopfte.
„Samantha?“
Erschrocken setzte ich mich kerzengrade auf und starrte die Tür an.
„Mach die Tür auf, Sam!“, rief Raph weiter. Zitternd legte ich mich jedoch hin, zog die Decke über mich und schloss die Augen.Wenn er einfach so rein kommen würde, täte ich als würde ich schlafen. Heute wollte ich ihn nicht mehr sehen...
Und tatsächlich kam er herein und setzte sich sogar auf mein Bett. Im nächsten Augenblick spürte ich seine Hand an meiner Wange und wie diese eine Haarsträhne aus meinen Gesicht schob.
„Warum hast du das getan? Ich versteh es einfach nicht? Hasst du mich so sehr?“
Wenn ich jetzt nicht so getan hätte, als würde ich schlafen, hätte ich sofort mit ja geantwortet, da es die Wahrheit war. Naja und auch wieder nicht. Ich liebte ihn ja immer noch...
Nur würde ich es ihm nie sagen. Soweit kommt´s noch!„Sam...“, flüsterte er und ich musste mich wirklich beherrschen meinen Körper nicht anzuspannen.
„Es tut mir leid. Mehr als du jemals wissen wirst.“
Der Druck auf die Matratze verschwand und die Tür wurde geschlossen.Sofort riss ich die Augen auf und setzte mich kerzengrade hin.
Es tat ihm Leid? Was für eine Lüge. Wenn es ihm Leid tun würde, hätte er es gar nicht erst gemacht. Oder sich irgendwann von alleine gemeldet! Hatte er nicht, hieß also für mich, es tat ihm gar nicht leid!
Am liebsten hätte ich jetzt wieder geheult, aber das war er mir nicht mehr wert!
Eigentlich war er mir gar nichts mehr wert. Und doch gleichzeitig so viel.Verdammt, ich musste ihn endlich aus meinem Kopf bekommen. So ging das verdammt noch mal nicht weiter.
Aber ich hatte jetzt ja auch Rick. Bei ihm fühlte ich mich richtig wohl und vor allem auch gemocht. Er würde auch nicht einfach so für immer verschwinden, das hatte ich im Gefühl. Außerdem fühlte ich mich schon jetzt zu ihm hingezogen, was doch wirklich ein gutes Zeichen war.
Also, fasste ich selbst mal im Kopf zusammen: Raphael vergessen, verbannen, hassen; Rick kennen lernen, mögen, Gefühle zulassen!
Ja, so wurde es gut werden!

An diesen Abend kam ich nicht mehr großartig aus meinem Zimmer, aß nur einen Apfel und packte dann die Tasche für den morgigen Tag. Bei dem Gedanken Rick zu sehen, hellte sich meine Laune immer wieder auf. Auch wenn sie durch Raphs Stimme immer wieder runter gezogen wurde. Als letztes versüßte eine SMS von Rick mir die Nacht."
Ich werde morgen früh unten sein und dich bei mir mitnehmen. Irgendwie muss ich ja angeben können", schrieb er wodurch ich ein wenig rot wurde.
"Und ich freue mich, das ich dir helfen kann ;)", war meine Antwort. Dann sagte ich ihm noch wann wir los wollten und wünschten und eine gute Nacht.

Am nächsten Morgen erwachte ich zeitig genug, um duschen zu können, während noch alle anderen schliefen.Diese kurze Zeit nutzte ich wirklich gut. Ich machte das volle Programm an mir und legte besonderen Wert auf mein Aussehen. Okay ja, ich wusste dass Rick mich auch nicht zu Recht gemacht mochte, doch mir war es in dem Moment herzlich egal. Ich fühlte mich selbst dadurch einfach besser und darauf kam es doch wohl an!Als die anderen auch wach wurden, war ich schon in der Küche am Frühstücken. Selbstredend hatte ich für die anderen mitgedeckt. Selbst für Raphael. Das waren ganz einfach gute Manieren und nichts anderes.
Nicht im Traum wäre es mir eingefallen, mich nun so kindisch zu benehmen. Erst recht nicht ihm gegenüber. Dieser arrogante perverso Alien verdiente es nicht, dass man es so offen zeigte. Heimtückisch und hinterm Rücken, dass passte viel besser zu dieser Sorte von Kerl.
Zoey kam als erste in die Küche, schon vollkommen fertig angezogen und wie ich ganz dezent geschminkt.
„Guten Morgen, Süße!“, begrüßte sie mich gut gelaunt und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Morgen“, erwiderte ich ebenso heiter, auch wenn es zur Hälfte gespielt war. Sie bemerkte Gott sei Dank nichts davon, goss sich etwas Kaffee ein und setzte sich dann zu mir.„Verdammt, ich freu mich so auf heute“, sagte sie grinsend, ich nickte.„Ja, das wird ein toller Tag werden. Rick kommt auch hin“, erzählte ich lächelnd. Doch Zoey sah mich plötzlich neugierig an.
„Der Kerl von gestern? Dieser heiße Typ?“, fragte sie nach und ich nickte bestätigend. Fand sie ihn wirklich so heiß?
„Ui, das kann ja was werden. Ich hoffe nur, es wird nicht ausarten“, seufzte sie und sah mich grinsend an.
„Ausarten? Wie meinst du das?“, fragte ich nach und sie verdrehte die Augen.
„Na überlege doch mal. Rick steht auf dich. Raph steht auf dich. Und beide an einen Ort, wobei ich keine Zweifel habe, mit wem du deine Zeit mehr verbringen wirst.“ Sie zwinkerte mir zu und ich verstand endlich, musste ihr aber widersprechen.
„Falsch! Rick scheint auf mich zu stehen und Raph tut es ganz sicher nicht.“
„Dann liebt er dich eben! Ist doch auch vollkommen egal. Jedenfalls ist Raphael total eifersüchtig. Als er nämlich gestern aus deinem Zimmer kam, wo du mit Rick verschwunden warst, da sah er alles andere als happy aus.
Eher so, als würde er gleich jemanden die Kehle durchschneiden wollen. Er hatte mir richtig Angst gemacht“, gestand sie erschaudernd und nippte an den schwarzen Getränk. Sie trank ihn immer Schwarz, mit viel Zucker.
„Naja, begeistert war er nicht, das stimmt, aber ich glaube kaum dass er Ärger machen wird. Dazu hat er sich in der Vergangenheit einfach zu viel geleistet und er kennt meine Meinung dazu und über ihn. Falls er doch was machen sollte, weise ich ihn schon wieder in seine Schranken zurück. So geht das ja mal gar nicht“, stimmte ich zu und erklärte es sogleich. Und ich meinte es ernst.
„Und was hast du deswegen jetzt vor? Ich meine, ich kenne Raphael ja jetzt auch schon ein kleines Weilchen und kann mir eigentlich gar nicht vorstellen, dass er es einfach so auf sich beruhigen lassen wird. Er wird vermutlich noch richtig Stress machen“, provezeihte sie mir, was mich wohl eher noch mehr beunruhigte.
Auch ich wusste, dass Raph sich damit nicht zufrieden geben würde. Es hatte nämlich den Anschein, als würde er mich immer noch als die Seine sehen. Das war natürlich vollkommener Blödsinn, aber so tickte er nun mal.
Und kaum dachte ich an so etwas, tat er mir wegen seiner Freundin leid. Sie betrog ihn nach Strich und Faden und er bemerkte es anscheinend nicht mal.
Allerdings hatte ich auch nicht das Gefühl, als würden sie sich sehr nahe stehen. Mal ganz davon abgesehen, das sie kaum Zeit miteinander verbrachten. Jedenfalls war er jeden Tag der vergangenen Woche hier gewesen. Ich hatte ihn Frühs und abends immer gesehen. Und auch ab und zu mal am Mittag.
Vielleicht verband also nur das Kind die zwei miteinander. Das wäre natürlich eine ernste Sache, jedoch nicht mehr meine. Immerhin hatte mein...
Nein, energisch schüttelte ich bei diesem Gedanken den Kopf.
Ich wollte nicht daran denken oder daran erinnert werden. Es tat auch so noch genug weh. Und ich musste immer alleine damit klar kommen.

„Keine Ahnung“, zuckte ich die Schultern und trank meinen Kaffee aus.
„Aber darüber mache ich mir später noch Gedanken. Sind die anderen schon wach?“, wechselte ich schnell das Thema, und es funktionierte Gott sei Dank.
„Naja, Raph habe ich schon gesehen als ich aus dem Bad kam. Bei den anderen beiden bin ich mir nicht so sicher“, antwortete sie darauf kichernd. Ich grinste fies.
„Dann wird es ja Zeit, dass alle restlos wach sind“, sagte ich, ging mit Zoey ins Wohnzimmer, schaltete den Fernseher ein und stellte den Musiksender auf volle Lautstärke.
Der Bass dröhnte sofort los und Zoey und ich hielten uns die Ohren zu.

Kapitel 11

Wir spürten es mehr als das wir es hörten. Sofort standen alle drei Jungs vor uns. Ihre Blicke waren wütend und Miguel schaltete den Fernseher aus.
"Was soll die Scheiße denn?“, fragte er aufgebracht und sah sofort mich direkt an. Vermutlich wusste er, dass ich dahinter steckte. Nicht schlecht.
"Wir wollten nur, dass alle wach sind“, verteidigte ich mich. Zoey nickte sofort.
"Richtig. Bei euch Kerlen weiß man ja nie so wirklich, was man machen muss. Es war doch eine gute Idee. Und wenn man sich Kevin anschaut, weiß ich auch, dass Sam das Richtige getan hat“, stimmte sie zu und sah besagten Kevin grinsend an.Er stand mit zerzausten Haaren und nur in Boxer vor uns.
Auch Mig und Raph sahen zu ihm und grinsten ein wenig. Das lenkte meinen Blick sofort auf meinen Ex und etwas in mir zog sich zusammen. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr so gesehen. Lächelnd, mit Funkeln in den schönen Augen.Fuck! Und wieder hatte ich solch einen Schmarrn gedacht! So langsam sollte ich mein Gehirn mal genauer untersuchen lassen...
"Was denn? Noch nie nen halbnackten Kerl gesehen, den man mutwillig aus dem Bett geschmissen hat?“, gab er zurück und knurrte leise.
"Früher ins Bett gehen, würde ich vorschlagen“, kam es von mir und die anderen nickten bestätigend, doch Kevin schien das nur wenig lustig zu finden und sah uns wütend an.
"Ihr könnt gerne alleine fahren! Ich komm erst nach wenn ich ausgeschlafen haben“, murrte er, drehte sich um und verschwand wieder in seinem Zimmer. Neben mir seufzte Zoey laut.
"Tja, dann fahren wir also ohne ihn. Haben wir eben mehr Platz im Auto“, grinste sie mich an und ich zog die Schultern kurz hoch.
"Habt ihr sowieso. Rick nimmt mich mit seinen Wagen mit.“ Und wie sagte man so schön? Wenn man vom Teufel spricht ist er nicht weit!Genau in dem Moment klingelte es an der Tür. Ich öffnete schnell und wurde herzlichst von Rick begrüßt.„Guten Morgen, mein schöner Engel“, sagte er zwischen den zwei Wangenküssen und nahm meine Hand. Dann sah er Zoey und die übrigen an, grinste und nickte ihnen zu.
"Hast du alles?", fragte er dann wieder an mich gewandt und ich nickte zustimmend.
"Jups, alles fix und fertig gepackt. Von mir aus können wir gleich los. Wir müssen nur noch auf die Jungs kurz warten. Möchtest du solange einen Kaffee?" Bei dieser Frage spürte ich regelrecht Raphaels stählernen Blick auf mir. Er war ganz sicher nicht besonders begeistert...
"Gern, Kätzchen", grinste er weiter, folgte mir in die Küche und lehnte sich neben mir an den Tresen.
"Dein Ex scheint nicht sehr begeistert von mir zu sein. Wie er mich angesehen hatte...Brrrr...Da bekomm ich richtig Gänsehaut."
Ich sah ihn von der Seite, lachte herzlichst und goss ihm seinen Kaffee ein."Das ist ja nicht mein Problem, oder? Er war derjenige gewesen, der einfach verschwunden war. Ich kann ja nichts dafür, wenn ihn seine neue Freundin nicht ran lässt und er nun denkt, bei mir könnte er noch mal landen", zuckte ich die Schultern.
"Du hast also keine Gefühle mehr für ihn? Gar keine?" Rick zog eine Augenbraue hoch und ich schloss kurz die Augen, nur um sie dann wieder langsam zu öffnen und seinem Blick zu begegnen.
"Macht es mich zu einen schlechten Menschen, wenn ich dich jetzt anlüge?", fragte ich zaghaft. Rick schüttelte den Kopf, lächelte zärtlich und strich mir über die Wange.
"Nein, natürlich nicht. Es zeigt nur, dass du ein sehr großes Herz hast. Und das kann man leicht verletzen. Und ehrlich gesagt würde es mir auch ein wenig komisch vorkommen, wenn du keine Gefühle mehr für ihn hättest. Nach dem was du erzählst hast, habt ihr eine Menge durch. Und du hast ihn aufrichtig geliebt. Da wird er immer in einen kleinen Teil deines Herzens bleiben. Und irgendwie spüre ich deutlich, dass es da noch etwas gibt, von dem kaum jemand weiß und das dich mit ihm verbindet. Für immer..."
Erschrocken sah ich Rick an, fing sofort an zu zittern und umklammerte den Griff der Tasse richtig fest. Wie konnte er mich nur so leicht durchschauen? Und wie konnte er wissen, dass es da noch etwas gab, von dem Raph nie erfahren durfte? Er konnte es nicht wissen. Naja, nicht was es war. Nur dass er wusste dass da etwas war, machte mir Angst. Was war, wenn andere es auch sehen würden? Nein, das durfte niemals passieren.
"Ich hab wohl voll ins Schwarze getroffen, meine Süße. Keine Sorge, von mir kommt kein Ton. Jedenfalls solange er sich dir gegenüber benimmt. Und falls du mal jemanden zum Reden brauchst, ich bin für dich da."
Sofort sammelten sich Tränen in meinen Augen als ich daran dachte. Es war noch immer so wahnsinnig schmerzhaft, obwohl es fast zwei Jahre her war. Irgendwie hatte ich es wohl noch nicht ganz verarbeitet. Aber jeder der so etwas schon mal durchgemacht hatte, konnte mich wohl verstehen.
Dieser Schmerz würde niemals vergehen...


Hastig wischte ich mir über die Augen und setzte ein Lächeln auf.
"Danke, Rick. Ich danke dir wirklich...", flüsterte ich und ließ die Tasse endlich los. Nur leider wollte der Drang zu weinen nicht nach lassen. Ich spürte wie er die Arme um mich legte und an sich ran zog.
"Schhh, schon gut. Alles wird gut", flüsterte er mir ins Ohr, ich nickte einfach nur leicht. Ich betete dafür, dass er Recht behielt. Und das ich irgendwann doch mit Raphael abschließen konnte.Nach ein paar Minuten, und etlichen Tränen, löste ich mich von Rick und wischte mir fahrig über die Augen. Und genau im richtigen Moment, die Tränenspuren waren beseitigt und ich konnte wieder lächeln, tauchte Raph auf.
"Seid ihr fertig?", fragte er barsch und ich nickte nur seufzend. Vermutlich würde er sich wirklich niemals ändern und erwachsen werden. Aber ich musste es ja auch nicht ertragen. Nur seine Tochter tat mir unheimlich leid. Einen solchen Vater hatte sie keineswegs verdient. Nun ja, aber das war ja jetzt nicht mein Problem.
"Logisch! Also los geh!", triezte ich ihn und drängte mich dann, mit Rick an der Hand, an meinem Ex vorbei. Schnell gingen wir nach unten und luden alles in seinen Kofferraum ein. Ich freute mich wieder mit diesem Wagen zu fahren. Es war einfach ein Traum!Ich setzte mich nach vorne und schlug die Beine ganz elegant übereinander. Ganz so als wäre ich wirklich schon Ricks Freundin und würde einfach einen Ausflug mit meinem Freund unternehmen. Und nicht etwa mit einen mir fast vollkommen wildfremden Menschen zum Strand fahren.
Er setzte sich zu mir und ich lächelte ihn strahlend an, denn meine Laune war nun wieder ganz herrlich. Raphael konnte mir ganz einfach mal gestohlen bleiben. Schon früher hatte mich seine Art so sehr angekotzt. Und es hatte sich eben nicht verändert.
"Du kannst auch gerne Musik anmachen wenn du magst. Mich würde es echt nicht stören, mein Kätzchen" Wie lieb von ihm! Ich lächelte ihn liebevoll an, schaltete das Radio ein und lehnte mich entspannt nach hinten. Wir mussten noch auf die anderen warten und ich musste einfach für einen Moment die Augen schließen.


Als ich sie jedoch wieder öffnete, befanden wir uns doch schon tatsächlich am Strand! Ich bin voll eingeschlafen und hatte die ganze Fahrt verpennt. Rick sah mich an und schmunzelte.
"Mein Dornröschen. Schnarchst du immer so laut?", fragte er total unverblümt und ich schnappte nach Luft. Wie bitte?! Ich hatte geschnarcht??? Das durfte doch einfach nicht wahr sein?!
Doch plötzlich lachte er ausgelassen und ich wurde noch viel verlegender.
"Tut mir echt leid...ich wusste gar nicht, dass ich..." Weiter kam ich nicht, da er mir einen Finger auf die Lippen legte.
"Das war nur ein Scherz. Du hast geschlafen wie ein Baby und außer dein Atmen war nichts von dir zu hören. Wirklich süß..." Ich wurde jedoch nur noch verlegender. Das war mir so noch nie passiert. Wie schaffte er es nur, das ich mir so...niedlich...vorkam? Das war einfach ein Ding der Unmöglichkeit. genauso wie, dass ich schüchtern war oder dergleichen. So etwas gab es bei mir nicht. Eigentlich!
Er hatte es mit wenigen Sätzen jedoch geschafft.
Grade als ich etwas dazu sagen wollte, riss Zoey meine Tür auf und griff meinen Arm.
"Komm, wir suchen einen Platz. Die Jungs müssen dann alles tragen", kicherte sie und riss mich regelrecht aus dem Fahrzeug. Ergeben trottete ich ihr hinterher und seufzte einige Male. Bei jedem Mal sah sich Zoey zu mir um und sah mich fragend an, doch ich schüttelte immer wieder den Kopf.
"Das ist es!", rief sie plötzlich begeistert. Ich hob den Kopf, ich hatte die ganze Zeit nur auf den Sand gestarrt, und sah mich einer kleinen bucht gegenüber. Mit den Rauschen der Wellen und den Dünen war es wirklich toll hier. Außerdem waren wir auf einer Seite sogar durch einen Felsen vor Blicken geschützt.
"Ja, hier bleiben wir", stimmte ich zu und winkte die Jungs heran. Schnaufend kamen sie an.
"Gott, hättet ihr nicht noch weiter laufen können? Das ist hier ja am Arsch der Welt", beschwerte sich Miguel und brachte mich damit augenblicklich zum Lachen.
"Also eigentlich hatte ich dir ja mehr Ausdauer zugetraut", zwinkerte ich zweideutig und nahm Rick eine Decke ab die ich dann auf dem Sand ausbreitete. Komischerweise legte sich Raphael sofort daneben. Das wollte ich nicht!
"Das ist Zoeys Platz", teilte ich ihm unfreundlich mit, er jedoch blieb ungerührt, zuckte kurz die Schultern und machte es sich dann auf der Decke bequem. Ein Stück sogar auf meiner und Ricks! Das war doch nun wirklich pure Absicht!
"Raphael! Ich warne dich wirklich zum letzten Mal!"
"Sonst was, Püppchen?", fragte er kalt grinsend. Püppchen? Hatte ich mich da verhört? Wie konnte er es nur wagen?!?!?
"Du kleiner, erbärmlicher Hu..."
Weiter kam ich nicht, da er aufstand, mein Handgelenk packte und es mir auf den Rücken drehte.
"Wage es nicht das Wort auszusprechen, Sam. Ich kann wirklich viel mitmachen, habe auch kein Problem wenn du mich beleidigst, du kannst eben nichts anderes, aber wage es nicht, meine Mutter da mit rein zu ziehen! Sie war eine tolle Frau und du könntest ihr auch in tausend Jahren nicht das Wasser reichen, denn sie hatte Anstand und Stil. Nicht so billig wie du! Überlege dir also ganz genau welche Worte du in den Mund nimmst und wen du beleidigst! Und erst wenn du das überhaupt kapiert haben solltest, kannst du den Mund wieder aufmachen. Sonst kommt ja eh nur Müll raus", blaffte er mich eiskalt ab und stoß mich dann von sich. Mit einem kleinen Schrei, den hatte ich mir nicht verkneifen können, fiel ich auf den Po und zuckte bei dem unerwarteten Schmerz heftig zusammen.
"Raphael! Hast du sie noch alle? Du hast sie doch extra damit provoziert", mischte Zoey sich ein, während Rick mir hoch half und an sich drückte.
"Jetzt weißt du warum er mein Ex ist", zischte ich Rick zu und er nickte ernst schauend.Ich schüttelte den Kopf über dermaßen viel Dummheit die mein Ex jetzt besaß. Und wieder fragte ich mich, was ich jemals an ihm geliebt hatte. Da gab es doch nichts Liebenswertes!
Doch mein Herz schlug dennoch wild und übermäßig heftig bei der Erinnerung an seine Berührungen eben grad. Mir war total heiß und ich schluckte einen schweren Kloß runter.



Raphael.


Mein Herz schlug so schmerzhaft gegen den Brustkorb, das mir sogar das Atmen schon schwerer fiel. Ich musste hier weg. Weg von Sam. Weg von meinen Gefühlen für sie. Weg von alledem!
"Sorry...", nuschelte ich nur wenig ehrlich. Natürlich meinte ich es kein Stück so wie ich es gesagt hatte. Das würde mir auch noch fehlen. Ich meinte es ernst, dass sie meine Mutter nicht beleidigen sollte, doch ich hätte mich trotzdem anders benehmen können.
Ohne weiter drüber nach zu denken, zog ich mir Shirt und Hose aus- ich hatte ja die Badeboxer drunter- und rannte dann auch schon los. Am besten würde ich mich jetzt erst einmal im Wasser abkühlen gehen. Und so sprang ich kurz danach war ich in den Wellen verschwunden und schwamm schnell in tieferes Gewässer. Umso mehr Abstand vorhanden war, umso besser ging es mir auch wieder. Was Sam veranstaltete, war wirklich zu grausam. Wie hatte ich ihr das vor zwei Jahren nur antun können? Wie hatte ich sie betrügen können und dann einfach verschwinden?
Natürlich wollte sie sich an mir rächen. Vermutlich wäre es mir ganz genauso ergangen, doch das machte die ganze Sache nicht weniger Schmerzhaft. Ihre nicht Nähe nicht weniger unerträglich!Dabei wusste sie ja nicht mal etwas davon dass ich sie hintergangen hatte. Ja, es war Alkohol im Spiel, aber das war noch lange keine Entschuldigung für mein absolut respektloses Verhalten. Das ich einfach verschwunden war, sollte auch mir selbst als Strafe dienen, weil mir bewusst geworden war, dass ich jemanden wie Sam gar nicht erst verdient hatte. Sie war einfach zu gut für mich. Dennoch liebte ich sie noch immer und vermutlich würde es noch sehr lange dauern bevor es sich würde...
Damit musste ich leben und zurechtkommen. Ob ich es wollte oder eben nicht.Ich war ziemlich weit geschwommen und sah nun zum Strand. Sam lachte mit Rick, Zoey und Miguel. Es stach mir ins Herz und machte mir bewusst, dass meine Entscheidung wirklich die Richtige gewesen war.
Mit denen war sie glücklich, lachte viel und schien keine Sorgen zu haben. Mit mir stritt sie sich pausenlos oder weinte wegen mir. Das durfte ich nicht zulassen. Ich musste mit ihr reden und vielleicht konnten wir dann so etwas wie einen Waffenstillstand aushandeln. Das wäre doch ein überaus guter Anfang und würde uns vermutlich auch sehr viel Kummer und Schmerz ersparen. Naja, ihr zumindest und das war alles was zählte für mich.
Nachdem ich diesen Entschluss gefasst hatte, ging es mir tatsächlich besser und mit einen Lächeln auf den Lippen schwamm ich wieder zum Strand zurück. Sie war so schön!Und sie war für mich verloren...
Das durfte ich niemals vergessen!

Kapitel 12

Samantha:

Als er ins Wasser sprang, war dieses Herzklopfen noch immer nicht verschwunden. Jede einzelne Bewegung, jeder Muskel, jedes Haar stach sich tief in mein Herz und in meine Seele. Wie schön er war!Auch wenn man dieses Wort für einen Mann nicht benutzte, so fand ich es doch sehr passend. Und es war auch gar nicht so schlimm einen jungen Mann so zu betiteln. Nur sollte er das besser nicht wissen. Gar nicht an dem Satz oder den Gefühlen für ihn sollte er wissen. Das würde alles nur noch ungerechter machen.
Außerdem war er Vater einer kleinen Tochter und damit für mich tabu und unerreichbar. Da konnten meine Gefühle, vielleicht sogar seine auch noch, nicht mithalten. Und es durfte auch einfach nicht sein. Es war falsch, so vollkommen falsch!Jetzt kam er auf mich zu und ich hielt unwillkürlich den Atem an. Es war wirklich schmerzhaft ihn zu sehen...
"Ihr müsst ins Wasser kommen! Es ist einfach herrlich", sagte er zu Miguel und lächelte. Warum, verdammt noch mal, lächelte er denn jetzt? Hatte er das von eben schon wieder vergessen? Das konnte doch wohl nicht wahr sein. So ein Arschloch!
"Kein Interesse bisher. Muss erst noch die Mädels hier abchecken", grinste Mig zurück und zog sich endlich auch bis auf Badeshorts aus. Mein Blick glitt über seine Brust, doch außer dem erregenden Prickeln, das ich ja immer bei ihm spürte, war da einfach nichts. Kein Herzklopfen oder dergleichen wie bei Raph und... Rick!
Ja, bei Rick fühlte ich auch dieses Herzklopfen. Auch wenn es nicht annähernd so schlimm wie bei meinen Ex war. Das konnte eh mit nichts verglichen werden, dachte ich seufzend und wurde mir wieder einmal bewusst, wie wenig Selbstachtung ich haben musste, um so etwas zu denken. Irgendwie schien ich selbstmordgefährdet zu sein, denn anders war das mit Raphael doch nicht mehr zu beschreiben. Na ja, wie dem auch sei, das brachte mir jetzt auch nichts. Ich wollte mich, ehrlich gesagt, auf Rick konzentrieren! Raph war Geschichte, doch Rick war Gegenwart und vielleicht auch Zukunft.
Ich drehte mich wieder zu ihm und grinste.
"Wollen wir Volleyball spielen?", fragte ich neugierig, sah zu dem mitgebrachten Ball und dann wieder zu Rick.
"Willst du nicht erst einmal ein wenig ins Wasser gehen? Es ist schon jetzt ziemlich heiß hier, finde ich." Okay, sein Vorschlag klang eigentlich auch ziemlich gut. Sogar sehr verlockend. Und er hatte recht. Die Sonne schien schon jetzt so brütend warm vom Himmel, dass man selbst das Gefühl hatte schmelzen zu müssen. Eine merkwürdige Vorstellung. Aber auch sehr belustigend, wenn ich mir vorstellte, wie wir langsam immer flüssiger werden würden, wie bei Zeichentrickserien, dann vielleicht am Ende nur eine Pfütze mit Augen darin übrig blieb.
Ich grinste bei dieser Vorstellung und alle sahen mich verwirrt an.
"Was hast du denn jetzt?", fragte Zoey und legte ihren Kopf schief.
"Ach, nichts weiter", winkte ich ab, zog mich aus und streckte mich als erstes genüsslich. Die Wärme auf der Haut tat unglaublich gut und ich freute mich wirklich hier zu sein. Selbst wenn ich noch etliche Male heute mit Raph aneinander geraten sollte, so war es mir das doch wert, wenn man alles im Ganzen betrachtete. Immerhin konnte ich am Strand sein mit einigen sehr heißen Kerlen. Und einer guten Freundin, die Zoey ja schon für mich geworden war.


Plötzlich packte Rick mich, warf mich über seine Schulter, selbstredend vorsichtig, und ging mit mir zum und ins Wasser. Ich versuchte nicht zu lachen oder zu kreischen, denn das wäre sicherlich nicht ganz so von Vorteil gewesen, da ich ja dann die ganze Aufmerksamkeit auf mich gezogen hätte.
"Wage es ja nicht, mich ins Wasser zu werfen", warnte ich Rick lachend und schlug ganz sachte auf seinen Rücken und auf die dortigen Muskeln.
"Ich werde dich nicht werfen, mein Kätzchen, das wirst du selbst tun", kam als Antwort, was mich tierisch verwirrte.
"Wie meinst du denn das?"
"Warts ab!" Ich grübelte noch darüber nach, als Rick mich ein Stück runter ließ und mein Brüste genau vor seinen Augen waren."Was meinst du denn nun?", fragte ich erneut und er stellte mich mit den Füßen ins kühle Nass. Sein Grinsen wurde richtig fies und plötzlich begann er einfach mich zu kitzeln. Ich lachte sofort und rannte vor ihm weg, doch natürlich war er viel schneller als ich und erwischte mich immer wieder. Irgendwann reichte es mir und ich rannte weiter hinein, nur um dann mit einem Sprung ganz im Wasser zu verschwinden.Als ich wieder an die Oberfläche kam, standen auch Mig und Zoey neben ihm und lachten lauthals. Erst da ging mir auf, dass ich wirklich getan hatte, was er gesagt hatte. Ich hatte mich sozusagen selbst ins Wasser geworfen!
Dieser Kerl war wirklich sehr listig, aber auch so unendlich heiß dabei, dass es mir die ganze Zeit kalt den Rücken runter lief. Ich sah ihn liebevoll lächelnd an und ging zu ihm.
"Das war nicht besonders fair. Und du bekommst noch deine Rache dafür", warnte ich ihn spielend. Natürlich hatte ich nichts besonders Böses vor und so konnte er mir auch keinen Vorwurf machen. Anscheinend hatte er das so oder so gar nicht vorgehabt, denn er lachte und schlang die Arme um meine Taille.
Ich sah Mig an und wollte dann weiter zu Zoey schauen, doch sie war nirgends mehr zu sehen. Verwirrt runzelte ich die Stirn und sah sie fast am Strand. Ihr Blick war auf einen Fremden gerichtet, der ebenfalls nur Augen für sie zu haben schien. Schmunzelnd sah ich, wie sie ihm immer weiter entgegen ging.
"Zoey scheint ja auch jemand gefunden zu haben", grinste ich. Miguel und Rick sahen ebenfalls zu ihr und grinsten.
"Lass sie einfach machen. Sie ist ja auch schon ein großes Mädchen."


Ich nickte und wir gingen an den Strand zurück, wo Raphael bei ein paar Mädchen stand und sich anscheinend ziemlich gut unterhielt. Obwohl ich natürlich sofort eifersüchtig war, grinste ich weiterhin, ging an ihm vorbei und beachtete ihn scheinbar nicht.
Die dummen Weiber kicherten über irgendwas und sahen plötzlich zu mir. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl bei ihren Blicken und zog fragend eine Augenbraue hoch. Das brachte die nur noch mehr zu kichern und gackern.
Gott, was hatte der ihnen denn von mir erzählt?!Ich war wütend, wieder einmal auf Raphael, ging zu ihm und sah ihn böse an.
"Was machst du denn schon wieder?", fragte ich aufgebracht.Verflucht! Wieso musste er mir immer wieder die Laune verderben?!
Stand auf meiner Stirn etwa: "Los, verarsch' mich!", oder was? Aber von so einen Neandertaler ließ ich mich nicht unterkriegen.
"Stimmt es, dass du dir die Brüste hast machen lassen, damit dich niemand mehr für 'nen Kerl hält? Muss ja die ganzen Jahre sehr frustrierend gewesen sein? Wurdest du auch oft gefragt, wie groß deiner ist?", fragte mich die Größte von allen. Sie war blond, schlank und hatte so große Dinger, das diese aus dem Bikinioberteil hüpfen wollten.
"Wie bitte?!", fragte ich total verdattert und nur langsam drangen die Worte wirklich in mein Bewusstsein.
"Sag jetzt nicht, du hast ihnen solchen Schrott erzählt, Perverso-Alien?!" Nun kochte ich wirklich und bestimmt flogen richtige Blitze aus meinen Augen, da Raph ein wenig zusammen zuckte. Ich ballte die Hände zu Fäusten und knurrte ihn regelrecht an. Das war nun eindeutig zu viel des Guten!
"Ich hoffe nur, er hat euch erzählt, wie gern er in den Arsch gevögelt wird! Egal ob von 'nem Schwanz oder 'nem Dildo!", knurrte ich zornentbrannt. Wobei ich nicht mal sagen konnte, was mich wirklich so sauer machte. War es einfach nur, dass er solche Sachen über mich erzählte oder die Tatsache, dass mir nicht wirklich was einfiel, um es zu erwidern?!
Ich wusste nur eines mit absoluter Sicherheit: Langsam begann ich zu begreifen, was es hieß, wenn aus Liebe Hass wurde! Oh jaaa, ich fing an ihn zu hassen! Doch nicht einmal das war er eigentlich wert, musste ich mir selbst eingestehen. Er hatte ja einfach keine Ahnung von nichts.
Und schon gar nicht was damals noch geschah, nachdem ich wieder bei meinem Vater war.
Eigentlich hatte ich es ihm erzählen wollen, sollte ich ihn finden, doch nun, nachdem ich ihn tatsächlich gefunden hatte, hielt sich mein Verlangen, ihm die ganze Wahrheit zu sagen, sehr stark in Grenzen. Obwohl das noch echt milde ausgedrückt war.In meinen Augen verdiente er nur noch das Schlechteste, das man einen Menschen wünschen konnte.



Raphael:

Verblüfft und grinsend sah ich sie an."So? Na du weißt ja echt gut über mich Bescheid. Weißt du vielleicht auch, dass ich nicht auf solche riesige Titten wie deine stehe? Ich mag es lieber natürlich! Und vor allem weiblich. Bei dir wirkt es eher überladen und dementsprechend auch scheußlich."
Gott, wie sehr ich das hasste! Nur leider konnte ich kaum etwas dagegen tun. Ich musste mir Sam mal endlich aus dem Kopf schlagen. Was konnte also besser dafür dienen als ihr Hass? Und mein Hass, wenn ich sie denn jemals hassen konnte. DAS bezweifelte ich jedoch sehr, da meine Gefühle einfach zu tief gingen...
"Gott, Raphael! Wie kann man nur so wenig Grips besitzen? Ist das vererbbar? Oder hast du es dir selbst angeeignet im Kindergarten?", fragte sie spitz und ich musste mich zusammen nehmen, um nicht ihren Mund leidenschaftlich zu erobern. Wie immer, wenn sie richtig wütend war, kaute sie auf ihrer Unterlippe rum. Irgendwie hatte sie bestimmt ein Loch darin!
"Oh, das habe ich mir vor zwei Jahren von dir abgeschaut, liebste Stiefschwester;" gurrte ich und brachte die Mädels wieder zum kichern.
"Liebste Stiefschwester? Okay, jetzt bin ich mir sicher, dass du da oben nur ein Vakuum besitzt! Mom und Adam haben nie geheiratet. Facto sind wir auch keine Stiefgeschwister. Aber woher solltest du das auch wissen? Du interessierst dich ja nicht mehr für deine Familie. Und auch von deiner ganz kleinen Schwester, Emely, weißt du absolut nichts!", sagte sie verbittert und ich erstarrte. Meine kleine Schwester Emely? Wovon zum Teufel redete sie denn da?
"Samantha, was meinst du damit?", fragte ich sie direkt und konnte mich kaum noch beherrschen. Was verschwieg sie mir?Leider musste ich mir selbst eingestehen, dass ich falsch gehandelt hatte, als ich entschied meiner ganzen Vergangenheit den Rücken zu kehren.
"Oh, das geht dich absolut nichts mehr an, Raphael! Der Zug ist abgefahren. und ich glaube kaum, dass Mom und Adam dir irgendeine Auskunft geben würden. Du hast sie bitter enttäuscht und dich total schäbig benommen."Die Weiber sahen sich und dann mich kurz an, nickten mir zu und gingen dann einfach weg. Besser war das auch. Sonst hätte ich noch Zeugen, wenn ich dieser kleinen Schlange hier den Hals umdrehen würde.
"Samantha, wenn du mir nicht auf der Stelle erklärst, was du damit meinst, werde ich ziemlich wütend werden. Und dann kann ich dir wirklich nicht garantieren, dass ich nicht die Hand gegen dich erhebe, denn ich bin so kurz davor."
Ich presste meinen Daumen und Zeigefinger fest aufeinander, um ihr das so zu zeigen.

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Kapitel 13

Samantha:

 

Mir konnte er damit nun wirklich keine Angst machen! Hinter seiner Drohung versteckten sich nur haufenweise falsche und leere Worte. So wie es schon immer der Fall gewesen war. Ich wunderte mich also schon gar nicht mehr darüber.
Nur sein Gesicht so geschockt und verletzt zu sehen, wie im Zimmer gestern, das war schwer zu ertragen. Es schien ihm tatsächlich etwas auszumachen. Und das wiederum machte mir ein schlechtes Gewissen, obwohl ich doch nichts falsch gemacht hatte.
Ich konnte mich selbst nicht verstehen. Es war ein Widerspruch, den ich da fühlte...
Und ich wollte es nicht fühlen!
Nicht schon wieder diesen tiefen Schmerz spüren, der mir nach und nach die Luft zum Atmen nahm. Dieses Gefühl der vollkommenen Hilfslosigkeit im Inneren.
Ein Schauder des Verlustes glitt durch meinen Körper, ließ mich innerlich erstarren und die Augen schließen. Vielleicht konnte ich die Dämonen, die mich mehr und mehr zu verschlingen drohten, aufhalten.
Ich öffnete sie wieder und begegnete seinem Blick. Etwas in mir zerbrach bei dem Schmerz, den ich bei ihm sah. Seine Züge waren starr und seine Augen flackerten.
Ja, er war schon immer so gewesen. So, dass man seine Gefühle sehen konnte, wenn er nicht aufpasste. Und das tat er im Moment nicht.
"Du würdest mich niemals schlagen, Raphael!", sagte ich fest und erwiderte seinen brennenden Blick.
"Bist du dir da ganz sicher?", fragte er leise und irgendwie schien sich die Kluft zwischen uns immer weiter zu dehnen. Was Anfangs nur ein winziger Spalt war, wurde größer, tiefer, unüberwindbar.Und dennoch..."
Ja, ich bin mir absolut sicher. So sicher wie, dass ich dich niemals für einen schlechten Menschen gehalten habe. Du magst vielleicht deine Macken haben, aber ohne wärst du doch auch nur ein langweiliger Normalo. Und ich hätte mich damals nie in dich verliebt", gestand ich angespannt. Meine Hände zitterten und so hielt ich sie zusammen vor mir. Er sollte nicht sehen, was in mir vorging. Zu schlimm wäre sein Spott darüber.
"Du hast mich also nie für einen schlechten Menschen gehalten? Das ist wirklich sehr interessant, muss ich sagen. Dann sag mir jetzt ganz genau, wer Emely ist!", verlangte er und sein Gesicht, seine Mimik, veränderte sich in der nächste Sekunde. Nun war er wirklich nur noch zornig. So sehr, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Und wie ich ihn am liebsten nie wieder sehen wollen würde. Es jagte mir eine Heidenangst ein! Zumal ich genau wusste, was passieren würde, würde ich ihn anlügen.
Doch eigentlich war es mir im  Moment reichlich egal. Ich musste weg von ihm und der betörenden Wirkung, die er noch immer auf mich hatte und der ich mich einfach nicht entziehen konnte.
"Warum sollte ich es dir sagen? Du bist einfach so verschwunden und hast alles und jeden zurückgelassen. Niemand wusste wo du bist oder warum du gegangen bist."
Meine Stimme klang verbittert.
Gott, damals hätte ich ihn so sehr gebraucht. Ich war so alleine und hilflos, obwohl ich meinen Dad und Pam bei mir hatte...
Nur leider hatte es keinerlei Effekt oder Wirkung gehabt. Die Leere war geblieben und hatte sich bis heute nicht verändert. Im Inneren war ich die ganze Zeit leer...

 

Ich wollte grade noch etwas erwidern, als Rick dazwischen ging.
"Könnt ihr das nicht Zuhause besprechen? Alle hören euch nämlich interessiert zu und ich glaube dieses sensible Thema ist nicht für alle Anwesenden bestimmt. Oder?"
Ich sah Rick zerknirscht an und nickte.
"Du hast recht. Und von mir aus ist dieses Thema nun abgehakt. Ich muss nichts weiter mehr dazu sagen!"
"Du wirst schon noch mit mir reden, Samantha. Und wenn ich dann raus finde, dass du mich belogen hast oder mich mit Absicht täuschst, dann gnade dir Gott", warnte Raph mich noch einmal und ich zuckte leicht zusammen. Er klang so voller Hass und war total verbittert.
"Ich werde darüber nicht mehr mit dir reden. Und ich bin mir sehr sicher, dass niemand es tun wird. Dieses Thema ist für alle einfach nur noch zu Ende. Das Thema Raphael ist zu Ende. Auch für mich. Nun endgültig! Ich frage mich sowieso, wie ich dich je lieben konnte. Du bist es nicht mal wert, dass man auch nur einen kleinen Gedanken an dich verschwendet!"
Ich sah, wie er nun zurück zuckte und hätte am liebsten alles zurückgenommen. Es tat mir selbst weh, da ich wusste, dass es ziemlich mies von mir war.Mom und Adam würden sich so sehr freuen, wenn er sich bei ihnen melden würde. Ganz von sich aus und nicht, weil irgendjemand es ihm gesagt oder ihn dazu gezwungen hätte.
Mit gesenktem Blick drehte ich mich um und ließ ihn und die Anderen ratlos stehen. Auf keinen Fall wollte ich sehen, wie sie mich anklagend ansahen. Oder mir ihren Missmut zeigten.
Ich ging immer weiter weg und hatte bald eine kleine Düne hinter mir gelassen. Erst als ich sicher war, dass mir niemand folgte und mich auch niemand sah, setzte ich mich in den weichen, warmen Sand und sah zum Himmel hinauf.
Fast schien es schon so, als ob die strahlende Sonne mich verspotten wollte. Mich daran erinnern wollte, wie ich mich nun hätte fühlen können, wenn alles anders verlaufen wäre.Leider war es aber nicht anders verlaufen und ich konnte die Zeit nicht einfach so zurückdrehen. Selbst wenn ich es mir noch so sehr wünschte. Ich konnte nichts verändern an meiner Vergangenheit. Oder meiner Vergangenheit mit Raphael zusammen.
Und auch wenn er es nicht wusste, wir würden immer aneinander gebunden sein. Und er würde es, wenn es nach mir ginge, auch niemals erfahren. Ich wollte es ganz einfach nicht.

"Samantha!", hörte ich auf einmal jemanden meinen Namen rufen und seufzte. Können die mich nicht mal eine Sekunde alleine lassen?, dachte ich gereizt, stand auf und rieb mir den Sand von meiner nun wieder gänzlich trockenen Haut.
"Sam!", war eine zweite Stimme zu hören. Gott, sie gingen mir wirklich alle auf die Nerven. Selbst Rick wollte ich nicht sehen, dem die zweite Stimme gehörte.
"Sam, bitte!", rief er erneut und ich hörte wie er näher kam. Und wie seine Stimme vor Sorge anders klang.Kurzentschlossen drehte ich mich um und ging noch weiter von ihm weg. Sollten sie mich ruhig suchen! Ich würde schon nach einigen Minuten wieder kommen und dann würden sie mich anschreien, von wegen sie hätten sich Sorgen gemacht und ich würde ihnen versichern, dass ich schon alt genug wäre um auf mich zu achten, denn genau das war ich ja eben auch. Wirklich alt genug.
Auch alt genug um zu wissen, wie kindisch ich mich im Grunde grade benahm. Und dass es kindisch war, dass mir auch dieser Umstand egal war.
Eigentlich war mir wirklich alles im Moment egal.
Durch seine Worte hatte er mich an etwas erinnert, etwas, wovon ich schon glaubte, es fest in meinem Herzen verschlossen zu haben. Diese Schmerzen drückten mir die Luft ab und ich musste mich wirklich anstrengen beim Atmen.

 

"Verdammt", fluchte ich ungehalten und kickte einen Stein weg. Natürlich ein ziemlich großer. Und wie immer passierte es mir, dass meine Zehen danach höllisch schmerzten. Aber wenigstens wurde ich so von dem anderen Schmerz abgelenkt, der in meiner Brust weiter anzuschwellen drohte.
Den kleinen Schmerzensschrei, der sich selbstredend aus meiner Kehle befreien wollte, unterdrückte ich mit Nachdruck.

Ich wollte grade weiter gehen, als sich eine Hand auf meine Schulter legte und mich nach hinten zog.Ohne mich umzudrehen oder auch nur die Stimme der Person zu hören, wusste ich, dass es wieder mal Raphael war.
"Lass mich zufrieden, Raphael! Ich will nicht mehr mit dir reden und habe ehrlich gesagt auch im Moment keine Kraft dazu!", sagte ich, während er mich an seine Brust presste. Das Gefühl war so vertraut und doch auch schmerzhaft, sodass ich mich nach einigen Sekunden wieder von ihm löste.
"Sag mir einfach wer Emely ist. Und alles, was du mir noch so verschweigst", verlangte er, doch ich schüttelte den Kopf.
"Nicht hier. Nicht jetzt. Es wäre vollkommen falsch. Einfach der schlechteste Zeitpunkt für so etwas. Bitte verstehe das und bohre nicht weiter nach. Wenn ich glaube, dass der Zeitpunkt dafür gekommen ist, werde ich es dich wissen lassen. Und sei dir gewiss, es wird immer zu spät sein. Wir können es niemals ändern oder rückgängig machen."
"Aber...", setzte er wieder an und ich schüttelte erneut den Kopf.
"Bitte, Raphael. Du hast mir vor dem Kino gesagt, dass ich deine große Liebe gewesen wäre und auch wenn ich es nicht glauben kann, dann denk einfach daran und vertrau mir. Es ist besser so."Wieder sah es so aus, als ob er etwas sagen wollen würde, ließ es dann jedoch.
"Okay, ganz wie du meinst, aber ich glaube, ich habe dennoch ein Recht, alles zu erfahren."
Dieses Mal nickte ich ihm zu und einvernehmlich gingen wir zu den Anderen zurück.

 

 

Zoey, Rick und Miguel überschlugen sich fast mit den Vorwürfen, ganz so wie ich es ja vorausgesagt hatte. Immer wieder glitt mein Blick zu Raphael und ich musste seufzen. Ich hatte ihm auf jeden Fall zu viel erzählt. So weit hatte ich es gar nicht kommen lassen wollen.Und dann plötzlich wurde es nur noch schlimmer, da seine Freundin auftauchte und ihn mit einen leidenschaftlichen Kuss begrüßte. Auch die kleine Tochter war dabei und ich verglich sie mit Raphael. Nur konnte ich da wirklich keine Ähnlichkeit erkennen. Kein kleines bisschen.
Verwirrt runzelte ich die Stirn und mein Kopf arbeitete immer angestrengter.
War die Kleine wirklich seine Tochter oder wurde er nur getäuscht? Er schien jedenfalls keinen Gedanken an eine solche Möglichkeit zu verschwenden, was mich verwunderte. Wollte er vielleicht, dass sie seine Tochter war? War sie ein Vorwand, damit er sich mir nicht noch mehr nähern konnte?
Wollte ich überhaupt, dass er sich mir näherte?
Nein, eigentlich nicht. Ich hatte mit dem Thema Raphael abgeschlossen und war glücklich damit. Na ja, so glücklich, wie man unter den Umständen denn sein konnte. Immerhin liebte ich ihn noch. Gleichzeitig jedoch hasste ich ihn. Und dieses Gefühl gewann allmählich die Oberhand. Es wurde von Tag zu Tag erdrückender.
"Liebling, wir konnten doch noch herkommen. Ist das nicht wundervoll?", turtelte diese junge Frau mit ihm rum und er legte einen Arm um sie, wobei er mich allerdings ansah. Warum?
"Ja, das ist wundervoll", sagte er tonlos und sah dann zu Isabella. Hegte er vielleicht doch selbst Zweifel? Nein, danach sah es gar nicht aus...

 

Ich ging zu Rick und legte eine Hand an seinen Arm.
"Könnten wir vielleicht dann bald zurück fahren? Ich habe keine Lust mehr hier zu sein", flüsterte ich ihm ins Ohr, als er sich zu mir runter beugte.
"Natürlich. Ich versteh dich vollkommen. Und ich mag diese Olle eh nicht. Sie kommt mir irgendwie falsch vor", antwortete er gedämpft und ich musste schmunzeln. Wenn selbst er so dachte, dann hatte das doch schon was zu heißen, oder?
"Aber lass uns noch eine Runde Volleyball spielen. Mit der! Die sieht nämlich nicht so aus, als ob sie sich schmutzig machen will. Und dann wird sie für schlechte Stimmung sorgen und keiner wird mit ihr was zu tun haben wollen", grinste er und ich musste leise lachen.
"Ich glaube, ich mag dich wirklich immer mehr. Du bist ganz nach meinem Geschmack", gab ich zurück und er schlang seine Arme um meine Taille.
"Ich mag dich auch, Samantha, sehr sogar." Er neigte den Kopf und küsste mich sehr sanft. Ohne groß zu überlegen, und weil mir das Gefühl gefiel, erwiderte ich den Kuss und schloss die Augen. Er war ganz anders als Raphael und dennoch konnte man sie nicht wirklich miteinander vergleichen. Denn den einen liebte ich immerhin schon lange und bei dem anderen war ich dabei mich in ihn zu verlieben...

 

 

~~~~~~

 

To be continued....


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Kapitel 14

Gott, es fühlte sich wirklich gut an von Rick geküsst zu werden. Daher schmiegte ich mich an ihn und seufzte leise. Mir war auch vollkommen egal, was die anderen, wenn sie es denn überhaupt für voll nahmen, davon hielten.
Rick strich sanft über meinen nackten Rücken und sandte damit kleine wohlige Schauer durch meinen Körper. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass er mich auch leicht erregte...
Es war mehr als nur angenehm und dass er mich zu nichts drängte, eher mir das Sagen überließ, tat unglaublich gut und entspannte mich. Am liebsten hätte ich damit noch eine kleine Ewigkeit weiter gemacht.Nur das Zoey sich schließlich räusperte, ließ mich inne halten und von Rick lösen. Ich grinste sie an und zuckte mit den Schultern.
Sie sah vielsagend zu Raphael, der grade mit der Kleinen im Sand saß und augenscheinlich versuchte eine Sandburg zu bauen. Irgendwie sah das ja schon ziemlich süß aus. Aber auch wirklich nur irgendwie. ER passte da nämlich ganz und gar nicht ins Bild.
Und dieser Anblick ließ etwas in mir wieder zum Leben erwachen. Etwas von dem ich geglaubt hatte, es bald für immer überwunden zu haben.Ich schüttelte leicht den Kopf über mich selbst und versuchte ganz ruhig zu bleiben. Es würde sich vermutlich niemals etwas ändern.
Ich setzte mich in den Sand zu Zoey und sah aufs Meer hinaus. Es war friedlich hier und man konnte seinen Gedanken einfach mal freien Lauf lassen und sich um nichts Sorgen machen. Na ja, außer vielleicht über einen Sonnenbrand, aber so stark schien die Sonne nun gar nicht mehr. Dafür war ich natürlich ziemlich dankbar. So wie jetzt war es perfekt. Klarer Sonnenschein mit einer leichten Brise. Wundervoll.


Als die Sonne sich dann zum Horizont neigte, hatten wir schon eine Menge Spaß gehabt. Unter anderem Volleyball, wo wir Frauen natürlich haushoch gewonnen hatten, Sandburgen bauen und noch so vieles mehr.Und das Beste war natürlich: es gab keinen Streit mehr. Jeder benahm sich anständig. Eben perfekt.
Irgendwie schien es mir jedoch auch sehr geladen zu sein. Alle lachten sie fröhlich und doch spüre ich, dass einige auch sehr befangen waren. Ich bildete da auch keine Ausnahme.Madlene und ihre Tochter verabschiedeten sich als erstes von uns.
"Sie muss ja zu ihren gewohnten Zeiten ins Bett kommen", lächelte ihre Mutter, was ich selbstredend verstand. Kinder brauchten eben diese Routine und den gewohnten Ablauf, sonst konnte es leicht passieren, dass sie verwirrt und unsicher waren.
"Ich bringe euch nach Hause", bot Raph sofort an und zog sich um. Ich versuchte ihn dabei nicht zu sehr anzustarren, konnte mir einen Blick jedoch wirklich nicht verkneifen. Er war echt unglaublich gut gebaut, fast schon zu gut.Plötzlich zuckte ich zusammen. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er schon fertig war und nun direkt vor mir stand. Er beugte sich zu mir runter.
"Wenn wir alle wieder zuhause sind, darfst du mich gern auch berühren, nicht nur anstarren und dir über die Lippen lecken. Der Sex damals war ja gar nicht mal so schlecht gewesen. Und jetzt hast du einen noch viel heißeren Körper, den ich nur zu gerne überall erkunden würde", raunte er mir ins Ohr.
Ich riss die Augen auf, mein Herz klopfte wie wild und ich konnte ihm nicht mal Paroli bieten.Meinte er das ernst?! Wollte er mich wirklich?
Ich legte mir eine Hand aufs Herz und sah zu ihm hoch, da er sich wieder aufgerichtet hatte.Warum fühlte ich mich denn jetzt so? Er hatte lediglich gesagt, im übertragenen Sinne, dass er gerne mit mir schlafen wollte.Nichts mit Gefühlen. Nichts mit Versprechen für die Zukunft.
Warum sollte ich es überhaupt zulassen?! Damit würde ich mir doch ins eigene Fleisch schneiden! Nein, es kam einfach nicht in Frage.
"Scher dich zum Teufel, Raphael! Du bist der letzte Mensch auf Erden, mit dem ich ficken würde. Denn nichts anderes wäre es. Und ich habe absolut keine Lust eine in deiner Reihe zu werden. Diesen Fehler habe ich schon einmal getan und mich an dich verschwendet", giftete ich zurück, wobei ich meine Stimme gesenkt hielt, damit es keiner weiter mitbekam.Er lächelte mich honigsüß an.
"Wir werden sehen, Sam. Es wird nicht lange dauern und du wirst wieder in meinem Bett liegen. Und das nicht zum schlafen. Dir wird jeder Knochen weh tun. Und ich werde dich alle Kerle seit damals vergessen lassen. Sicherlich hast du keinen..."
Ich wusste was er sagen wollte, doch dazu ließ ich es erst gar nicht kommen. Der Abdruck meiner Hand leuchtete rot auf seiner Wange.
"Wenn du keine Ahnung hast, solltest du deine Fresse halten! DU weißt absolut gar nichts von mir! Nicht das Geringste, Raphael!"
Mit zu Fäusten geballten Händen stand ich vor ihm und musste die Tränen zurück drängen.
"Ich hasse dich, Raphael, ich hasse dich so sehr. Spiel dich nicht als Moralapostel auf. Du bist doch viel schlimmer. Ich wünschte, du wärst tot! Verschwinde einfach aus meinem Leben."
Ich hatte keine Ahnung wer den Blickkontakt als erstes beendet hatte, aber als ich wieder klar denken konnte, waren Raphael, seine Freundin und die Tochter nicht mehr da. Und ich fühlte mich ziemlich leer und ausgelaugt.Was war denn eigentlich wirklich passiert? Es hatte ziemlich harmlos begonnen und war in einen Desaster geendet.
Ich hatte Worte gesagt, die ich nicht wirklich so gemeint hatte. Zum Beispiel wünschte ich ihm auf keinen Fall den Tod. Es war eine Kurzschlussreaktion gewesen, die ich nun im Nachhinein sehr bereute.
So etwas hätte ich nie sagen dürfen.
Später, oder vielleicht auch erst Morgen, sollte ich mich deswegen bei ihm entschuldigen. Das wäre das einfachste in diesem Fall. Aber ob es überhaupt gehen würde?
Ich wusste ja genau, wie stur auch Raphael sein konnte. Und dass es verletzend war, war mir ebenfalls durchaus bewusst.


Mit geschlossenen Augen lag ich auf meinem Bett und dachte an den ganzen Tag zurück. Es gab durchaus auch sehr positive Momente, die schlechten waren leider jedoch in der Mehrzahl.
Als ich grade aufstehen wollte, meine Augen waren noch geschlossen, hörte ich die Tür aufgehen. Schnell riss ich die Augen auf und setzte mich grade hin. Jedoch wurde ich sofort wieder in eine liegende Position gedrückt.
Erschrocken sah ich Raphael in die Augen, die vor Zorn wirklich funkelten. Ich hatte Angst vor ihm...
"Raph-", begann ich, doch kam ich nicht weit, denn er drückte seine Lippen ganz fest auf meine. Ich wusste gar nicht was nun los war und versteifte mich einfach nur sehr stark.
Was hätte ich auch tun sollen?! Richtig, ich konnte mir nichts einfallen lassen. Es war einfach so... Ach, keine Ahnung, wie ich es beschreiben sollte.
Er teilte meine Lippen mit seiner Zunge und drang in meinen Mund vor.
In diesem Moment war ich eigentlich verloren.
Ich verlor mich in dieser Zärtlichkeit und umspielte seine Zunge mit meiner. Jetzt konnte ich ihm nicht widerstehen. Es war mir wirklich nicht möglich. Doch tief in meinem Inneren wusste ich nur zu gut, was passieren würde, wenn ich mich nun dagegen sträube.
Ich stöhnte leise auf und legte eine Hand in seinen Nacken, um ihn noch näher an mich zu ziehen. Irgendwie schien mir bewusst zu sein, dass er aus reiner Wut handelte. Auch wenn er kein Wort gesagt hatte und ich es noch immer kaum verstehen konnte.
Plötzlich ließ er von meinen Lippen ab, fluchte ungehalten und sah mich vorwurfsvoll an. Aber nicht nur vorwurfsvoll, auch ziemlich verbittert.
"Warum tust du das, Sam, warum machst du mein Leben kaputt? Es war alles perfekt, bevor du hier aufgetaucht bist! Und warum lasse ich zu, dass du solche Macht über mich hast? Das ergibt alles keinen Sinn! Und es passt mir überhaupt nicht in den Kram, dass ich dich noch immer in meinem Bett haben will. Eigentlich müsste ich über diese Phase doch schon lange hinweg sein. Niemals hatte es ein Mädel geschafft, dass ich auch nur eine Sekunde an sie denke, aber du spukst seit zwei Jahren in meinem Kopf herum. Warum?!", presste er hervor.
Sein plötzlicher Wandel verunsicherte mich ungemein.
"I-Ich weiß nicht", stammelte ich ein wenig hilflos und drehte den Kopf zur Seite.
Es war einfach nur blöd derartig zu reagieren. Die bessere Wahl wäre gewesen, ihn in seine Schranken zu verweisen und von mir zu stoßen, anstatt ihm auch noch zu antworten. Und dann auch noch so etwas. Ich war eben nicht ganz bei Sinnen.Als hätte ich ihn geschlagen, sprang er auf und sah mich voller Abscheu an.
"Nur deine Worte von vorhin sind Schuld, Miststück!", zischte er mich wieder so zornig an, als wäre kein Kuss oder dergleichen gewesen.War ich jetzt im falschen Film gelandet und hatte verpasst auf das Schild draußen an der Tür zu schauen?
Ich knurrte ihn an.
"Willst du mich verarschen, perverso Alien? Du hast mich doch so überfallen! Verpiss dich in deine Hundehütte, Köter!"
Ja, für mein Alter waren diese Worte und mein Benehmen wirklich kindlich, wie ich nun feststellen musste, doch in seiner Nähe konnte ich eben nicht anders.
War doch nicht mein Fehler, wenn er sich mir gegenüber auch nicht so sonderlich erwachsen benahm!



Raphael:


Ich musste wirklich sagen, dass ich es auch vermisst hatte mir solche Wortgefechte mit ihr zu liefern.Selbst wenn es nicht mehr in unser Alter passte.Und dennoch taten wir es immer wieder.Ich konnte nicht verhindern, dass meine Wut verflog und ich sogar leise lachen musste.
"Sam... Ich glaube, es wird sich nie ändern, oder? Wir werden immer so miteinander umgehen. Und wir werden uns immer nur so ärgern können. Ein Zusammenleben wäre damit also für allemal ausgeschlossen."
Und genau das tat auch höllisch weh.
Nur hatte sie noch einige Geheimnisse vor mir, die ich unbedingt lösen wollte. Vor allem was es mit meiner angeblichen kleinen Schwester auf sich hatte. Ich glaubte ihr diesbezüglich nämlich kein Wort!Und genau deswegen musste ich unbedingt wissen, was wirklich dahinter steckte. Am besten sollte ich vielleicht wirklich meinen Vater anrufen. Es wäre zwar komisch sich so plötzlich zu melden und dann auch einfach nur solche Fragen zu stellen, aber bis ich genau Bescheid wusste, konnte ich diesen Umstand nicht ändern. Außerdem glaubte ich Dad würde Verständnis dafür haben.
"Als wenn ich das jemals wollen würde, Raphael. Mein Leben mit dir zu verbringen, ich könnte mir wahrlich nichts Schlimmeres vorstellen. Du bist einfach unausstehlich und ich hasse dich so sehr, wie sonst nichts auf dieser Welt", schleuderte sie mir ungehalten entgegen und stand ebenfalls auf.
"Und nun verschwinde aus meinem Zimmer. Wenn ich dich weiterhin sehen muss, könnte es sein, dass ich noch kotzen muss."
Damit schob sie mich aus dem Zimmer. Na ja, eher versuchte sie dies zu tun. So wirklich Kraft schien sie dafür nicht aufbringen zu können.
"Sam, was ist mit uns passiert?", fragte ich leise und fasste sie an den Schultern. Ich spürte, wie sie sich unter meiner Berührung versteifte und anfangs sogar zusammenzuckte.
"Was soll schon passiert sein? Du hast mich ficken können und das war es für dich. Du hattest dein Ziel erreicht. Und ich hatte dir sogar geglaubt, dass du mich lieben würdest. Aber alles war wohl nur eine Lüge, so schnell wie wieder Schluss war zwischen uns. Ich war einfach eine Närrin. Aber ich bin froh, dass es so schnell wieder vorbei war. Wer weiß, was du mir... nein, wir uns, noch angetan hätten."
Irgendwie schien es mir, dass sie zum ersten Mal auch die ganze Schuld mit auf ihre Schultern lud.Bisher hatte ich nämlich den Eindruck, sie würde mich nur als Sündenbock sehen.
Doch warum tat mir auch das weh?
"Ich habe dich wirklich geliebt, Sam", gestand ich freimütig und sah ihr in die Augen. Mit Absicht hatte ich die Vergangenheitsform gewählt, damit sie nichts bemerkte.
"Und warum sollte ich dir das glauben? Auch wenn ich wirklich Zeit gebraucht hatte, um das alles mit Gab zu verarbeiten, hättest du mich nicht einfach so gehen lassen dürfen! Oder du hättest nachkommen sollen! Damit hättest du mir gezeigt, dass ich dir wirklich etwas bedeute, aber das hast du alles nicht getan. Und als ich endlich über das Schlimmste hinweg war und wieder freier atmen konnte, warst du aus unser aller Leben verschwunden. Jeder hatte sich solche Sorgen um dich gemacht, doch es hat dich nicht interessiert! Nicht einmal, dass Mom und Adam dachten, sie seien Schuld daran, dass du abgehauen bist. Sie waren total fertig, Raphael!"
Ich wusste doch selbst, was ich alles falsch gemacht hatte, nur ändern konnte ich es nicht mehr.
Auch nicht, dass Sam mich so sehr hasste, denn das war offensichtlich.
Die Tränen in ihren Augen zeigten jedoch noch etwas sehr deutlich.Sie musste mich wirklich wahnsinnig geliebt haben.
Das schürte einen Funken der Hoffnung in mir. Vielleicht hatte sie ja auch noch andere Gefühle für mich. Jedoch verdrängte ich diesen Gedanken schnell wieder. Es könnte einfach nichts werden. Egal was wir versuchen würden. Es war eine Zukunft ohne Zukunft. So einfach war es.
"Ich weiß, dass ich etwas hätte sagen müssen", presste ich schwer atmend hervor und versuchte mein Herz zu beruhigen."Warum hast du es dann nicht getan?! Warum hast du alle so hintergangen?!"
Ich ließ sie los und drehte ihr den Rücken zu. Ich musste unbedingt Abstand gewinnen. Sie fasste mich an der Schulter und wollte mich umdrehen.
"Dreh mir jetzt nicht den Rücken zu. Du hast begonnen mit dem Reden, also tu das jetzt auch! Ich habe keinen Bock wieder von dir so abgefertigt zu werden." Ich zuckte nun meinerseits leicht zusammen und sah sie über die Schulter hinweg feindselig an.
"Du hast vielleicht Nerven so etwas zu verlangen. Bisher warst du immer diejenige, die mich mit halben Informationen abgespeist hat. Weshalb also sollte ich es jetzt nicht auch einmal tun?"
"Weil du nicht so bist wie ich", war ihre schlichte Antwort und irgendwie kam es mir so vor, als würde sie ganz leicht lächeln. Ich drehte mich nun doch wieder zu ihr.
"Was genau meinst du damit?!"
Sie seufzte leise.
"Ich habe keine Ahnung, was dich dazu bewegt hat alle zu verlassen und jeglichen Kontakt zu unterbinden, doch du warst nie ein Mensch, der seine Gefühle so unachtsam an die Oberfläche gelassen hast. Egal was du getan hattest, es geschah immer nachdem du nachgedacht hast. Na ja, vermutlich nicht ganz alles, aber so kenne ich dich nur. Es schien mir nie so, dass du etwas Unbedachtes getan hast. Erst seit ich dich jetzt wieder gesehen habe, scheinst du es ständig zu tun. Wie sonst sollte ich mir den Kuss erklären, aber das tut auch nichts zur Sache. Du bist einfach nicht hinterlistig oder dergleichen."
Dass sie diese Worte so aussprach, erstaunte mich in alle Maßen. Es passte ganz einfach nicht zu ihrem Verhalten bisher. Aber irgendwas an ihrem Blick störte mich einfach. Sie sah verletzt aus.
So schlimm verletzt, dass mir fast schlecht wurde.

Kapitel 15

Samantha:

 

Meine Hände hatte ich in sein Shirt geklammert, die Zähne biss ich nun fest aufeinander. Nur für einen kleinen Moment natürlich. Ich wollte mir eigentlich viel lieber auf die Lippen beißen, doch das wäre vielleicht wie eine Einladung erschienen. Und ich wollte nicht, dass es noch komplizierter wurde, weil er mich küsste. Obwohl da auch gleichzeitig eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf sagte, er solle mich küssen. Was für ein Desaster!
"So bist du nicht", presste ich wieder hervor und versuchte durch den Tränenschleier hindurch nach oben in seine Augen zu sehen. Diese Augen!Nichts hatte sich in den letzten Jahren geändert. Noch immer zog er mich in seinen Bann, egal wie sehr ich mich dagegen zur Wehr setzte.
"Raphael, so bist...", wollte ich erneut ansetzen, doch seine Lippen, die sich fest auf meine pressten, ließen es nicht zu. In mir stieg etwas empor. Etwas, das ich nicht so ganz beschreiben konnte. Und auch nicht wollte.
Natürlich wollte ich mich wehren, ihn einfach weg stoßen, die Tür zuknallen. Stattdessen schloss ich sofort die Augen und gab mich dem Kuss hin.
Zu lang war es her gewesen, dass er mich SO küsste.
Das vorhin mit Rick... es war einfach nichts Vergleichbares gewesen, wenn auch beides mir gefiel.Vielleicht lag es ja auch einfach nur an der Tatsache, dass Raphael der Erste gewesen war. Oder auch der bisher Einzige.
Wie dem auch sei, nun beging ich sicherlich einen ziemlich großen Fehler.
Ich lehnte mich an ihn, krallte mich noch weiter in sein Shirt und stöhnte leise auf, da ich seine Erregung an meinem Bauch spüren konnte.
Ich musste die Augen einfach öffnen. Zum Teil auch um zu sehen, inwieweit ihm dieser Kuss unter die Haut ging. Doch was ich sah, ließ mich leicht erstarren.Seine Augen waren voll geöffnet. Und in ihnen sah ich nicht wirklich das, was ich sehen wollte. Zumindest nicht das, was ich mir erhofft hatte.
Es lag Spott und Verachtung in seinen Augen. Genau wie pures Verlangen und Lust. Raphael war diesbezüglich leicht zu lesen. Ich jedoch auch.
Sicherlich konnte er Angst, Unbehagen und das gleiche Verlangen sehen.
„Wir…“, wisperte ich an seinen Lippen und verfluchte mich selbst für das Geschehene. Seine Lippen nahm er gänzlich von meinen fort.
„Was, wir, Sam? Es gibt kein „Wir“, dass wissen wir beide. Und auch wenn ich jetzt nichts lieber täte, als dich auf dein Bett zu werfen und dir ungeheures Vergnügen zu schenken, werde ich es nicht tun. Um uns beide zu schützen. Und um alles geregelt zu lassen."
Das wirkte natürlich wie eine kalte Dusche auf mich und mein Verlangen. Sofort waren die Flammen der Lust gelöscht und ich hätte mich nun wirklich selbst ohrfeigen können.Wie hatte ich es nur zulassen können? Aber eigentlich war für mich im Moment viel wichtiger zu erfahren, warum er mich überhaupt geküsst hatte, wenn er nun behauptete, er wollte alles geregelt belassen?Ich verstand diesen Jungen immer weniger. Na ja, mich leider auch.

  

Ich seufzte leise, nickte dann und trat einen Schritt zurück.
"Es tut mir wirklich leid. Ich weiß ja, dass du eine Freundin hast. Natürlich hätte ich den Kuss nicht erwidern dürfen. Das mit uns liegt schon weit zurück. Und auf eine Wiederholung von damals ist mir auch nicht gelegen."
Um ehrlich zu sein, hätte ich eigentlich im Moment nichts dagegen gehabt, aber das brauchte Raphael nun wirklich nicht zu wissen.
"Es war wohl einfach die Situation", versuchte er sich sofort raus zu reden und innerlich musste ich ihm sogar etwas zustimmen. Es war nun mal eine merkwürdige Situation grade gewesen. Und eigentlich hatte ich ihn sogar halb angefleht, mit meinem Benehmen, dass er mich küssen soll.
"Und es ist gut, dass wir diesbezüglich, also was uns angeht, einer Meinung sind. Es würde nicht gut enden. Das hat es schon mal nicht..."
Warum tat er jetzt so, als wäre das nur meine Schuld?Ja, natürlich war ich wieder zu meinem Vater gezogen, aber ich wusste damals einfach nicht, wie ich mit dem Ganzen umgehen sollte. Vor allem nicht mit meinem Bruder und warum meine Mutter dann wirklich gegangen war. Es war einfach viel auf einmal gewesen. Ganz zu schweigen von dem Streit mit ihm.
Nur, er war auch Mitschuld!"Ich glaube, du versuchst hier grade den Heiligen zu spielen. Ich war vielleicht diejenige, die gegangen ist, aber du warst derjenige, der sich anscheinend sofort eine neue Tusse gesucht hat. Und wenn ich Isa so anschaue, war das wohl nicht lange, nachdem ich fort war. So viel also zu deinen Worten, du würdest auf mich warten. Damit war es wohl auch nicht so weit hergeholt. Oder war das nur ein Spruch, damit ich noch mal mit dir in die Kiste steige?"
Jaaa, ich war plötzlich wieder so wütend auf ihn!
"Jetzt mach aber mal halblang, Sam! Ich bin nicht sofort mit einer Anderen in die Kiste gestiegen. Und ich meinte es ernst, als ich sagte, ich würde warten!"
"Ach, und wie lange hat das gehalten? Eine Stunde? Einen Tag? Eine Woche? Länger kann es kaum gewesen sein, wenn man sich Isa anschaut und einfach mal ein wenig rechnet. Vielen Dank auch dafür!", motzte ich sofort wieder. Und das ja auch aus gutem Grunde.Wenn man nämlich wirklich einmal rechnete, konnten es nur wenige Monate nach meinem Weggang gewesen sein. Aber eigentlich konnte ich ihm auch keinen wirklichen Vorwurf machen.
Ja, ich musste ehrlich sein. Zumindest zu mir.Raphael hätte warten können, natürlich, aber genauso gut hätte ich mich auch zwischendurch einmal melden können. Es wäre nicht wirklich ein Problem für mich gewesen. Der entscheidende Punkt war aber gewesen, dass ich gar nicht gewusst hätte, was ich hätte sagen sollen. Es wäre also ein ziemlich schweigendes Gespräch gewesen.Ob das gereicht hätte?


"Was hast du denn erwartet, Sam? Dass ich Jahre auf dich warte, obwohl du dich nicht dazu herab lassen konntest auch nur eine kleine Nachricht zu schreiben? Ich kam mir wie ein Idiot vor! Und es waren mehr als fünf Monate, nur zu deiner Information! Fünf Monate, in denen ich mich täglich gefragt habe, ob es dir gut geht. Ob du mich überhaupt jemals anrufen würdest. Ob du jemals wieder kommst!"
Ich zuckte leicht zusammen und sah ihm schweigend in die Augen. Er hatte Recht! Und das wurmte mich total!
"Ich...", begann ich leise, brach jedoch ab. Was sollte ich groß dazu sagen? Mich entschuldigen? Ich wusste nicht wie...
"Ja, du! Es ging und geht immer nur um dich, Sam! Und das kotzt mich so derbe an! Hast du auch nur einen einzigen Gedanken mal an Andere verschwendet? Klar ging es dir schlecht wegen der Wahrheit über deinen Bruder, doch du hast dabei alle von dir weg gestoßen und dich so eingeigelt, das es kein Herankommen an dich gab. Wie es allerdings den Menschen ging, die dich geliebt haben, interessierte dich einen Scheißdreck!", blaffte er und verschränkte die Arme vor der Brust. Wieder zuckte ich zusammen.War es wirklich so gewesen? Nein, ganz und gar nicht. Vielleicht die ersten zwei oder drei Monate, ja, aber dann hatte sich einfach alles verändert. Nur wusste Raphael das ja nicht.Ob er es irgendwann überhaupt erfahren würde? Wenn es so weiter ging wohl eher nicht. Was mir nur recht war. Kaum einer kannte die Wahrheit, wofür ich unendlich dankbar war.
"Das stimmt doch gar nicht! Es hat mich sehr wohl interessiert, aber ich konnte einfach nicht. Du kannst das nicht verstehen, Raphael", erwiderte ich und ballte meine Hände zu Fäusten.
"Ach nein? Dann erkläre es mir doch mal. Los, ich bin ganz Ohr!"
Wenn seine Haltung noch abweisender werden konnte, dann in diesem Moment. 
"Ich kann es dir nicht sagen", presste ich hervor.
"Sieh mal einer an. Wie ich es mir gedacht habe. Aber keine Sorge, Samantha, ich glaube es ist alles gesagt worden. Auch durch dein Verhalten mir gegenüber, als du hier ankamst. Das hat Bände gesprochen!"
Er ließ die Arme sinken, drehte sich um und verschwand aus meinem Zimmer.


Nun konnte ich auch die Tränen nicht mehr zurück halten, sank auf die Knie und legte die Hände vors Gesicht. Ich gab mich ganz diesem Gefühl des Verlustes hin, auch wenn es mich zu ersticken drohte.Hatte ich schon wieder alles falsch gemacht? Oder war es ganz einfach so, dass es zwischen uns nicht sein sollte?
In beiden Fällen würde ich wohl die Schuld daran tragen. Aber doch nicht aus böser Absicht heraus. Das mit meinem Bruder war nun mal keine kleine Sache gewesen. Und was danach geschah, erst recht nicht. Aber er konnte es wohl eindeutig nicht verstehen.
Ich versuchte mich zu beruhigen, wischte die Tränen weg und hob trotzig das Kinn.
Es brachte absolut nichts, sich so aus der Fassung bringen zu lassen. Daher würde ich jetzt auch aufstehen und weiter machen. So wie ich es immer getan hatte. So, wie mir gar nichts Anderes übrig blieb!

 

Raphael:

  

Ich war wirklich außer mir vor Wut und Frustration!Irgendwie war die Sache wirklich aus dem Ruder gelaufen. Und ich hatte es auch nicht verhindern können. So wie ich es damals nicht verhindern konnte, dass ich sie betrogen hatte. Na ja, auf die ein oder andere Weise halt. Natürlich war es nicht richtig gewesen. Und ja, ich hätte zu ihr fahren können, aber mir tat es doch damals auch weh.Ich wollte immer nur Spaß haben und hatte mich schlussendlich so sehr in Sam verliebt, dass ich es kaum ertragen konnte, als sie ging. Das wollte ich nie wieder erleben. Und dann wurde ich an Madlen gebunden und alles hatte sich erneut verändert.
Aber dass ich damals so unvorsichtig war, dafür konnte die kleine Isa ja nicht das geringste.
Dabei wusste ich noch immer nicht, ob sie wirklich meine Tochter war.
Und anscheinend gab es ja noch mehr Familienzuwachs in Form von meiner kleinen Schwester.
Oder hatte ich da etwas Wichtiges übersehen? Sagte Sam mir die Wahrheit?
Ich nahm mir ganz fest vor der Sache auf den Grund zu gehen. Und wenn ich dafür zu meinem Vater und Susan fahren musste!
Im Moment wollte ich jedoch viel lieber noch ein paar andere Sachen klären. Wie zum Beispiel die Vaterschaft von Isa. Es ließ mir nämlich jetzt keine Ruhe mehr.
Egal wie sauer ich auch auf Sam war, so sehr liebte ich sie immer noch. Es hatte niemals aufgehört. Auch wenn ich mich damit abgefunden hatte, sie nie wieder zu sehen, ich liebte sie noch immer. Ja, eigentlich hatte es nie aufgehört.
Und so wie sie sich benahm, musste es bei ihr ebenso sein.Ich wollte verflucht sein, wenn es nicht doch etwas zwischen uns werden könnte. Aber das ging nur, wenn ich mit meiner Vermutung Recht hatte und Isa nicht mein Kind war.
War sie es, würde ich Sam wohl wirklich für immer aufgeben müssen.Dieser Schmerz in meiner Brust ließ jedoch erkennen, dass mein Herz sich damit niemals abfinden würde. Und mein Kopf auch nicht!

 

Ich sammelte mich innerlich und fuhr sofort zu Madlen. Sie war erstaunt, doch auch erfreut, dass ich zu ihr kam."Isa freut sich sicherlich, dich heute noch einmal zu sehen. Aber sie schläft im Moment. Wir könnten uns die Zeit ja anders vertreiben", schnurrte sie, umarmte mich fest und drückte ihre gemachten Brüste gegen meinen Oberkörper. Warum hatte ich überhaupt mit ihr gepennt? Sie war doch irgendwie ganz und gar nicht mein Typ. ich mochte es natürlich, wie Sam...
Ich lächelte sie freundlich an, entfernte ihre Arme von mir und ging ins Wohnzimmer.
"Wir müssen reden, Madlen", setzte ich an, wurde jedoch sofort von ihr unterbrochen.
"Oh, das hört sich wenig gut an. Hast du etwas angestellt? Mit dieser grässlichen Sam vielleicht?"
Grässlich? Nein, sie war alles andere als das!Ich schüttelte den Kopf und versuchte mir meine Wut über diese Beleidigung nicht anmerken zu lassen.
"Nein, noch nicht, aber ich habe vor, sie wieder für mich zu gewinnen. Jedoch nur unter einer Bedingung. Und die klären wir jetzt!"
Sie sah mich ehrlich verwirrt an, doch ich konnte an ihren Augen sehen, dass sie genau wusste, was ich wollte.
"Du willst diese Samantha? Aber wir beide sind zusammen. Und wir haben eine Tochter! Willst du das deinem Kind wirklich antun?! Ich glaube es nicht! Ich dachte eigentlich, dass du zu deiner Verantwortung stehen würdest. Für so einen egoistischen Mistkerl hätte ich dich niemals gehalten!", schleuderte sie mir entgegen und irgendwie kam ich mir ja schon wie ein Mistkerl vor. Ob ich vielleicht doch Unrecht hatte? Ich schüttelte den Kopf.
"Ich hatte dich schon damals um einen Vaterschaftstest gebeten, den du abgelehnt hast. Und ich habe es respektiert, wegen der Kleinen, aber jetzt ist es wirklich von großer Bedeutung. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr."
Sie schüttelte den Kopf.
"Du solltest dich schämen! All unsere Freunde sagen, sie sieht aus wie du!"
Ja, das traf tatsächlich zu. Alle sagten es...
"Gut, ich lasse dir Zeit zum Nachdenken. Und denke gründlich nach", warnte ich sie, stand vom Sofa auf, ging zur Tür und hinaus.Wie es aussah, musste ich wohl doch zuerst mit meinem Vater reden. Aber das würde Sam sofort erfahren.

 

Kapitel 16

 

Samantha:

Das restliche Wochenende verflog recht schnell. Für mich jedoch nicht schnell genug.
Irgendwie schien jetzt alles anders zu sein. Was es jedoch ganz genau war, vermochte ich nicht zu sagen.
Das letzte Gespräch mit Raphael war schmerzhaft gewesen. In vielerlei Hinsicht.
Und ich machte mir unendlich viele Gedanken. Irgendwie schien sich einiges verändert zu haben.
Raphael hatte ich die letzten Tage auch ziemlich ruhig erlebt, was so gar nicht zu ihm passte. Er sah mich ganz normal an, machte keine spöttischen Bemerkungen und war auch so ganz zugänglich. Also ganz anders als wie wir alle ihn kannten.
Es verunsicherte mich ungemein und irgendwie brachte es mein Herz auch zum Rasen.
Diesen Raphael kannte ich bisher noch gar nicht, doch er gefiel mir. Mehr als es gut für mich war. Und auch mehr, als es sein durfte. Jedenfalls in der gegenwärtigen Situation...
"Hey, hast du zugehört?"
Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch und sah Zoey an. Wir saßen gerade alle am Frühstückstisch und anscheinend war eine rege Unterhaltung zugange. Nur ich hatte wie immer kaum etwas mitbekommen.
"Nein, sorry...", entschuldigte ich mich kleinlaut und sie seufzte.
"Ich habe gefragt, ob du Lust hättest heute Abend mit feiern zu kommen. Die anderen haben alle schon zugesagt. Du kannst auch deinen Freund fragen, ob er mitkommen mag", zwinkerte sie zum Schluss und ich wurde leicht rot.Moment mal, hatte sie ALLE gesagt? Raphael etwa auch?
Ich sah direkt zu ihm, doch er war in ein Gespräch mit Miguel vertieft. Das konnte ich wohl wegen einem solchen Grund nicht unterbrechen.
"Ähm, ich weiß nicht so genau", begann ich und kam mir komisch vor. Kam er nun mit oder nicht? Und warum würde ich meine Antwort auf seine anpassen?
"Ach, komm schon, Sam! Das wird bestimmt total lustig, wenn wir alle zusammen mal wieder weggehen. Der Strandausflug liegt doch schon eine ganze Woche zurück. Und die Uni war auch so anstrengend", quengelte sie.
Ich seufzte schwer.
"Komm ruhig mit. Wird sicher lustig", hörte ich es ganz plötzlich schräg von mir. Es war Raphael. Meinte er mich?Ich sah zu ihm um sicherzugehen und traf mit meinem Blick sofort auf seinen. Er lächelte sogar.
Was war denn jetzt los? War ich im falschen Film? Oder war es einer dieser Momente, die immer in Filmen auftauchten, kurz bevor die beiden Hauptfiguren wie wild übereinander herfielen?
Lustig wäre es bestimmt zu sehen, aber selbst daran beteiligt sein?
Na ja, ich würde wohl sehen wie es enden würde.
"Schön, ihr habt gewonnen."
"Juhuuu!", jubelte Zoey erfreut und sprang auf.
"Und ich werde dich schick machen. Heute wirst du alle mal total von den Socken hauen. Keiner wird dich erkennen. Daher werden wir auch nach den Jungs erst losgehen. Und auch getrennt in den Club hinein. Ich möchte zu gerne wissen, welcher dich erkennt."
Sie grinste über beide Ohren und bei ihre offensichtlichen Begeisterung kam ich nicht ohnehin mich ebenfalls darüber zu freuen. Wenn auch auf andere Art und Weise als sie.
Wenn es stimmte, was sie sagte und mich keiner erkennen würde, könnte ich selbst einigen Spaß haben.
"Ich würde lieber mit den anderen zusammen gehen" , gab ich jedoch gelangweilt zurück und aß weiter. Nach drei Tassen Kaffee verzog ich mich in mein Zimmer um zu sehen, ob ich überhaupt vernünftige Klamotten hatte.
Natürlich nicht!Ich war eben nicht so eine. Das war ich niemals.Toll, und was sollte ich nun machen?
Zoey!

Vorsichtig klopfte ich einige wenige Minuten später an ihre Tür. Nachdem sie freundlich herein gerufen hatte, betrat ich ihr Zimmer und ließ mich aufs Bett fallen.
"Du musst mir helfen!", sagte ich sofort ohne Umschweife und fiel nach hinten, damit ich an die Decke starren konnte.
"Ich weiß. Du meinst wegen Klamotten", lachte sie fröhlich und warf mir schon etwas auf den Bauch.
"Ich habe schon vorhin daran gedacht und etwas für dich raus gesucht. Du hast zwar größere Brüste als ich, müsstest aber ansonsten in meine Sachen rein passen. Wir müssen also nicht mal Geld für neue Teile ausgeben. Es sei denn, du willst unbedingt shoppen gehen."
Ich richtete mich wieder auf und sah sie verdutzt an.
"Ich und shoppen? So verrückt bin ich ganz sicher nicht! Und ich finde es wirklich toll, wie du an alles denkst. Ich wünschte, ich könnte auch so sein. Wenigstens mal eine Weile. Ich bin jetzt schon alt genug für alles und doch benehme ich mich meistens ziemlich kindisch und naiv für mein Alter", gab ich ganz ehrlich zu und seufzte.
"Ach, mach dir keinen Kopf darüber. Man soll doch immer ein Stück weit Kind bleiben und das Leben nicht allzu schwer nehmen."Zoey hatte wie immer Recht und ich lächelte sie dankbar an.
"Du hast Recht! Dann lass uns mal schauen!"
Und das taten wir.Wir versuchten unzählige Variationen und Farben aus.Und so verflog der Tag wie im Fluge für uns Mädels!


Raphael:

"Ach, komm schon, Raphael! Lass Madlene einfach fallen. Du hast immer so gute Chancen bei den Weibern. Und ich kapiere eh nicht, warum du nicht versuchst, mit Sam zusammen zu kommen. Sie ist echt eine Liebe und sieht gut aus."
Kevin kaute mir schon wieder das ganze Ohr wegen diesem langweiligen Thema ab. Na ja, langweilig wäre vermutlich das falsche Wort gewesen, aber so langsam langweilte es mich wirklich, immer wieder dieselben Dinge zu hören und erklären zu müssen. Vor allem jetzt.
Wenn der wüsste, was ich schon in die Wege geleitet hatte, wäre seine Miene sicher lustig anzusehen, doch noch sollte es keiner erfahren. Zu sehr wäre ich dann mit Fragen bombardiert worden.
Seitdem wir beschlossen hatten heute in einen Club zu gehen, war schon fast der ganze Tag vergangen und wir hatten die Mädels nur sehr kurz zwischendurch mal zu Gesicht bekommen.
Nicht einmal zum Mittagessen waren sie erschienen, obwohl es extra etwas gab, was die beiden mochten.
Und nun fragte ich mich doch, warum ich Samantha ermutigt hatte mitzukommen. Vor allem aber auch warum ich selbst mitging. Eigentlich war ich ja nicht so für Clubs zu begeistern. Und da Zoey einen im Auge hatte, hatte ich eh ein eher ungutes Gefühl bei ihrer Wahl. Und dennoch würde ich gehen. Egal, was ich selbst darüber dachte oder sogar die anderen.
Es wollte mir einfach nicht gelingen, dieses scheinbare verwunderliche Rätsel zu lösen.
Ich wusste nur, seit ich vor dieser einen Woche bei Madlene gewesen war, verhielt ich mich ein Stück weit wie früher bei Susan und Dad. Also zu der Zeit, in der ich Sam kennen gelernt hatte.
An und für sich war es ja nichts Schlechtes, doch das bedeutete anscheinend auch, dass Sam ganz anders zu mir war.Vor allem viel misstrauischer!
Es musste an diesem Kuss liegen.
So schnulzig und abgedroschen es auch klang, er hatte alles erneut verändert. Ob zum Guten oder Schlechten würde sich noch zeigen müssen.
Natürlich war mir auch schon vorher klar gewesen, dass meine Gefühle für Sam nie ganz verschwunden waren, doch erst nachdem ich ihre Lippen berührt hatte, wusste ich ganz sicher, ich wollte sie zurück haben. Ganz egal wie!Sam sollte wieder ganz und gar mir gehören.
Aber wie sollte ich das anstellen?
Wie es nämlich schien, hatte sie insbesondere gegen mich eine Mauer um ihr Herz errichtet. Diese musste ich also als Erstes zum Einsturz bringen. Der Kuss war schon mal ein guter Anfang dafür gewesen.
Als Nächstes musste ich sicher sein, ob Isa meine Tochter war oder nicht.
Erst wenn ich das ganz sicher wusste, egal wie das Ergebnis war, konnte ich bei Sam weiter kommen.
Und mit meinem Dad musste ich ebenfalls reden. Vermutlich in den nächsten Tagen.

Vor zwei Tagen hatte Sam mit ihrer Mutter telefoniert, was ich rein zufällig mitbekommen hatte, und dieses Gespräch, ich hatte nur kurz mitgehört, ging mir nicht mehr aus dem Kopf, denn komischerweise hatte Sam sich extrem für ihre kleine Schwester interessiert.
Klar, man fragte danach, aber nicht in diesem Maße. Jedenfalls hatte ich es bei niemanden bisher so gehört. Es war einfach zu merkwürdig.
Wenn ich herausfand, warum sie so war, konnte ich vielleicht verstehen, warum Sam so extrem gegen mich gestellt war, dass sie mich am Anfang hier so ausgetrickst hatte.
Dass ich einfach gegangen war, machte sie natürlich wütend, wie es wohl bei jedem so wäre und war, aber es steckte mehr dahinter. Ich konnte es regelrecht fühlen.
Vermutlich brauchte es jedoch noch eine ganze Menge an Zeit, ehe ich Antworten auf meine Fragen bekommen würde.

Ein Pfiff von Kevin, der genau neben mir stand, riss mich aus meinen Gedanken und ich sah ihn fragend an. Zum Teil vielleicht auch ein wenig verwirrt.Seine Augen leuchteten und doch sah er auch reichlich verwirrt aus. Als nächstes sah er erstaunt aus und sah weiterhin zur Wohnzimmertür.
Ich folgte seinem Blick und hätte mich fast verschluckt.War das etwa... SAM?!
"Wow du siehst ganz anders aus, Sam", staunte Miguel und ich konnte ihm gedanklich nur zustimmen. Wobei mir auch noch ganz andere Begriffe und Gedanken bei ihrem Aussehen einfielen. Und nur wenige davon waren jugendfrei.
Zoey hatte wirklich ganze Arbeit geleistet!

Sam trug einen, für meinen Geschmack viel zu kurzen, Rock, der an der Hüfte eng anlag und an den Oberschenkeln immer weiter auseinander ging. Er umschmeichelte damit ihre nackten Beine und ließ sie noch schlanker und größer erscheinen. Wozu dann auch noch die hohen mit den mörderischen Absätzen beitrugen.
Diese gingen bis etwas über dem Knie, im klassischen Schwarz und verdammt sexy!
Dazu trug sie ein hellblaues Top, mit Spitze am Brustansatz, und eine weiße Bluse darüber, deren Knöpfe bis unterhalb der Brust verschlossen waren.
Ohne es wirklich zu wollen, blieb mein Blick länger an ihren Brüsten haften, als es normal gewesen wäre. Na ja, mehr oder weniger.
Bildete ich mir das nur ein oder waren ihre Brüste seit damals wirklich noch größer geworden? Das fiel mir jetzt erst so wirklich auf.
Ich schluckte hart und kämpfte gegen meine aufsteigende Lust an. Dann zwang ich mich, den Blick von ihrer Oberweite weiter nach oben gleiten zu lassen.
Leider tauchten sofort Bilder der Erinnerungen in meinem Kopf auf. Besonders als ich ihr Schlüsselbein sah. Dort war sie immer so empfindlich gewesen. Und gut zu erregen.
Wieder musste ich schlucken. Was war denn nur los mit mir? Ich kannte Sam doch nun schon eine ganze Weile und dennoch erregte mich ihr Anblick sofort.

Endlich konnte ich mich dazu zwingen, in ihr Gesicht zu sehen.Durch das raffinierte Make-Up, welches nicht zu stark war, wirkten ihre Augen größer und farbintensiver, ihre Haut vollkommen makellos und ganz allgemein wirkte sie gleich viel erwachsener und auch sehr sinnlich und sexy.
Ihre langen blonden Haare hatte sie locker hochgesteckt, ein paar Strähnen raus schauen lassen und mit ein paar Spangen fixiert, wie ich auf den ersten Blick erkennen konnte. Aber genau diese Strähnen brachten wohl in jeden Mann den Wunsch hervor, die Spangen zu lösen und die Strähnen mit dem übrigen Haar zu verbinden, in das Haar zu greifen und den Kopf auf diese Weise zu einen Kuss heranzuziehen. Ihren Körper fest an sich gepresst und diese wundervollen Lippen geöffnet für ein heißes Zungenspiel.
"Wunderschön", kam es nun auch von Kevin und ich erdolchte beide mit meinen Blicken. Sie sollte meine Sam nicht mit solch lustvollen Blicken ansehen!
"Danke, ihr zwei", zwinkerte sie, was mich richtig wütend machte. Ich knurrte sogar leise. Wie konnte sie nur so mit denen umgehen?!Mein Knurren war wohl nicht so unerhört geblieben, wie ich gehofft hatte.
Sam sah mich an, fragend und zugleich nun total verunsichert. Das verwirrte mich ungemein.
"Wir wollten heute ausgehen! In einen Club, nicht in den Puff!", sagte ich spöttisch, damit man mir meine wirklichen Gedanken nicht anmerken konnte, und verließ das Wohnzimmer. Leider sah ich dennoch den verletzten Ausdruck in ihren schönen Augen.

Kapitel 17- Unkorrigiert allerdings =(

Samantha:

 

"Höre nicht auf diesen Idioten, Sam. Du siehst wirklich toll aus", sagte Zoey sofort und lächelte mich aufmunternd an. Ich winkte nur ab, obwohl er mich damit echt getroffen hatte. Mehr als ich je freiwillig zugeben würde. Besonders ihm gegenüber. Das war ungerecht!

"Als ob ich auf so einen hören würde. Vorher gefriert die Hölle! Außerdem sieht man doch an seiner Freundin, das er keinerlei Geschmack hat ", sagte ich hölzern und versuchte nicht zu zeigen wie es wirklich um mich stand. So ein Idiot! Er lernte einfach nie dazu. Seine Worte waren wirklich wie ein Schlag ins Gesicht gewesen. Immerhin hatte ich mich wegen ihm etwas verändern wollen. Ich seufzte leise.

"Wir sollten aber langsam wirklich los. Sonst wird es immer später und alles ist schon total überfüllt. Das mag ich überhaupt nicht." Ich sah Miguel belustigt an bei seinen Worten.

"Ich auch nicht", stimmte Kevin ihm zu und zwinkerte. Klar, ich wusste irgendwie genau was er eigentlich meinte. Und das war nicht der Platz im Club. Es hatte viel mehr mit den ganzen Mädels zu tun, die dann schon jemanden gefunden hatten. Und das wäre nicht er, umso später wir dort waren. Jungs waren wirklich leicht zu durchschauen. Junge Männer wie Raphael leider weniger. Obwohl er sich auch eher wie kleiner Junge verhielt. Zumindest im Moment. Aus ihm wurde ich einfach nicht schlau!

 

Raphael wartete unten auf uns und gemeinsam führen wir mit dem Taxi zu einen Club, bei dem man schon draußen sah, dass wir uns garantiert hier nichts leisten konnten. Ich sah Zoey fragend an. Was sollten wir hier?

"Keine Sorge, Leute", sagte sie nur, ging zielstrebig auf den Eingang zu und redete kurz mit einem der Türsteher,  ehe sie uns zu sich winkte. Ich war verwirrt, folgte ihre jedoch nach drinnen, genau wie die Jungs. Sie führte uns zum VIP Bereich und wir nahmen Platz.

"Zoey, was tun wir hier?", fragte ich sie etwas lauter um die Musik zu übertönen.

"Na feiern natürlich.  Das hatten wir doch heute vor", erklärte sie und grinste frech.

"Und wie sollen wir uns das leisten?" Ich warf einen Blick in die Karte und hätte mich fast verschluckt. Waren das ernsthaft die Preise hier? Wenn ja... ich sah wieder Zoey an.

"Macht euch darum keine Sorgen, Leute. Ihr könnt so viel trinken wie ihr wollt." Zoeys Erklärung bewirkte bei mir nur ein riesiges Fragezeichen über dem Kopf. Also bildlich gesehen.

"Sagen wir einfach mal, ich kenne den Besitzer und er ist mir noch eine Einladung schuldig. Die löse ich hiermit ein." War ich zu dumm um es zu verstehen? Ich seufzte leise und zuckte mit den Schultern. Zoey erklärte es auch den anderen, die nur frech grinsten und sich schon etwas aussuchten. Nun gut, dann würde ich es ihnen gleichtun.

Wäre ja auch komisch nur hier rum zu sitzen und nichts zu tun.

 

Als ich mich etwas verbeugte um die Karte wieder auf den Tisch legen, bemerkte ich Raphaels Blick sehr deutlich. Ich  drehte das Gesicht zu ihm und zog eine Augenbraue hoch. Was hatte er denn?

Ich seufzte leise, schüttelte langsam den Kopf und sah wieder in die Karte. Nun, Zoey hatte gesagt, da wäre noch etwas offen und das glaubte ich ihr. Dennoch bestellte ich mir einen, für diese Verhältnisse, preiswerten Drink. Als der Kellner kam, war hinter ihm noch ein Mann zu sehen. Ein ziemlich gut aussehender. Und wie!

Er begrüßte Zoey mit einen Kuss auf die Wange und deutete nach oben in eine Lounge, wo eine ältere Dame saß und zu Zoey winkte, mit einem strahlenden Lächeln. Zoey erwiderte dieses Lächeln sanft und winkte zurück. Kurz unterhielt sie sich mit diesen umwerfenden Fremden und gab dann die Bestellungen von uns an den Kellner weiter. Anscheinend ging es tatsächlich in Ordnung.

Obwohl die Augen dieses Kerls Zoey nun eiskalt ansahen. Fast so, als würde er versuchen, sie alleine durch seinen Blick zu verdammen. Merkwürdig...

Da musste ich doch einfach heraus finden, was da los war. Aber erst einmal wollte ich den Abend nun genießen und wir ließen uns nicht die Laune verderben. Ganz im Gegenteil!

Nach ein paar Drinks waren Zoey und ich ziemlich angeheitert. Anscheinend waren diese Drinks wirklich ihr Geld wert, auch wenn ich selbst nie so viel für ein Glas ausgeben würde. Und wir hielten uns ja auch noch zurück.

"Los, lasst uns tanzen!", schlug dann Kevin grinsend vor und stand auf.

Gleichzeitig stand auch Raphael auf, stellte sich zu mir und hielt mir seine Hand hin. Warum?!

"Lass uns gemeinsam tanzen, um der alten Zeiten Willen. "

An und für sich war sein Vorschlag gar nicht so verkehrt. Wobei mir auch gleich in den Sinn kam, das wir eigentlich noch nie so richtig feiern waren. Also nicht gemeinsam und in diesem Maße.

Daher nickte ich nun, nahm seine Hand und ließ mir von ihm aufhelfen.

Sein Verhalten in den letzten Tagen war schon so merkwürdig gewesen, dann vorhin sein Kommentar mit dem Puff, und jetzt wollte er also so tun, als hätte er mich nicht beleidigt?  Na schön, der Abend sollte ja friedlich bleiben.

 

Wir verzogen uns also auf die Tanzfläche, die anderen nicht weit entfernt. Und natürlich musste es so kommen, das in diesem Moment ein etwas ruhigerer Song gespielt wurde.

Raphael legte eine Hand an meine Taille und die anderen an meinem Rücken. Ich spürte die Hitze seiner Hand durch den dünnen Stoff hindurch und erschauderte. Diese sofortige Wirkung hatte eigentlich nur er auf mich, selbst wenn ich bei Rick fast genauso reagiert hatte, war doch ein wahnsinniger Unterschied zu erkennen, wenn man es genau verglich.

Mein Herz begann wild zu schlagen, meine Handflächen wurden feucht und ich musste den Blick mit Gewalt von seinen Augen lösen, die mich wie immer in ihren Bann zogen.

Er drückte mich sanft an sich und wir bewegten uns im Einklang zur Musik. Und so, als hätten wir nie etwas anderes getan, als zusammen zu tanzen. Es war total verrückt, doch auch vollkommen natürlich.

Ich schloss die Augen, schmiegte mich an seinen Körper, der mir Sicherheit gab, und lächelte leicht.

Warum sollte ich es nicht nur einen Moment genießen? Es sprach im jetzigen Augenblick absolut nichts dagegen.

Als ich auch kurz zu Zoey sah, nickte sie mir lächelnd zu. Es war also richtig.

Ich nahm den Kopf von seiner breiten Brust und sah zu ihm hoch. Sein Blick war fest in meine Augen gerichtet und seine Hand wanderte so hoch über meinen Rücken, das er meinen Oberkörper fester an sich presste.

"Sam...", hauchte er und mein Herz setzte kurz aus.

In diesem Moment wurden mir einige Dinge sehr deutlich bewusst...

Erstens: Ich würde Raphael, egal was er tat, was noch geschehen würde...ich würde ihn immer lieben. Für mich würde es niemals einen anderen geben. nicht so wie Raphael es war. ich konnte vielleicht andere Beziehungen haben, vielleicht sogar wieder verliebt sein, aber diese tiefe Liebe...Die würde es nie wieder geben!

Zweitens: Wenn er es jetzt sagen oder auch nur andeuten würde, würde ich ihn überall hin folgen, auch in sein Bett. Genauso wie ich an seiner Seite bleiben wollte, egal was geschah.

Drittens, und dies war der wichtigste Punkt: ich musste ihn unbedingt die ganze Wahrheit sagen. Alles, was damals passiert war. Alles, was ich ihn verheimlichte. Auch wegen Emely. Vielleicht war er bisher zu den falschen Schlüssen gekommen, das würde mich nicht wundern.

Und auch, was ich über seine ach so tolle Freundin raus gefunden hatte. Diese Geschichte mit dem Kerl im Einkaufscenter. Er musste es wissen. Und ich musste seine Reaktion darauf sehen.

Wenn er mich als Verrückte abstempelte, würden die ganzen anderen Überlegungen auch fürs erste auf Eis gelegt werden.

Obwohl ich nicht mal genau wusste, was er hatte sagen wollen, nickte ich nun und schon küsste er mich. ich schloss die Augen wieder, gab mich ganz diesen Empfindungen hin und spürte ganz plötzlich eine tiefe innere Ruhe.

Er drückte mich fester an sich, strich über meine Wirbelsäule und ich seufzte glücklich. Mittlerweile war wieder ein viel schnelleres Lied, doch wir bewegten uns noch immer langsam und andächtig. Fast als wäre die Zeit für uns ganz anders aufgeteilt.

Ich bekam kaum mit, das Raphael uns an den rand der Tanzfläche brachte und somit weg von unseren freunden und jeden, der uns stören konnte.

Er löste seine Lippen von meinen und sah mir wieder in die Augen.

"Lass uns gehen", flüsterte er mir ins Ohr und erneut nickte ich.

Ich wusste, es war mehr als nur falsch, was hier geschah, denn mir war durchaus bewusst, was er wollte, doch ich konnte nun nicht mehr nein sagen. Es ging nicht länger. und mein Gefühl sagte mir, das es geschehen musste. Egal aus welchem Grunde und warum es nicht richtig war, es musste passieren!

 

Schnell waren wir mit dem Taxi bei der Wg und schon im Flur begannen wir uns die Kleider vom Leib zu reißen und uns mit Küssen anzuheizen. Obwohl das schon gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Mein ganzer Körper stand seid dem Kuss auf der Tanzfläche schon in Flammen und ich dachte daran, jeden Moment zu verglühen. Raphael legte mich aufs bett, überhäufte mein Gesicht und meinen Hals mit Küssen, die ich ebenso leidenschaftlich, wie zärtlich, erwiderte.

"Raphael", keuchte ich, als er sich meinen mittlerweile nackten Brüsten widmete, hielt dann jedoch den Atem an, da seine Zunge um die Spitzen kreiste. Er brummte nur als Antwort, das er mich gehört hatte, machte aber weiter mit seinem Tun.

Verdammt! Es machte mich genauso wild wie damals.

Ich drückte den Rücken durch, als seine Zunge immer weiter wanderte, sich tiefer vortastete und meine Haut verbrannte.

"Du bist so schön", flüsterte er heiser, doch darauf konnte ich jetzt unmöglich etwas erwidern, denn seine Hand strich über diese empfindliche Stelle zwischen meinen Schenkeln.

Alles was danach geschah, nahm ich eher durch einen dichten Schleier war.

Es war nur fühlen, tasten, schmecken, genießen. Wir erkundeten uns vollkommen neu. Nun ja, es waren ja auch ein paar Jahre vergangen und beide hatten wir uns verändert. Wäre auch sehr merkwürdig wenn nicht...

 

Als ich danach erschöpft, aber durchaus sehr glücklich, in seinen Armen lag, lächelte ich sanft und zog mit einem Finger kleine Kreise auf seine schweißnasse Brust.

"Bereust du es?", unterbrach er die Stille und sah mich direkt an. ich erwiderte seinen Blick und schüttelte dann den Kopf.

"Nein, natürlich nicht. Gib mir bitte auch keinen Grund dazu", sagte ich leise und schloss einen Moment die Augen, ehe ich wieder in seine sah.

"Das werde ich nicht. Ich verspreche es dir, Sam..." Ich hatte das Gefühl, als hatte er noch etwas sagen wollen, dann jedoch nicht die richtigen Worte dafür gefunden. Nun, wenn es wirklich wichtig gewesen ist, dann würde es ihm schon wieder einfallen.

"Okay. ich weiß nicht wieso, aber ich glaube dir, Raphael. Nur..."

ich setzte mich auf und er sah mich fragend an.

"Wir müssen das zwischen uns klären, Raphael. So wie es jetzt ist, kann es nicht ewig weiter gehen. Du hast eine feste Freundin und eine kleine Tochter. ich möchte, da sich dein heimliches Betthässchen bin. Obwohl deine Freundin es mit der Treue ja auch nicht so genau nimmt", rutschte es mir raus und ich schlug mir eine Hand vor den Mund.

Sofort war die gute Stimmung dahin. In meinen Augen jedenfalls, denn wenn sein Blick töten könnte, wäre ich vermutlich grade erdolcht worden.

"Was meinst du damit?", fragte er sofort, setzte sich ebenfalls auf und sah mich direkt an.

"Los, red schon, Sam!"

 

Kapitel 18- nur grob korrigiert =(

 

Unbehaglich sah ich zur Seite und wusste nicht mal so wirklich, wie ich es ihm sagen sollte. Nun, eigentlich hatte ich das ja gerade, doch nicht genug. Es gab einfach viel zu viel, das es zu sagen gab. Und genauso viel, das lieber ungesagt bleiben sollte, aber dennoch gesagt werden musste.

"Sam, ich fordere dich nicht noch einmal auf. Sage mir jetzt, was du damit meinst, das sie nicht treu ist! Ich muss es unbedingt wissen. Es ist wirklich wichtig!"

Bildete ich mir das nur ein, oder wollte er es aus einem ganz bestimmten Grund wissen? Aber aus welchem?

Ich schwieg auch weiterhin, sah ihm nur in die Augen und dachte weiterhin darüber nach. Wobei ich eher weniger darüber nach dachte, ob ich es ihm sagen, als darüber, warum es so extrem wichtig für ihn erschien. Ja, natürlich war es imemr wichtig, ob der Partner einen betrog, doch hier schien es mir eher so, als wolle er es wissen, um...

Tja, genau hier lag meine große Frage. Um was?!

Ich hatte einfach keine richtige Erklärung dafür. Vermutlich würde ich diese auch vorläufig nicht bekommen.

„Was weißt du, Sam?!“

Ich biss mir auf die Unterlippe und seufzte dann.

In kurzen Worten fasste ich zusammen, was ich gesehen hatte. Seine, Ach so tolle Freundin mit diesem komischen Typen. Und wie vertraut sie miteinander gewirkt hatten. Auch, das ich mich natürlich täuschen könnte. War ja heutzutage alles möglich. Die Leute gingen doch so oder so viel ungezwungener miteinander um als es noch vor hundert Jahren der Fall war.

„Warum willst du es so wissen? Ich meine, da steckt doch mehr dahinter als einfach nur ihre Untreue, oder?“, fragte ich ihn dann direkt. Hätte ich ihm nichht in die Augen gesehen, wäre mir vermutlich das Aufblitzen darin entgaangen. So hatte ich es jedoch wahrgenommen und es warf noch einmal zig tausend Fragen auf.

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel mehr dahinter steckt, Samantha. So viel.“

 

Er wirkte... befreit. Vielleicht sogar richtig glücklich.

Verstehe einer die Kerle! Ich tat es jedenfalls von Tag zu Tag weniger. Und dieses besondere Exemplar hier sowieso. Er war immer so widersprüchlich und doch liebte cih ihn mit einer Intensität, die mir selbst so manches Mal Angst einjagdte.

„Dann sage es mir bitte. Ich will es verstehen, denn ich glaube, sie hat etwas damit zu tun, das du vor zwei Jahren einfach verschwunden bist. Ich kann mir dieses Gefühl auch cniht erklären, aber seitdem wir alle am Strand waren und ich gesehen habe, wie du zu ihr und dem Kind warst, kann ich nicht mehr von diesen Gedanken weg kommen. Bitte, Raphael. Ich glaube, das bist du mir und deinem Vater auf jeden Fall schuldig. Auch wenn ich persönlich mit dir abgeschlossen habe, so wird dein Vater das niemals tun. Und er vermisst dich. Unendlich. Und deine kleine Schwester will dich sicher auch einmal kennen lernen.“

Und wieder dieses Aufblitzen in seinen Augen!

Als ich seine Schwester erwähnte, spürte ich selbst den altbekannten Schmerz in meiner Brust.

Nur mit Mühe konnte ich mich davon abhalten, eine Hand auf meinen flachen Bauch zu legen. Eine sehr verräterische Geste...

„Nein, Sam, noch nicht. Es ist noch zu früh. Ich muss erst...“

Er brach ab und shcüttelte den Kopf. Was hatte er sagen wollen?

„Zu früh?! Ich glaube, du verkennst die Realität gewaltig, mein Lieber. Du bist einfach verschwunden! Spurlos. Keiner wusste wo du bist, ob es dir gut geht, ob du überhaupt noch lebst! Wir haben uns alle die größten Sorgen gemacht. Und ich gab mir sehr lange die Schuld. Ich habe mir selbst eingeredet, wenn ich bei dir geblieben wäre, dann wärst du nicht gegangen. Wenn ich dich nicht alleine gelassen hätte...“

Nun brach ich ab und schüttelte den Kopf.

„Nein, Raphael, es ist nicht zu früh. Im Gegenteil. Es ist schon viel zu spät. Und egal was du erst noch tun musst, du kommst zu spät. In den letzten zwei Jahren ist etwas geschehen, das alles verändert hat. Das Leben von mehreren Menschen. Und dieses Etwas kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, egal was du tust oder auch nur versuchst“, machte ich ihm ganz eindeutig klar.

Es war mir vollkommen egal, das ich verbittert klang. Fast schon so, als würde ich ihn hassen oder dergleichen. Aber ich konnte ihm auch nicht die ganze Wahrheit sagen. Es ging ganz einfach nicht. Auch wenn ich mir im Moment wünschen würde, das es anders wäre.

Es war, wie ich ihm sagte, manche Sachen konnten nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Und genauso wenig konnten sie sich wieder erholen. Oder?

Vielleicht machte ich mir sogar selbst etwas vor, denn tief in meinem Inneren wünschte ich mir nichts sehnlicher, das alles wieder gut werden konnte. Nur der Schmerz saß noch zu tief, war auch jetzt noch viel zu frisch. Ob er jemals heilen würde? Alleine ganz sicher nicht.

 

„Sam, bitte, ich... Ich verspreche dir, dass ich...“ Er seufzte schwer und fuhr sich durch die Haare, wobei er die Augen schloss und tief durchatmete.

„Du musst mir nichts versprechen, Raph, der Zug ist abgefahren, das sagte ich doch so eben. Deinem Vater musst du dich stellen, ich habe dafür keine Verwendung mehr.“

Er ließ die Arme sinken und sha mir in die Augen.

„Warum hasst du mich so sehr, Sam? Das ich verschwunden bin, ist kein Grund für das hier. Und schon gar nicht, nachdem was zwischen uns heute geschehen ist. Ich denke, nicht nur ich schulde Jemanden Antworten, nicht wahr?“

Er fasste mich an den Schultern und zog   mich wieder näher an sich. Seine Nähe war wie immer berauschend, doch davon durfte ich mich auf keinen Fall beeinflussen lassen. Das wäre nämlich mein Ende. Naja, im bildlichen Sinne gesprochen.

„Du weißt ganz genau, das du recht hast und es etwas gibt. Aber ich habe dir auch schon gesagt, das ich dir nichts weiter erzählen werde. Finde dich damit ab und lebe dein Leben weiter wie bisher. Scheint doch ganz gut zu klappen. Und keine Sorge, ich wird mich nach einer eigenen Wohnung umschauen. Dann müssen wir einander nicht mehr ertragen und landen auch nicht mehr im Bett.“

Ich riss mich aus seinem Griff los und funkelte ihn nun wütend an.

Raph knurrte leise, sah mcih nun ebenso wütend an und amchte eine wegwerfende Handbewegung.

„Ach, leck mich doch, Sam! Wenn du nichts sagen willst, werde ich es auch nicht tun!“

Er stürmte aus dem Zimmer und kurz darauf hörte ich, wie die Badtür zugeschlagen wurde.

 

Vollkommen fertig mit den Nerven ließ ich mich auf den Boden sinken und legte eine Hand auf mein wild schlagendes Herz. Ich musste mich unbedingt beruhigen. So konnte es nicht weiter gehen. Eigentlich war dies grade die perfekte Gelegenheit gewesen ihn alles zu sagen, doch mir fehlte der Mut. Und ich wollte ihm nicht weh tun.

So verrückt es auch klingen mochte, ich wollte es wirklich nicht.

Ja, er hatte mir mit seinem Verschwinden, seienr Tochter und neuer Freundin, sehr weh getan, aber das tat meinen Gefühlen ja keinen Abbruch.

Schluchzend legte ich meine Hände vors Gesicht und gab mich ganz diesem Gefühl hin.

Es tat unglaublich gut alles raus zu lassen und nicht imemr nur die Starke zu sein, für die mich alle zu halten schienen. Das alles nur gespielt war, kümmerte doch niemanden. Warum auch? !

 

Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, doch als ich den Blick wieder hob, stand Raphael erneut in meienr zimemrtür. Hatte er mir die ganze Zeit zugesehen? Warum? !

„Was willst du noch?“, fragte ich mit brüchiger Stimme und wischte mir die Tränen aus den Augen und von den Wangen.

Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt, lehnte im Türrahmen und sah mich undurchdringlich an.

„Sag doch was“, fügte ich hinzu da er keine Anstalten machte einen Ton raus zu bringen.

Er ließ die Arme sinken, kam nun auf mich zu und hockte sich vor mich.

„Sam... Ich glaube dir nicht. Das es zu spät ist für uns. Das es ein uns geben kann. Ich weiß, es klingt merkwürdig und unter diesen Umständen auch vollkommen verrückt, aber...“

Er strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und ein leichtes Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht.

„Ob du es mir glaubst oder nicht, aber... Ich liebe dich noch imemr, Sam. Ich habe nie damit aufgehört. Und ich will nicht mehr dagegen ankämpfen.“

Mein Herz setzte einen langen Moment aus, nur um dann doppelt so schnell wie vorher zu schlagen. Hatte er es gesagt? Hatte er gesagt, er würde mich noch imemr lieben?!

Ich starrte ihn wieder einmal an, als sei ihm ein zweiter Kopf gewachsen, oder als hätte er grade Flügel bekommen und wäre auf und davon.

„Ich weiß genau, du liebst mich auch noch, sonst wären wir nicht im Bett gelandet. Und du würdest auch nicht imemr so heftig auf mich reagieren. Ich kenne dich besser als du glaubst. Ich weiß absolut noch alles von früher. Ständig denke ich an die Hütte, wo wir eingeschneit waren. Ich habe deinen Duft in meiner Nase, deinen Geschmack auf meinen Lippen. Du warst und bist allgegenwärtig. Und ich will dich wieder fest an meiner Seite haben, aber ich muss dafür etwas machen. Wegen isa.“

Ich verstand absolut nicht was er mir eigentlich genau sagen wollte, doch zu einer Erwiderung kam ich eh nicht, denn sein Kuss raubte mir den Atem.

Vielleicht war nun doch die zeit gekommen, nicht mehr zu kömpfen.

Manchmal gewann man einen Kampf nicht durch ein KO, sondern auch eien Niederlage konnte ein Sieg sein.

 

Ich schloss die Augen und erwiderte den Kuss leise seufzend. Es war anders als wie beim Sex. Hier waren so viele Gefühle, die mcih berauschend und sich so gut anfühlten.

Ja, auch ich wollte und konnte nicht länger dagegen ankämpfen.

Als er seine Lippen von mir löste, nahm er meien Hände und lächelte mcih an.

„Bitte, warte auf mich. Vertrau mir, ich werde für alles eine Lösung finden. Und dann werde ich dich so glücklich machen, das du nie wieder weinen musst. Deine Tränen tun auch mir weh, Sam.“

Ich schluchzte wie zuvor und schlang meine Arme um ihn.

 

„Ich liebe dich auch noch immer, Raphael.“

Kapitel 19- nur grob überarbeitet

 

Seid diesem denkwürdigen Tag, waren nun ganze Zwei Wochen vergangen. Und die waren nicht nur spaßig gewesen für mich. Eher sogar das Gegenteil, obwohl ich mich immer besser hier einlebte und eine gewissen Routine entwickelte. Raphael war die meiste Zeit nicht da, was mich ungemein störte. Besonders jetzt wo es so schien, als könnten wir doch ncoh zueinander finden. Ich wollte ihm ja vertrauen und versuchte an ihn zu glauben, doch ich sehnte mich nach seinen Küssen und seiner Nähe, seiner Umarmung, seinen Worten. Das war wirklich zum verrückt werden. Und das nicht im positiven Sinne gemeint!

Vor allem hätte ich niemals im Leben damit gerechnet, das es sich so zwischen uns entwickeln würde.

War es gut?

Oder eher schlecht?

Weder konnte ich es mit Sicherheit sagen, noch verspürte ich den Drang, es genauer unter die Lupe zu nehmen. Mir fehlte die Kraft und ja, auch die Lust dazu. Wer wusste schon, was sonst noch dabei heraus kommen würde. Vermutlich war es etwas, das nicht meinen Gefallen fand.

Ich würde einfach abwarten und hoffen. So wie damals. So wie er es getan hatte...

 

Seufzend nahm ich die fertigen Nudeln vom Herd, goß sie in ein Sieb und schreckte sie kurz mit kaltem Wasser ab.

Mein Blick verschleierte sich, meine Gedanken drehten sich imner weiter. Meist nur im Kreis. Was sollte ich nur tun?

Na zumindest war es mir erspart gewesen, seine komische Tusse zu sehen. Wobei mir einfiel...

Wenn er mir sagte, er würde nicht mehr gegen seine Gefühle für mich ankämpfen und ich ihm auch offenbart hatte, das meine Gefühle ebenfalls nicht erloschen waren, mit wem war er dann zusammen? Noch immer mit ihr oder waren wir jetzt wieder ein Paar?

Vor Schreck über diesen Gedanken, ließ ich einen Teller fallen, der in zig Teile zersprang. Ich zuckte zusammen und sah auf die Scherben hinunter. Damals, als ich erfahren hatte das Raphael verschwunden war, hatte ich mich genauso gefühlt. Als wäre mein Leben in zig Teile zersprungen und nicht mehr zu reparieren.

Ich hockte mich hin und begann die Scherben aufzusammeln. Und natürlich schnitt ich mich dabei. Ich war eben noch immer der Pechvogel Nummer eins!

„Lass das, ich mach es weg“, hörte ich eine mir sehr bekannte Stimme und sah auf, in das Gesicht des Mannes, dem meine Gedanken und Gefühle gehörten.

„Raphael“, hauchte ich wie so ein liebeskranker Teenager. Ob ich mal zum Arzt gehen sollte deswegen?

„Samantha“, erwiderte er lächelnd, kam zu mir und hockte sich ebenfalls hin. Er nahm meine Hand und sah sich den Schnitt an. Sehr eingehend, sodass mein Finger schon anfing zu prickeln.

„Es sind keine Splitter drin. Ein kleines Pflaster drauf und alles ist gut“, lautete seine weitreichende Diagnose und zauberte mir ein Lächeln dabei ins Gesicht. Ziemlich fachkundig, dachte ich amüsiert.

„Sind sie sicher, Herr Doktor?“, fragte ich und leckte mir über die trockenen Lippen. Seine Augen blitzten sofort und ich wusste, wir dachten das Gleiche.

„Nun, vermutlich haben sie Recht. Wir sollten es eingehender untersuchen. Aber erst nach dem Essen“, schmunzelte er, erhob sich und zog mich mit hoch. Im nächsten Moment lagen seine Hände an meinem Rücken und seine Lippen auf meinen.

Aufstöhnend erwiderte ich diesen süßen Kuss und schloss die Augen.

„Ich habe dich vermisst“, sagte er leise an meinen Lippen und schaute mich ernst an.

„Ich dich auch“, brachte ich nur mit Mühe und nach einem Schlucken, raus.

 

Er nahm meine Hand, führte mich zum Tisch und zwang mich sanft, mich zu setzen. Dann kehrte er die Scherben auf und sah mich zärtlich an.

„Es tut mir Leid, das ich in den letzten Tagen kaum Zeit hatte“, entschuldigte er sich dann seufzend.

„Wie ich dir sagte, muss ich noch was erledigen...“

Ich sah ihn nun misstrauisch an und zog eine Augenbraue hoch.

„Es ist aber nichts illegales, oder? Denn mit so etwas möchte ich nichts zu tun haben“, stellte ich sofort klar und duldete nicht mal, das er versuchte mir was anderes einzureden.

Er lachte rau.

„Nein, keine Sorge, ganz so schlimm ist es nicht.“

„Okay, dann ist ja gut. Um was geht es dabei?“, fragte ich dann versöhnlich gestimmt, wobei mir –ganz so schlimm- auch nicht behagte, und ziemlich neugierig. Tja, meine Neugier war schon immer groß gewesen.

Er schweig eine ganze Weile und sah aus dem Fenster. Es schien wirklich wichtig zu sein, denn sonst wäre er einfach so mit der Sprach raus gerückt. Aber dass er sich so viele gednaken darum amchte, bereitete mir Unbehagen. Es konnte mir nicht gefallen, was er gleich sagen würde. So sehr ich mir auch etwas anderes wünschte, doch sein Gesicht und seine ganzen Gesten sprachen eine ganz andere Sprache.

„Es geht um Isa“, sagte er dann leise und sofort senkte ich meinen Blick und schluckte. 

Isa, seine Tochter...

Irgendwie musste ich lernen damit zu leben, wenn ich mit ihm zusammen sein wollte. Und ich meine, die Kleine konnte ja nun wirklich am allerwenigsten an der ganzen Situation, aber sie war auch gleichzeitig das Wichtigste. In meinen Augen jedenfalls. Und ich rechnete es Raphael auch hoch an, das er für sie da war und sich kümmerte, statt immer nur Geld zu schicken. Ich fand es wirklich gut.

„Was ist mit ihr?“, fragte ich ebenso leise wie er ebend gesprochen hatte.

Ich hörte ihn schwer seufzen und sah aus dem Augenwinkel, wie er sich durch die Haare fuhr. Das hatte er früher auch immer getan, wenn er nicht wusste, wie es weiter gehen sollte.

Das war kein gutes Zeichen, nicht in meinen Augen.

 

„Ich war mir schon immer unsicher, ob...“

Da er abbrach, sah ich direkt zu ihm, stand auch auf und ging zu ihm.

„Ob, was?“, hakte ich ermutigend nach.

„Ob sie wirklich meine Tochter ist“, beendete er dann seinen Satz und ich sah ihn abwartend an, obwohl mein Herz raste. Da kam noch mehr.

„Was lässt dich zweifeln?“

„Du hast doch ihre Mutter erlebt, oder? Ich wusste schon eine Weile, das sie noch andere hat und das die geringe Chance besteht, dass Isa nicht meine Tochter ist, aber verdammt, ich mag die Kleine wirklich. Und für ihre Mutetr kann sie ja auch nichts.“

Mit einem Nicken stimmte ich ihm dabei zu und erinnerte mich an den Ausflug zum Strand.

 

Ich hatte sie aus einem ganz bestimmten Grund gemieden, doch auch ich hatte bemerkt, wie süß sie war.

„Was würde sich ändern, wenn sie es nicht ist?“

Denn darauf wollte er ja anscheinend hinaus. Warum sollte er es mir denn sonst auch erzählen. Immerhin war auch zwischen uns noch lange nicht alles geklärt. Im Moment schien eher alles in der Schwebe zu hängen.

„Einfach alles, Sam, verstehst du das denn nicht? Es würde uns ändern. Es würde die Vergangenheit ändern...“

Er sah mich fast schon verzweifelt an und ich seufzte leise.

„Also in meinen Augen würde es auch nichts ändern. Nicht bei der Sachlage, die ich von dir bisher bekommen habe. Also, klär mich auf, damit ich es verstehe.“

Wie kam es eigentlich, dass wir in diesen Augenblick ganz vernünftig miteinander reden konnten, wo wir uns sonst ständig an die Gurgel gegangen sind? Es kam ja nicht nur von mir aus.

 

Er löste meine Hand von seinen Arm, ich hatte sie wohl unbewusst darauf gelegt, und drehte mir den Rücken zu.

„Maddy und Isa sind der Grund, warum ich vor zwei Jahren verschwunden bin“, sagte er dann ernst.

Wie bitte?! Wegen den beiden?! Aber...

Ich schluckte einen aufgebrachten Kommentar hinunter und presste die Lippen zusammen. Würde ich ihn jetzt unterbrechen, würde er vielleicht nicht weiter erzählen, aber es war wichtig, das wir Schritt für Schritt alles klärten.

 

„Ich habe Monate lang auf dich gewartet, gehofft, gebetet, dass du zu mir zurück kommst. Das ich dich in die Arme nehmen kann, dich küssen, dich einfach bei mir haben kann. Du hast mir so unglaublich gefehlt. Und obwohl wir diesen Streit ja noch hatten, konnte ich nur an dich denken. Es tat weh, das du weit weg bist und mich nicht mal bei dir haben wolltest. Und im laufe der Zeite... Ich dachte, du würdest vielleicht doch keine Gefühle für mich haben, das es nur ein Spiel war, also bin ich wieder feiern gegangen mit meinen Leuten. Und dabei habe ich Maddy kennen gelernt.“

Er machte eine Pause und sah mich an.

„Ich weiß, es ist keine Entschuldigung und ich hasse mich auch selbst dafür, aber...es ist einfach passiert! Sie sah dir ähnlich, die Haare noch anders gefärbt, nicht so mager wie diese ganzen Schnicksen...“

Raphael schüttelte den Kopf und ich ballte die Hände zu Fäusten.

Bloß nicht ausrasten, sagte ich mir innerlich und zählte mehrmals bis Zehn und wieder zurück. In Acht von Zehn Fällen half es den Leuten, ruhig und sachlich zu bleiben.

Ich war ihm ja auch dankbar, das er jetzt so ehrlich war, aber einen tiefen Schmerz hinterließ es dennoch. Und einen bitteren Geschmack auf der Zunge.

Und dann war da auch ncoh die tatsache, das ich auch ncoh etwas sehr wichtiges vor ihm verbarg. Etwas, wofür ich ihn sogar ein wenig hasste, auch wenn die Liebe überwog. Eindeutig sogar, denn sonst stünde ich jetzt nicht hier.

Desweiteren hatte ich selbst auch meinen Beitrag dazu geleistet, das er überhaupt gedacht hatte, ich hätte nur gespielt.

Okay, es war wirklich sehr kompliziert und unglaublich frustrierend!

 

„Okay, also... du warst feiern, hast bestimmt eine Menge getrunken um dich abzulenken und en Schmerz zu betäuben und dann ist sie dir über den Weg gelaufen und du hattest Sex mit ihr. Sehe ich das richtig?“, fasste ich alles bisher gehörte mehr für mich als für ihn zusammen. Ich ließ meine Stimme absichtlich schärfer klingen und sah, dass er leicht zusammen zuckte. Geschah ihm ganz recht!

Okay Sam, ganz ruhig, ermahnte ich mich selbst und seufzte schwer als er dann nickte.

„Und dann?“

Immer war das kein Grund abzuhauen!

„Ich hatte nur dieses eine Mal mit ihr, hatte eigentlich auch geglaubt, sie nie wieder zu sehen. Und ich hatte sogar vor, sobald du dich wieder meldest, das ich es dir erzähle. Ich wollte nicht, das so etwas zwischen uns stand nachdem du endlich über die Sache mit deinem Bruder hinweg bist. Leider änderte sich die Lage, als sie plötzlich bei mir auftauchte und mir verkündete, sie wäre schwanger von mir.“

Wieder fuhr er sich durch die Haare und wieder schluckte ich schwer.

„Das ist für dein Verschwinden doch aber kein Grund. Du hättest wenigstens deinem Vater sagen können, das du gehen willst. Oder, das du einfach Zeit für dich brauchst um mit der Situation umgehen zu können. Diese Zeit brauchte ich doch auch, als ich...“

Ich brach ab und schüttelte den Kopf.

Nein, so wollte ich ihm nicht davon erzählen, denn ich wusste, es würde ihn vollkommen aus der Bahn werfen und er würde sich all die Schuld geben. Aber hierbei lag die Schuld nicht bei ihm.

Er zog eine Augenbraue hoch und sah mich fragend an.

„Als du, was?“, hakte er nach. Nun schüttelte ich den Kopf.

„Nicht jetzt, Raphael. Das muss ich dir in einer ruhigen Minute sagen, nicht so zwischen Tür und Angel.“

Er nickte widerstrebend, ich sah es ihm an, und strich mir über die Wange.

„Okay, Sam. Die Hauptsache ist, das du es mir erzählen willst, nicht so wie am Strand.“

Ich lächelte ihn an und schmiegte meine Wange an seine Hand.

„Das werde ich tun. Sobald du alles geklärt hast.“ Zumindest hatte ich dies im Moment vor, doch wir wussten beide, das es zwischen uns immer diese Spannungen gab und das ich gerne auch mal runzickte. Daran konnte auch das Älter werden absolut nichts ändern.

Ewig würde dieser Frieden ganz gewiss nicht anhalten. Und wer weiß schon, was passierte in der Zukunft, wo ich meine Meinung vielleicht wieder änderte.

Auch wenn es nicht wirklcih fair von mir war. Aber so war ich nun mal. Und raphael wusste das auch ganz genau, ich musste ihm ncihts vormachen. Selbst jetzt konnte ich in seinem Gesicht lesen, das er daran zweifelte, das ich es ihm erzählen würde und ich konnte ihm keinen Vorwurf daraus machen. Dafür war es einfach shcon zu oft vorgekommen.

 

„Hilfst du mir beim Essen machen?“, fragte ich daher um die Spannung zu lösen.

„Gerne. Was hattest du denn vor gehabt?“, stimmte er zu.

„Ach, nur was einfaches. Es ist so derbe warm. Nudeln mit Tomatensoße mit einem schönen frischen Salat.“ Wieder nickte er und begann alles für den Salat heraus zu nehmen.

Dabei fiel mir ein, wir hatten noch nie so direkt gekocht. Damals das in der Hütte zählte ja wohl kaum als zusammen kochen...

Seine Nähe fühlte sich wirklich schön an, auch der derzeitige Frieden zwischen uns.

Raphael war noch nicht ganz fetrig mit seinem Reden, doch ich wusste genau, jetzt war er wegen mir von seinen Vorhaben abgelenkt. Da brachte es nun wirklich nichts ihn zu drängen. Hinterher würden wir uns nur wieder anschreien, streiten und mal wieder getrennte Wege gehen. Das war weder gut, noch half es irgendjemanden. Nicht uns und auch usneren Eltern und Freunden nicht.

Doch eine Sache musste ich gleich noch klären: Mit wem war er jetzt zusammen?!

„Raphael? Ich muss es dich jetzt einfach fragen!“

Ich atmete tief durch und straffte die Schultern. Auch er spannte sich sichtlich an, da mein Tonfall schon besagte, das es ziemlich wichtig für mich war.

„Nach dieser Sache vor zwei Wochen... Sind wir wieder ein Paar?“

Ich sah ihn direkt an, er erwiderte meinen Blick nicht.

„Sam, ich...“

Okay, egal was er jetzt sagen würde, ich würde definitiv nicht damit zufrieden sein!

Schon alleine das er nicht einfach ja sagte...

 

Kapitel 20- nurgrob überarbeitet

 

Raphael: 

 

Es war vollkommen egal, was ich nun sagen würde, ein Streit wäre nicht abwendbar. Ich hoffte nur, dass sie sehen konnte, wie weh es mir selbst auch tat und dass ich mir wünschte, es wäre anders.

„Ich kann Maddy nicht sagen, das Schluss ist, ehe ich weiß, ob Isa meine Tochter ist. Maddy würde mir sofort den Kontakt verbieten, wodurch ich keinen Test machen lassen kann und wenn sogar raus kommen würde, das Isa meine Tochter ist, dürfte ich sie vermutlich nicht mehr sehen. Jedenfalls nicht ohne das gerichtlich entscheiden zu lassen.“

Sam schnappte nach Luft und ich fühlte, wie sie sich augenblicklich vor mir zurück zog.

„Soll das heißen, obwohl das mit uns passiert ist und du mir gesagt hast, du würdest mich noch immer lieben, das du mit ihr zusammen bist?!“

Der Unglaube stand ihr ins Gesicht geschrieben als ich mich nun doch wagte, den Blick auf sie zu richten.

„Ich habe es dir doch gerade erklärt, Sam.“

„Ja, das mag sein, aber das heißt noch lange nicht, das ich diese Entscheidung tolerieren oder akzeptieren könnte! Was denkst du dir eigentlich dabei?!“

Sie stemmte ihre Hände in die Hüfte und sah mich vorwurfsvoll an.

„Das ist kein Spiel, Raphael. Du kannst nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen!“

Sie schüttelte traurig schauend den Kopf und ich spürte einen Stich im Herzen.

Natürlich hatte sie Recht damit, aber ich konnte nun mal noch nicht frei sein. Ich musste es mit Isa erst wissen, ehe ich mit Sam zusammen sein konnte.

„Das ist wirklich nicht fair, Raphael. Als du mir gesagt hast, du würdest mich noch lieben, habe ich wirklich Hoffnung geschöpft. Ich habe geglaubt, sogar eben noch, das jetzt alles gut wird. Wie kannst du noch mit ihr zusammen sein und mit mir schlafen, mich lieben, mich vermissen? Ich verstehe es einfach nicht!“

Ich gab ihr keine Antwort darauf, zog sie stattdessen an mich und küsste sie voller Liebe. Sie erwiderte, natürlich tat sie das, und wieder spürte ich einen Stich.

Ich tat ihr schon wieder weh...

Bestimmt stemmte sie mich dann jedoch weg, atmete, wie ich, schwer und sah mich an.

„Darum, Sam. Ich liebe Maddy nicht, schlafe nicht mit ihr und vermisse sie nicht eine Sekunde. Das alles fühle und tue ich nur bei dir. Bitte, vertrau mir.“

„Wie soll ich dir denn vertrauen, wenn du mit ihr zusammen bist?“

 

Sie klang gequält. 

Verdammt!

„Nein, Raphael. So leid es mir wirklich tut, aber bist du das mit ihr wirklich geklärt hast, bin ich für dich nicht verfügbar. Bitte, versteh das. Ich...“

Sam brach ab, schüttelte wieder den Kopf und ich seufzte nur. Sie hatte ja Recht. Leider.

„Aber...“, fügte sie hinzu und ich sah sie voller Hoffnung an.

„Aber?“ 

„Wenn du irgendwie Hilfe brauchst, oder jemand zum reden...“

Sie brauchte nicht weiter zu reden, ich wusste was sie sagen wollte und lächelte.

„Okay. Warte noch ein wenig auf mich, ja?“

ich sah ihr in diese wunderschönen Augen und hoffte so sehr, das sie es verstehen würde und das sie...ja, das sie einfach in meiner Nähe wenigstens noch blieb. Ich wollte und konnte sie nicht jetzt schon wieder verlieren. Niemals wieder!

 

 

Samantha:

 

Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich regelrecht und ich versuchte noch zu verstehen, was eigentlich genau vor sich ging. Ja, ich konnte nachvollziehen, was Raphael meinte, aber ich hieß es dennoch nicht gut. Für niemanden konnte es gut sein. Er musste das wirklich so schnell wie möglich klären. Auch für die Kleine.

Ich löste mich aus seiner Umarmung, atmete tief durch und schloss für den Bruchteil einer Sekunde meine Augen, ehe ich ihn ernst ansah.

„Okay, aber ich sage dir gleich, ich werde das nicht ewig mitmachen. Das mit uns beiden steht eh schon auf der Schneide, schon lange Zeit. Aber es ändert nichts an meinen Gefühlen, Raphael. Ich liebe dich und ich will dazu stehen.“

„Mir geht es doch auch so, Sam.“ Er lächelte und mir sprang das Herz wieder über. In dieses Lächeln hatte ich mich vor ein paar Jahren verliebt. Und dieses Lächeln hatte noch immer so viel Macht über mich.

Es war regelrecht beängstigend was er alles mit mir machen konnte, wogegen ich mich nicht einmal wehrte. Denn selbst wenn cih es gewollt hätte, es lag nicht in meiner Macht.

Okay, das klang jetzt ziemlich kitschig, aber die Wahrheit war es nun mal auch.

„Gut, dann lass uns fertig kochen und was essen. Miguel wollte auch so gegen 14 Uhr wieder hier sein. Wohin Zoey ist, weiß ich allerdings beim besten Willen nicht. Sie verschwindet ständig am Tage, aber Abends kommt sie mit einen glücklichen Lächeln wieder.“

Auch wenn es nicht zum Thema passte, ich musste einfach über etwas anderes reden. Würde ich das nicht tun, tja, ich denke mal, ich würde in die Luft gehen. Oder doch noch was falsches sagen. Und, verdammt noch mal, das wollte ich nun wirklich nicht riskieren!

„Nun, vielleicht ist sie verliebt“, sagte Raphael und sah nachdenklich zu mir.

„Da benehmen sich die Leute nun mal anders als es sonst der Fall ist.“

Ich stimmte ihm zwar zu, aber ihre Augen hatten nicht den Anschein eines verliebten Mädchens gemacht. Und ich musste es doch wissen, wo ich jeden Tag in ein solches Gesicht vor dem Spiegel sah.

„Nun, vielleicht. Am besten werde ich sie einfach mal ganz direkt danach fragen. Wenn sie rot wird oder anders verlegen, weiß ich Bescheid“, sagte ich fröhlich und widmete mich der Soße fürs Essen.

Es fiel mir wirklich unglaublich schwer nach dem eben gesagten zwischen uns einfach so zu tun als wäre alles in Ordnung. Nichts war in Ordnung, doch was sollte ich schon groß dagegen tun? Richtig, da gab es absolut nichts.

 

Eine halbe Stunde später aßen wir gemeinsam, wobei ich mich fragte, wo die anderen waren. Miguel hatte schon längst wieder hier sein wollen.

Immer wieder sah ich zur Uhr, auch um mich abzulenken und Raphael nicht ansehen zu müssen.

„Hast du Lust irgendwas zu unternehmen?“, riss er mich aus meinen Gedanken und ich sah ihn sichtlich verwirrt an. Er wollte was machen? Bei der bestehenden Spannung?!

Oh man, Männer mussten wirklich nerven wie Drahtseile haben, schien es mir.

„Um ehrlich zu sein, nein, nicht wirklich. Frag am besten deine Freundin“, konnte ich mir nicht verkneifen und sah, wie er sich sofort anspannte.

„Willst du jetzt wieder so anfangen, Sam? Wirklich?“

Er schien verärgert zu sein, aber das war mir herzlichst egal. Ich hatte viel mehr Grund dazu, aber ich benahm mich dennoch gut für diese Verhältnisse.

„Aber es ist doch wahr. Ich meine, wir können nicht so tun, als wäre alles bestens, das weißt du selbst. Und du hast auch selbst gesagt, du kannst jetzt wegen Isa nicht mit ihr Schluss machen. Also solltest du etwas mit ihr unternehmen. Ich würde mich sogar anbieten auf die Kleine aufzupassen. Vielleicht kannst du sogar dabei das Thema wegen so einem Test ansprechen. Lass es doch einfach so aussehen, das wir daran zweifeln und du es uns beweisen willst.“

Wenn ich so darüber nachdachte, meine Idee war eigentlich wirklich gut. Und Raphael schien es auch so zu sehen, denn er dachte darüber nach.

„Das ist gar nicht mal so doof“, stimmte er wirklich zu und sah mich musternd an.

Hatte ich was im Gesicht oder so?

„Was ist?“, wollte ich wissen und hob eine Augenbraue.

„Nichts. Ich bewundere dich nur. Darf ich nicht?“

Ich wurde sofort rot und senkte den Blick. Warum wurde ich deswegen denn jetzt verlegen?

„Doch, mach was du willst“, sagte ich nur leise und stand auf um meinen Teller in den Spüler zu stellen. Mein Herz pochte noch immer so schnell und ich versuchte das unter Kontrolle zu bekommen, doch es war so gut wie unmöglich. Alleine ein Gedanke an Raphael ließ meinen Puls in die Höhe schießen. Ob das jemals vergehen würde? Nein, vermutlich nicht...

„Gut, das werde ich machen. Und hiermit fange ich an“, hörte ich ihn ganz dicht hinter mir sagen und erschauderte

Im nächsten Moment drehte er mich herum und küsste mich leidenschaftlich. Tja, Sam, du hast es ihm ja geradezu angeboten, dachte ich nur und erwiderte den Kuss natürlich. Als ob ich widerstehen könnte. Nein, nicht bei ihm, niemals.

 

„Was wird denn das?“

Ich zuckte leicht zusammen als ich Miguels Stimme hörte und auch Raph löste sich sofort von mir, legte aber einen Arm um mich. Hatte ich ihm nicht deutlich genug gesagt, das ich so etwas erstmal nicht wollte? Aber na ja, ich hatte auch den Kuss erwidert...

„Wonach sieht es denn aus?“, fragte Raph an meiner Seite und schien ziemlich gute Laune zu haben.

„Als ob du Zweigleisig fährst“, erwiderte Miguel ruhig und sah mir in die Augen. Ich wurde sofort wieder verlegen und schon Raph seinen Arm fort.

„Nun, das habe ich nicht vor. Aber selbst wenn, dich ginge es nichts an.“ 

„Oh, da irrst du dich. Ich habe Frank versprochen auf Sam aufzupassen. Das beinhaltet auch Jungs.“

„Nur gut, das ich schon ein Mann bin.“ Raphs Antwort ließ mich ganz leicht schmunzeln. Wo er recht hatte, hatte er eben recht.

„Ich finde es nicht sehr männlich, zwei Feuer im Ofen zu haben“, konterte Miguel, und nun musste ich ihm zustimmen.

„Ich denke, Sam ist alt genug um selbst zu entscheiden, was sie will und vor allem wem“, knurrte Raph nun.

 

Geriet ich hier jetzt in so einen Machtkampf? Bitte nicht!!

 

Kapitel 21-nur grob überarbeitet

 

Raphael:

Ich musste mich wirklich sehr zusammen reißen um diesem Möchtegern nicht an die Gurgel zu gehen.
Mir war schon vorher aufgefallen, dass er ziemlich an meiner Sam hing und sich aufführte wie ein großer Bruder. Nun hatte ich jedoch eher das Gefühl, als wollte er mehr sein als ein Bruder. Und das ließ ich ganz sicher nicht zu. Sie gehörte mir!
„Und du denkst, du wärst der Richtige für sie? Dass ich nicht lache. Du hast ihr schon einmal das Herz gebrochen und du wirst es ganz sicher wieder tun, denn du bist nicht frei, Raphael. Du hast eine Freundin und eine Tochter. Meinst du nicht auch, sie hat es verdient jemanden zu haben, der nur sie sieht?“
Bei seinen Worten spürte ich einen tiefen Stich im Herzen und sah kurz zu ihr. Im wesentlichen hatte er ja schon recht, doch ich würde sie nicht aufgeben. Niemals!
Ich hatte sie schon einmal verloren, doch das Schicksal bot mir eine zweite Chance und die würde ich ergreifen.
„Glaub mir, Miguel, im Herzen sehe ich nur sie. Und das wird für immer so sein“, erklärte ich, woraufhin Sam ganz große Augen machte. Ja, ich stand ganz offen dazu. Jetzt endlich. Und das sollte sie ruhig bemerken und sich gut einprägen, denn schon bald würden es alle wissen.
„Das ändert nichts an den Tatsachen, Raphael. Du spielst nur mit ihr. Und wenn du nicht aufpasst, kommt einer, der genau sieht, was sie für ein Schatz ist und Sam würde es gut tun. Und wenn sie Glück hat, wird sie dann jemanden haben. Nur du stehst dann alleine da.“
Ich knurrte ihn wieder an.
„Du hast einfach keine Ahnung, Mig, also halte dich da raus!“, blaffte ich und stürmte aus der Küche. Dieser... Was mischte der sich überhaupt ein? Er wusste nichts, absolut NICHTS!
„Raph, warte.“ Ich blieb vor meinem Zimmer stehen, drehte mich zu Sam um und sah ihr in die Augen.
„Was ist?“ Meine Stimme klang viel schroffer als ich es ihr gegenüber wollte, nur war ich im Moment viel zu wütend über Mig, als das ich es hätte verhindern können. Sie zuckte sichtlich zusammen und ich seufzte schwer.
„Sorry“, murmelte ich und wartete darauf was sie sagen wollte.
„Ich...“, begann sie leise, atmete tief durch und lächelte mich an. Dieses Lächeln in das ich mich sofort verliebt hatte.
„Ich warte darauf, das du alles erledigst. Ich warte auf dich“, sagte sie dann fest und mein Herz blieb fast stehen. Das war wirklich mehr als ich verdient hatte.
„Sam...“ Sie nickte nur, drehte sich um und wollte zu ihrem Zimmer gehen, doch ich schlang von hinten die Arme um sie und drückte mein Gesicht in ihr schönes dichtes Haar.
„Ich beeile mich. Für dich“, flüsterte ich leise, ließ sie wieder los und verschwand in meinem Zimmer.



Samantha:

Als er mich umarmte und diese Worte in mein Ohr flüsterte, begann mein Herz wieder zu rasen. Ich schluchzte auf, weil es auch unglaublich weh tat. Wieso war die Liebe nur so? Wieso musste man so leiden, bevor man glücklich werden konnte, denn das wir es werden würden, daran hatte ich nur wenig Zweifel und die würden sich mit der Zeit auch einfach legen. Das hoffte ich zumindest.
Und ich war stark. Ich würde es aushalten. Wie ich auch damals alles ausgehalten hatte. Die Enthüllungen über Gabriel, das mit Raphael und dann mein...
Nein, energisch schüttelte ich den Kopf. DARAN wollte ich jetzt ganz sicher nicht denken. Es tat noch immer viel zu weh. Aber ich musste es Raph bald erzählen. Immerhin hatte er jedes Recht darauf es zu erfahren.
Ich ging schnell in mein Zimmer, wühlte im Schrank herum und nahm eine kleine Decke heraus, die ich fest an mich presste. Als ich den Duft roch, den die Decke noch immer verströmte, kamen mir sofort die Tränen und ich kniff die Augen zusammen.
Der Druck in meiner Brust wurde fast übermächtig und das Atmen fiel mir immer schwerer, sodass ich mich anch vorne beugte und versuchte tief durch zu atmen.
Ich musste es ihm sagen. So schnell wie es ging. Eigentlich hatte ich nun wirklich lang genug geschwiegen, doch die ganze Zeit war es einfach nicht möglich.
Zuerst hatte ich es nicht gewollt, weil ich einfach noch zu sauer und enttäuscht war, und nun war es einfach so, das es nicht passte.
Aber würde es jemals den richtigen Moment dafür geben?
Er musste sich auch betrogen fühlen sobald er dieses Geheimnis erfuhr. Vermutlich würde er sich aber auch selbst die Schuld geben. Das wollte ich nicht. Es war nicht seine Schuld.

Erst nach über einer Stunde beruhigte ich mich soweit, das ich die Decke wieder verstaute, mir das Gesicht wusch und mein Make-Up erneuerte. Ich wollte nicht, dass man bemerkte, dass ich geweint hatte. Okay, viel konnte ich da nicht machen. Meine Augen waren geschwollen und rot.
Seufzend schüttelte ich den Kopf vorm Spiegel, atmete wieder tief durch und ging ins Wohnzimmer. Zoey saß auf der Couch und sah irgendwie nachdenklich aus. Auch der ausgeschaltete Fernseher, auf den sie starrte, bestärkte mich in der Vermutung, das irgendwas ihr wirklich zusetzte.
Ich ließ mich neben sie fallen wodurch die sichtlich zusammen zuckte. Es schien so, als wäre sie aus einer Trance erwacht.
„Hey“, sagte sie schwach lächelnd. Ich erwiderte ihr Lächeln.
„An was denkst du denn so tief?“, fragte ich und hoffte inständig das sie nicht einfach das Thema auf meine Augen lenken würde. In ihren Augen sah ich die unausgesprochene Frage natürlich und seufzte innerlich. Doch ich war ihr wirklich sehr dankbar das sie die Frage nicht stellte, denn ich hatte ganz ehrlich keine Ahnung, was ich ihr dann sagen sollte. Oder würde.
„Ähm, über...“ Sie schien fieberhaft nach einer glaubwürdigen Antwort zu suchen, was mich die Stirn runzeln ließ. Eine Lüge wollte ich nun wirklich nicht hören.
„Du musst nicht darüber reden, wenn du nicht magst, Zoey.“
Sie seufzte leise und schüttelte den Kopf.
„Ich schätze, es wäre gut, wenn ich darüber rede, aber...ich weiß einfach nicht, wie“, gestand sie leise, seufzte schwer und schüttelte den Kopf.
„So Schlimm?“ Ich legte eine Hand auf ihre Schulter und lächelte nun aufmunternd. Sie nickte nur leicht und sah mich wieder an.
„Naja, ich arbeite doch neben der Uni ehrenamtlich in so einer noblen Seniorenresidenz. Und da versteh ich mich ganz wunderbar mit einer älteren Dame. Ich mag sie wirklich total gerne und verbringe auch die meiste Zeit nur mit ihr. Sie wohnt dort nicht, kommt nur wegen Freunden des Öfteren dorthin. Und sie macht mir ständig Geschenke. Die sind, nun ja, nicht besonders billig. Ich protestiere jedes Mal, doch sie besteht darauf, dass ich sie annehme. Na ja, und sie hat einen Enkel. Ihr habt ihn kennen gelernt. Ihm gehört der Club wo wir waren.“
Sie machte eine Pause und ich starrte sie mit offenen Mund an, ehe ich dann breit grinste.
„Und er gefällt dir gut. Deswegen hast du dich ihm gegenüber auch so benommen“, riet ich einfach mal und grinste als sie sofort errötete. Jetzt machte es natürlich alles Sinn. Großen Sinn sogar!
„Na ja, dass alleine ist es nicht.“
Ich sah sie bei dieser Bemerkung fragend an und wartete ab. Immerhin wollte ich sie zu nichts drängen.
„Er kann mich nicht ausstehen! Er glaubt sogar, ich würde seine Großmutter bedrängen mir ständig etwas zu schenken.“
„Bist du dir da sicher? Also, dass er dich nicht ausstehen kann?“
Sie nickte leicht und sah wieder auf den Boden.

Wie sollte man Zoey nicht mögen?!
Sie war sehr lieb, immer freundlich zu jeden und total hübsch war sie auch. Ihre Manieren waren tadellos und auch half sie, wo es etwas zu helfen gab. Ohne etwas dafür zu verlangen.
Also diesen Typen konnte ich nicht verstehen. Es ging einfach nicht in meinen Kopf. Man musste sie nur einen Tag kennen um zu wissen, das sie nichts auf Geld gab.
Aber vermutlich hatte er bisher ganz einfach die falschen Frauen kennen gelernt.
„Er ist ein riesiger Idiot“, grinste ich, legte einen Arm um sie und drückte sie kurz an mich.
„Du bist eine ganz tolle junge Frau und wenn er schlecht von dir denkt, hat er ganz einfach nichts im Kopf. Also denkt nicht weiter über so einen nach. Das scheint er gar nicht Wert zu sein.“
Sofort lächelte sie wieder amüsiert.
„Wie kommt es nur, dass du anscheinend immer genau weißt, was man hören muss um wieder Lächeln zu können, Sam? Jemand wie du ist mir noch nie begegnet. Aber ich bin froh, dass du hier bist und ich dich kennen lernen durfte.“
Ihre Worte verblüfften mich und erfüllten mein geschundenes Herz mit Stolz und Freude.
„Ach, übertreibe doch nicht!“, winkte ich nun wieder viel besser gelaunt ab und stand wieder auf.
„Wollen wir einen Abend nur für uns machen?“, wollte ich dann wissen und grinste frech wie es nun mal meine Art war.
„Das klingt gut. Kino und Imbiss?“, fragte sie dann ebenso grinsend und erhob sich. Ich nickte.
„Ja, perfekt. Mehr brauchen wir doch gar nicht! Scheiß auf Kerle, die bringen nur Kummer. Und Kummer bringt graue Haare. Glaub mir, um auszusehen wie ne Großmutter, habe ich noch viel zu viel Zeit. Und du auch, meine Hübsche“, lachte ich.



Damit war es also beschlossen. Und schon eine Stunde später standen wir an der Kasse zum Kino und lachten ausgelassen. Es war herrlich sich für den Moment frei zu fühlen. Frei und unbeschwert. Als wären die Sorgen mal für eine gewisse Zeit nicht von belang und man konnte alles nach hinten schieben.
Wir kauften die Karten, holten noch Popcorn und Cola und gingen dann in den Saal von unserem Film.
Es war noch recht leer, vermutlich, weil die meisten die Werbung nicht sehen wollten, und so konnten wir noch weiter rum albern.
Nach der Werbung ging für einen Augenblick wieder das Licht an. Kennt man ja, der Eisverkäufer machte noch einmal seine Runde.
Ich entspannte mich und schloss für einen Moment die Augen. Ja, ich fühlte mich gut und nichts und niemand konnte mir das nehmen.
„Wollen wir noch schnell auf Klo?“, fragte Zoey und ich nickte. Ja, wäre vermutlich besser so.
Schnell standen wir auf und gingen die Stufen zur Tür runter, doch da passierte es, dass ich mit jemanden zusammen stieß.
Ich sah auf, um mich zu entschuldigen, und erstarrte sofort. In mir stieg blankes Entsetzen hoch und ich musste mich an der Wand abstützen.
„Alles okay?“, fragte der Kerl vor mir.
Bei seiner Stimme kam nun auch ein Schauer über meinen Rücken und ganz wortwörtlich gefror mir das Blut in den Adern und ich starrte ihn ein paar Minuten einfach nur an. Zumindest kam es mir wie Minuten vor.
Vermutlich waren es aber nur wenige Sekunden.
So langsam kam wieder Leben in mich. Ich hob die Hand und strich über seine Wange.



„Gabriel?!“

Kapitel 22- nur grob korrigiert

 

Er zuckte zusammen und starrte mich nun seinerseits vollkommen entgeistert an. War er es wirklich? Konnte das wahr sein?! Oder war das nur ein Trugbild meiner Wünsche und Gedanken? 

Aber ich hatte ihn doch damals gefunden! Erhängt in seinem Zimmer!

So etwas konnte man doch nicht spielen. Oder?

Nein, SO konnte man seinen Tod nicht vortäuschen.

Außerdem hatte er doch keinen Grund dazu gehabt.

Ein Schluchzen stieg in meiner Kehle auf als er es nicht abstritt. Jedoch auch nicht bestätigte. Er sah mich einfach nur an.

Im ersten Moment hatte er geschockt gewirkt, doch nun konnte ich kein Gefühl in seinem Gesicht ablesen. Oder auch nur ansatzweise sagen, was er dachte.

„Gabriel“, sagte ich noch einmal und spürte nun die Tränen an meinen Wangen herunter laufen. Wie war das nur möglich?

Täuschte ich mich und hatte einfach nur einen Doppelgänger vor mir. Auch so etwas sollte ja schon vorgekommen sein. Auch wenn das dann wirklich ein richtig mieser Schlag ins Gesicht wäre vom Schicksal.

Und er würde mich dann seinerseits sicherlich auch anders ansehen. Als würde ich ihn einfach verwechseln oder dergleichen. Aber das tat er nicht.

„Woher kennst du den Namen von meinem...Moment...“

Diese Stimme versetzte mir noch mal einen Schlag.

„Du...du bist Samantha?!“, fragte er dann so merkwürdig schockiert. Natürlich war ich Samantha! Und das vor mir war mein geliebter Bruder Gabriel!

Mechanisch nickte ich nur und versuchte die Tränen von meinen Wangen zu wischen, was sich als einfach nur nutzlos heraus stellte, da sofort neue darüber liefen. Sie wollten nicht aufhören.

Tja, da weinte ich an einem Tag gleich zwei mal. Zum schreien!

Und dann nahm ich erst wieder wahr, dass Zoey ja neben mir stand, mir damit auch Halt gab, den ich dringend benötigte. Und obwohl sie nicht verstand, was hier vor sich ging, ergriff sie meine Hand, stellte sich dicht zu mir und lächelte. Ich liebte sie in diesem Moment für ihre Gegenwart und ihr offensichtliches Verständnis.

„Kann man denn auch erfahren, wer du genau bist?“, nahm sie mir die Rolle der Fragenden ab. Aus mir wäre im Moment eh kein weiteres vernünftiges Wort heraus gekommen. Nur unverständliches Gebrabbel. Wenn überhaupt. Und das wäre dann wirklich ein kleines Weltwunder.

Er sah sie an und seufzte dann unendlich schwer. Als würde eine Last auf seinen Schultern liegen, die nur er selbst abbauen konnte. Und die ihn niederdrückte. Immer weiter und weiter nach unten.

„Ich heiße Luka.“ Alles in mir wollte aufbegehren.

Nein, nicht Luka, Gabriel!

Verdammt!

„Und ich bin Samanthas Bruder. Um genau zu sein, der Zwillingsbruder ihres Bruders Gabriel. Und bisher...“

Nun sah er mich wieder an. Mittlerweile war mir alle Farbe aus dem Gesicht gewichen und meine Beine drohten nachzugeben.

Geistesgegenwärtig hielt er mich sofort fest, was mir nur noch mehr einen Schock versetzte. Besonders als er mich vorsichtig und besorgt schauend an sich drückte, damit ich nicht wirklich auf den Boden sank.

 

Ich spürte die Wärme seines starken Körpers. Fühlte wie sein Herz heftig gegen seinen Brustkorb schlug und sein Puls immer schneller wurde. Wie bei einem heftigen Kick in etwa. Sein Atem strich warm und sanft über mein Gesicht.

Er war kein Geist, kein...  was auch immer.

Erst nach und nach sickerte dann zu mir durch, was er gesagt hatte.

„Zwillingsbruder?“, hauchte ich meiner eigenen Stimme nicht mehr vertrauend.

Ich wusste davon nichts. Nichts von einem weiteren Bruder. Und schon gar nicht von einen Zwilling!

So langsam kam es mir wirklich so vor, das meine Eltern mir alles und jeden verheimlichten. Und ganz augenscheinlich hatte unsere Familie viele Leichen im Keller vergraben.

Nun, ganz anders war ich da auch nicht, wenn ich an mein Geheimnis Raphael gegenüber dachte. Aber das war, verglichen mit dem was ich schon von Gabriel erfahren hatte, und was nun vor mir lag, nichts!

Für mich jedenfalls nicht, denn es ging bei meinem Geheimnis einzig und allein um mich und Raphael. Da war kein anderer mit verstrickt.

Nun nickte er, Luka, mir zu und sah mir direkt in die Augen. In seinen konnte ich nur Aufrichtigkeit erkennen und... War das Freude?

Ich war so unsagbar verwirrt und aufgewühlt. Am liebsten wäre ich schreiend nach Hause gerannt, hätte mich auf mein Bett geschmissen und wäre niemals wieder aufgestanden.

Das alles - mein Bruder, nein, meine beiden Brüder, Raphael, mein Geheimnis...Es war eindeutig zu viel auf einmal.

So viel konnte doch kein Mensch lange mitmachen. Und ganz ehrlich, hatte ich nicht schon genug in meinem Leben erlebt? Das reichte glatt für hundert weitere Leben, wie ich fand.

„Aber...wie...warum?“, stammelte ich wenig geistreich. Ach, das würde mir in dieser Situation sicherlich keiner übel nehmen. Zumindest niemand bei klarem Verstand.

Er schüttelte den Kopf.

„Nicht hier und jetzt, Samantha. Wir sollten in Ruhe reden.“

Okay, er hatte ganz eindeutig Recht. Gut, dass wenigstens einer noch denken konnte. Mein Gehirn hatte sich mittlerweile sicher schon verabschiedet und befand sich auf einer sehr langen Reise.

„Gib mir einfach deine Nummer, dann rufe ich dich nachher an und wir...“

„Nein!“ Ich unterbrach ihn einfach, klammerte mich an sein Shirt und sah ihn panisch an.

Ich wollte einfach nicht, dass er mich jetzt alleine ließ. Nicht, nachdem es so viel zu reden gab. So viel zu klären. So viel aufzuholen!

„Sam, bitte, beruhige dich.“ Er lächelte nun ganz charmant.

„Du musst dir keine Sorgen machen. Ich lasse dich jetzt nicht mehr allein, nachdem ich dich endlich gefunden habe.“

„Du...du hast nach mir gesucht?“, fragte ich perplex und starrte ihn aus großen Augen an. Luka lachte leise, was mir durch Mark und Bein ging.

„Natürlich. Nach dir, Gabriel, unseren Eltern. Schon einige Jahre sogar.“

 

Ooookayyy, so langsam fühlte ich mich leicht verarscht. War das hier versteckte Kamera oder etwas derartiges?

Oder war heute einfach nur  – lasst uns alle Sam schocken – Tag? Denn genau SO fühlte es sich an.

Ich hatte ja nicht einmal Zeit um irgendetwas zu verdauen!

Leute, jetzt mal ehrlich, konntet ihr das alles glauben? Nein? Ich auch nicht!

„Gabriel...er ist...er ist nicht mehr“, flüsterte ich den Tränen erneut nahe. Luka schnappte nach Luft und spannte sich an.

„Wie?“, fragte er nur mit leiser Stimme. Nun war ich es, die den Kopf schüttelte.

„Du hast recht, nicht hier und jetzt.“ Ich nickte leicht und versuchte mich an einen kleinen Lächeln.

„Gut, also, dann gibst du mir deine Nummer und ich rufe dich an. Und dann treffen wir uns morgen. So können wir beide uns beruhigen und wieder klarer denken“, schlug er vor. Hieß das, sein Hirn war auch umnebelt? Nun, wundern würde es mich ja wirklich nicht.

„Ja, so machen wir es“, erwiderte ich nun wieder etwas fester. Der erste Schock war irgendwie einer gewissen Lähmung gewichen, sodass ich nicht mal mehr versuchen musste meine Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Sie waren einfach eingefroren.

„Sam? Lass uns nach Hause gehen“, sagte Zoey dann neben mir, lächelte meinem Bruder zu, der nur nickte, nahm meine Hand und drückte diese.

„Ja, lass uns gehen“, antwortete ich sofort und sah Luka intensiv an. Wenn er einfach so verschwand nach dieser Geschichte... Tja, drei Mal dürft ihr raten, wo man mich dann finden konnte. Die Männer mit den – hab mich lieb – Jacken lauerten sicher schon hier irgendwo. Nur auf ihre Chance lauernd, mich zu packen und in eine dieser übelriechenden Gummizellen zu stecken.

Ich gab ihm schnell meine Nummer und schon zerrte Zoey mich regelrecht aus dem Kino hinaus.

Ich blickte immer wieder nach hinten und erst als wir im Taxi saßen, stieß ich die Luft geräuschvoll aus.

„Ich hab das nicht geträumt oder?“, wisperte ich zitternd. Mir war nicht kalt, aber der Schock setzte mir nun richtig zu.

Gabriel hatte einen Zwillingsbruder!

„Nein, du hast es nicht geträumt. Er war wirklich da und hat diese Bombe platzen lassen. Auch wenn ich nicht so ganz verstehe, um was es ganz genau geht. Nur so einen groben Teil davon.“

Sie sah mich nachdenklich an, runzelte die Stirn dabei und seufzte dann ganz leise, sodass ich es kaum gehört hatte.

„Was ist mit deinem Bruder Gabriel passiert, Sam? Wie ist er gestorben und warum?“, fragte sie dann und ich wurde wieder blass um die Nase. Außerdem wurde mir total übel.

Ich sah es wieder vor mir, wie er an dem Balken in seinem Zimmer hing.

Ich spürte wieder, wie ich einen Schrei ausstieß, zu ihm rannte und an seinen Bein zerrte.

Konnte sein Gesicht wieder vor mir sehen.

Die Augen weit aufgerissen, blutunterlaufen. Das Gesicht kalkweiß, keine Atmung mehr.

Ich schrie immer und immer wieder seinen Namen, aber er gab mir keine Antwort.

Ich weinte, schrie, weinte nur noch mehr und irgendwann zog mein Vater mich von ihm fort. Er drückte mich an seine Brust, ließ mich keinen weiteren Blick auf Gabriel werfen. Meinem geliebten großen Bruder.

Am liebsten hätte cih in diesen Augenblick, hier im Taxi, Zoey neben mir, erneut geschrien,

„Er...“

Und ganz leise erzählte ich ihr was damals geschah. Auch wie und wann ich den Grund für seinen Selbstmord erfahren hatte. Und dann rutschte es mir auch noch raus.

Mein Geheimnis Raphael gegenüber.

 

„Zu diesen Zeitpunkt war ich auch schon von Raphael schwanger...“

Kapitel 23 - nur grob korrigiert

 

Es vergingen etliche Sekunden, bis mir bewusst wurde, was ich soeben offenbart hatte.

„Schwanger? Von unserem Raphael?!“

Sie sah mich mit großen Augen an, sah kurz auf meinen Bauch und dann wieder in meine Augen.

„Und wo...“ Ich unterbrach sie mit einem Kopfschütteln.

„Bitte, darüber will ich nicht reden“, flüsterte ich heiser und schloss die Augen. Doch im nächsten Moment piepte mein Handy und zeigte mir eine Nachricht von Raphael.

 

„Sam, würdest du mit mir heute Abend essen gehen? Es muss nichts großes sein. Und wenn du nicht willst, müssen wir auch über nichts Wichtiges reden. Ich will nur, mit dir Essen gehen. Bitte, sag ja.“

 

Ich las die Nachricht ein paar Mal durch, doch wurde nicht schlauer daraus. Ja, am Inhalt an sich gab es nichts falsch zu verstehen, aber nachdem, was heute zwischen uns passiert war, konnte ich es mir nicht so ganz erklären. Und auch nicht darauf vertrauen, das es keine Falle war. Raphael traute ich in manchen Situationen echt alles zu.

Außerdem... Nein, im Moment fühlte ich mich ja nicht mal in der Lage, alleine zu laufen. Da kam Essen gehen erst recht nicht in Frage. Und ihn wollte ich jetzt auch nicht wirklich sehen. Oder doch?

Vermutlich wäre es sogar das Beste, wenn ich ihm ein paar Tage wieder aus dem Weg ging. Auch wenn ihm das nicht zusagen würde, mir würde es unendlich gut tun. Und ich hatte ihm ja eh schon versprochen, zu warten. Auf ihn. Vielleicht sogar auf eine gemeinsame Zukunft.

Nur musste dafür noch so einiges getan werden.

Dabei würde ich jetzt mit Luka beginnen, während Raphael sich um seine komische Freundin kümmern konnte. Ja, ich war ein Depp, dass ich immer noch an diesen Idioten hing. Aber nun ja, ich konnte nicht einfach aus meiner Haut.

 

„Sorry, bin wirklich k.o. heute. Lass es uns auf ein anderes Mal verschieben. Wenn alles bei dir und mir geklärt ist. Nicht jetzt, Raphael. Bitte, hab Verständnis dafür. Es ist einfach zu viel auf einmal alles.“

 

Ja, meine Antwort klang einleuchtend, lieb und auch passend. So schickte ich sie ab und steckte das Handy wieder in meine Hosentasche. Wenn er noch mal eine Antwort schrieb, würde ich sie später lesen.

Zoey sah mich verständnisvoll an und lächelte lieb. Was mich auch wieder daran denken ließ, was sie mir über sich und diesen Kerl erzählt hatte.

Wenn es wirklich so war wie sie sagte, und er konnte sie nicht leiden, dann verstand ich einfach nicht warum. Sie war doch perfekt! Schon ein paar Mal, seitdem ich hier war, hatte ich mir gewünscht, wie sie zu sein. Der Kerl musste sie einfach nur mal richtig kennen lernen. Nicht nur oberflächlich.

„Okay, Sam, aber falls du doch jemanden zum reden brauchst, auch über die Sache mit deinem Bruder, dann kannst du jederzeit zu mir kommen, das weißt du hoffentlich.“

Ich nickte ihr zu und seufzte schwach. Sie war nun die Einzige, die das mit meinem zweiten Bruder wusste. Bisher jedenfalls. Ich hatte sogar das dringende Bedürfnis, mit Raph darüber zu reden. Obwohl es mehr als nur dämlich von mir war.

Und natürlich mit meinen Eltern musste ich darüber reden. So schnell es ging.

Ob meine Eltern überhaupt eine Ahnung davon hatten, das er aufgetaucht war? Warum war er eigentlich verschwunden? Wohin war er verschwunden? Und warum hatten sie nicht mal um ihn getrauert oder so? Konnte man sein eigenes Kind einfach vergessen? Ignorieren?

Es gab so vieles zu klären in meinem Leben.

So viele Sachen, die nicht eben mal kleine Dinge waren und schnell geklärt waren.

Nein!

Natürlich nicht.

Es konnte nichts einfaches, wie die Wahl der Schuhe oder welches Top heute dran war, sein.

Sicher gab es genug Leute, die auch so ihre Probleme hatten, aber meine kamen mir wie unüberbrückbare Hindernisse im Moment vor.

„Danke, Zoey“, lächelte ich, stand auf, streckte mich und atmete erst einmal gaaanz tief durch. Ich brauchte dringend frische Luft. Sehr dringend.

 

Doch als ich die Haustür öffnete, fand ich mich natürlich Raphael gegenüber.

Klar, Schicksal, noch einen Schlag in die Fresse. Mach nur weiter so, dachte ich genervt.

„Sam...“ Er lächelte mich an, zog mich einfach an sich und küsste mich.

Überrumpelt hielt ich einfach nur still, ehe ich selbstvergessen erwiderte und die Augen schloss. Vielleicht war das besser als frische Luft. Oder mein Untergang.

„So schnell kannst du mich nicht abwimmeln, das müsstest du doch genau wissen. Und deine Worte kannst du dir auch sparen. Jetzt, wo ich dich wieder habe und weiß, das du mich immer noch liebst, gebe ich nicht auf!“

Dieser Kerl war immer wieder für eine Überraschung gut. Naja, so wurde es auf jeden Fall niemals langweilig in meinem Leben. Obwohl ich mir in der ein oder anderen Situation echt gewünscht hätte, meine Ruhe zu haben. So wie jetzt zum Beispiel.

Zoey kam in den Flur um zu sehen, was hier los war und seufzte dann schwer. Ja, konnte ich gut verstehen.

„Raph, jetzt lass sie doch mal ein paar Minuten in Ruhe“, kam sie mir dann zur Hilfe.

Erst jetzt befreite ich mich aus seinem Griff. Er sah erst Zoey, dann mich leicht verwirrt an.

„Hab ich was verpasst?“

Wie konnte er jetzt nur sowas fragen? War der Junge nicht ganz richtig im Kopf? Manchmal dachte ich ja schon, das er, übrigens genau wie ich, eingeliefert gehört.

Das zwischen uns konnte jedenfalls kaum gut für den Kopf sein.

„Ich habe dir doch gesagt, nicht heute, Raphael. Glaub mir, im Moment bist du mein geringstes Problem“, seufzte ich nun ebenso schwer wie Zoey vor nicht mal einer Minute.

Sein Blick wurde sofort verschlossen. Nur den Grund kannte ich nicht. Und irgendwie...

Im Grunde meines Herzens und auch vom Kopf her, wollte ich mit diesen Idioten über die neue Sache sprechen. Immerhin war er auch damals da gewesen, als ich die Wahrheit über Gab erfahren hatte. Das hieß zumindest, das er ein wenig was wusste. Okay, ja, er wusste eine ganze Menge. Und hier in dieser Umgebung war er derjenige, der am meisten über mich wusste. Und dem ich nicht alles von vorne erklären musste.

Aber konnte ich es wagen?

Das war alles wirklich nicht so einfach. Und mein verdammtes Gehirn war mir nun auch keine sehr große Hilfe, wie ich wieder einmal feststellen musste.

Wie sollte es auch anders sein.

Ich entschied mich also dafür. Ob das sehr klug war? Nun, das würde dann wohl nur die nächste Zeit zeigen.

„Okay, du hast gewonnen. Komm mit.“ Ich nahm einfach seine Hand, ging mit ihm an der überraschten Zoey vorbei, direkt in mein Zimmer. Ich zog uns beide hinein, verschloss die Tür dann und ließ ihn los.

„Nur um das gleich klar zu stellen, ich will nicht über das zwischen uns reden, Raphael. Aber ich brauche wirklich jemand zum Reden. Jemand, der die Geschichte um meinen Bruder kennt“, eröffnete ich. Ich sah, wie es in seinem Kopf arbeitete. Er setzte zu einer Antwort an, sagte jedoch nichts. Nach ein paar Sekunden sah er mich dann erst an und nickte.

„Okay“, war alles, was ich als Antwort bekam, aber das genügte mir für den Moment. Vielleicht dachte er ja ähnlich wie ich. Das ich mit ihm und nicht mit jemand anderes reden wollte, war ein gutes Zeichen. Ein Zeichen für Vertrauen. Soweit ich solches noch erübrigen konnte. Oder wollte.

Doch wo begann ich nun eigentlich?!

 

Ich setzte mich aufs Bett, sah auf den Boden und schloss für einen kleinen Moment die Augen um mich zu sammeln.

„Als ich vorhin mit Zoey im Kino war, da...ich...wir...“

Sobald ich anfing zu stottern, spürte ich, das er sich neben mich setzte, meine Hand nahm und sanft mit dem Daumen über meinen Handrücken strich.

Vor Überraschung und Wärme zuckte ich zusammen, sah ihn an, einfach nur so ohne einen Ton zu sagen.

Verdammt! Dieser Mann hatte eine solch unglaubliche Wirkung auf mich.

„Lass dir Zeit, Sam. Ich warte.“

Diese liebe Geste trieb mir die Tränen in die Augen. Ich schniefte wenig damenhaft, einige Male, bei dem Versuch, mich unter Kontrolle zu bekommen. Doch das wollte mir beim besten Willen nicht gelingen. Raphael zeigte sich davon weder angeekelt noch sonderlich beeindruckt.

„Gabriell hat einen Zwillingsbruder! Ich hatte zwei Brüder!“, brach es dann schluchzend aus mir heraus. Ich konnte es einfach nicht von Anfang an erklären. Wie auch, wo ich den Anfang der Geschichte ja nicht einmal selbst kannte.

„Er...woher weißt du das?“

„Ich habe ihn getroffen! Gott, ich dachte, ich sehe einen Geist! Und er wusste von mir, kannte meinen Namen und alles... Er...“

Ich schlang meine Arme um ihn, drückte mein Gesicht an seine Brust und weinte einfach nur. Seine Hände strichen sanft in kreisenden Bewegungen über meinen Rücken, hielten mich umschlossen. Und ich dumme naive Kuh fühlte mich total geborgen in seiner innigen Umarmung. Es war alles zum verrückt werden mit mir. Ich lernte nie dazu. Oder konnte ich es riskieren? Nun, viel zu verlieren hatte ich doch eh nicht im Moment. Und ich musste ihm noch immer sagen, was ich Zoey vorhin erzählt hatte. Immerhin hatte er bis jetzt keine Ahnung, das ich damals schwanger von ihm war.

Und es war unser beider Schuld. Wir hätten besser aufpassen müssen. Aber geschehen war geschehen. Auch, alles, was danach geschah. Vermutlich war es Schicksal. Wenn auch kein besonders schönes. Aber man konnte es nicht mehr rückgängig machen. Und auf irgendeine verdrehte Art und Weise war es vielleicht auch ganz gut so.

„Er hat auch gesagt, das er mich gesucht hat, unsere Familie. Und das er mich jetzt nicht mehr alleine lässt...“

„Das ist doch gut. Oder nicht? Aber ich verstehe nicht, warum du nichts von ihm weißt. Also, warum deine Eltern dir nichts davon gesagt haben. Und wie es gehen konnte, das nichts auf seine Existenz hindeutete. Gab es keine Fotos? Unterlagen? Oder sonstiges?“ Ich schüttelte den Kopf. Mir fiel nichts ein, was auf Luka hingewiesen hätte. Nicht mal ansatzweise.

„Ich ja auch nicht. Aber ich werde es auf jeden Fall heraus finden. Und nein, nichts gab es wegen Luka. Nicht den geringsten Hinweis. Ich schaue gleich mal nach einen Flug zu Mom. Schreiben kann ich ihr ja dann unterwegs, das sie oder Adam mich dann abholen kommen vom Flughafen. Und dann werde ich...“

„Ich komme mit!“, unterbrach Raph mich einfach und ich starrte ihn total perplex an.

„Du willst mitkommen? Aber...wieso?! Dein Vater wird dich nicht mehr so einfach gehen lassen und du wirst vermutlich Jahre brauchen, um all die Fragen zu beantworten und Mom wird dich vielleicht einsperren in deinem alten Zimmer, bis sie der Meinung ist, das du wieder verstand besitzt. Und...“

„Und ich will an deiner Seite sein, Samantha. Ich will bei dir sein. Ich will neben dir stehen, deine Hand halten und dir, wenn es nötig ist, den Rücken stärken. Ich will, was ich schon lange hätte machen sollen. Deine zweite Hälfte sein.“ Wieder unterbrach er mich. Und wieder starrte ich ihn einen Moment an. Was ging hier vor sich? War das wirklich der echte Raphael und sprach ich mit einen Alien? Nun, zu seinem alten Spitznamen, den ich ihm damals gab, würde es nun perfekt passen.

„Warum?“

Mehr Worte brachte ich nicht raus. Ja, okay, es war nur ein Wort, aber das besagte doch schon alles was wichtig war.

Seine ernste Miene wurde zärtlich und seine Hand strich ebenso zärtlich über meine Wange.

 

„Weil ich dich liebe.“

 

Imprint

Text: Liezens obliegt einzig und alleine mir! Kopieren/verbreiten ect. stregnstens untersagt und wird streng geahndet!
Images: Model: it´s me! Ja, es ist mein Auge, damit obliegt mir auch die einzige Liezens dazu!
Editing/Proofreading: Bisher noch nicht!
Publication Date: 06-16-2013

All Rights Reserved

Dedication:
Dieses Buch widme ich allen Lesern des ersten Bandes!

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