Cover

Vorwort des Autors

 

Die Handlung des Romans ist eine Erfindung des Schriftstellers, orientiert sich jedoch an den Geschichten der Musketiere. Die im Buch vorkommenden Charaktere basieren sowohl auf jene von Alexandre Dumas, als auch auf Personen um 1627.

 

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Das Buch

 

Frankreich im Jahre 1627: Im Palast des Königs Ludwig XIII. findet ein großer Maskenball statt, zu dem zahlreiche adelige Gäste geladen sind. Unter ihnen befindet sich auch Prinzessin Arabella von Savoyen. Als bei dem Fest wertvoller Schmuck der Königin spurlos verschwindet, sollen die Musketiere Athos, Aramis, Porthos und D'Artagnan der Sache auf den Grund gehen. Dabei finden sie heraus, dass die Prinzessin etwas mit dem Diebstahl zu tun hat und in einem Komplott von Kardinal Richelieu gegen das Herzogtum Savoyen eine wichtige Rolle spielt...

Frankreich 1627

 

Das Jahrhundert der Glaubenskriege gipfelte in der Belagerung der Insel Ré sowie der Schlacht um La Rochelle. Der ewig schwelende Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten sollte nach Auffassung christlichen Ludwig XIII. endlich zugunsten der Katholiken geklärt werden. Das war Kardinal Richelieu, dem ersten Minister der französischen Krone, sehr recht, denn ihn verband eine innige Feindschaft mit den Hugenotten. Ein Brandherd, in dem die königlichen Musketiere Athos, Aramis, Porthos und D'Artagnan ein Abenteuer nach dem anderen erlebten.

Prolog

 

Frankreich, Mai 1627

 

Milady de Winter bot sich ein vertrauter Anblick im Palais du Louvre. In seiner roten Robe, behangen mit dem schweren goldenen Kreuz, stand Kardinal Richelieu aufgerichtet hinter seinem wuchtigen Schreibtisch. Die schweren Brokatvorhänge waren zur Gänze aufgezogen, sodass Sonnenlicht durch die hohen Fenster neben ihm in das Arbeitszimmer flutete. Seine Gestalt wirkte imposanter denn je und sie konnte durchaus verstehen, weshalb die einfachen Leute fast so etwas wie ein göttliches Wesen in ihm sahen.

»Schön, dass Ihr doch noch den Weg zu mir gefunden habt, Milady«, begann er mit leiser drohender Stimme. »Ihr wisst doch, ich warte nicht gern und noch weniger liebe ich es mich wiederholen zu müssen.«

»Bedauernswerterweise hat mich Euer Schreiben nicht erreicht, Eminenz. Ihr mögt mir also mein Versäumnis nachsehen«, erwiderte sie dem Kardinal kühl.

Er lachte leise und ging um den Tisch herum, bis er vor mir stand. Sein durchbohrender Blick blieb für einen Moment an ihr ruhen, gefangen von ihrer Eleganz, die sie ausstrahlte. Milady war Ende zwanzig und gewiss sehr attraktiv, dennoch ging etwas seltsam Gefährliches von dieser Frau aus, dass manche Menschen auf Distanz hielt.

Ihr volles strohblondes Haar, zu einer kunstvollen Frisur geflochten, umrahmte die feinen ernsten Gesichtszüge. Die schmalen, blauen Augen waren faszinierend anzusehen, die ein dichter Wimpernkranz umgab und Ihr wunderschönes Kostüm entsprach das einer Comtesse.

»Hatte man Euch nicht aus Paris verbannt?«

»Mag sein, doch ich tue nicht immer alles, was man mir sagt oder rät!«

»Das sieht Euch ähnlich. Lasst Euch mal anschauen. Ihr seid noch viel schöner geworden...«, säuselte Richelieu.

»Ich bin kein Anschauungsobjekt! Wenn das alles ist, werde ich jetzt wieder gehen. Ich habe noch andere Dinge zu tun!«, fauchte sie verärgert.

»Nicht so voreilig, meine Liebe. Eigentlich müsste ich Euch jetzt festnehmen lassen, doch das werde ich nicht tun. Stattdessen möchte ich Euch einen Vorschlag unterbreiten«, bemerkte der Kardinal in neutralem Tonfall, wobei seine Hand wie zufällig ihre rechte Schulter berührte, wo das Zeichen der Lillie in die Haut gebrannt war. »Ich bin ein sehr mächtiger Mann, wie Ihr wisst. Wenn Euch daran gelegen ist, diesen bedauerlichen Irrtum aus der Welt zu schaffen, so vermag ich das für Euch zu erledigen.«

»Ihr könnt...?«, entfuhr es Milady verblüfft. »Aber wie? Das Brandmal lässt sich nicht tilgen, es wird mich bis in mein Grab begleiten.«

Ein unergründliches Lächeln spielte um die Lippen des Kardinals.

»Ja, ich kann. Und ich werde Euch ein Dokument mit meinem Siegel sowie meiner Unterschrift ausstellen, welches besagt, dass Eure Verurteilung zu Unrecht geschah und als widerrufen zu betrachten ist. Dies ist für jedermann anzuerkennen und Ihr werdet wieder eine ehrbare Frau sein. Ihr seht also, ich bin bereit einen guten Preis zu zahlen.«

Vor nicht allzu langer Zeit hatte sich Milady de Winter nichts mehr gewünscht, als von ihrer Schande befreit zu sein. Aber was würde das noch ändern? Selbst wenn es ihr gelingen sollte den Comte de la Fere zu überzeugen, dass ihr Unrecht angetan wurde, so vermochte dieses Dokument die vergangenen Ereignisse nicht ungeschehen machen. Es lag jenseits seiner Möglichkeiten sie wieder, als seine Frau anzuerkennen, selbst wenn sie es ihm beweisen konnte, dass sie ihn nie belogen hatte. Doch vielleicht, wenn er die Wahrheit erfuhr, würde er anfangen zu bereuen.

»Was verlangt Ihr von mir als Gegenleistung?«, fragte Milady.

»Ihr könntet mir Euren Dienst erweisen.«

Jetzt musste sie fast lachen und gleichzeitig drehte sich ihr der Magen um. Dem Kardinal ihre Dienste erweisen? Er müsste doch eigentlich besser wissen, dass es einem Diener der christlichen Kirche strengstens untersagt war sich der Lust des Fleisches hinzugeben.

»Natürlich handelt es sich hierbei um einen Auftrag für die Krone Frankreichs, als um Eure eigentlichen Dienste. Ich möchte, dass Ihr nach Savoyen reist und den Herzog heimlich ein Gift verabreicht, das sein Leben langsam beendet.«

»Das wird nicht so einfach sein, wie Ihr Euch das vorstellt, Eminenz«, entfuhr es Milady überrascht. »Er wird sicher gut bewacht! Wie soll ich das also anstellen?«

»Gewinnt sein Vertrauen. Ich denke, das sollte Euch doch keine Schwierigkeiten bereiten, nicht wahr?«

Richelieu verlangte viel und für einen Augenblick war sie tatsächlich versucht ihm zu entsagen. Aber schließlich stimmte sie zu.

»Gewiss. Ich werde mich bemühen Eure Anordnung auszuführen, so gut mir das möglich ist«, erwiderte sie.

»Euer Wort, Milady!«

»Ich komme wieder, sobald der Auftrag erfüllt ist und werde Euer gegebenes Versprechen einfordern. Verlasst Euch darauf!«

»Gut, dann sind wir uns ja einig«, meinte Richelieu lächelnd.

Mildady de Winter knickste dagegen höflich, drehte sich der Tür zu und entfernte sich aus dem großen Saal.

Kapitel 1

 

Einen Monat später,

Frankreich, Juni 1627

 

Ein neuer Tag brach an. Es hatte endlich aufgehört zu regnen, die Wolken hatten sich verflüchtigt und die Sonne ließ ihr Licht auf sie Straßen und Dächer der Häuser von Paris glitzern.

Es war eine prächtige Stadt. Überall führten und breitere Straßen und kleine Gassen zwischen den Steinhäusern hindurch. Einige steigen etwas an, andere fielen leicht bergab. Zwischen den Häusern waren Leinen gespannt, an den die aufgehängte Wäsche trocknete. Ein paar Fenster standen weit offen, bei anderen waren die Läden noch fest geschlossen. Es gab hunderte verschiedene Geschäfte. Juweliere, Bäckereien, Schneider, Fleischerläden, Käsemacher, Badehäuser, Tavernen. Die Frauen trugen schöne mit Federhütten oder zerlumpte Kleidung. Die Männer teilweise ansehnliche Jacken und Hosen mit einem Dreispitz oder einfach nur raue Fetzen. Kinder spielten in den Straßen. Einige schmutzig, aber glücklich.

Athos, Aramis, Porthos und D’Artagnan waren zu dieser Stunde zu Monsieur de Treville, dem Hauptmann der königlichen Musketiere, unterwegs. Er hatte seine Männer zu einer Besprechung in sein Büro beordert.

»Na los, D'Artagnan! Komm schon! Treville wartet nicht ewig auf dich!«, hallte eine ungeduldige Stimme über den Kasernenhof.

»Na los, D'Artagnan! Komm schon! Monsieur de Treville wartet nicht ewig auf dich!«, hallte eine ungeduldige Stimme über den Kasernenhof.

Athos war ein großer, finsterer Mann. Er hatte dunkelbraune Haare, ebenso dunkle Augen und ein etwas rundliches, aber nicht hässliches Gesicht. Seine Nase hatte einen kleinen Knick, da sie ihm schon einmal gebrochen worden war. Er trug, wie seine Kameraden, einen Schnurrbart. Allerdings waren auch auf seinen Wangen bereits wieder einige Bartstoppeln zu sehen.

Zweifellos konnte Athos sehr einschüchternd sein, was in vielen Fällen von Vorteil war, aber eigentlich ein Mann mit einem großen Herzen. Als Musketier erfüllte er alle seine Aufgaben pflichtbewusst und hielt sich strikt an die Regeln, gegen die er nie verstieß.

Athos hatte schon einige Jahre mehr Erfahrung, was man ihm nicht nur an seinem Können, sondern auch an seiner ganzen Erscheinung ansah. Unter seinem Leinenhemd hing er eine goldene Kette mit einem Ring versteckt, das wusste jeder seiner Freunde genau. Warum er diesen trug, war ihnen bis heute ein Geheimnis. Vielleicht würden sie irgendwann einmal dahinter kommen.

An der linken Seite seiner Hose funkelte ein silberner Degen. Rechts davon steckte seine Tomblon-Muskete im Gürtel. Direkt daneben befanden sich zwei Ledertäschchen, in denen Ersatzkugeln und Schießpulver waren.

»Ich komme ja schon«, antwortete D'Artagnan, ging schneller und holt zu seinen Kumpanen auf.

Er war ein sehr junger Mann, gutaussehend, mit grauen Augen und schulterlangen braunen Haaren. Er hatte ein eher schmales Gesicht. Als einziger der Vier besaß er keinen Bart.

Vor zwei Jahren, als er von der Gascogne nach Paris ging, um ein Musketier zu werden, wurde ihm erlaubt der Garde des Königs zu dienen, aber erst vor kurzem von Ludwig XIII. zum Musketier geschlagen, nachdem er sich mehrfach im Kampf beweisen konnte.

»Beeil dich lieber, sonst wird Athos ungemütlich«, sagte Porthos und grinste.

Dieser galt unter den Freunden als ein treuer Kamerad. Trotz seiner immensen Körperkraft war Porthos meist ein sehr angenehmer Geselle. Aber er konnte auch sehr impulsiv reagieren. Vor allem dann, wenn sich einer seiner Freunde in einer gefährlichen Situation befand. Dann konnte es für den Angreifer ziemlich ungemütlich werden. Und drohen sollte man ihm in seiner Anwesenheit schon gar nicht, denn dann war man schneller tot, als man glaubte.

Porthos hatte leicht gewellte Haare. Seine Augen waren braun. Auch er war ein recht ansehnlicher Mann. Die meisten Frauen mochten ihn, vor allem wegen seiner Muskeln. Er trug ebenfalls einen Waffenrock, wie seine Kameraden. An seinem Waffengurt hing ein eleganter Degen sowie eine Muskete. Auch er besaß Taschen mit Ersatzkugeln und Schießpulver, so wie jeder andere Musketier.

Die drei traten durch das Eingangstor der Kaserne, wo jeden Tag fleißig trainiert wurde. Fechten, Ringen, Schießen, Reiten, das Reinigen der Waffen, Überleben in der Natur und vieles mehr.

Sie gingen direkten Weges zur breiten Holztreppe, die nach oben zu Treville’s Büro führte. Unten im Gebäude befanden sich die Schlafräume der Musketiere und daneben die Waffenkammer. Darin wurden außer Degen und Musketen noch andere Waffen sowie allerlei Nützliches gelagert. Nebenan lagen die Ställe, in denen die meisten Pferde prächtige Warmblutpferde waren. Schön gepflegt und gut ausgebildet standen sie in Reih und Glied in ihren Ständern geduldig da und warten darauf, dass ihre Besitzer sie herausholten. Fünf der Pferde waren alt und wurden von Kadetten geritten. Die restlichen waren allesamt je einem Musketier zugeteilt worden, welche sie ab dem ersten Tag nach der Ernennung ritten, damit es kein Gerangel um ein Pferd gab.

Zur königlichen Garde der Musketiere gehörten auch mehrere Stallburschen, ein Schmied und ein alter Mann, der sich um alles andere kümmert. Außerdem gab es einen Koch und zwei Bedienstete, von denen einer die Böden wischt, die Fenster putzte, sauber machte und der andere in der Küche aushalf.

»Wartet!«, rief Athos auf einmal.

Mitten auf der Treppe blieben die Musketiere stehen.

»Was hast du?«, fragte Porthos.

»Wo ist Aramis?«

Athos sah die anderen fragend an.

»Ich weiß nicht. Er war noch vor einer Minute neben mir«, erwiderte D'Artagnan.

»Du hast recht, er fehlt«, meinte Porthos.

»Wo mag er nur wieder sein?«, meinte Athos und begann die Treppe wieder hinauf zu gehen, während seine drei Kameraden ihm folgten.

Gerade als sie am Fuße der Treppe angekommen waren, kam ihr vermisster Kumpan um die Ecke gelaufen, mit einem überaus breiten Grinsen im Gesicht. Seine grauen Augen glitzern förmlich.

Aramis Haare waren dunkelbraun und lang. Etwas kürzer, wie die von D'Artagnan. Diese sahen etwas nass aus, als hätte er am Morgen gebadet. Er besaß ebenfalls einen Kinnbart, den er zusammen mit einem kurzen gestutzten Schnurrbart trug und hatte die Bartstoppeln abrasiert. Der Musketier trug wie die anderen Lederkleidung und Waffen. Allerdings waren seine Stulpenstiefel sauber geputzt sowie poliert, was ansonsten vielleicht einmal in einem halben Jahr der Fall war.

»Wo warst du?«, fragte Athos. »Du weißt doch, dass wir mit Treville ein wichtiges Treffen haben.«

»Ich hatte noch etwas zu tun«, erwiderte Aramis und grinste weiterhin.

Porthos schmunzelte.

»Madame de Chevreuse schien wohl eine sehr spendable Liebhaberin zu sein.«, meinte er feixend.

»Nun, beklagen kann ich mich nicht«, gluckste Aramis.

Athos und D'Artagnan grinsten vor sich hin.

»Los kommt jetzt. Wir sollten bereits bei ihm sein.«

Sie gingen die Treppe ganz nach oben, dann nach links und die vierte Tür rechts.

Athos klopfte an die Holztür.

»Ihr dürft eintreten!«, kam auch schon die Antwort von drinnen.

Er öffnete langsam und trat mit seinen Kameraden ins Büro des Hauptmannes ein. Dann postierten sie sich nebeneinander vor den kleinen Schreibtisch, hinter dem Treville gerade saß.

Der Befehlshaber der königlichen Garde musste in jungen Jahren ein sehr stattlicher Mann gewesen sein. Noch heute sah man ihm dies an. Er hatte einst wohl volles braunes Haar. Heute waren sie überwiegend grau und er hatte einige lichte Stellen. Treville trat möglichst früh in den Orden der Musketiere ein und arbeitete sich hoch bis zum Hauptmann. Er war ein sehr guter Kämpfer, egal in welchem Bereich und man konnte ohne Zweifel viel von ihm lernen. Er wurde nicht nur von den Musketieren sehr geschätzt. Auch zur Königsfamilie pflegte er gute Kontakte. Er galt überdies auch als streng, aber sehr gerecht.

»Guten Morgen, Musketiere«, sagte Monsieur de Treville freundlich. »Wie ich hörte, hattet Ihr gestern alle einen unterhaltsamen Abend.«

»Oh ja, mehr als das«, antwortete Aramis grinsend und erntete einen belustigten Blick von seinen Kameraden.

»Wie viele von der Garde des Kardinals waren es denn diesmal, mit denen Ihr gerauft habt? Fünfzig oder einhundert?«

»Nur Zwanzig«, meinte Athos mit einem leichten Grinsen in Gesicht. »Mehr waren es nicht.«

»Was auch immer der Grund war, Ihr solltet es künftig vermeiden«, knurrte Treville mit ernster Miene. »Richelieu war nicht gerade erfreut wieder eine Menge Verletzte sowie Tote beklagen zu müssen und wird Euch noch in die Bastille werfen.«

Es wurde Stille.

Nach einer kurzen Pause fuhr der Hauptmann fort: »Nun, ich habe Euch rufen lassen, weil ich einen wichtigen Auftrag für Euch habe. Morgen wird im Chateau Fontainebleau ein großer Maskenball stattfinden. Ich erwarte von Euch auf dem Fest daher äußerte Konzentration.«

Man hatte alle nennenswerten Adeligen zu dem Ball eingeladen und dies forderte nicht nur von den Vier, sondern auch von allen anderen königstreuen Musketieren vollsten Einsatz. Doch D‘Artagnan schien etwas gelangweilt. Er konnte nicht recht verstehen warum. Ihnen allen war klar, dass unter keinen Umständen etwas passieren durfte. Sie würden alle ihr Bestes geben und viel mehr konnten auch sie nicht dagegen tun.

Treville stand von seinem Stuhl auf und begann vor ihnen auf und abzulaufen. Dann blieb vor ihnen stehen und blickte sie ernst an.

»Der König wünscht, dass nicht zu viele Musketiere bei diesem Fest zu sehen sind. Die geladenen Gäste sollen auf keinen Fall das Gefühl haben, es könne etwas Schlimmes passieren. Darum wünscht er, dass einige verkleidet an den Festlichkeiten teilnehmen. Und ich habe mich für Euch vier entscheiden«

Die Männer wirkten etwas verwirrt. Doch Treville blieb bei seiner Aussage und fügte hinzu: »Ihr werdet Euch unter die Gäste mischen und für die Sicherheit sorgen. Wenn Ihr etwas Verdächtiges bemerkt, dann meldet es mir und sorgt dafür, dass keiner der Gäste davon etwas mitbekommt.«

Alle nickte.

»Gewiss. Wir werden den Wünschen des Königs nachkommen«, erwiderte Athos.
Innerlich war er sogar erfreut darüber. Er, der doch ebenfalls vom hohen Adel stammte, hätte nur zu ungern diese Feierlichkeiten verpasst, zu denen er sicherlich auch eingeladen hätte, wenn er noch der Comte de la Fere wäre.

»Ihr werdet morgen die passende Kleidung für den Abend erhalten und dann auch Eure Decknamen bekommen«, erklärte Treville zum Abschluss und entließ seine vier Musketiere.

Als sie das Büro des Hauptmannes verlassen hatten, stöhnte Porthos.

»Das wird bestimmt kein Spaß werden.«

»Ach was, wir werden uns köstlich amüsieren, du wirst sehen.«

Aramis stieß seinen Freund freundschaftlich an und D‘Artagnan schien auch nicht so angetan zu sein.

»Ich bin froh, wenn der morgige Tag vorüber ist und wir uns wieder wichtigeren Dingen widmen können.«

Porthos stimmte ihm zu. Nur Athos blieb still. Er würde jetzt nicht auch noch seine Meinung dazu abgeben. Es war unnötig und vergeudete nur seine Zeit.

Sie trennten sich und gingen ihn ihre Unterkunft. Morgen würde ein anstrengender Tag werden. Und vielleicht noch die eine oder andere Überraschung parat haben.

Kapitel 2

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei Constance Bonacieux, meldeten sich die vier Musketiere am folgenden Tag pünktlich in Adelskleidung bei Monsieur de Treville im Chateau Fontainebleau. Der Hauptmann beäugte sie streng und blieb schließlich vor D‘Artagnan stehen.

»Eure Manschettenknöpfe. Ihr habt vergessen sie zu schließen.«

Treville deutete darauf und wartet, bis dieser sie alle säuberlich geschlossen waren. Bei der Eile, die D‘Artagnan heute früh gehabt hatte, vergaß er sie völlig.

»Nun, zu Euren Namen. Athos, Ihr werdet Euch als Baron de Montpellier ausgeben. Porthos, Ihr seid der Comte de Villiers. Aramis ist Comte de la Chevalier und Ihr D‘Artagnan nennt Euch Marquis de Brasseur.«

Die Männer nickten.

»Gut, dann sorgt dafür, dass heute Abend alles vorbereitet ist. Ich zähle auf Euch«, sagte Treville noch und eilte davon.

»Diese albernen Übernamen...«

Portos faste sich frustriert an den Kopf.

»Seit wann bin ich ein Graf?«

D‘Artagnan lachte. Gespielt verbeugte er sich vor ihm und zog den Hut.

»Sehr geehrter Comte, darf ich bitten mit uns zu speisen?«

Porthos schüttelte belustigt den Kopf.

»So ein Quatsch.«

Die beiden alberten weiter. Aramis, der seinen Hut zurechtrückte und ebenfalls gehen wollte, blieb plötzlich stehen.

»Athos, was hast du? Bist du mit deinem Namen nicht zufrieden?«

Der Musketier sah auf und murrte etwas Unverständliches. Da konnte er endlich einmal wieder an einem Maskenball teilnehmen und dann musste er sich auch noch als Baron ausgeben. Was für eine Schande. Keine hübsche Dame würde sich heute Abend mit ihm abgeben. Zu unbedeutend war sein Stand.

Aramis legte seinem Freund freundschaftlich eine Hand auf die Schulter.

»Nimm es nicht so tragisch. Wir werden sowieso keine Zeit haben mit hübschen Frauen ins Gespräch zu kommen.«

Damit versuchte er ihn etwas aufzumuntern und zog ihn mit sich.

»Lass den beiden ihren Spaß daran haben. Wir beide wissen, dass es nicht der Wahrheit entspricht.«

Sie schlenderten einem der vielen Korridore entlang und Athos seufzte: »Vielleicht hast du ja recht...«

Am Abend trafen die ersten Gäste ein und wurden in den Palast hereingebeten. Immer wieder fuhren prunkvolle zweispännige Kutschen vor und ließen Adlige aussteigen, die aus ganz Frankreich waren.

Etwas außer Sichtweite beobachtete D‘Artagnan das Treiben. Er würde auch bald zu ihnen stoßen, aber vorerst wollte er den besonderen Besuch etwas auskundschaften. Auf einmal knisterte es hinter ihm und kaum hatte er seine Muskete auf den Unbekannten gerichtet, nahm dieser die Gesichtsmaske ab.

»Ganz ruhig mein Freund.«

Aramis lachte und D‘Artagnan senkte seine Hand.

»Musst du mich so erschrecken? Ich hätte dich glatt den Engeln geschickt.«

»Ich wollte doch nur deine Schnelligkeit testen«, scherzte Aramis und gesellte sich zu ihm.
Der Gascogner steckte seine Waffe wieder in den Hosengürtel und machte seinem Kameraden Platz. Gemeinsam betrachteten sie die ankommenden Gäste. Eine Frau mit einem pompösen Hut und einem kleinen dicken Mann verließen gerade die Kutsche vor dem Gebäudeeingang. Als diese wegfuhr und die Nächste vor ihnen zum Stehen kam, winkte Aramis ab.

»Da werden sowieso nur verheiratete Frauen mit ihren Ehemännern kommen.«

Doch in diesem Moment verließ eine brünette Schönheit die dunkelrote Kutsche. Sie trug ein fliederfarbiges Kleid, das mit Rüschen und Spitzen verziert war. Ihre Haare hatte sie perfekt hochgesteckt und ihr bleiches Gesicht verriet, das sie wohl nicht viel an das Tageslicht kam. An ihrer linken Hand trug sie einen kleinen Beutel. Vermutlich waren da ihre Habseligkeiten darin. Sie hielt einem königlichen Diener ihre behandschuhte Hand hin und ließ sich aus der Kutsche helfen. Dankend nickte sie ihm zu und setzte ihre Maske auf.

D‘Artagnan stieß Aramis am Arm.

»Sie ist alleine und sieht nicht verheiratet aus.«

Sein Freund antwortet nicht darauf.

»Aramis?«

Der Musketier löste sich aus der Starre.

»Entschuldige mich bitte, ich habe zu tun...«

Mit einem siegessicheren Grinsen auf dem Gesicht setzte sich Aramis seine Maske auf und huschte aus dem Versteck hervor, direkt auf die junge Schönheit zu.

D‘Artagnan schüttelte amüsiert den Kopf. Typisch Aramis. Wenn er eine hübsche Frau sah, konnte ihn nichts mehr aufhalten.

Die Frau erklomm die Stufen zum Palast und wurde von Aramis mit einer Verbeugung begrüßt.

»Bonjour, Mademoiselle. Darf ich Sie ins Innere begleiten?«

Die junge Dame sah ihn verwundert an und errötete leicht.

»Oh, wie freundlich von Ihnen.«

Nachdem Aramis ihr den Arm hingehalten hatte, den sie dankend annahm, begleitete er die Dame in das große Gebäude hinein, wo sie die riesige Eingangshalle durchquerten. Erst jetzt bemerkte er, wie viel Arbeit diese Feierlichkeit gegeben haben musste. Die Halle war hübsch dekoriert mit Blumen aller Art. Hier und da waren Girlanden aufgehängt und alle paar Meter standen elegant gekleidete Diener, die den Gästen kleine Häppchen oder Champagner reichten.

Aramis staunte nicht schlecht und führte seine Begleiterin zum großen Saal nach hinten. Es waren schon viele adelige Gäste angekommen und unterhielten sich dort angeregt. Das junge Königspaar saß am Ende des Saales auf einem erhöhten Podest in zwei mit rotem Samt bezogenen Thronsesseln. Königin Anna hielt einen Fächer in der Hand, mit dem sie sich immer wieder frische Luft zufächelte. Sie trug ein weißes Kleid, welches mit rubinroten Edelsteinen und einer mit Diamanten besetzten Brosche in Form eines Kleeblattes verziert war.

Als Aramis die Königin erblickte, konnte er kaum glauben, dass diese Frau bereits dreiundzwanzig sein sollte. Sie war bildschön, hatte ein beinahe feenhaft anmutendes Gesicht mit sanften braunen Rehaugen und rötlichem Haar. Der König sah nicht einmal unsympathisch aus, er hatte ein hübsches Gesicht mit hellbraunen Augen und seine langen schwarzen Locken sowie der Schnurrbart standen ihm echt gut. Passend zum Motto ‘Frühling‘ trug er ein grünes Gewand aus schillerndem Brokatstoff mit weiten Puffärmeln und um den Hals hing ein Anhänger mit einer silbernen Lilie.

Ein wildes Treiben herrschte. Die goldenen Kronleuchter tauchten den prachtvollen Raum mit ihrem Kerzenlicht in ein zartes gelb und es funkelte überall. Im Saal gab auch zwei große Springbrunnen aus Marmor, aus denen ununterbrochen Wein strömte, sodass jeder Gast nur sein Glas darunter halten brauchte, wenn er Lust auf Wein bekam. Außerdem war auf der rechten Seite, am Rande des Saales, für all jene, die Hunger verspürten, ein riesiges Buffet aufgebaut.

Aramis schluckte. Was für ein Prunk! Seine Begleiterin schien sich davon jedoch nicht überwältigen zu lassen. Sie machte einen relativ gefassten Eindruck.

»Würdet Ihr erlauben mit Euch zu tanzen, Mademoiselle.«

Aramis führte sie in die Mitte des Saales und verbeugte sich vor ihr. Sie nickte ihm zustimmend zu und nahm

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: Oliver M. Pabst
Images: Oliver M. Pabst
Cover: Oliver M. Pabst
Editing/Proofreading: Korrekturen.de Julian von Heyl
Publication Date: 11-06-2018
ISBN: 978-3-7438-8562-2

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